Druckschrift 
Untersuchungen über König Rother
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

4035—4058 ist nicht alles in Ordnung. In den ersten 8 Versenist die Construction sehr verwirrt, ferner steht da wieder 'die wärenmit handen sine man’, dem wir eben in einer Interpolation begegneten,während es sonst im ganzen Gedichte nicht vorkommt, obgleich dochmehrmals Gelegenheit dazu wäre (so 765. 1489 u. öfter). Endlich 4039hat Arnold 700 Mann, 4074 aber fühlt er 1200 'zö dem schalle’, nach-her 4076 werden es 5000. — Da die Stelle inVers und Reim sehr glattist, ist sie vielleicht ganz interpoliert. Sie ist aus früheren und späterenAngaben zusammengestellt und kann recht wohl entbehrt werden. Esist möglich, daß sie eingeschoben ward, um die zunächst ohne Nennungdes Redenden folgenden (4039) Worte Arnolds: c nünär, göten knechte’erläuternd einzuleiten. Oder es sind nur einzelne Verse zu streichen,etwa 4037—4040 und 4049—4058, und es ist dann 4041 zu lesen 'eingrave, der hiez Arnolt.’ (vgl. 1387). Zu bemerken ist hier das sonstdem Gedichte fremde 'verwinden = verschmerzen (mhd. Wb. III 681)und die Wendung 'die römische diet’ (s. unten). — Konnte man hierzweifelhaft sein, so ist dagegen der Interpolation sehr verdächtig 4135bis 4146, denn erstens 4138 'die kefsin man over bant’ wiederholt wasschon 4090 gesagt ist: 'eine kefsin her an daz sper bant’; überhauptaber ist kein Fortschritt der Handlung in diesen Versen. Zweitensfindet sich hier das sonst nicht vorkommende 'harm’ in der ebenfallsfremdartigen Wendung: mit sö getanem härme, | daz in vor dem arme |niht enmohte bestän,|izen moste allez undirgän , wo auch das eigen-thümliche 'undirgän = unserem 'untergehen’ zu beachten ist. — Nichtunerwähnt lassen will ich aber, daß die vorhergehende Partie 4107bis 4134 in M fehlt. Es ist nicht unmöglich, daß M hier die ältere Ge-stalt hat und in diesem Falle müsste freilich die Stelle 4135—4146trotz allem Angeführten echt sein. So lange wir aber von M nichtmehr haben und so lange sich nicht nachweisen lässt, daß M im Ganzeneine ältere Gestalt des Gedichtes gibt, kann man, meine ich, alleinauf dieß Fehlen in M wenig bauen.

Die Tendenz höfischer Dichter, lange Schilderungen von Äußer-lichkeiten, von Gegenden und namentlich von Kleidungen zu geben,ist wie allen volksthümlichen Epen, so auch unserem ursprünglich fremd.Nie findet sich etwa eine Schilderung vom ‘Pöderämushof’ oder des-gleichen, die sich ein höfischer Dichter schwerlich hätte entgehen lassen.Über des greisen Berhter Persönlichkeit erfahren wir nur gelegentlichetwas aus kurz hingeworfenen Andeutungen (3369. 3501. 3999. 4889 f.