Druckschrift 
6 (1864)
Entstehung
Seite
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gesehen und an des Rheines und der Mosel schönen Ufern langegenug geweilt habe. Hast Du es denn irgendwo besser gefunden?Kehre nur immer zurück nach der Heimath Deines Geistes und bleibehier; denn es wird Dir doch nirgend wohler werden; und laß unsnoch einige Zeit zusammen Haushalten. Wäre es nicht sogar mög-lich, daß statt der grünen Bücher, die schon lange verblüht sind,nun noch gelbe zu Stande kommen sollten aus herbstlichen Blättern?Mag das aber auch nicht sein, so suhle ich es doch, daß die Blü-then jener jugendlichen Zeit nicht alle abgefallen sind, und daß siejetzt noch manche reife süße Frucht gewähren. Gewiß, mein theurcr,lieber Freund, ich Hab' es wie sehr auch gedrückt, doch tausendmalin mir empfunden, daß ich unedler und uuwürdiger hindurchgeschrittenwäre durch den Schlamm des Lebens, wenn jene Zeit mir nicht ge-leuchtet hätte, und jetzt noch immer mit klarerem Bewußtsein alsje, begegne ich allem, was mir die Alltagswelt entgegenstellt, mitdem innerlichen Gefühl der Wahrheit, das nur die Frucht einerschön erwachten Jugend sein kann. Einige Zeit noch in Lust undSchmerzen, Ruhe am Ende, wir haben nicht zu klagen!"-

Chamisso wurde bis Mitte September in Petersburg festgehal-ten; die Zeit dünkte ihm lang genug; sein Herz zog ihn nachBerlin.j

Wie ihm seine Zukunft erschien, als er St. Petersburg verließ,um nach Preußen zurückzukehren, das sagen uns folgende Zeilen, dieer seinen dortigen Gastfreunden Professor Lichtenstädt und seinerSchwester dichtete.

Mag fürder treiben unstät eitler SinnDurch ödes Meer und oft noch ödres LandMich sonder Rast zu irren und Gewinn,

Daß leerer Tand mir scheine leerer Tand

Was muß, das wird. Fahrt wohl; ich ziehe hin u. s. w.

Ferner der Anfang eines unvollendeten Briefes an einen Freund,der sich unter seinen Papieren vorgefundcn hat und der also lautet:Ich habe Dir aus dem halszuschnürenden Rußland zu schreiben