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Geschichte der Stadt Bielefeld und der Graffschaft Ravensberg
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wurde beinahe das ganze Lager aller Bleichen zu Bielefeld undMilse ein Raub des feindlichen Freicorps. Ein in manchem Be-tracht unschätzbarer Verlust, der auch nie zu einer genauen Be-stimmung gebracht worden ist. Vielleicht haben wenige Städtein dem siebenjährigen Kriege einen so harten Stoß erlitten,als Bielefeld durch den Greuel der Plünderung, wodurch seinHandel bis auf das innerste Mark erschüttert wurde. Nicht nurder sehr empfindliche unmittelbare Verlust des Eigentums, son-dern auch die Entbehrung der Waren zum Debit und eine bei-nahe totale Lähmung des Handels in diesem Jahre schienenden Untergang zu drohen. Wenn nun hierbei außerdem nochbeherzigt wird, das; die Stadt Bielefeld fast unerzwinglicheContributionen und Kriegslasten aufbringen und die Last desKrieges vorzüglich empfinden mußte, so ist es fast unbegreiflich,daß Fabrik und Handel sich noch immer unter allen diesenStürmen in einem ausdauernden Bestand erhalten konnte; nochmehr aber ist es zu bewundern, daß solche in einem kurzenZeitraum damals zu einer ungleich Hähern Größe und weiternAusbreitung sich wieder empor gearbeitet haben.

Die Kaufmannschaft bewies aber nach dem erlittenen Un-glück Mut und Standhaftigkeit und ob sie gleich blos ihrenVorrat voll grauer Leinwand gesichert und einen geringen Teilder gebleichten Leinwand teils über die Seite geschafft, teilsdurch Ankauf vom Feinde noch aus dem Schiffbruch gleichsamgerettet hatte, so bot sie doch alle ihre Kräfte auf, um die Fa-brikation nicht sinken zu lassen, setzte noch in diesem Jahre denEinkauf der Fabrikate unter allen kriegerischen Veränderungenbei der Anwesenheit feindlicher Truppen fort und erhielt imGanzen alles ansrecht. Dazu kam besondersj daß die Fabrikationin sich selbst und auf ihren eigentümlichen Wert zu fest gegründetund mit der ganzen Oekonomie des Landes so innig verbundenwar, daß sie nicht anders als mit dieser zugleich zerstört werdenkonnte.

Die Bemühungen des Kaufmanns und Fabrikanten wur-den durch den günstigeil Erfolg des auswärtigen Handels undanderer während des Krieges eingegangenen kaufmännischen Un-ternehmungen belohnt und am Ende desselben im Jahre 1763befand sich alles wieder in sichtbarer Aufnahme. Allein dieNachwehen des Krieges, die den Handel in Deutschland undfast in ganz Europa drückten, äußerten sich auch bald in demhiesigeil Handels- und Fabrikverhältnis und vielleicht war dem-selben das damals herrschende Schleichfieber gefährlicher, als dieWunde, die ihm durch die totale Plünderung der Bleichenplötzlich geschlagen wurde.

Fricke, Chronik.

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