Seele. 445
wie kann man sich einen Begriff von einer Substanzmachen, die keine Ausdehnung hat, und gleichwohl aufmaterialische Hülfsglieder wirket? Wir genügen uns,mit den vernünftigen Leuten zu antworten : Erfahrung istmehr als Wissenschaft. Die Erfahrung belehret uns, daßwir die Zunge, den Faß, die Hand bewegen, weil wir eswollen. Wahr ists: wir begreifen nicht, wie dieses ge»schehe; aber wir wollen die Richtigkeit einer Sache nichtläugnen, wovon wir die beständige Erfahrung haben, undwir werden deßhalben nicht sagen, daß unser Willen eineausgedehnte Substanz sey.
wie kann eine Substanz, die keine Theile hat, aufverschiedene Theile des Raumes nach einander sich aus»breiten? Dieß ist der gröbste Trugschluß, den man vor»tragen könnte. Eine Substanz, die aus Theilen besteht,breitet sich auf den Raum durch ihre Theile aus. Eineeinfache Substanz breitet sich darauf nur durch ihre Hand,lung aus, und dadurch läßt sie sich im Raume merken.Wenn man die Handlung dieser einfachen Substanz nichtdeutlich begreift, so hat man darum nicht Ursache, ihr Darseyn zu verneinen. Dieser Mann sehet allezeit voraus,was er beweisen soll, und was er niemals beweist, näm»lich, daß es keine Substanz ohne Theile gebe.
II.
* Die Seele ist nichts anders, als der Leib sechsten,in Absicht auf etliche Verrichtungen oder Rräfts betrach,tet, wozu ihn seine Natur und sein besonderer Glieder,bau fähig machet. Sie muß die gleichen Verändrungenauestehen, wie der Leib. Sie wird mit ihm gebohren.