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Vernunft. 595
sie wirklich da gewesen sey. Diese Gattung von Wahrheit istim bürgerlichen Lehen und in der Religion nicht weniger wich-tig, als die Wahrheiten aus dem Verstände. Har der Kö,„ig so ein Gesetz gemacht? hat Gott so ein Geheimniß ge-offenbaret ? ist dieser oder jener Mensch der Besitzer von die-ser oder jener Herrschaft ? Dicß sind Wahrheiten, die manaus Vcrnunstschlüssen, und aus der Zergliederung der Begriffenicht erkennt, sondern aus dein Ansehen der Zeugen, der glaub,würdigen Urkunden, der öffentlichen Denkmäler, und allesdessen, was die Gewißheit von einer Sache versichern kann.
Gleichwie es Höchst unvernünftig wäre, den Beweis einermetaphysischen Wahrheit aus dem Ansehen der Urkunden undZeugen anzugreisen; also wäre es eben so ungeschickt, wennman die Wahrheiten, die geschehen sind, aus Vernunftschlüs,sen und ans der Grunderklarnng beweisen wollte. Dis Be-schaffenheit dieser verschiedenen Gattungen von Wahrheitenrrfodert nothwendig ganz verschiedene Arten von Beweisen.Der Beyfall der Vernunft zu Len Wahrheiten von der erstenGattung heißt: Wissenschaft; und der Beyfall der Vernunftzu den Wahrheiten von der zweyten Gattung heißt: Glau,den. Nun, der Glauben ist im bürgerlichen, im Sittli,chen, und in der Religion eben so wesentlich, und machet«inen eben so unumstößlichen Grundsatz aus, als die Wissen,schast: und man müßte Leute, die keine Wahrheiten zulassenwollten, welche nicht aus der Erklärung und den Vernunft,Müssen bewiesen wären, für die gefährlichsten aus allenMenschen halten.
Dis Wahrheiten aus der Erfahrung sind jene, die wiraus der Erfahrung und dem inner» Gefühle erkennen. Ichlebe; ich fühle; ich bin frey: Ließ sind Wahrheiten, die inan
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