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Bd. 2 (1875) Arabische Sprache u. Literatur - Baumöl
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Babylon (Stadt).

führt. Jeder dieser Abschnitte war wieder in 30Theile oder Grade gctheilt, deren jedem ein GeistVorstand; 10 solcher Geister standen wieder untereinem höheren. Die Gegenden des nördlichen u.südlichen Himmels waren durch je 12 Sterngrup-pen bezeichnet. Die durch Ptolemäos erhalteneBerechnung der Mondsfinsterniß vom 10. März721 v. Chr. ist (nach Jdeler, Sternkunde derChaldäer) so genau, daß sich der Anfang derFinsterniß nur um eine Minute zu spat, dieMitte derselben um nicht mehr als 6 Minuten zufrüh angesetzt findet. Den mittleren synodischenMonat bestimmten sie bloß um 4 Secunden, denperiodischen nur um eine Secunde zu groß. ImÜbrigen wurde nach den oben angegebenen Grund-vorstellungen auch den anderen Sternmächten,astronomischen u. selbst meteorologischen Erschein-ungen: Kometen, Verfinsterungen der Sonne unddes Mondes, Erdbeben und Gewittern, lebendigeWirksamkeit zngeschrieben,. und daraus Vorver-kündigungen abgeleitet. Über die äußere Dar-stellung der Verehrung, über das also, wasman den religiösen Cultus nennt, sind wir nurunvollkommen unterrichtet. Daß es einen Standder Priester gab, ist unzweifelhaft. Derselbe scheint,wenn auch in Len Familien erblich, doch nicht eigent-lich kasteuhaft, von allen verwandtschaftlichen Ver-bindungen mit dem übrigen Volke durchaus aus-geschlossen gewesen zu sein. Die Götter wurdenin Metall, Stein u. Thon dargestellt, mit Kronen,Scepter, Schwert u. Beil geschmückt u. theilweisemit Gewändern bekleidet. Wenn man vor diesenBildern opferte, trug man die Farben, die dementsprechenden Sterngotte eigen waren. In B.war dem Bel der weltberühmte Belostempel, dessenoberstes Gemach zugleich als Sternwarte diente u.ein Archiv astronomischer Beobachtungen enthielt,geweiht. In den Inschriften wird überaus oftzweier babylonischen Tempel Erwähnung gethan,die diesen Namen führen, der eine: Bit-Zida, d. i.Tempel der rechten Hand, der andere: Bit-Saggatu,d. i. Tempel der Höhe; jener befand sich in dem süd-westlichen Quartier von B., in der Stadt Bor-sippa, dieser in dem nordöstlichen Stadttheil, jen-seit des Euphrat, u. wird heute durch die RuineBabil bezeichnet. Auch in anderen babylonischenStädten befanden sich berühmte Tempel. Nochist besonders zu erwähnen der Cultus der GöttinMylitta, den Herodot schildert: Jede Frau mußteeinmal im Leben sich im Tempel dieser Göttinniedersetzen, bis einer der immer herzuströmen-den Fremden ihr ein Geldstück zuwarf (das denPriestern gehörte), worauf sie sich diesem Fremdenhingeben mußte. (Auch bei anderen, besonderssemitischen Völkern bestanden ähnliche Gebräuche.)

Was die Schrift der Babylonier audelangt,so ist (nach Grorefend, Oppert u. Schräder) dar-über Folgendes in der Kürze zu bemerken. Eswar ein von der Hieroglyphik der Ägypter völligunabhängiges, von dieser abweichendes System,welches frühzeitig von den Priestern in B. ent-wickelt worden war. Auch hier ging man ur-sprünglich von der Bilderschrift aus, wobei sichauch hier allmählich das Bedürfniß geltend machte,tropische und symbolische Zeichen statt der Bilderselbst anzuwenden u. endlich von den Bildzeichen

zur Lautschrift überzugehen. In dieser Form lieat ^die babylonische Keilschrift bereits in In-

schriften ans dem 3. Jahrtausend v. Chi vor(s. u. Keilschrift). Die große Menge von Tbvn-cylindern, von Gemmen u. Steinen, welche unsaus B. erhalten sind, sind mit diesen Zeichen be-deckt. Aus der Zeit der Assyrer ebenso wol, wieaus der der persischen Herrschaft (ca. 530 bis ca330 v. Chr.), sind Verträge u. Heirathsurkundenin Keilschrift vorhanden; ja, diese Schrift wurdenoch unter den Seleukiden (ca. 300 bis ca. Lügv. Chr.) angewendet. Nicht nur die Assyrer, son-dern auch die Meder, Perser u. Armenier hattendiese Schrift von den Babyloniern angenommenwenn sie dieselbe auch wieder modificirten. Dochhat die phönikisch-hebräische Buchstabenschrift mitderselben nichts gemein.

Von den socialen Verhältnissen wissen wirbes. durch Herodot, Einiges über die Stellung derFrauen. Es bestand nicht nur Vielweiberei, son-dern es wurden auch die herangewachsenen Mäd-chsn auf den Markt gebracht, den Untersuchungender Männer ausgestellt, und daun in förmlicherVersteigerung die Schönen an den Meistbietenden,die Häßlichen an den Mindestfordernden" über-lassen. Der Erlös aus den Elfteren mußte zurAusstattung der Letzteren dienen.

8) Die Stadt Babylon (Babel) lag, in ihremälteren Theil, dem B. des sogen. Älten Reichesauf dem WUser des Euphrat, in der Gegend desheutigen Fleckens Hillah. Der Name Babel be-deutet Pforte, d. h. Wohnung des El. Den-nigspalast umgaben 3 Mauern, mit einem Um-fange von 60 Stadien (11 km). Die Palastge-bäude bedeckten einen Umfang von 20 Stadien.Hier waren die Mauern, Wände u. Thürme mitBildwerken bedeckt, besonders war hier eine großeJagdscene dargestellt. Die Figuren der Thierewaren höher als 4 Ellen; der König war darge-stellt, wie er mit der Lanze einen Löwen durch-bohrt, und die Königin, wie sie vom Rosse denWurfspieß auf einen Panther schleudert. Nochwichtiger u. der Bewunderung würdiger war derTempel, welchen die chaldäischen Herrscher demBel, dem babylonischen Hauptgotte, erbauten. DieStadtmauern hatten eine Höhe von etwa 60 mu. eine Stärke von 912 m, so daß aus demWallgange zwischen den Zinnen Viergespanne fah-ren u. einander ausweichen konnten. Die Ziegel-steine waren durch Asphaltmörtel verbunden undvon 30 zu 30 Schichten durch eine Lage vonSchilfrohr getrennt. 250 Thürme überragten dieseMauern um 6 m. Der breite und liefe Wasser-graben, welcher die ganze Befestigung umgab,hatte gemauerte Böschungen; die Thore, welcheden Zugang zur Stadt öffneten, waren mit schöngeschmückten Thorgebäuden versehen. Die Kömgs-burg hatte eherne Thore, auch die Stadt schieltLurch Nebukadnezar solche Pforten. Nach der Fluß-seite waren gemauerte Bollwerke gegen die Über-schwemmungen errichtet; auch wurden die beidenStadttheile gegen den Euphrat durch Mauer» ge-schlossen, deren Ausgänge ebenfalls eherne Pfortenhatten. Ans gemauerten Treppen stieg man zumFlusse hinab. Eine stehende Brücke verband beideUfer. Herodot gibt den Umfang der Mauern von

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