Seele. 4Z9
„ von aller verweslichen Vermischung vollkommen frey ist;,, und wir können uns von der Seele des Menschen auch,, keinen andern Begriff machen „.
Also haben diese großen Männer von der Natur derSeele gedacht: und da sic sich also ausdrückten, wie wireben itzt gesehen haben, sagten sie uns nichts anders, alswas die Vernunft ihnen selbsten einsprach; was sie einemjeden Menschen, der zu denken und zu überlegen fähig ist,ringesprochen hat, und allezeit einsprechen wird. Dieß istgewiß weit zulänglicher, und gewiß weit vernünftiger, alsjene Stäubchen oder Aromen des Demokrit, welche nach/mals Epikur wieder zur Hand genommen, und endlich derDichter Lukrez in schöne Verse gereihet hat. O die schö,nen Seelen, die da aus Staube gemacht sind !
Man führe, so lang man will, etliche Philosophen an,die behauptet haben, daß die Seele materialisch sey. Nichtskann dadurch bewiesen werden, als die Schwachheit, die Fehl,tritte, die Jrrchümer des menschlichen Verstandes, und 5e,sonders die Ausschweifungen des Herzens, und das Feuer derLeidenschaften. Ihr Ansehen kann nicht von großer Wich»tigkeit ftyn. Denn außerdem, daß sie dem Geiste nach mitden großen Männern, die wir nun eben angezogen Haben,nicht vergleichbar sind, so sind sie auch in sehr geringer An,zahl.
Man hätte auch sehr Unrecht, wenn man unter die Ver,theidigcr der Materialität der Seele gewisse Schriftstellerzählen wollte, welche sich keine Mühe gaben, eine genaueBestimmung von ihr anzugeben, sondern sich nur beflissen,'eitel metaphorische Beschreibungen davon vorzustellen, dieaber sehr tauglich sind, uns zu bedeuten, was für einenhohen Begriff sie von der Seele hatten. Also haben man,
' Ee 4 che,