Vernunft. 597
den Wahrheiten der Offenbarung , welche geschehene Wahr,Heiken sind, entgegensetzen, und verlangen, daß man ihnendiese verschiedenen Gattungen Wahrheiten auf eine und die-selbe Arc beweise; gehen sie wohl in diesem Stücke demWege der richtigen Vernunft nach ? ,
Zweyter Schluß.
Es wäre gleich unvernünftig, für Wahrheiten aus derGeschichte metaphysische Beweise zu begehren, als es unver-nünftig wäre, zu verlangen, daß die Augen vom Klange,oder die Ohren von den Farben urtheilen sollten. Auf glei,che Weise wäre es unvernünftig, wenn man die Gewißheitgeschehener Dinge nicht annehmen wollte, weil sie nicht me-taphysisch bewiesen sind.
Dritter Schluß.
Was immer für kahle Ausflüchten der Eigensinn unddie Leidenfchaft vorwenden mögen, so wird doch eine richtigeVernunft den geschehenen Wahrheiten, die so bewiesen sind,wie wir es fodern, eben so stark beypflichren, als den Wahr,Heiken, die metaphysisch bewiesen werden. Hat es einenZesuin Christum, den Urheber und Stifter der christlichenReligion, gegeben, der durch seine Tugenden, seine Lehre,und seine Werke wunderwürdig war? Dreß ist eine gesche-hene Sache, woran man eben so wenig zweifeln darf, alsman zweifeln dürfte, daß zwey und zwcy vier ausmachen.Fürwahr, was von tausend und tausend Zeugen, vonFceunden und F inden, von parkeylichen und unparteylichen Per-sonen erkannt und bestätiget; was durch die »«verwerflichsten,ältesten, öffentlichen Denkmäler, die noch vorhanden sind,bezeuget wird; was nvthwendig mit allem, so den Grund
P p z der