Messias. 79
der Gottheit unendlich rührendere, erhabnere, entzückendereBegriffe an, als alle jene, die man vor ihm gehabt hatte.Er stifte! eine Reinigten der Sitten, die man noch nichtgekannt hatte; er vertilget schmäuchelhafte, aber abscheulicheAberglauben; er bringt die alten Gottesdienste, wodurchdie Gottheit beschimpfet, nicht geehret wurde, in die Ver,achtung; er richtet den reinesten Gottesdienst auf, der fürGott zum wichtigsten ist; er bringt seine Lehre in einem gro,ßrn Theile der Welt, und bey allen in Aufnahme, dieMurhs genug haben, die Tugend den Leidenschaften vorzu,ziehen; er giebc unfehlbare Mittel an die Hand, damit seineLehre fortgepflavzr werde; und er pflanzet sie wirklich fort,ungeachtet der Hindernisse und des Widerstands der Gottlo,sen. Also handelt der Weift. Iht wollen wir sehen, wasder H?ls machet.
Der Held zieht Menschen bey Tausenden an sich, da»mit er andere zu Grunde richte, oder Sklaven aus ihnenmache. Ec verwüstet die Länder: er stürzet Städte nieder:er vergießt Ströme von Blute: er bereichert sich durch Rau»be, Gewaltübungen, Ungerechtigkeiten: damit Einer glück-lich werde, müssen Tausende unglücklich ftyn; damit er sicheinen Thron «uftichre, muß ec das Blut von tausend Umschuldigen verspritzen. Die Vorzüge, die man an ihm erkenrnet, mögen immer so glänzend ftyn ; so ist es dennoch wahr,daß sein Ruhm nur in glücklichen Lastern besteht, und daßalle seine Macht nur bezeuget, wie viel er Nebels in der Weltgestiftet habe.
Ein Mensch, den die Vernunft beleuchtet, ordnet, undleitet, urcheile nun von dem Weisen und dem Helden. Wel,cher aus bcybcn scheint ihm würdiger, die Liebe und Be,wunderung der Welt zu erhalten ? Welcher aus beyden wird
auf