Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
Seite
341
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an, der doch seiner Eitelkeit zu schmeicheln scheint, denn auch er lebtviel von Windspeisen. Sein Buch ist nicht mehr in meinen Hän-den ; die letzte Zeit hatte er eben mit mir nichts als Höflichkeit.Er ist gelehrt, scharfsinnig, parteiisch, unduldsam, eitel, uneigen-nützig, treu, ergeben, höflich und linkisch. Bei der Abreise em-pfahl er mir noch, Dir auf das Liebevollste zu sagen, wie er esbedaure, noch nicht dazu gekommen zu fein an Dich zu schreiben,und ich sagte ihm, was ich noch glaubte, ich würde es wohl münd-lich bestellen, nun geschieht es schriftlich. Ich liege außerhalbWilhelm's Lebenskreise.

Wenn man so weit, so lange auseinander ist, so in eine an-dere, dem Freunde fremde Umgebung versetzt, weiß man nicht woanfangen, wo aufhören, sobald man nur aus sich heraus, an dieDinge, an die Menschen will. Besser, ich drücke Dir blos dieHand, und lasse Dich nur in mich hinein sehen, denn das willstDu doch blos von einem Briefe. Ich bin wie ein Schiff beiWindstille, und zehre an meinem Zeitproviant, des Haüches harrend,der mich an irgend ein Gestade treibt; bei Gott, ich will schreien:Land! Land! wenn ich's erscheinen sehe. Mahnt man mich aber derManneskraft und des Ruderns, so weiß ich nichts zu sagen, weilman wohl Recht haben möchte, und es ist mir wohl geschehen, solcheBriefe unbeantwortet zu lassen. Es hat ein jeder seine recht tüch-tige Portion Verzweiflung im Leibe, ich nicht minder; ich sagemir wohl oft: ins Teufels Namen, wozu nimmt man sich denn soviele Mühe um zu leben, lasse man es doch eben gehen wie es will, es ist doch bald aus, und der ganze Bettel ist es nicht Werth;viele, viele der Keime gehen nicht auf und rückkehren zu dem Ur-stoffe; man rechne sich zu diesen und überlasse der Ananke, was dasflüchtige Erscheinen gesollt. Schreibt mir, Lieber. Was sollt'ich in Italien? allein, allein! Mag die Sonne schön seinund das Prachtkleid der Erde, der Berge hohe Häupter, und dieStaubbäche und der Fluchen Spiegel, was ich zunächst entbehre,ist Du zu sagen und zu hören, und den Widerdruck der Hand zufühlen, die ich drücke, sollten mir auch dabei die Füße frieren.Man wird alt, was will man mehr? Sterben? auch das kommt