Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
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mir, wie ein Traum der Nacht am Mittage. Die reiche Freihan-delsstadt Hamburg hat zum zweiten wie zum ersten Male mir Wohl-gefallen; sie ist ganz, was sie sein will, und will nichts sein, alswas sie ist. Der Kaufmann dient gemächlich seinem Gelde, läßtneben sich den Gelehrten, der von ihm lebt, unverunglimpft seinemandern Gotte dienen, und keiner pfuscht in des andern Spiel undTreiben. Die Leute sind solid und klar, sind gesund. Manche moch-ten mich gern und ich hatte sie auch sehr lieb. Doktor Julius,Dr. Kerner, Luders, Neander, Gurlitt, Fanny Hertz und RosaMaria. Ein Weib, das allein steht, muß zugleich mit auch Mannsein; Rosa ist wacker, fest, ruhig und klar; sie ist resignirt u,ndliebt nur ihren Bruder und zwar schier bis zur Ungerechtigkeit.Wir standen zusammen, wie ich ungefähr mit Dir stehe und be-sprachen uns nicht anders über viele Dinge. Die letztere reist zumVersuch nach Pyrmont, wie ich nach Frankreich. Julius soll Dirin literarischen Angelegenheiten und Perthes in meinen geschriebenhaben. Am 29. kam ich in der Nacht in Osnabrück an, ich warallein auf der ganzen Reise. Zwischen Schlaf und Wachen wirdman von einem Gedanken auf den andern geschüttelt und kann nichtsfcsthalten, womit man sich einigermaßen beschäftigen könnte; in derNacht verlor ich noch meinen Mantel ans dem Rumpelkasten. BonOsnabrück aus reiste ich mit einem reisenden Weinhändler NamensChapui mit Extrapost und unterhielt ihn von guter Laune; am2. Februar Abends erreichten wir Düsseldorf. Das Wetter warmir stets günstig. Die Städte Westphalen's sehen alle aus, alsständen sie zum Verkaufe; schöne alte gothische Kirchen und keinVolk. In Osnabrück versäumte ich das Rathhaus zu sehen, wo derwestphälische Frieden abgeschloffen worden. Von Schwelm nachElberfeld ist es aber das herrlichste anmuthigste Thal, nur eine Fa-brik und Handlungsstadt und von Zeit zu Zeit die schönsten Paläste.Seit den letzten Jahren haben sie sechs verschiedenen Landesherrschaf-ten gehöret, doch hat der Krieg sie verschont. Am 3. Morgensging ich mit einem lustigen jungen Pariser über den gefrorenenRhein nach Neuß. Die Douaniers, anstatt unsere Reisekoffer zueröffnen, gaben uns ein gutes Frühstück mit Wein und Butterbrod.

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