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Campe gelang es kraft des ihm verliehenen pädagogischen Geistesnnd infolge seines Fleißes, sowie seiner Liebe zur Kinderwelt undzur Menschheit im allgemeinen sich unter den Philanthropinisten denersten Platz zn erringen, abgesehen davon, daß er der Schule alsderen Schriftsteller zu Ansehen und Ehren verhaft; er war groß-herziger und reiner, als Basedow, vielseitiger, als Wolke, taktvoller,als Bahrdt, weitersehend und tiefer angelegt, als Salzmann, dabeiruhiger und überlegender, als Trapp. Eigentlich steht er einzigzwischen all' diesen Männern da. Ich sage das mit dem vollenBewußtsein eines parteilosen Standpunktes; denn ich bin keineswegsgesonnen, Campe eine einseitige Lobrede zu halten, seine Schwächenund Fehler aber, die er wie jedermann hatte, zu verschweigen.
Am besten werden wir in den ganzen reichen Schatz seiner pä-dagogischen Ansichten nnd Theorie?» eindringen, wenn wir am Fadenseiner Entwicklung nach dem Leben fortschreiten und stetsnachznforschcn suchen, wie eins aus dem andern entstanden ist.
Der Philanthropinismus hat bei all seinen Jrrtümern doch auchsein Gutes gehabt, von dem die pädagogische Nachwelt teilweise nochheute zehrt. Er hat die Erziehung den rein menschlichen Verhält-nissen ohne Rücksicht auf den äußern Zwang des Herkommens undder Mode angepaßt und durch freiere wissenschaftliche Erhebung desGeistes belebt, hat der körperlichen Ausbildung neben der geistigenzu ihrem Rechte verhaften, den Wort- und Gedächtniskram der Schuledurch die lebendige Anschauung ersetzt, die Zöglinge durch die Naturzu Gott zu führen verstanden, die finster-despotische Zucht der Zeitaus den Schulen entfernt und durch liebreiche Behandlung der Zöglingeersetzt, wie auch durch Betonung der Realien den Schulzwecken einweiteres Arbeitsfeld angewiesen, dazu sich aber auch das unsterblicheVerdienst erworben, der Kinderwelt mit glücklichem Griff Selbst-belehrnng durch Herausgabe der ersten Kinderschriften zn-znfiihren. Mag der witzreiche Kästner gleich glossieren:
„Dem. Kinde bot die Hand zu einer Zeit der Mann,
Da streckte sich das Kind und wuchs zu ihm heran,
Jetzt kauern sich zum lieben KindeleinDie pädagogischen Männelein!" —
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