Erwarte keine Erzählung von mir, nein, den tiefen Ingrimmmeiner Seele will ich nur in Dein Herz weinen. Siehe, ich konnteeigenes Unglück, dessen mir auch auf meiner Bahn ein Theil gewor-den, mit wohlmännlicher Fassung ertragen, und kann heute michannoch selbst nicht fassen, mich nicht denken, ich habe nur Jammer,nur Thränen, die in mein Herz zurückfallen und es schwellen, daßich nicht Athem holen kann. O Freund, müssen Einzelne so reichan Schande sein, daß sie den Becher über Tausende, Starke undGesunde, auszulceren vermögen, und sic in eigene Niedrigkeit ziehenund verderben. O! es ist ein Hartes, bei Gott! ein Hartes, derschuldlosen Opfer eins zu sein, und zürnend Schamröthe über seinGesicht glühen zu fühlen, da man nichts verbrochen.
Erinnre Dich der trauten Gespräche im Bade zu Nenndorf,deren wir pflogen.* *) Wie wahr, dessen wir damals einverstanden,daß es nur unter seinen Landsleuten sich ziemt, die Waffen zu füh-ren, und wie schwer hat es auf mich gedrückt! Möchte doch damalsmein Abschied, den, eingesehcnem Mißverhältnisse mich zu entziehen,ich gefordert, mir zugestanden worden sein, welchen unsäglichen Schmer-zen war' ich entgangen! Aber auch durch diese schwere Prüfungmußt' ich gehen, und die angeborne Freiheit, nach der ich vergebensdie Hand streckte, duldend von der Schmach empfahen, und nichtselbsthandelnd sie wieder erwerben. So rächt sich die Jugendsündean dein Mann. Herben Kampf hatt' ich gekämpft, mein Freund,und gelitten, was ein Mensch, was einer, der alles schwer nimmt,wie es meine Art ist, nur leiden kann und mag, bevor ich, mich inmeine Lage schickend, verschmerzt habend das Ungeheure, selbst gegenmein Volk ins schöne waltende Waffenspicl zu treten, nun ungetheilt
genommen. Daß er nicht an Varnhagen, sondern an Fouquv gerichtet sei,vermuthete ich schon früher; und die spätere Vergleichung des Originals, nachdem mehrere Stellen berichtigt worden sind, hat diese Vermuthung bestätigt. Pm.
*) Mit Beziehung auf diese Gespräche (Br. 63.) schrieb Fouqu6 im folgen-den Jahre (noch während des Krieges Napoleons mit Preußen) die Worte inChamisso's Stammbuch, die später mit der Jahreszahl 1813 am Schluß desSchlemihl veröffentlicht wurden:
Trifft Frank und Deutscher jetzt zusammen u. s. w.