Das Gedicht vom König Rother, welches nicht nur älter ist,sondern auch an poetischem Werthe weit höher steht als die meistenanderen Spielmanns-Epen, hat lange Zeit nicht eine so gründliche Be-handlung erfahren, wie sie ihm gebührt. Neuerdings aber hat bekannt-lich H. Rückert im ersten Bande der deutschen Dichtungen des Mittel-alters das Gedicht herausgegeben und in einer längeren Einleitungdie verschiedenen dabei aufzuwerfenden Fragen eingehend erörtert.
In mehreren Punkten freilich kann ich den Ansichten Rückertsnicht beistimmen, anderes ist noch genauer zu untersuchen, und auchsonst hat Rückert noch manches zu thun übrig gelassen. Dieß ist derGrund, deßwegen ich mit den folgenden Untersuchungen hervortrete.
Um die Arbeit nicht über Gebühr anschwellen zu lassen, be-schränke ich mich auf die Beantwortung der Fragen nach dem ‘Wann?’,dem'Wo?’ und dem'Wie’ der Abfassung, während ich die Entwicklungs-geschichte des Sagenstoffes und das Verhältniss zu der entsprechendenPartie der fidrekssaga sowie zum Wolfdietrich und zum Morolt fürdießmal ausschließe.
Auch über das Verhältniss der Fragmente zur vollständigen Hs.H fasse ich mich kurz. Gegenüber den hannoverischen Frag-menten, die ich zum Unterschiede von H mit A bezeichne (nachihrem Auffinder Freiherrn von Arnswalde), hat H einen relativ ursprüng-lichen Test.
Wenn z. B. steht in
H A
5143 f. Daz ist war, koninc edele, Daz ist war, koninc here,
Ich ne räde dir niht ovele. Ich rate dir dm ere.
5169 f. Wir suln der armen sele Wir soln der armen sele plegen,loegen,
Diz ist ein unstäde leven. Iz ist uns anders ungewegen.
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