Religion. Z45
„ und wegen des Schimmers der Gewalt und Herrlichkeit,
„ der ihre Augen verblendet.
„ Die Gottheit hat uns ihren Willen zu erkennen gege»„ ben; die Vernunft unterrichtet uns von unfern Pflichten.„ Diese beyden vornehmsten Gesetzgeber sollen wir in Reli,„ gionssachen erkennen. Wir sollen uns alle ihnen unter»
„ werfen, und uns sogar diese Unterwerfung zur Ehre rech,„ nen Allso redete der Weift; und der Freydenker wuß»re ihm nichts darauf zu antworten.
Noch ein Wort! Der Philosoph, den wir bestreiten,leget hier seine abscheulichen Gedanken nur allzu viel an denTag. Er will keine Religion und keine Sittenlehre, alsfl weit sie mit dem bürgerlichen Leben ein Verhälmiß ha»ben; keine Verbindung mit der Gottheit; keine Tugendenaußer jenen, die sich im äußerlichen auf die Gesellschaft be,ziehen. Er hat keine Grundsätze der Ehre und der Pflich-ten , weil er alles dem bürgerlichen Zwange und der Furchtüberläßt; keine Richtschnur in den Sitten, weil er keineandere, als den Willen des Landsherrn erkennt; keine Re-ligion, weil er keine andere Verbindlichkeit, als den gegenwär-tigen Vortheil, zugesteht. Er ist ein Atheist im Herzen,weil er es aus Ueberzeugung nicht seyn kann. Da er dieseentsetzlichen Dinge in die Welt streuet, fühlst er ihren Gräuel;er erkennet ihn; er machet sogar Las Gestandniß davon, durchdie Furcht und die Scheue, welche ihn abhalten, sich zuentdecken und sich zu nennen. Gleichwohl hat er diesen Gräueldurch sein System der Namr noch vergrößert.
Einwürfe der Philosophen Wider die Ungenüglichteitder natürlichen Religion.
Keine Religion erkennen, öffentlich zum Unglauben sichbekennen, ist eine Sache, die Jedermann für etwas Unna-
P; tätliches