Religion. 275
Sie sagen, daß diese Religion den Menschen zwey Va-terland? gebe. Ader darinnen kömmt sie mit allen ander« ,Religionen Übereins. Das zwcyte Vaterland der Christenist der Himmel, den sie verdienen können, und welchen siehoffen: es ist das selige Leben, welches den Tugenden zurBelohnung zugesichert ist. Nun, alle übrige Religionen,die jüdische, die mahometanifchs, sogar die heydnische ha,den auf gleiche Weise den rugendsamen Menschen jenes seligeLeben verheißen: die natürliche Religion verspricht es eben sowohl: Sie lassen es Ihren Emil hoffen: und eben in diesemKapitel ^ sehen Sie unter die Lehrsätze Ihrer bürgerlichenReligion, das zukünftige Leben, die Glückseligkeit derGerechten, die Strafen der Gottlosen. Warum verdam,men Sie im Christenthume, was Sie doch selber gelten las,sen müssen?
Diese Religion giebt den Menschen zwey Oberhäupter.Aber sie giebt nicht der Gesellschaft zwey Oberhäupter. ImGegensätze schreibt sie die Ehrerbiethung, die Unterrhänig.keit, und den vollkommensten Gehorsam gegen alle Oberhäup,ler der verschiedenen Gesellschaften vor. Sie hat ein beson,dcres Oberhaupt in geistlrchenDingen, in Gewiffenssachen,in allem, was den Gottesdienst und die Glaubenslehre be-triff. Dieses ist sehr weise; aber es thur der bürgerlichenOrdnung keinen Abtrag, welche das Oberhaupt der Gesell-schaft einzuführen für rathsam achtet.
Diese Religion giebt den Menschen zweyerley Geseye.Es ist wahr: wir erkennen zweyerley Gesetze; die bürgerli-chen und die geistlichen. Sie haben beyde ihren Grund,
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