Das Leben des Freundes liegt aufgerollt vor Euch, Ihr Teil-nehmenden. Wo Er so deutlich zu Euch gesprochen, soll ein Unge-weihter ihm nachlallen, Euch zu erzählen, wie Er war? Nein —das nicht —; aber das, denke ich, werdet Ihr dem Begleiter aufder größten Strecke seines Lebensweges gönnen, nachzuholen, wasihm während des Zusammentragens des Stoffes zur Seite gefallen,ohne daß er es verloren gehen lassen möchte, wenn er gleich nichtweiß, wo es in den Hauptbau schicklich einzufügen wäre. Zur Sachealso in dem Vertrauen auf liebevolle Aufnahme, deren das ganzeWerk in seiner Zusammenstellung nicht entbehren kann.
Was ist es wohl zuerst, was uns in Chamisso so mächtig an-zieht? Mir scheint es die kindergleiche Unschuld oder Naivetät,mit welcher er sich in dem Weltverkehr bewegte, in den ihn theilssein Geschick geworfen und den er in einzelnen Lebensperioden auchwohl aus Neigung gesucht hatte. Demnächst die Gewissenhaftigkeit,welche ihn, wo er irgendwie verstoßen zu haben glaubte, zu einernicht passiven, sondern aktiven Reue drängte. Darum gab ihmHitzig in einer Lage, wo er sich ganz ohne Ausweg wähnte, denRath, der ihm so einleuchtete, daß er ihn in den Lebensabriß auf-nahm, den er seinem Reisebericht vorausschickte: er solle einen dum-men Streich ausgehen lassen, damit er etwas wieder gut zu machenhabe. Dies führt auf eine zweite charakteristische Eigenschaft Cha-misso's, ans seinen Thätigkeitstrieb. So lange er nicht körperlichgehemmt war, mußte er ik ewiger Bewegung sein, leiblicher oder