Druckschrift 
4 (1864)
Entstehung
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menschliche Gestalt aufs herrlichste, sich im Fortflutz leichter unge-zwungener Bewegung in allen naturgemäßen und schönen Stellun-gen darstellend. Wir glauben die sich verwandelnde Antike zu sehen;die Füße tragen nur den Tänzer. Er schreitet gelaffen einher. SeinKörper bewegt sich, seine Arme, alle seine Muskeln regen sich, seinAntlitz ist belebt. Wir schauen ihm, wie dem Mimen, in das Auge,wenn uns seine Kunst hinreißt. Die Trommelschläger sitzen imHintergründe, die Tänzer stehen vor ihnen in einer oder mehrerenReihen, alle mischen ihre Stimmen im Chor. Der Gesang hebtlangsam und leise an und wird allmälig und gleichmäßig beschleu-nigt und verstärkt, indem die Tänzer vorschreiten und sich ihr Spielbelebt. Alle führen dieselben Bewegungen aus. Es ist, als stündederselbe Tänzer mehrere Mal wiederholt vor uns. Wir werden beidiesen Festspielen O-Waihi's an den Chor der Griechen, an die Tra-gödie, bevor der Dialog hervorgetreten war, erinnert, und wendenwir den Blick auf uns zurück, so erkennen wir, auf welchen Abwegwir lächerlicherweise gerathen sind, den Tanz in die Bewegung derFüße zu bannen. Diese Festspiele berauschen mit Freude die O-Wai-hier. Ihre gewöhnlichen Lieder werden in demselben Sinn, stehendoder sitzend, getanzt; sie sind von sehr verschiedenem Charakter, aberstets mit anmuthigen Bewegungen des Körpers und der Arme be-gleitet. Welche Schule eröffnet sich hier dem Künstler, welcher Ge-nuß bietet sich hier dem Kunstfreunde dar!

Diese schöne Kunst, die einzige dieser Insulaner, ist die Blütheihres Lebens, welches den Sinnen und der Lust angehört. Sie lebenohne Zeitrechnung in der Gegenwart, und ein bejahrtes Weib weißblos von ihrem Alter, daß sie über die erste Zeit des Genusses, überzwölf Jahre hinaus, gelebt hat.

Die O-Waihier werden in der Beschuldigung mit einbegriffen,die unsere Seefahrer den Insulanern der Südsee überhaupt machen,dem Diebstahl ergeben zu sein. Daß wir in diese Klage mit ein-zustimmen keine Veranlassung hatten, ist wohl blos der uns hegen-den Vorsorge Tameiameia's zuzuschreiben, der uneigennützig undhochgesinnt die Nachfolger Vancouver's in uns ehrte. Hier an-gesiedelte Europäer sprechen der Ehrlichkeit der Eingeborenen ein