Seele. 4sy
„ die Bewegung in den Thieren ? Gott. Was machet den„ Gedanken im Menschen? Gott,,.
Der weise.
Wenn Gott die Seele des Menschen ist, so muß man ge,stehen, daß Gott recht verwunderliche Rollen spielet: dennauf diese Weise wird Gott in Tiberen unzüchtig, im Neroein Muttermörder, im Piagoras ein Atheist, in Adriane»ein Naturschänder, im Galba ein Trunkenbold, imThersi,tes ein Unsinniger, im Laligula das ausschweifendste ausallen Wesen seyn. Ey! die schönen Rollen für die Gottheit!
Sie sagen, die Vernunft, das Gedächmiß, die Leiden,schäften seyn keine sonderbaren Dinge, sondern Worte, dieman erfunden hat, um unsre Begriffe zu bestimmen. Wasist aber die Vernunft anders, als die Beleuchtungen derSeele ? was sind die Leidenschaften, als die ungestümen Be,gierden der Seele? was ist das Gedächmiß, als die Vorstel-lung , welche sich die Seele von vergangenen Dingen machet?Die Vernunft, die Leidenschaften, das Gedächmiß sind alsonichts anders, als die Seele , welche erkennet, welche ihrenBegierden nachstrebet, welche sich des Vergangnen erinnert.Sie sind nicht drey Wesen, die in uns bestehen: sie sindeine einzige und nämliche Seele, die drey verschied me Kräf-te hat. Sagen, daß die Seele nichts anders sey , als einWort, welches man ersonnen hat, um unsre Begriffe zubestimmen, ist die größeste Ausschweifung, die man sich im,mer einbilden kann.
Der neue Philosoph.
„ Wenn aber die Seele des Menschen eine kleine Person„ wäre, die in unfern Leibern eingeschlossen ist, und wel,-, che die Bewegungen und Begriffe in uns leiten soll,
„ würde