474
Ayzac -
ren noch weiter befestigten Befugnisse gaben denA-s einen um so wichtigeren politischen Einfluß,als auch der Adel an ihnen sich betheiligte: siewaren eine mächtige Stütze der Monarchie. In-folge des Aufstandes der castilischen Städte, dersogenannten Communidades, unter Juan de Padilla(1521), wurde diese Bedeutung sehr geschwächt,und mit der wachsenden Macht der Könige, na-mentlich unter der Dynastie der Bourbonen, gingdieselbe mit der Freiheit der Städte vollends ver-loren. Aber die Erinnerung an dieselbe blieb, u.so stellten die Cortes von 1812 die A-s nach demalten System wieder her, unter zeitgemäßen Besser-ungen. Seitdem hat die Gesetzgebung über die A-svielfach gewechselt. Von Ferdinand VI l. wurdenach seiner Rückkehr das Gesetz von 1812 wiederabgeschafft, 1823 von den Cortes wiederherge-stcllt; nach der französischen Invasion wurden diefreieren Bestimmungen abermals beseitigt, durchdie Verfassung vom 1.1837 aber im Wesentlichennochmals wieder eingeführt. Allein schon 1840wurde den Cortes ein neuer Gesetzentwurf überdie A-s vorgelegt, durch welchen dieselben ganznach französischem Muster aller politischen Gewaltentkleidet, ihre Thätigkeit auf rein städtische In-teressen beschränkt u. ebenso Las Wahlrecht in sehrenge Grenzen eingeschlossen werden sollte. Derdarüber ausgebrochene Ausstand, der die Vertreib-ung der Königin Christine zur Folge hatte, ver-hinderte zwar damals die Ausführung des Ge-setzes; im 1.1844 wurde indessen ein dem frühe-ren Entwürfe ähnliches Gesetz dennoch angenommen,welches im Wesentlichen noch jetzt die Grundlageder städtischen Verfassung Spaniens bildet. Nachdemselben steht die Ernennung der Alcalden derGemeinde zu, außer in Gemeinden unter 30 Mit-gliedern (s. Alcawe); das Wahlrecht ist von einemCensus abhängig, doch sollen Generale, pensionirteOffiziere u. Alle, welche einen freien wissenschaft-lichen Erwerb treiben, ohne Rücksicht auf denCensus Wähler sein, u. in Gemeinden von nichtüber 60 Einwohnern steht das Wahlrecht allenEinwohnern zu; wählbar sind die Höchstbesteuer-ten; das A. ist auflösbar, die Mitglieder absetzbar;bezüglich besonderer Verwendung der Gemeinde-gelder ist die Zustimmung der Regierung nachzu-holen rc.
Ayzac, Felice Marie Emilie d'A., sranz.Dichterin u. Schriftstellerin, geb. zu Paris 1801;war 1817—52 in der Maison-Imperiale zuSamt-Denis, zuletzt als Kanonissin, wurde späterMitglied der Archäologischen Gesellschaft in Moskau.Sie schr. u. a.: Loupirs, Paris 1842 (Gedicht-sammlung); Hist, äs I'adbaz-s äs Lsint-Dsnis,1861; loonoAraxllis äu ^rnMn, Arras 1864;
tewps passö, Tournay 1867, u. arbeitete anmehreren archäologischen Zeitschriften mit.
üraliiracbta </E., Pflanzengatt, aus der Fam.der Meliaceen. Wichtig ist V. inäiea ästrss. (Äolinder großblätterige Zedrach od. Neembaum,ein ansehnlicher, in Ostindien heimischer Baummit gefiederten, glatten, stark u. widerlich riechen-den u. bitter schmeckenden Blättern, die in Ost-indien äußerlich u. innerlich als Arzneimittel an-gewendet werden. Die Rinde soll ähnlich fieber-vertreibend wie Chinarinde wirken. Die in sparri-
- Azais.
ger Rispe stehenden weißen Blumen wurden alsMittel gegen die Cholera empfohlen. Das ausden Samen gepreßte Margosa-Öl ist ebenfallsofficinell.
Azad-Khan, ein Afghane .Feldherr des Nadir-Schah; bemächtigte sich nach dem Tode desselben1747 der Herrschaft in Aserbeidschan, wurde aber1755 von Kerrim-Khan wieder gestürzt; s. Persien
Azars, Pierre Hyacinthe, sranz. Philosoph'geb. 1. März 1766 zu Sorröze, wo sein VaterMusiklehrer am College war. Er wurde von sei-nem Vater zum Musiker gebildet; aber, von LenBenediktinern, welche das College leiteten, Mwissenschaftliche Studien gewonnen, trat er imAlter von 17 Jahren als Novize in den Ordender Oratorianer, denen nach Aufhebung desJesuitenordens ein großer Theil des französischenSchulwesens anvertraut war. A. wurde als Leh-rer in den unteren Klassen des Gymnasiums znTarbes beschäftigt, fühlte sich aber in dieser Stell-ung bald unglücklich; verzweiflungsvolle Briefe,die er deshalb an seinen Vater schrieb, fielen indie Aände des Bischofs von Oleron im Bear»,der rhn darauf als Secretär in den bischöflichenPalast nahm. Hier erwarb er sich eine höherewissenschaftliche Bildung; als aber der Bischof inihn drang, sich ordiniren zu lassen, zog er es vor,eine Stelle als Organist in einer Benedictiner-Abtei in den Sevennen anzunehmen. Beim Aus-bruche der Revolution schloß er sich Len neuenIdeen mit Begeisterung an, wurde jedoch balddurch die furchtbaren Consequenzen der politischenBewegung abgeschreckt. 1797 wurde er unter demDirektorium wegen einer royalistischen Broschürezur Deportation verurtheilt, fand aber eine Zu-fluchtsstätte in dem Hospiz der Lwnrs äs In(Marlis zu Tarbes. Hier verfaßte er seine erste,1800 herausgegebene philosophische Schrift: DumaUrsnr sb än bonllsnr, worin er eine Theorieentwickelte, durch welche er den zerstörenden Wirk-ungen der Revolution gegenüber den Glaubenan die göttliche Gerechtigkeit aufrecht zu erhaltenwünschte. Er suchte zu beweisen, daß im Weltalldie Entwickelung nothwendig mit der Zerstörungverbunden ist und daß sich beide Kräfte ausgleichenmüssen, wenn sich das Ganze unvergänglich er-halten soll. Die fördernden u. vernichtenden Mo-mente gleichen sich aber bei jedem Wesen aus, sodaß in dem Leben jedes Menschen die Summe desGlückes gleich der Summe des Unglückes u. dasSchicksal Aller trotz der Verschiedenheit ihrer Lebens-lage dennoch wesentlich gleich ist. A. nannte diesdas Gesetz der Compensationen. Von Tarbesflüchtete er sich weiter in die Pyrenäen; hier fander Muße, seine Ansicht zu einem vollständigenSystem zu entwickeln, indem er alle Thatsachender Natur u. des Menschenlebens aus einemGrundprincip zu erklären suchte, nämlich aus demallgemeinen Streben Nach Expansion, wodurch zu-gleich eine gegenseitige Compression entsteht. Hier-aus folgt eben, daß die Entwickelung einer Ta-seinsform nie ohne Zerstörung anderer vor sichgehen kann, u. vermöge des Gesetzes der A>is-gleichungen ist das Universum das unveränderncyeGleichgewicht in einer beständig veränderten -Be-wegung. Im Jahre 1806 ging A. nach Paris,