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Vernunft. 591
Der dritte Saß wird seyn, daß man in der Erforschung undUntersuchung der Wahrheit die Vernunft vom Vernnnft-schluffe wohl unterscheiden müsse. Endlich werden wir be-weisen, daß nichts der Vernunft gleichförmiger sey, als dieWesse, womit man die Wahrheiten der Religion ausleget,vorträgt, und beweist. Nachdem alle diese verschiedenenPunkte werden kräftig bestätiget seyn, wollen wir auf dieSchwierigkeiten antworten, welche uns jene aufwerfen, diewider die Religion streiten.
Erster Artikel.
Was ist die Vernunft?
HsNir wollen hier die prächtigen Ausdrücke jener Schrift«steller nicht brauchen, welche die Vernunft, wenn sievon ihr reden, ein Geschenk der Götter, ein himmlisches Licht,einen Ausguß, einen Theil, einen Stral der Gottheit nen,nen. All dieses ist tauglicher, die Einbildung zu rühren,als deutliche Begriffe im Verstände zu erzeugen. Sondernwir wollen uns an die philosophische Gmauheit bestens ein,schränken, und sagen: Die Vernunft ist das Licht, wel,ches Gott in die Seele gießt, um sie von ihren Pflichten zubeleuchten, und zu der Erkennlniß der Wahrheit zu bringen.Diese sind fürwahr die zwo einzigen Absichten, wegen welcherGort dem Menschen die Vernunft gegeben hat.
Man muß erstlich bemerken, daß die Vernunft, in Ab«sicht auf die ersten, ans die nothwendigsten Wahrheiten,die gleichsam natürlich sind, in allen Menschen gleich ist.Wahrheiten von dieser Art sind jene von dem Dascyn Gottes,von der Pflicht, ihm Dienste zu leisten, von der Gerechtig-keit , die einem jeden geben heißt, was ihm gebühret, vos
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