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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Anhang: Desinfektion der Schlachtfelder

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and I.

ucl Ausrüstungsgegenstände; die Plätze, auf welchen manIberische Abfälle aus den Schlächtereien, zum Tlieil auchas an der Rinderpest eingegangene Schlachtvieh vergrabenatte, dessen wegen zu niedrigen Erdaufwurfs den Fäulniss-asen freien Weg.

Bei den Begräbnissstätten der Gefallenen und denl'ten, an welchen die zahlreichen Pferdekadaver ver-cliarrt lagen, war es zunächst die Wahl des Platzes,reiche vielfach Bedenken erregen musste. Der Drang derriegerischeu Ereignisse hatte gerade nach den grossenelilachten vor Metz eine Wahl überhaupt nicht zugelassen;jeiehen und Kadaver mussten zunächst bestattet werden,vo sie eben gefunden wurden.

Einzel- und Massengräber fanden sich daher am Ab-sage von Höhenrücken (um Mars la Tour, St. Hubert),n tiefgelegenen Stellen feuchter Wiesen (um Ste. Marieux Clienes, Habonville, Mars la Tour), unmittelbar anhausseeu und Viciualwegen (Ste. Marie aux Clienes, Rezon-'ille), neben bewohnten Häusern (Rezonville, Gravelotte,tmanvillers), dicht neben Brunnen (Roncourt, Ste. Marie,-ravelotte) oder Wasserläufen (Amanvillers, St. Privat,-orze, Chätel). Thierkadaver lagen in Chausseegräben, inäclien (Gravelotte), in Wassertümpeln und LatrinengrubenGravelotte).

Auch die Art der Bestattung musste vielfach als einecsmulheitswidrige angesehen werden, insofern die Erd-ufscliiittung bei Menscheugräbern, in erhöhtem Maasseei Thiergräberu, unzureichend gefunden wurde. Nirgendsetrug dieselbe mehr als 3/a Puss. Thierleichen lagenicht selten in flachen,/z Fuss tiefen Löchern oder ohneIle Vertiefung da, wo sie getödtet worden waren: inr äl(lern, Wiesen, Dorfgärten, Chausseegräben, Bächen,ümpelu, mehr oder weniger von Erde entblösst.

Endlich erwies sich der Inhalt der Gräber in vielenallen als viel zu gross. Menschengräber mit 100 undehr Leichen waren nicht selten. Ein Grab bei Viouvillentkielt neben 86 Preussischen 1170 Französische Soldaten,in Kolossalgrab bei Ste. Marie aux Clienes sogar 2500 Ge-allene.

Nach den Berichten der seitens der Belgischen Regie-ung zur Assanirung des Schlachtfeldes bei Sedan ent-arnlten Kommission fanden sich im Allgemeinen auch dortie Gräber von sehr bedeutendem Umlänge und mit einero dünnen Erdschicht bedeckt, dass die Oberfläche derjeiehen von der des Bodens nicht mehr als 10 cm ent-erut war.

Zahlreiche Pferdekadaver hatte man in die Mosel ge-0I 'fen (so bei Mouzon), 1 ) auch das Moselbett selbst anwer Stelle, woselbst während der warmen Jahreszeita » Wasser zurückgetreten war, als Beerdigungsplatzeniitzt. 2 )

') Creteur S. 24.

*) -Lumles dhygieue publique T. 36, p.206.

Aelmlich, wenn auch nicht ganz so gefahrdrohend, ent-sprechend der geringeren Anzahl der Leichen und Pl'erde-kadaver, stellten sich die Zustände auf den Schlachtfeldernvon Wörth, um Paris und in dem übrigen Frankreichheraus. Unzureichende Erdbedeckung und ungeeigneteWahl der Plätze bildeten überall die hauptsächlichstenGegenstände der Klagen.

Endgiltige Arbeiten im Frühjahr und Sommer

1871 .

Mit Konstatirung der hygienischen Uebelstände aufden Schlachtfeldern ging Hand in Hand die Durchführungder sich als nothwendig ergebenden Maassnahmen. DieArbeiten wurden mit um so grösserer Energie in Angriffgenommen, als man das seitherige Ausbleiben epidemischerKrankheiten 1 ) unter der anwohnenden Civilbevölkerungdem Einfluss des ausnahmsweise kalten und schneereichenWinters zuschrieb und das Erwachen gefährlicher Krankheits-keime beim Eintritt der warmen Jahreszeit befürchtete.

Desinfizirung der Umgegend von Metz.

Die Assanirungsarbeiten um Metz wurden unter Lei-tung des Ober-Stabsarztes Dr. dArrest und StabsarztesDr. Bode um Mitte März mit einem Piouier-Detacliementvon 50 Mann begonnen, welches letztere bald auf2 Kom-pagnien und gegen Mitte April auf 4 Kompagnien ver-stärkt ward. Da ausserdem Civilarbeiter engagirt waren,so betrug seit Mitte Mai die tägliche Anzahl der Arbeiter12001500 Mann. Die Fortifikation in Metz lieschafftedie erforderlichen Wagen, Handwerkzeug u. s. w.; die Des-infektionsmaterialien, Sämereien und Pflanzen kaufte dieKommission freihändig an, während die Präfektur dienöthigen Geldmittel bereitwilligst zur Verfügung stellte.Die Arbeiten dauerten bis Ende Juli und erstrecktensich über das engere Terrain der Schlachtfelder hinaus,einerseits auf das umfangreiche Bazainesche Lager, dasin einer Ausdehnung von 2 bis 3 km die Stadt um-fasste, andererseits auf alle diejenigen Ortschaften undFelder in der weiteren Umgebung der Festung, welcheausserhalb des Gebietes der Kampfplätze während der Dauerder Einschliessung von Deutschen Truppen besetzt gewesenwaren. Es wurden auf dem linken Mosel-Ufer in Verne-ville, Ste. Marie aux Clienes, Gravelotte und Gorze, aufdem rechten Mosel-Ufer in Coruy und Courcelles sur NiedCentralpunkte für die Arbeiten errichtet, welche gleich-

') (Jeher den Gesundheitszustand der Civilbevölkerung in derNachbarschaft der Schlachtfelder, desgleichen über die Infektions-Krankheiten bei den in der Nähe der Schlachtfelder kantonnirendenDeutschen Truppen vergl. den medizinischen Tlieil (6. Band) des Be-richtes (Kapitel: Typhus und Ruhr). Siehe auch das Kapitel r Wund-krankheiten im chirurgischen Theil (3. Band).