Taufe. 54i
Niemals haben die Menschen jene abgeschmackte undebenttmliche Meyrmng angenomnren, oder geglaubet, daßetwas, wodurch der Leib gereiniget wird, auch die Seelereinigen sollte. Wenn es etliche dumme Leute sich ein,gebildet haben, so sind diese dummen Leute verachtet, undverschmähet -worden : kluge und beleuchtete Männer ha,ben weit anders gedacht. Cicero, wo er das erste Ge,seß des Gottesdienfts erkläret, welches darinnen besteht,daß man sich den Göttern mit einem reinen Herzen undeiner andachtvollen Seele darstcllcn solle: * H.cl I)ec>8säermto Laste, pietstem aöstikento, giebt in diesemStücke sehr kostbare Lehren, weicher sich Christen nichtschämen börsten.
Das Gesetz will, saget er, daß wir uns den Göt,tern mit einem reinen Herzen darstellen sollen; und indieser Reinigkcit des Herzens besteht alle Heiligkeit desGottesdienfts. Dreß soll nicht verhindern, auch dieReinigkcit des Leibes damit zu vereinigen. Aber manmuß beobachten, weil man jederzeit die Reimgkert desLeibes fodert, daß man noch weit mehr Sorge tragenmüsse, die Reinigkcit der Seele dabey zu haben, wel-che von einer weit vortrefflicher» und vollkommnernNatur ist. Er setzet alsogleich jene so merkwürdigenWorte bey, die so tauglich sind, unfern ausschweifendenPhilosophen zu Schanden zu machen: Der Leib kanndurch eine Begießung mit Wasser, und durch Lcremo,nien von etlichen Lagen gereiniget werden. Die Wa-ckeln der Seele können, weder durch die Länge der
Zeit,