Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
Seite
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Noch etwas Literarisches, worüber Du mir zu antworten hastund nur hinzuzusetzen, was Dir dabei einfallen könnte. MeineWirthin schreibt itzt, veranlaßt durch das Ereigniß, wovon bei Euchso viel Lärm gemacht worden*), über und zwar gegen den Selbst-mord eine in politischer Rücksicht ganz unschuldige Schrift von we-nigen Bogen, es wird, was man auf französisch uns droobnro nennt wird gefragt, ob Eure Censur den Druck (unter ihrem Namen)erlauben würde.

Ich erwarte die Tage mit großer Sehnsucht den Brief, denIhr mir zur Antwort auf den meinen geschrieben haben werdet.Daß ich mit der größten Bekümmerniß nach Eurem Norden blicke,könnt' Ihr erachten; Gott weiß, wie es bei Euch schon aussieht,wenn die Blätter ankommen! Gott weiß, was aus Euch, wasaus mir wird! Ihr versäumt nicht, mir alles zu berichten, wasauf meine Entschließungen Einfluß haben kann. Geh' ich nachBerlin, nach den Rheingegenden, nach Italien ich erwarte vondem Momente Rath und beschäftige mich, wie ich kann, um derMühe zu denken überhoben zu fein. Die Tage habe ich ange-strengt gearbeitet mir war wohl ich reibe mir nun die Au-gen und finde es düsterer um mich her, als vorher. Was machtHarscher, Fouqus, Neumann? u. s. w. Dem Neumann undDir, um wieder von der Nacht und Herzensangst wegzublicken,empfehl' ich meinen Mansche!**), den ich weder zu schreiben nochzu sprechen verstund, und den ich nur deutsch geschrieben habemag es so bleiben, oder werdet Ihr ihn übersetzen? Ich habehier mit vieler Freude einen alten Universitäts-Kameraden von Dirangetroffen, Ritter aus Frankfurt am Main***). Ich soll Dichsehr von ihm grüßen. Es scheint ein guter Kopf zu sein und ichmag ihn recht gern. Red' ich einmal deutsch mit ihm, wird's mirwohler, und ich fühle mich meinem Lande näher; auch das müßt'

*) Heinrichs von Kleist und der Frau Vogel freiwilliger Tod (21. No-vember 1811).

*') Ein im Stücke verkommender Jude.

***) Den großen Geographen Karl Ritter.