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Bd. 2 (1875) Arabische Sprache u. Literatur - Baumöl
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Babylon (Landschaft).

Die berühmtesten babylonischen Wasserbautenbefanden sich etwa 750 km oberhalb der Miind-unq des Euphrat u. Tigris, da, wo sie am näch-sten zusammentreten. Oberhalb B. war nach W.der noch jetzt vorhandene Kanal Narsares (oderMarsares) abgeleitet, der eine Strecke neben demHauptstrome herlief u. dann wieder abwärts indenselben einlenkte; 150 km unterhalb der Stadtführte der Kanal Pallacopas vom Euphrat zu denchaldäischen Seen. Bei hohem Wasserstande leiteteer den Überfluß ab, bei niedrigem wurde er ge-schlossen. Die beiden Ströme verband der vonNebukadnezar angelegte Königskanal mit seinenzahllosen Gräben u. Rinnen.

Die Blüthe der babylonischen Cultur reichtüber jene Zeit zurück, in welcher Ägypten unterden großen Pharaonen (zwischen 1680 u. 1280v. Chr.) den Gipfel seiner Macht erreichte. Inder Industrie waren besonders berühmt die Ge-webe, Teppiche, Stickereien, Steinschneidereien,Bunlwirkereien, Salben. Für die wollenen Ge-webe lieferten die Schafheerden Arabiens dasnothwendige Material. Die dem Euphrat benach-barten Araberstämme trieben ihre Heerden nachB., oder brachten deren Felle dorthin, um Ge-rüche, Mafien und Korn einzuhandeln. Weinund Holz, welches in Babylonien fehlte, wurdeaus Armenien eingesührt. Zur Bereitung ihrerSalben dienten die Arome Indiens und Ara-biens. Babylonische Mäntel waren nach hebräi-schen Urkunden schon im 15. bis 13. Jahrh. v. Chr.in Syrien im Gebrauche. Die Purpurdecken, na-mentlich am Grabmahl des Kyros in Pasargadä,werden besonders gerühmt. Der Handel mit Phö-nikien war sehr lebhaft. Die Phöniker brachtendie Erze des Westens, ihre eigenen Purpurwaaren,die Öle u. Weine Syriens; sie empfingen dafürGewebe, Salben, geschnittene Steine u. andereKunsterzeugnisse. Außerdem aber fanden sie inB. arabische u. indische Handelsprodncte: Räu-cherwerk, Zimmt, Elfenbein u. namentlich seideneMaaren. Die Wichtigkeit des babylonischen Han-dels beweist wol am besten die Thatsache, daßganz Vorderasien Gewicht u. Maß der Babylonierannahin, daß dieses dann durch die Phöniker zuden Griechen u. (wol direct über den PersischenMeerbusen) zu den SArabern gebracht wurde.Noch unter der Perserherrschast der Achämeniden(5S8331 v. Chr.), nachdem B. von schwerenKriegsdrangsalen betroffen worden, herrschte dortbedeutender Wohlstand.

Das babylonisch-chaldäische Religionswesenist uns durch die in den Euphrat- u. Tigrislän-dern gefundenen Monumente nach seinem eigen-thümlichen Wesen ziemlich klar enthüllt. Rachdenselben kann es keinem Zweifel unterliegen, daßdie Gottesverehruug der alten Babylonier wesent-lich Sterndienst war. Der Sonne, dem Mondeu. den Planeten waren gewisse wesentliche Kräftezugeeignet, die das All durchwirken u. im Lebendes Ganzen jedem Einzelnen werkthätig die Be-rgung geben sollten. Dieser Ansicht zufolge wardie ganze Schöpfung in besondere Kreise getheilt,die man von einzelnen Sternmächten beherrscht u.unter den wirkenden Einflüssen derselben stehendsich vorstellte. Die Wesenheiten der Sternmächte

galten als die Kräfte, die im Wasser und Feuerwalteten, wie in Allem, was auf der Erde vor-handen sei, mochte es dem lebenden oder leblosenReiche angehören. Es hat nun aber alle Wahr-scheinlichkeit für sich, daß diesem reinen Astral-dienste ursprünglich ein einfacherer Cult voraus-ging, nämlich eine Verehrung der die Welt bewe-genden Mächte am Himmel u. auf Erden im All-gemeinen, insbesondere des Himmels (Sternwelt),der Atmosphäre u. der Erde (Unterwelt), repräsen-tirt durch die Gottheiten Auu, Bel u. Hea (Ao).Wir können dies theils den altbabylonischeu oderaccadischen Hymnen entnehmen, welche fast nurdiese 3 Gottheiten kennen, theils aus der Stellungschließen, welche diese 3 Gottheiten unter den 12auch von Diodor erwähnten babylonischen Ober-gottheiten einnehmen, welche uns die Liste aufeiner Thontafel ausbewahrt hat. Sie bildennämlich in dieser Liste, welche an der Spitze desganzen Systems den Jl oder El, den babyloni-schen Obergott, aufführt, die erste Triade. Dannfolgt die zweite Triade mit den Göttern Sin(Mondgott), Samas (Sonnengott) u. Bin (Gottder Atmosphäre), woran sich weiter die Gruppeder 5 Planeten - Götter: Merodach (Jupiter),Jstar-Astarte (Venus), Adar (Saturn), Nergal(Mars), Rebo (Mercur) schließt. Sonst sind ausdem assyrischen Pantheon noch zu erwähnen: derFischgott Dagan, assyrisch Dakan (der Dagonder Philistäer); der Duvuz, d. i. der Thammuz-Adonis der Phöniker; der Ssandan-Sandon (Hel-fer), Kewan (Fester), Malik-Moloch (König), Srd-Sched (Herr), Kirub-Cherub (Starker), die letzte-ren 5 sämmtlich ursprünglich Beinamen des Stier-gottes Adar, dann Namen selbständiger Gottheiten;der Ramman-Rimmon, eigentlich ein Beiname desLuftgortes Bin, u. a. m. Den meisten dieser männ-lichen wurden weibliche Ergänzungen zur Seitegestellt. So galt die Jstar-Astarte als Gemahlindes Jl-El; die Thasmit oder Göttin der Offen-barung als solche des Nebo; die Anat als die desAnu; die Bilit als die des Bel; die Davkina(Danke) als die des Hea-Ao; die Gula oder Hehreals die des Sonnengottes Samas; die Um-Arka(Omoroka) als die des Mondgottes Sin; die Sala-Ummu (Salambo) als die des Bin rc. Außerdemverehrte man eine Siebenzahl von bösen, geschlechts-losen Geistern: Genien der Unterwelt, welcher diegroße Herrscherin der Hölle, die Wat, Vorstand,unter dem Namen der Anunnaki rc. Und mitwelcher Innigkeit u. Tiefe der Religiosität, aberfreilich auch mit welchem Aberglauben man sichdieser Gottesverehrung hingab, davon gewähren unsein redendes Zeuguiß dis Lieder (Loblieder, Bitt-gebete, Büßlieder rc.), welche formell den schönstendes hebräischen Psalmenbuches au die Seite zu stellensind. Eine besondere Richtung nahm der Aber-glaube in der Astrologie. Mit den Vorgängen amHimmel, dem Wandel der Sterne rc. brachie manbesonders in Verbindung die Gestaltung der mensch-lichen Geschicke. Aber neben der Astrologie bil-deten die Babylonier auch die Astronomie in eineralle Anerkennung verdienenden Weise aus. JeneVorstellung harte zu der Erfindung des in 12Theile getheilteu, von ebenso vielen Sterngrup-pen dezeichneten und beherrschten Thierkreises ge-