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2 (1777) M - Z
Entstehung
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569
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Tugend. 569

der sie erzeuget, oder durch den Endzweck, den man sichversehet, da man sie ausübet, lasterhaft werden. WennesTugenden giebt, welche wahrhaft, rein, grvßmürhig,erhaben,und aller Hochschähung und alles Lobes würdig sind; so giebtes auch falsche, häuchlerische, gefährliche, verführerische Tu-genden , welche nichts anders als vermummte Laster sind.

z. Die Wohlthätigkeit ist eine Tugend, wann die Ehr,lichkeit, die Menschlichkeit, die Liebe seines Gleichen derGrund davon sind. Außerdem könnte sie wohl nichts amderö, als eine hochmüthige Pralerey, oder eine gefährlicheVerführung seyn: und dieses trägt sich nur allzu oft zu.Doch wir wollen diese fehlerhaften Beweggründe nicht be-trachten, und nicht vermuthen. Die Wohlthätigkeit ist eineTugend; das gestehen wir: aber sie ist nicht die einzige,wie es der Verfasser der Abhandlung zu verstehen gebenwill. Denn die Geduld in großen Nebeln; die Standhafttigkeit der Seele in den betrübtesten Nnglücksfällen; dieStarkmuch den Zorn einzuhalken, sich über die lebhaftestenund empfindlichsten Regungen zu erheben; der Edelmuth,einem grimmigen Feinde zu verzeihen, wenn man die Mittel,die Gelegenheit, die scheinbarsten Gründe zur Rache hat:dieß haben allezeit alle Menschen für die schönsten Tugendenangesehen, welche ihre Verwunderung und ihre Ehrfurchtzum Besten verdienten. Die Keuschheit des Gcipio zuRarthagenen, die Uneigennüßlichkeit des Fabricius, wel,cher das Gold ausschlug, das man ihm anboth, die Mäßi-gung Läsars, welcher das Kästchen vom Pompejus insFeuer werfen ließ, die Geduld des Sokrates, Anaxarchs,Lykurgus, wären in den Augen des Verfassers des Hand-lexikons keine Tugenden: znm wenigsten wärm diese Tugen-den nicht nach seinem Geschmacks.

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