Druckschrift 
2 (1777) M - Z
Entstehung
Seite
332
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ZZ2 Religion.

Er spricht in seinem Vorkrage nur von Religion; undin seinen Beweisen, und seinem sogenannten überzeugendenGrunde, redet er nur vom Heile. Nun aber, Heil und Reli-gion sind zwo verschiedene Sachen. Die Religion ist gleich,sam das Buch der Gesetze und Pflichten, die man gegen dieGottheit beobachten muß; es mögen diese Gesetze und Pflich-ten uns von der Vernunft allein vorgeschrieben, oder durchDie Offenbarung aufgetragen seyn : und das Heil ist der Zu-stand des Menschen in jener Welt zur Belohnung der Treue,womit er die Pflichten und Gesetze der Religion beobachtetHak. Die Religion betrifft den Zustand des Menschen, solang er in dieser Welt in Gesellschaft lebet: und das Heil istder Zustand des Menschen in jener Welt, wann er von derGesellschaft getrennet ist. Die Religion und das Heil sindalso zwey ganz verschiedene Dinge, die unser Gegner immer,aus Dummheit oder aus Bosheit, vermenget.

Nachmals saget er: Das Heilogeschäffr ist zum Ge<meinbesten lediglich gleichgültig ; folglich sollen der Fürstund die Oberkeil sich nicht darein mengen.

Aber erstlich kann man ihm sagen: Mein Herr! Sie sa-gen weiß, wo Sie schwarz, und schwarz, wo Sie weißsagen sollen. Es ist in dem Satze, Len Sie zu beweisenhaben, nicht vom Heile die Rede: nein; nur von der Reli-gion. Und in Ihren Beweisen sagen Sie kein Wort vonder Religion; Sie reden nur vom Heile.

Zweykens: Es ist zwar augenscheinlich, daß es zum Ge-meinbesten gleichgültig ist, ob ein Mensch nach seinem Todeselig oder verdammet werde. Aber ist es eben so augenschein»lich, daß es einem jeden frey stehe, die Religion, welche inder Gesellschaft in Ehren gehalten wird, zu verachten, zuverschreyen, zu beschimpfen? Ist es eben so augenscheinlich,