Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
226
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Ich spreche Dir von uns, weil ich Dir da wenigstens einen Abglanzvon der Meinung aus frischem Quelle geben kann. Von den übri-gen Welthändeln weiß ich nur, wie Du, durch die Zeitung und ichwerde selber mit Gerede darüber so übersatt gefüttert, daß ich un-gern Dich auf gleiche Weise langweilen möchte. Ich habe immeran den Frieden geglaubt und glaube auch noch an den Frieden, weiler mir immer, wie jetzt noch, zwar unmöglich vorgekommen, abernur einmal unmöglich, da mir der Krieg es zweimal zu sein schienund scheint. Die Karten lösen sich nach einander auf, England ar-beitet wacker zu Hanse für die Weltgeschichte und ich habe guteHoffnung, daß auch Ihr vernünftig bleiben werdet. Ihr habt schonmanchen Sieg für die Ordnung errungen. Polnisch sind wir und .ganz Deutschland und die ganze Welt gesinnt und enthusiastisch.Möchten sich doch die Polen noch einige Zeit nur halten. Es scheinteinerseits furchtbare Entscheidung zu drohen, wenn andrerseits dieTheilnahme der Welt gütige Verwendung verheißt. Die Seuche,die dieser Krieg über die Welt ausstrahlt, giebt guten Grund eineWaffenruhe zu gebieten. Gott leite alles zum Besten; müssen diePolen untergehen, werden sie wenigstens die Ehre retten.

Ich ermahne Dich, mein Lieber, zu schreiben, zu schwatzen gegenmich, so wie ich es gethan. Erstlich von Dir und den Deinen,sodann von Deinem Punkte aus die Blicke rings ausstrahlen zulasten, wir leben doch in dieser Geschichte, die nach fünfzehn-jährigem eingefrornen Winter jetzt Eisgang hält; es ist gar wichtigund erfreulich zu erfahren, wie sich die Dinge von einer andern Eis-scholle ausnehmen, als von der, auf der wir eben selbst schifften.

Lebe wohl, ich mag heute nicht länger schreiben, und schicke ichdiesen Wisch nicht gleich nach der Post, so zerreiße ich ihn wieder, dasweiß ich schon. Noch einmal denn lebe wohl, et sl xotes,

Dein Adelbert von Chamisso.