57« Tugend.
4. Wir reden hier von den christlichen Tugenden nicht:denn, da die Liebe Gottes der Ursprung, Jesus Christus dasUrbild, und der Himmel die Belohnung davon ist, so würdensich die Philosophen nicht viel darum bekümmern.
Vor kurzer Zeit hat ein vornehmer Herr eine sehr anzüg-liche Bemerkung über die philosophische Wohlthätigkeit ge-macht. Niemand, sagte er in einer zahlreichen Gesellschaft,hat die Wohlthätigkeit mehr gepriesen, als der Verfasser desphilosophischen Handlexikons, und Niemand hat sich schickli-cher in diesem Stücke selbst das größeste Lob beygemessen.Jedermann weiß es wohl, daß er von sich selbst spreche»will, wo er in seinem Artikel: Verfolgung, einen Mannaufführet, der die Tugend prediget, und aueübet; der dieWeysen versorget, den Dürftigen geholfen hat; der die wüstenOerrer, wo etliche Sklaven mühselige Tage verlebten, infruchtbare Felder umgestaltet hat, wo nun glückselige Fami-lien wohnen: und gleichwohl hat man niemals einen so jü-dischen Wucherer gesehen, als dieser so wohlthätige Manneiner ist.
Er rühmet sich, daß er die Tugend prediget Und auöübet;und damit er ein sonderbares Beyspiel der Wohlthätigkeitgebe, leiht er den Landleuten, die bey ihm Hülfe suchen,Geld zu fünf vom Hunderte aus. Aber er läßt sich nurmit Feldfrüchten bezahlen; und die Feldfrüchte nimmt er nurfür die Hälfte ihres Werrhes an: folglich läßt er sich mehrals Hundert vom Hunderte für Zinse geben.
Er hat die Weysen versorget. Wahr ists: er Hat dasPublikum beschäßer, als er die Versorgung einer verwsysten
Jungfer
einer verweysten Jungfer) Die Base des CorneMe. Man sehe de-Voltaire-- in meine» historischen Nachrichten.