Udelberl von Ghamisso's Werke. Fünfte vermehrte Auflage. Vierter Band. Berlin, We i dm a nn sche Buchhandlung. 1864 . Reise um die Welt mit der Nomanzofsischm Entdeckung - Expedition in den Jahren 1815 — 18 auf der Brigg Rurik, Kapitain Otto v. Kotzebue, von Adelbert von Chamisso. Zweiter Theil. Anhang. Bemerkungen und Ansichten. Vo roo 7rer Naturforscher der Expedition ist ausdrücklich beauftragt worden, diese Aufsätze zu verfassen, die, wie cs die Natur der Dinge mit sich bringt, Untersuchungen, Bemerkungen, Berichtigungen, Entdeckungen enthalten sollen, an denen jedes Mitglied der Expedition Antheil gehabt hat und die als die Früchte ihrer gemeinsamen Bemühungen anzusehen sind. Verfasser verwahrt sich ausdrücklich gegen dm Verdacht, fremdes Verdienst sich aneignen zu wollen. Er wird dagegen für die Redaktion und für die Ansichten, die er ausspricht und die nicht Jeder mit ihm theilen möchte, allein verantwortlich sein. Er erkennt übrigens nur den deutschen Text für sein an. Er hat bei manchen der fremdartigen Gegenstände, die er zu behandeln hatte, zu wohl gefühlt, wie schwer es sei, der Kürze beflissen die Dunkelheit zu vermeiden, um für Uebersetzungen, die er nicht beur- theilen kann, sich verbürgen zu können. Berlin im Dezember 1819. Ich versuche nach sechszehn Jahren diese Aufsätze der Vergessenheit zu entziehen. Ich unterdrücke etliche derselben und gebe die andern unverändert, wie sie schnell nach der Rückkehr verfaßt nach Ablauf eines Jahres dem Erlauchten Ausrüster der Expedition übergeben wurden. Etliche wenige Noten, die ich ergänzend hinzu- iv. 1 2 gefügt habe, unterscheiden sich von den ursprünglichen dadurch, daß sie mit Initial-Buchstaben und nicht wie jene mit Sternchen bezeichnet sind. Seither haben die Pressen von O-Taheiti und von O-Wahu unsere Bibliotheken bereichert und Licht verbreitet über die Sprachen Polynesien's, in Hinsicht derer ich noch im Dunkel tappte. Wichtige Werke der Missionare haben uns über die Völker, unter denen sie gelebt haben, belehrt. Gelehrte aller Nationen haben den großen Ocean befahren, und die Reisebeschreibungen haben sich ins Unglaubliche vermehrt. Seither sind die Engländer unablässig thätig gewesen, die Beschaffenheit des Nordens und der Nordküsten Amerika's zu erkunden. Die Russen haben gleichzeitig die Umschiffung und Aufnahme der Nordküsten Asten's vollendet, und Streitfragen, die ich noch theoretisch abzuhandeln berufen war, sind thatsächlich entschieden worden. Ich lasse diese neuere Literatur unberührt. Dem Vorwurf, daß diese Blätter für mein eigentliches Fach, die Pflanzenkunde, nur Weniges und Dürftiges enthalten, entgegne ich, daß in ihnen nur der erste Eindruck des flüchtigen Blickes niedergelegt werden sollte und konnte, indem die Ergebnisse der Untersuchung einem eigenen Werke Vorbehalten blieben. Ich verweise auf die Diurmou von Schlechtendal, in welcher Zeitschrift fortlaufend Do xluutis in oxpeciitiono Uomunroktmim obsorvntis abgehandelt wird. Ein selbstständiges Werk mit den nöthigen Figuren konnte ohne fremde Unterstützung nicht herausgegeben werden. — Ich habe in diesen Aufsätzen nur etliche Pflanzenbestimmungen berichtigt oder ergänzt; bei einer Umarbeitung derselben konnte alles Botanische daraus wegbleiben. Berlin im April 1835. Adelbert v. Chamisso. Chile. Die Küste von Chile gewährte uns, als wir ihr nahten, um in die Bucht de la Concepcion einzulaufen, den Anblick eines niedrigen Landes. Die Halbinsel, die den äußern Rand dieses schönen Wasserbehälters bildet, und der Rücken des Küstengebirges hinter demselben bieten dem Auge eine fast wagerechte Linie dar, die durch keine ausgezeichneten Gipfel unterbrochen wird, und nur die Brüste des Biobio erbeben sich zwischen der Mündung des Flusses, nach dem sie heißen, und dem Hafen San Vincent als ein anmuthiges Hügelpaar. Wallfische, Delphine, Robben belebten um uns das Meer, auf welchem der Inous xxrikürns uud andere gigantische Arten, die wir zuerst am Cap Horn angetroffen, schwammen; Heerden von Robben sonnten sich aus der Insel Quiquirina, am Eingänge der Bucht, und in dieser selbst umringten uns dieselben Säugethiere wie im offenen Meer; aber kein Segel, kein Fahrzeug verkündete, daß der Mensch Besitz von diesen Gewässern genominen. Wir bemerkten nur an den Ufern zwischen Wäldern und Gebüschen umzäunte Felder und Gehege, und niedrige Hütten lagen unscheinbar am Strande und auf den Hügeln zerstreut. Das niedrige Gebirg der Küste, aus welchem der Biobio bei der Stadt Mocha oder Concepcion breit und ohne Tiefe herausfließt, verdeckt die Ansicht der Cordillera de los Andes, welche sich in Chile mit ihrem Schnee und ihren Vulkanen, in einer Entfernung von mindestens vierzig Stunden vom Meer, hinter einer breiten und fruchtreichen Ebene erhebt und der wissenschaftlichen 1 * 4 Forschung ein noch unversuchtes Feld darbietct. Moli na, der die Cordillera in Peru und in diesem Reiche gesehen, glaubt, daß die hiesigen Gipsel die um Quito an Höhe übertreffen. Der Berg, au dessen Fuß die Stadt und auf dessen Höhe das Fort liegen, ist verwitterter Granit, der kernförmige, uuverwitterte Massen derselben Gebirgsart cinschließt. Die Hügel, welche die Halbinsel bilden, sind Thonschiefer, über welchem roth und dunkelgefärbter Thon liegt, und die niedrigen Hügel, an welchen Talca- guano gegen den Port vo» San Vincent zu lehnt, bestehen nur aus Lagern solchen ThonS, deren etliche, und vorzüglich die obern, mit den in diesen Meeren noch lebenden Muschclarten (Oonebnlepns peruviana, ein großer lt-lvtllus u, s, w,) in unverändertem Zustande angefüllt sind. Der Sand des Strandes und der Ebene zwischen Talcaguano und Concepcion ist durch Schiefertrümmer grau gefärbt. Die hier berühmten Steine des Rio de laS Cruzes bei Arauco sind Geschiebe von Chiastolith, Die Natur hat auf dieser südlichen Grenze Chile's, des Jta- lien's der neuen Welt, die wilderzeugende Kraft nicht mehr, die u»S in Santa Katharina mit Staunen erfüllte, und es scheint nicht der bloße Unterschied der Erdbreitc die Verschiedenheit der beiden Floren zu bedingen. Die Gebirge sind die Länderschciden. Anmuthige Myrten-Wälder und Gebüsche überziehen die Hügel, andere beerentragende Bäume schließen sich mit verwandten Formen dieser vorherrschenden Gattung harmonisch an. Die schöne Ouevinn Lvellnun, aus der Familie der Proteaceen, gesellt sich den Myrten, und von den Vögeln ausgesäet, zieren LoranthuS-Arten Bäume und Gesträuche mit dem fremden Schmucke ihrer roth und weißen Blumen- trauben. Die Uuebsia eoeeinen erfüllt zumeist die bewässerten Schluchten, wenige Lianen ranken im dichteren Walde empor. Eine Lromciineen, die ausgezeichnete Ultcnirni'n eonretntn, beseht mit liegenden Schlangenstämmen und starrenden Blätterhäuptern die sonst nackten dürren Höhen. Die schöne U.-ipagerin rosen, umflicht daS Gesträuch, dessen lichtere Stellen andere Liliacecn: ^mnrMs, ^,1- stroemerin, Lisz-rxnebium n, a. ziere». Den Ocnotheren, Calceolarien, Acaenen u, s. w, mischen sich manche, europäische Gattungen mit neuen Arten ein, und die feuchten Wiesen des Thaies prangen, wie bei uns, mit goldblüthigm Ranunkeln. *) Der Winter ist hier nicht ohne Frost, und es ist nicht ohne Beispiel, daß Schnee im Thale fällt. Die Palme von San Jago (Oocos «kilensis L'lol.) kommt so südlich nicht mehr vor. Die Frucht der Orangen und Citronen reift zwar in den geschützten Gärten von Mocha, aber inan sieht hier nicht die hohen reizenden Orangenhaine, die uns in Brasilien entzückten. Man zeigte uns in einem dieser Gärten einen jungen Dattelbaum, der in gesundem Wachsthum fortzukommen schien, und neben dieser Palme wuchs die Kranen, in imkricuta, der schöne Tannenbaum der Anden, den man nur in der Cordillera wildwachsend antrifft, wo er ganze Wälder bildet und mit seinen Sarnenkörnern die Bewohner ernährt. Die chilesche Erdbeere hatte zur Zeit unsers Aufenthalts weder Blüths noch Frucht. Der Name des Huemul oder Guemul (Lgnus visulems Nol.), nach dem wir uns zu erkundigen eilten, war Niemandem bekannt, und selbst der würdige Missionar, dessen Umgang uns so lehrreich gewesen, wußte von diesem Thiere nichts. So müssen wir die wichtige Streitfrage, die Molina in dessen Betreff in der Zoologie angeregt hat, glücklicher!! Naturforschern zu beantworten überlassen. Aber dieser Schriftsteller scheint uns wenig Autorität in der Naturgeschichte zu verdienen. Wir sahen in Concepcion keine der Kameel- "> Die Familie der Protcacecn und die Gattung Lrnuosrin, ans der Familie der Strobilaeeen, gehören der südlichen Halbkugel an. Die Arten, die in Chile Vorkommen und an Australien erinnern könnten, sind eigenthümliche. Wir sammelten die Konelenin rexens, die nach Brown'S Bemerkung auf Ncuhollanv und in Chile wächst! sie kann als eine Strandpflanze angesehen werden, eben wie die ÜIkSLmvrinntimmum-Arten, die wir hier und in Kalifornien fanden und die, den Arten gleich, die auf Neuholland und auf Neuseeland wachsen, dem L-Iasambriulltksmum scinls vom Cap sehr nahe kommen. Wir müssen unsere Bemerkungen über die geographische Verbreitung der Pflanzen auf die Zeit aufsparcn, wo wir unsere botanischen Sammlungen verarbeitet haben werden. 6 Arten der neuen Welt; sie sind im wilden Zustande nur im Gebirge anzutreffen, und man verschmäht, bei gänzlichem Mangel an Industrie, sie als nutzbare Thiere zu erziehen. Wir sahen überhaupt keine wilden Säugcthiere. Lärmende Papageien durchziehen in zählreichen Flügen die Luft; Kolibris verschiedener Arten umsummen die Blumen; ein Kibitz mit gespornten Flügeln jUarra ebilansis Not.) erfüllt mit gellendem Geschrei die Ebene, welche die Bai von dem Port San Vincent trennt; einzelne Geier (iülintkmrtes ckll.) suchen an dem Strande ihre Nahrung, und häufige Fischervögel und Enten bedecken das Meer, sich auf die Bänke niederlassend, die bei Talcaguano aus den Wellen hervorragen. Wir sahen von Amphibien einen kleinen Frosch und eine kleine Eidechse, glauben aber auch außerdem eine Schlange, obgleich Molina deren keine aufzählt, wahrgenommen zu haben. Unter den Muscheln waren uns Ovnebolexns xoruvianu und Lalunus Usittaeus merkwürdig. Wir fanden unter andern Insekten den kleinen 8oorpic> duleusis, der nach Molina keine Ausnahme von der Regel macht, daß Chile kein einziges giftiges Gewürm innerhalb seiner Grenzen hegt?) Es bleibt nach Feuillae's und Molina's Vorarbeiten, nach Ruiz und Pa von, nach Cava nilles, der manche chilesche Pflanzen nicht immer ohne Verwechselung beschrieben hat, für die Naturgeschichte dieses Landes noch viel zu thun und zuvörderst viele Jrrthümer wegzuräumen?*) *) Die Scorpione sind im Allgemeinen minder gefährlich als gefürchtet. Am Vorgebirge der guten Hoffnung sind zwei große Arten gemein, deren jegliche vorzugsweise in verschiedenen Gegenden vorkommt. An jedem Orte gilt die seltenere Art für die giftigere, und die Wahrheit ist, daß der Stich von keiner gefährlichere Folgen nach sich zieht als der Stich einer Wespe. — Die un« belehrten, sprachen aus eigener Erfahrung. Die Scorpione sind eine Lieblingsspeise der Affen. 1714 — 1728 . 4 . 7 Wir haben, was die Sitten der Einwohner, die zuvorkommende, unvergleichliche Gastlichkeit der oberen Klasse und den Zustand der Kolonie überhaupt anbetrifft, nur an die Berichte von Lape,rouse und Bancouver zu erinnern. Wir fanden nur die Tracht der Frauen, die der Erste beschreibt und die man im Atlas zu seiner Reise abgebildct findet, verändert; sie hat seit acht bis zehn Jahren unscrn europäischen Mod'en Platz gemacht, nach deren neuesten sich die Damen angelegentlich erkundigten, und es zeichnen sich blos in der Männer-Tracht der araucauische Poncho und der breitrandige Strohhut aus?) Aber wir konnten uns nicht bei der freien und anmuthigen Geselligkeit, die wir in Concepcion genossen, ernster und trüber Betrachtungen über die politische Krisis, worin dieser Theil der Welt begriffen ist, erwehren. Wer mitten in einem Bürgerkriege nüchtern zwischen die Parteien hintritt, gewahrt auf beiden Seiten nur beim Haufen blinde wilde Trunkenheit und Haß. Wir sahen nur die königliche Partei, die Mauren, wie, der Geschichte des Mutterlandes eingedenk, die Freigesiunten sie nennen. Wir sahen, im Gegensatz mit zahlreichen glänzenden Frauenvereinen, nur wenige Männer, nur Offiziere und Beamte des Königs und ein zerlumptes, elendes, kümmerlich zusammen gebrachtes Soldatenvolk. Llolina, LsZVio sulla storia naturslv cko! Okili. LoIo§nn 1782. 8. sveouäa vclirionv LolvANk». 1810. 4. klärt nicht auf, was ln der ersten Ausgabe dunkel gelassen worden. et I>avon, k'lornv l?vr:rvikmae vt 6kilLN8is proürvirius. Aluckriti 1794. Romav 1799. L^teinu vLALtnbiliurrr k'l. ?6r. vt Okrl. Llnärit. 1798. k'Iora keruviann et Oliilunsis. Alacl. 1798 et 99. Das rostrntum Oav. ist das Lr^nZiurn nicht, das bei Talcaguano wächst, sondern L. panieulatwui. *) Der Poncho ist eine längliche, viereckige, mit bänderähnlichen Verzierungen der Länge nach gestreifte Decke von eigenen: wollenem Gewebe, in deren Milte eine Schlitze eingeschnittcn ist, durch die man den Kopf steckt. Die zwei Enden hängen nach vorn und hinten. Chile empfängt sonst die Moden aus Lima, aber man trägt den chiteschen Poncho auch in Peru. 8 Von den zur Zeit unterdrückten Patrioten saßen viele in den Stadtgefängnissen, deren Raum durch eine Kirche erweitert worden, und wurden zum Bau des Kastels gebraucht, das, die Stadt im Zaume zu halten, erbaut wurde. Andere waren nach der Insel Juan Fernande; abgcführt worden, andere, und unter ihnen viele Geistliche, hatten sich in Buenos-Ayres unter der Fahne des Vaterlandes gesammelt, die man uns, nach dem Falle von Carthagena, den wir mit enthusiastischer Freude feiern sahen, als gänzlich überwunden darstclltc. Und Chile, das uns Moli na als ein irdisches Paradies beschreibt, dessen fruchtbarer Boden jeder Kultur angeeignet ist, dessen Reichthum an Gold und Silber, Korn, edlem Weine, Früchten, Produkten aller Arten, an Bauholz, an Rinder-, Schaf- und Pferdezucht überschwänglich ist, darbt in gefesselter Kindheit ohne Schifffahrt, Handel und Industrie. Der Schleichhandel der Amerikaner, deren Vermittler die Mönche sind, versieht es allein gegen gemünztes Geld, ohne daß es seine Produkte benutze, mit allen Bedürfnissen, und dieselben Amerikaner treiben allein den Wallfischfanz auf seinen Küste». Die Geschichte hat über die Revolution geurtheilt, der die Freistaaten von Amerika ihr Dasein, ihren Wohlstand, ihre rasch zunehmende Bevölkerung und Macht verdanken; und alle Völker Europas schauen dem Kampfe der minderjährigen spanischen Besitzungen mit unverhohlenem Glückwünsche zu. Die Trennung vom Mutterland? ist vorauszuseheu, aber cs ist zweifelhaft, wann weise ruhige Entwickelung den Uebergang von der Unterdrückung zur freien Selbstständigkeit besiegeln werde. Die Stadt Mocha ist regelmäßig und groß angelegt, die Häuser aber niedrig und weitläufig, nur nach den innern Hofräumen mit Fenstern versehen. Die Bauart ist wohl auf häufige und starke Erdbeben, keineswegs aber auf Winterkälte eingerichtet. Man kennt weder Kamine noch Oefen. Aermere besitzen sogar keine Küchenheerde und bereiten ihre Speisen im Freien oder unter der Vorhalle. Abends brennen auf den Straßen von Talcaguano häufige Feuer, bei welchen sich die Menschen wärmen, und wir waren Zeugen 9 einer Feuersbrunst, die dadurch entstanden war und ein Haus in Asche verwandelte. Die Weinberge, die den geschätzten Concepeion-Wein hcrvor- bringen, sind in beträchtlicher Entfernung von der Stadt gelegen. Der Wein wird wie das Korn in ledernen Schläuchen hereingebracht und man verwahrt ihn in großen irdenen Gefäßen. Tonnen giebt es nicht; Lastthiere, Esel, deren Race vorzüglich schön ist, und Maul- thierc vertreten die Stelle der Fuhrwerke, deren es nur wenige giebt und unbeholfen wie in St. Catharina. Der Gouverneur-Intendant besitzt allein eine in Lima verfertigte Kalesche und gebraucht sie selten oder nie. Die Pferde sind schön und gut und das Reiten allgemein; die Frauen reiten ebenfalls oder gebrauchen auf ihren Reisen Karren, die unfern Schäferhütten ähnlich sind und von Ochsen gezogen werden. Der Creol ist immer nur zu Pferde, der Aermste besitzt wenigstens ein Manlthier, und selbst der Knabe reitet hinter den Eseln her, die er treibt. Die Wurfschlinge ist im allgemeinen Gebrauch. Wir erwähnen einer Sitte, die, seltsam auf religiösen Begriffen begründet, unser Gefühl beleidigte. Wenn ein Kind nach empfangener Taufe stirbt, wird am Abend vor der Beerdigung die Leiche selbst wie ein Heiligenbild aufgeputzt und im erleuchteten Hausraume aufrecht über einer Art Altar ausgestellt, der mit brennenden Kerzen und Blumenkränzen prangt. Die Menge findet sich dann ein, und man vergnügt sich die Nacht über mit weltlichem Gesang und Tanz. Wir waren zweimal in Talcaguano Zeuge solcher Feste. Einzelne Araucaner, die wir in Concepcion sahen und die den Aermern ihres Volkes angehörtcn, welche sich den Spaniern als Tagelöhner verdingen, konnten uns kein wahres Bild jener kriegerischen wohlredcnden, starken und reinen Nation geben, deren Freihcitssiun und gelehrte Kriegskunst ein unüberwindliches Bollwerk den Waffen erst der Jucas und sodann der vernichtenden Eroberer der neuen Welt entgegensetzten. Die Peruvianer drangen nicht südlicher in Chile vor als bis zum Flusse Rapel, und der Biobio ist die eigentliche Grenze der Spanier geblieben, die südlicher nur die Plätze S. Pedro, Arauco, Valdivia, den Archipelagus Chiloe und unbe- 1V deutende Grenzposten besitzen, zu denen der Weg durch das unabhängige Land der Indianer führt. Wir werden über die Geschichte von Chile und seine Völker nicht Bücher ausschreibcn, die Jeder zur Hand nehmen kann.*) Ovalle ist getreu, ausführlich und weitschweifig. Molina schreibt mit Vorliebe für sein Vaterland eine Geschichte, die man nicht ohne Vorliebe lesen kann; und wahrlich, die Geschichte eines Volkes, das noch auf der Stufe steht, wo der Mensch als solcher gilt und in selbstständiger Größe und Kraft hervortritt, muß anziehender sein als die der polizirtcn Staaten, wo Rechncnkunst obwaltet, der Charakter zurücktritt und der Mensch nur abwägt oder abgewogen wird. Unter den Quellen zu der Geschichte von Chile werden mehrere spanische Heldengedichte aufgezählt, worunter die Araucana von Don Alonzo de Ereil la den ersten Rang behauptet. Dieses Werk wird im Don Quixote rühmlich erwähnt; Voltaire hat es gelobt, und eine Ausgabe davon ist in Deutschland (Gotha 1806—7) erschienen. Dieses schon versificirte historische Fragment, dessen Verfasser Kriege besingt, worin er selber gesuchten, verdient weniger die Aufmerksamkeit der deutschen Literatoren, als die der Geschichtsfor- *) Ovalle (?. .^1vQ2o) Lreve rclaeioa ä«1 Ruzmo tlo Olrili 1646. Aloliua, 8ax§io sulla storia civil« clel Oliili 1787. 8. Der Abate Giovanni Jgnazio Molina, ein geborner Chileser, wird zu den vorzüglichsten Schriftstellern der italienischen Literatur gerechnet. Wir bedauern, daß sein historisches Werl nicht, wie sein naturhistorisches, ins Deutsche übertragen worden. Man kann in demselben einen Oataloxo äi scrittori ävllv cos« clvl Oüili Nachsehen; einen Nachtrag zu demselben in M- türiästes, 3. Thl. 2. Abth. x. 391 u. folg, und in I^inxuarurn totius vrbis inäsx 8. B«r. 1815. p. 18. Unter den Hülfsmitteln zur Erlernung der araueanischen Sprache heben wir aus: L. HavestaLlt OkiliäuAu. klonast. 1777, welches, zugänglicher als die verschiedenen in Lima erschienenen Ausgaben von Luis de Valdivia allen Sprachforschern wie uns zu Gebote stehen wird. — Molina selbst giebt im 8nMv sulla storia civil« ein sehr bestimmtes und klares Bild dieser schönen Sprache. Wir werden an andcrm Orte Veranlassung finden, die Völker und Sprachen von Südamerika mit denen der Inseln des großen Occan's und des östlichen Asien's zu vergleichen, und erwähnen nur, daß uns unsere Forschung davon entfernt hat, eine Gemeinschaft unter ihnen anzunehmen. scher. Dis Geschichtsschreiber beziehen sich mit Zutrauen darauf, und cs ist in Chile, wo es für ein nationales Gedicht gilt, das Buch, das am meisten gelesen wird. Wir werden die Notizen, die wir dem Pater Alday, einem Missionar, der einen Theil seines Lebens unter diesen Völkern zugebracht hat, verdanken, als einen Nachtrag zu den Geschichtsschreibern von Chile mittheilcn und nur noch Weniges erinnern. Der letzte Vertrag zwischen den Spaniern und Indianern ward Anno 1773 geschlossen. Letztere unterhalten feit dieser Zeit einen Residenten beim Kapital»-General von Chile in San Jago, und der Friede hat ungestört bestanden. Laperouse scheint geflissentlich getäuscht worden zu sein, um ihn oder die Gelehrten seiner Expedition von einer Exkursion ins Innere des Landes abzuhaltcn. Man spiegelte ihm einen Krieg vor, von dem die Geschichte nichts weiß. Man sagte uns, daß unter den jetzigen Umständen die Indianer treu an dem Könige von Spanien hingen und die Bergpässe gegen die von BuenoS-Ayres besetzt hielten. Die direkte Kommunikation der Kolonie mit dem Mutterlands, die sonst über die Cordillera bei Mendoza, die Pampas und Buenoö-Ayres ging, ward zu unserer Zeit über Lima und Carthagcna wiederhergestellt. Ein Parlament, feierliche Volksversammlung der Indianer, bei welchem spanischer Seits der Äapitain-General selbst erscheint, wo die Interessen beider Nationen erwogen und der Freundschaftsbund besiegelt wird, sollte binnen wenigen Wochen am gewohnten Grenzorte I-os anZeles gehasten werden, und es war uns schmerzlich, diese Gelegenheit zu verfehlen, die große Versammlung eines freien Volkes zu sehen, dessen Geschichte, selbst von seinen Erbfeinden ausgezeichnet, an großen Männern und Thaten so reich erscheint. Notizen des Missionar's Pater Alday. (Aus dem spanischen Manuskript übersetzt.) Die Geschichte des Reiches Chile ward vom Antange an durch Garcilaso de la Bega, seiner Geschichte von -Peru beigcnüscht, aut- geschrieben. Unser berühmter Ereilla verherrlichte sie bis zu dein Ende seiner eigenen Sendung in heroischen Berscn. Auf daS treffendste schrieb in Rom der Pater Ovallc die Thaten und Schicksale dieses Reiches von dessen Begründung an bis zu seiner Zeit, und endlich der Abatc Moli na vollendete das Werk und führte diese Geschichte in allen ihren Theilen auS. Dieser gelehrte Erjesuit handelt, was das Mineral- und Pflanzenreich anbetrifft, auf daS vorzüglichste, so daß dem, was er darüber sagt, nichts hinzugefügt werden kann. Unerschöpflich sind die Reichthnmer, die Chile hegt, sein Boden ist der angemessenste für jedes der Erzeugnisse, die Europa bereichern, indem es an seinen äußersten Grenzen einer gleichmäßigen Temperatur genießt und weder die Gewitter kennt, die dein Seidenwurme feind sind, noch den Hagel, der die Früchte der Erde gefährdet. Kein reißendes Thier hält sich in seinen Gebirgen auf, das den Menschen bedrohen könnte, und kein einziges giftiges Gewürm kommt innerhalb seiner Grenzen vor. Die Indianer, die das Land von dem Flusse Biobio an bis zu Osorno bewohnen, sind in vier Provinzen eingetheilt, die sich wie vier Streifen vom Norden zum Süden erstrecken. Ihre Anzahl kann sich auf ungefähr 80,000 Seelen belaufen. Sie sind im Allgemeinen von mehr als mittlerer Statur, kräftig und stark und von großer 13 — Behendigkeit. Alle sind außerordentlich dem Trünke ergeben*), und dies ist der Hauptgrund der Verminderung, die wir unter ihnen bemerken, wenn wir ihre jetzige Volksmenge mit der vergleichen, welche uns die Geschichte zur Zeit der Eroberung zeigt. Deshalb tagt auch ein scharfsinniger Beobachter, Don Garcia Hurtado de Mendosa habe den ärgsten Krieg gegen sie geführt, als er ibnen den Apfelbaum gegeben. Diese Bäume bilden nun ganze Wälder in ihrem Gebiete. DaS Blut der Indianer findet sich heut zu Tage nirgends mehr rein. Es rühret her theils von den vielen Spaniern, die eine Zuflucht vor der Gerechtigkeit unter ihnen gesucht, theils von den Spanierinnen, die sie bei Zerstörung von neben Kolonien in verschiedenen Ereignissen des Krieges zu Sklavinnen gemacht, theils von den Holländern, die in so großer Anzahl von der holländischen Expedition desertirten, welche unter der Regierung Philipp's IV. bei Baldivia landete, daß deren Führer bei seinem Rückzuge zwei Galeonen zu Grunde bohren mutzte, die zu bemannen er nicht mehr stark genug war. Man sieht jetzt die Nachkömmlinge dieser Holländer von Villariea und Tolten bis zu den Ufern des Itio äs In Imperial**). Das Land der Indianer ist, nach Maßgabe der Polhöhe, von gleicher Fruchtbarkeit mit dem der Spanier. Aber man sieht darinnen, wegen der beträchtlich verminderten Bevölkerung, viele mit hohen Bäumen und niedrigem Gesträuche bewachsene Felder, deren ebener Boden bezeugt, daß sie einst dem Feldbau angehörten, und von denen sich aus vielen Zeichen darthun läßt, daß sie ihre ehemaligen Bewohner verloren haben. Die zahlreichen Baumarten, die im Lande der Indianer, sowohl in der Ebene als auf dem Abhange der Cordillera, wachsen, kom- ») Ihr berauschendes Getränk ist Apfelwein; auch ärmere Ereolen bereiten und trinken ihn. liebers. »») Die Nachrichten, die wir von der Expedition der Holländer nach Chile im Jahre lSäS unter Hendrick Brouvcr haben, sind im entschiedenen Wider- sprach mit den hier angeführten Thatsachcn. Man vcrgl. Lnrney olrronolo- Aicnl Iristory 1. I. x. III. Molina berührt nur flüchtig dieses Ereigniß. Hebers. me» in den, spanischen Gebiet auch vor. Der Taijo nur macht eine Ausnahme. Die Rinde dieses Baumes, die glatt ist von der Dicke einer Linie, ist für die Heilung innerlicher Aposteme und jeder Art Fistel oder Wunde von besonderer Kraft. Man trinkt für innerliche Aposteme und Geschwüre Wasser, worin sie gekocht werden, und man badet und wäscht sich für solche äußerliche Uebel mit diesen: Wasser und überstreut sich sodann mit dem Pulver derselben Rinde, die getrocknet und zerrieben worden. Die übrigen -Pflanzen und Kräuter dieses Landstrichs sind von gleicher Eigenschaft mit denen, die das spanische Gebiet hervorbringt. Alan trifft in den Gebirgen Löwen an, die sich von andern Thieren ernähren, den Menschen aber, die sie meiden, unschädlich sind. Daselbst kommen auch etliche Bergziegcn und Rehe, von der Größe eines Lammes, vor; ihr Fleisch ist von gutem Geschmack. Die Flüsse sind an guten Forellen und geringeren Fischartcn reich. An ihren Ufern kommt ein Thier vor, jedoch nicht häufig, welches von Fischen lebt, von den Spaniern Wasserkatze und von den Indianern Guillin genannt wird. Sein Fell giebt ein schätzbares Pelzwerk ab, und das äußerst feine Haar hat seines Gleichen nicht für die Verfertigung von Hüten*). Wir kehren zu den Indianern zurück. Sie gebrauchen, um die Freiheit ihrer Staaten zu bewahren, eine gar behutsame Politik. Sie lassen keinen Spanier noch Fremden durch ihr Gebiet reisen, geschweige denn dasselbe durchforschen, ohne Vorwissen und Erlaüb- niß des Kaziken des Distriktes, welche Erlaubniß er nie ertheilt, ohne den wohl zu kennen, dem er sie giebt. Dies wird auch in Ansehung der Missionare beobachtet, die im Innern des Landes von einer Mission zur andern reisen, ohne von dem Missionare des Distriktes selbst begleitet zu sein; denn gegen diesen besondere Vorsichtsmaßregeln zu gebrauchen, so weit erstreckt sich das Mißtrauen des Indianers nicht. Ich werde daS Maaß ihrer mißtraulichen Bedächt- lichkeit angeben. Die mehrsten Indianer sind Christen, und alle, ohne Ausnahmen, mögen und wollen, daß ihre Kinder getauft wer- 6astvr kiuiäodrius. Uolinu.. IS den; aber sie weigern sich, sobald als solche in dem Alter sind, um den christlichen Unterricht zu empfangen, sie der Kirche zu überantworten, weil, sagen sie, die Missionare, falls sie sich der Kinder be- meisterten, sich auch der Eltern bemeistern und sie also die politische Freiheit ihrer Väter einbüßen wurden. Es werden daher in den Tabellen, die ich cinreiche, nur die Indianer aufgeführr, die in den bestehenden Missionen als Kinder der Kirche leben, und nicht solche, die sich mit den Heiden des Distrikts vermengt. Man kann im klebrigen die Relation von Thomas Falkau er gedruckt in London Lnno 1774, Nachlesen; dieser geborne Engländer brachte in Paraguay, dem Reiche Chile und an den patagonischen Küsten vierzig Jahre zu. Die Eintheilung der Indianer in vier Provinzen ist bereits erwähnt worden. Namentlich die Araucaner, die Llanistas oder Bewohner der Ebene, die Huylliches und die Pehuenches. Die Araucaner bewohnen die Küste, eingctheilt in folgende Gouvernements: Arauco, das der ganzen Provinz den Namen giebt; Tucapen, aus welchem sie stets zu ihren größten Unternehmungen ihre Feldherren erwählt haben, Lleulleu, Tixua, Imperial bapa, Doxoa, Tolten, wo die Gerichtsbarkeit von Valdivia anfängt, Maxiguirra, Valdivia, Cudico, Cuincos. Jedes Gouvernement hat seinen ersten Kaziken, der allen Bezirken befiehlt, die sein Gebiet umfaßt. Jedem Bezirke steht ein Indianer von Ansehen vor, mit dem Namen Guilmen. Die Würden von Kaziken und Guilmen sind erheblich. Dieselbe Eintheilung in Gouvernements und Bezirke und dieselben Namen von Kaziken und Guilmen finden in den drei andern Provinzen statt, bei den Llanistas, Bewohnern der Ebene, den Huylliches, Bewohnern des Abhanges der Cordillera, den Pehuenches, Bewohnern ihrer Höhen und innern Thäler. Kein Kazike oder Guilmen mischt sich in eines Andern Gebiet ein. Sie berufen, um wichtige Geschäfte abzuhandeln, Provinzial-Versammlungen, die der Küste von Arauco bis zu Tolten, in Chile, und die von Tolten bis zu Cumcos 16 in Valdivia. Unter ihnen herrscht die größte Eintracht. Die Ka- ziken kommen allein mit wenigen Kriegsleuten zu den Provinzial- Versammlungen; betrifft aber das Geschäft das ganze Land, so nehmen Beauftragte der andern Provinzen Anthcil an den Rathschlägen, nachdem die Sache in der Versammlung einer jeglichen erwogen worden. Alle Indianer, bis aus die Pehuenches, bauen das Feld und säen Weizen, Mais, Gerste, Bohnen verschiedener Arten und Lein, dessen Samen sie essen und dessen Stroh sie zu Besen benutzen. Sie besitzen Alle Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Hühner; die Maulthiere sind selten. Sie pflanzen oder säen weder Gartengewächse noch Fruchtbäume. Rinder und Pferde verbreiten allein den Sauren des Apfelbaumes. Die Pehuenches besitzen viele Stutereien, die sie durch Fleisch und Milch mit Speisen versorgen, und ob sie gleich Rinder und Schafe halten, so essen sie doch nie deren Fleisch. Sie verarbeiten selbst die Wolle ihrer Schafe und verhandeln die Rinder an die Spanier. Die Frauen sind im Allgemeine» sehr arbeitsam, sic helfen ihren Gatten bei den Arbeiten des Feldes und leben dem Manne dergestalt unterwürfig, daß die Buße, die Gott dem ersten Weibe auferlegte, sich an ihnen in ihrer ganzen Fülle offenbart. 18 Kurze Nachricht der Missionen, die sich verloren haben, mit Bemerkung des Jahres, worin sie gestiftet und eingezogen, und der durch sie gewonnenen Fruchte. Missionen I a der Stiftung h r des Verlustes Taufen Ehen Begräbnisse -P. Culaco 1758 1766 59 6 26 P. Rorinleyu 1758 1766 — ___ — P. Lotto 1766 1766 52 — — C. Imperial baxa 1768 1787 4 — — B. Tolte» el baxo 1776 1787 179 6 6 294 12 32 Missionen > ^ Geograph. Lage*) Breite ! Länge i Ausdehnung dl. 8. O.tV. Entfernung v. Colleg. Be- zirke Valdivia 39°47' 302° 28' 6 7 160 10 Marigujlia 39 24 302 31 6 7 140 10 Arique 39 47 302 48 4 5 155 8 Niebla 39 49 302 32 9 2 160 6 Nanihue 39 32 302 48 10 8 145 9 Quiiichilca 39 42 303 18 13 10 179 12 Rio bueno 40 29 303 24 7 8 190 12 Dalli Pulli 40 18 303 21 7 8 187 8 Cudico 40 15 303 18 4 4 185 7 Quilacahuin 40 27 303 18 6 4 193 6 Cuvunco 40 36 303 21 8 7 199 7 Costa 40 37 302 47 7 4 201 6 Arauco 37 21 302 30 20 4 50 16 Tucapen 37 56 302 30 18 6 70 24 St. Barbara ist allein ein Hospitium ohne Seelsorge- 36 41 304 2 40 Astronomisch bestimmt durch Cedillo. 19 Bemerkungen zum leichtern Verstävdniß. Die mit h bezeichnten Missionen verdanken ihre Stiftung den Jesuiten und kamen in die Hände der Franciskaner in dem Jahre, welches in der Tabelle eingetragen ist. Die unter dem Buchstaben V angeführten liegen in der Gerichtsbarkeit von Valdivia, die unter dem Buchstaben O in der Gerichtsbarkeit von Osorno, die unter dem Buchstaben C in der Gerichtsbarkeit von Chile. Alle sind eigentliche Missionen, St. Barbara ausgenommen, welche ein Hospi- tium für die ist, die zur geistlichen Gewinnung der Nation Pehuenche, welche die Cordillera bewohnt, bestimmt sind. Daselbst hatten die Franciskaner drei Missionen, die in der zweiten Tabelle mit dem Buchstaben P aufgeführb sind, mit Bemerkung des Jahres, worin sie verloren gingen. Sie sind aus Mangel an Missionaren nicht wiederhergestellt worden, obgleich im Jahre 1803 die Indianer darum angehalten, da sie wohl erkennen, zu welchem Nutzen es ihnen gereicht, Missionare unter sich zu haben, die ihnen helfen und Einhalt thun der Wuth ihres thörichten Heidenthums. Die in derselben Tabelle mit dem Buchstaben C bczeichnete Mission gehörte zu Chile, die mit dem Buchstaben V zu Valdivia. Die drei ersten Missionen der zweiten Tabelle liegen in den Voralpen der Cordillera de los Arides, woselbst von dem Ursprünge des Flusses Nuble an bis zu dein Archipelagus Chiloe sich folgende Vulkane befinden: Chillan, Antuco, Callagui, Chandel, Villa rica, Huanchue, Copi, Llanguihue und Purarauco. Es ist zu bemerken, daß sich am Fuße jeglichen Vulkans ein großer See befindet und daß die Hauptflüsse dieses weiten Landstriches aus diesen Seen entspringen. Namentlich vom Chillan oder aus seinem See fließt der Fluß Nuble, vom Antuco die Laxa, vom Callagui der Biobio, vom Chandel der Imperial, vom Villa rica der Tolten, vom Huanchue der Fluß von Valdivia, vom Copi der Rio bueno, vom Llanguihue der Pilmayguen, und vom Purarauco der Fluß Rauhue, der das Gebiet von Osorno bewässert und auf dem halben Wege nach Chiloe einen zweiten Arm bildet, der den Namen Maypuhue erhält. 2 * 20 Die Indianer, die die Cordillera bewohnen, heißen Pehuenches, ein Name, der sich von den Tannen*) herleitet, die daselbst in großer Menge Vorkommen. Sie sind äußerst rüstig und über allen Begriff gegen die Hitze und die Kälte abgehärtet, sie sind gleich tapfer und kühn, und die Bewohner des Thales fürchten sie. Ihre gewöhnliche Nahrung ist Pferdefleisch und Tannenkerne, die das Gebirge im Ueberfluß hervorbringt. Sie säen keinerlei Saaten, und wenn sie Gemüse begehren, so tauschen sie solche von den Indianern der Ebene gegen Salz und Tannenkerne ein; sie treiben denselben Tauschhandel mit den Spaniern aus dem Gebiete der Cordillera. Sie besitzen äußerst reiche Salinen, die sich zwei Tagereisen weit von Osten nach Süden erstrecken, ohne daß man in dieser Ausdehnung einen einzigen Tropfen süßen Wassers anträfe. Das Salz ist sehr gesund, weiß wie Schnee und läßt sich leicht so fein als Mehl zerreiben. Die Weiber, die sehr arbeitsam sind, weben viele Ponchos, und die Männer verfertigen zu Zeiten, und gleichsam zur Erholung, Troge und andere Holzarbeiten. Diese Industrie ist die Frucht ihres Verkehrs mit den Spaniern. Die Tanne ist unter den wenigen Baumarten, welche die Cordillera hervorbringt, die vorzüglichste. Dieser Baum wächst bis zu der Höhe von 25 Varas chungefähr 75 Fuß) und seine Stärke ist seiner Höhe angemessen. Es ist zu glauben, daß, wenn man ihm nur einige Aufmerksamkeit schenkte, er als Schiffsbauholz alle übrigen Holzarten übertreffen würde. Die Pehuenches verkehren mit den Spaniern jenseits der Cordillera bis Buenos Apres. Sie führten ehemals Raubzüge durch die Pampas aus, plünderten die Reisenden, brachen in die geringer» Dörfer und Ansiedlungen der Spanier ein, mordeten die Männer und entführten die Weiber und Kinder, die sie als Sklaven behandelten. Die Missionare haben einige dieser Unglücklichen losgekauft und befreit. Jetzt werden die Pehuenches durch die zwei Forts S. Juan und S. Carlos im Zaume gehalten, welche die aus Mendosa an angemessenen Orten errichtet haben. Californien.^) Ein niederes Gebirg umzäunt, wo wir sie sahen, die Küste von Californien und verhindert den Blick in das Innere zu dringen. Dasselbe hat kein vulkanisches Ansehn.* **) Der Hafen von San Francisco, in welchem Burney (Thl. 1. x. 354.) mit gelehrter Kritik den Hafen von Sir Francis Drake erkennt, dringt durch ein enges Thor ein, nimmt Flüsse aus dem Innern auf, verzweigt sich hinter den Höhen und macht eine Halbinsel aus dem südlich des Eingangs gelegenen Lande. Das Presidio und die Mission von San Francisco liegen auf dieser Landzunge, die mit ihren Hügeln und Dünen das wenig günstige Feld war, welches sich zunächst unfern Untersuchungen eröffnete. Die Höhen auf der nördlichen Seite des Hafens sind Kiesel- schiefer-Gebirg. Der Hügel, der ihnen auf der südlichen Seite entgegensteht und worauf das Fort liegt, ist von Serpentin. Wenn *> lieber Californien sind nachznsehen: Xoliein Ns In Oalikornin y äa SU. OouHuista, por vl?. Uixucl Vimc§as. Hlaärlcl 1773. 4., wovon: natural aucl civil liistor^ ok Oalikoruia. I^onäou 1759 eine Uebersetzung ist. Diario lristorioo äv los Via^es rlo mar ^ tisrra lmelios al I^orto ü« 1a Lalikoruia. O. Viueeuto Vila. Mexico 1769. Nachrichten von der amerikanischen Halbinsel Californien von einem Priester der Gesellschaft Jesu, welcher lange darin diese letztern Jahre gelebt hat. Mannheim 1773. Und die Reise von Laperouse, Vanconver und Langsdorfs. **) Bei St. Barbara (340 n. B.) erhebt sich von der Küste ein noch wirk-^ samer Vulkan, dessen Fuß das Meer bespült, und noch an andern Orten der Halbinsel offenbart sich vulkanische Natur. 22 man den Strand nach der I?uuta äs los I-obos gegen Süden zu verfolgt, hört der Serpentin auf und man trifft auf etliche fast senkrechte Lager Kieselschiefer, die gegen grobkörnigen Sandstein mit Kalkspathgängen schildförmig anliegen, und dieser Sandstein, aus dem die südlichem Hügel bis zu der kuntn äs los I-obos bestehen, scheint die tiefer liegende Gebirgsart zu sein. — Flugsand liegt an manchen Orten in einer beträchtlichen Höhe über dem Stein und es hat sich stellenweise ein neuer Sandstein erzeugt. Die Gegend um St. Francisco bietet in der nördlichen Halbkugel eine bei weitem ärmere Natur dar, als unter gleicher Breite die Küste von Chile in der südlichen. Im Frühjahr, nachdem der Winter der Erde einige Feuchtigkeit gegönnt, schmücken sich zwar die Hügel und Fluren mit prangenden Schwertlilien und andern Blumen, aber die Dürre zerstört sie bald. Die Nebel, welche die herrschenden Seewinde über die Küste herwehen, lösen sich im Sommer über einer erhitzten und durstenden Erde wieder auf, und das Land zeigt im Spätjahr nur den Anblick kahler braungebrannter Räume, die mit kümmerlich dem Boden an- gedrücktcn Gebüschen und stellenweis mit blendenden Triebsandwüsten abwechseln. Dunkle Fichtenwälder zeigen sich hie und da auf dem Rücken der Berge zwischen der ?unta äs los ko^es und dem Hafen von St. Francisco. Hierselbst ist eine stachelblättrige Eiche*) der gemeinste und stärkste Baum. Mit zackig gekrümmten Aesten, dicht gedrängten mit Usneen behängten Zweigen, liegt sie gleich dem andern Gesträuch landeinwärts gebogen, und die belaubten Flächen, die der Seewind bestreicht, scheinen wie von der Scheere des Gärtners geebnet. Die hiesige Flora ist arm und wird von keiner der Pflanzenformen geziert, die eine wärmere Sonne erzeugt. Sie bietet aber dem Botaniker vieles Neue dar. Bekannten nordamerikanischen Gattungen**) gesellen sich eigenthümliche***), und die *) Quereus axrikolia. **) O-ariotkus, Emulus, Osnotkska, Loliäaxo, ^.stsr, Rkamnus, 8aUx, ^.eseulus? u. s. w. Wilde Weinarten, die wir selbst nicht angetroffen, sollen weiter im Innern häufig sein und wohlschmeckende Früchte tragen. ***) ^.drouia, LsetiselioltLis. Odam. und neuzubeschreibende. 23 mehrsten Arten sind noch unbeschrieben. Nur Archibald Men- zies und Langsdorfs haben hier gesammelt, und die Früchte ihres Fleißes sind der Welt noch nicht mitgetheilt. Uns war die Jahreszeit nicht die günstigste. Wir sammelten aber den Samen mancher Pflanzen, und dürfen uns versprechen, unsere Gärten bereichern zu können. Diese Wüsten dienen vielen Thieren zum Aufenthalt, deren manche noch unbeschrieben sein mögen. Sie tragen hier den Namen bekannter Arten: kleiner Löwe, Wolf und Fuchs, Hirsch, Ziegen und Kaninchen. Ihr furchtbarster Gast ist aber der Bär, der nach den Berichten der Jäger von außerordentlicher Größe, Kraft, Wildheit und Lcbenszähigkeit sein soll. Er fällt Menschen und Thiere an, ob es ihm gleich an vegetabilischer Nahrung nicht fehlt, und versammelt sich in zahllosen Schaaren bei todt ausgeworfenen Wallfische» am Strande. Sein Fell ändert ab von dem Braunen ins sehr Helle und zeigt oft stellenweise andere Farben. Es scheint nicht der weiße Bär von Levis und Clarke zu sein und ist auch der bekannte amerikanische schwarze nicht. Wir können ihn nicht nach denr Exemplar, das wir gesehen (eine junge Bärin), von dem europäischen braunen unterscheiden, und der Schädel, den der Professor Rudolphi untersucht hat, schien demselben auch zu dieser Art zu gehö-. reu. Der Spanier ist wohl geübt, dieses gefährliche Thier mit der Schlinge zu fangen, und ergötzt sich gern an seinem Kampfe mit dem Stiere. Die Wallfische und Robben des Nordens besuchen diese Küste. Der Seelöwe ist gemein, die Seeotter jetzt nirgends häufiger als hier. Die Vögel sind in großer Mannigfaltigkeit und Menge, der Onolus pboenieeus ist in unendlichen Flügen besonders häufig. Wir bemerkten keine einzige Art aus der Familie der Klettrer, und ein glänzend befiederter Kolibri schien wie ein Fremdling aus dem Süden, der in diese Natur sich verirrt. Mit traurigem Gefühl schicken wir unS an, ein Wort über die spanischen Ansiedelungen auf dieser Küste niederzuschreiben.*) Mit Jeglicher Mission stehen zwei Fmnciskaner-Mönche vor, die sich verbindlich gemacht, Zeh» Jahre in dieser Welt znzubringen. Sie sind von der neidischer Besitzsucht breitet sich hier Spanien aus, nur um Andere» den Raum nicht zu gönnen. Es erhält mit großem Aufwand seine PresidioS und will durch Prohibition alles Handels das baare Geld nach seiner Quelle zurückzufließen zwingen. Ein wenig Freiheit würde aber bald Kalifornien zu dem Kornboden und Markt der nordischen Küsten dieser Meere und der sie befahrenden Schiffe machen. Korn, Rinder, Salz (zu St. Quentin, Alt-Kalifornien), Wein, dessen Erzeugung Nachfrage vermehren würde, geben ihm in mancher Hinsicht den Vortheil über die Sandwich-Inseln, deren Lage auf der Handelsstraße zwischen China und der Nordwestküste freilich die vorzüglichere ist. Und wer, mit Industrie und Schifffahrt, Töchtern der Freiheit, könnte an diesem Handel vortheilhafter Antheil nehmen als eben Kalifornien, das vor allen Küsten jetzt die Seeotter besitzt.*) Aber Kalifornien liegt ohne Industrie, Handel und Schifffahrt öde und unbcvölkert.**) Es hat 6 bis 7 Jahre während der inneren Kriege Spaniens und seiner Kolonien, ohne alle Zufuhr von Mexiko, vergessen geschmachtet. Jetzt erst während unseres Hierseins ist in Monterey das Schiff aus St. Blas eingelaufeu, welches sonst Regel ihres Ordens dispensirt und erhalten Zeder 4M Piaster von der Krone. Mehrere Missionen stehen unter einem Prefidio. Der Kommandant des Pre- sidio, Kapitain der Kompagnie, hat unter sich einen Artillerie-Offizier, einen Kommissar (Okticier xnyour), einen Lieutenant, einen Alferez (Fähndrich) und achtzig Mann. Der Spanier ist immer zu Pferd. Pferde und Rinder werden hier heerdcnweis gehalten, und sind fast verwildert; man fängt sie mit dem Lazo lWurfschlinge). Die Waffen sind Lanze, Schild und Muskete. Die PresidioS haben keinen Ackerbau; kaum legen die Offiziere Gärten an, sic betrachten sich wie Verbannte, die ihrer baldigen Zurückbcrufung harren. Die Pueblos, deren es wenige giebt, sind Dörfer der Spanier. Einige anfangs ausgcschickte Kolonisten und ausgediente Soldaten machen die Bevölkerung aus. Ihre Weiber sind meistens Indianerinnen. Der Gouverneur von Neu-Kalifornien in Mon- tereh steht», wie der von Alt-Kalifornien in Loretto, unter dem Vicckönig von Mexico. Zu St. Francisco war zur Zeit der Lieutenant, nach dem Tode des Kapitains, Kommandant uck interim, der Alferez abwesend. Die kalifornischen Sreotterfclle stehen wirklich den nördlichem nach, der Unterschied ist aber so sehr beträchtlich nicht. "*) Man urtheile: Der Ccntncr Mehl, der in den hiesigen Missionen s Piaster kostet, kostet in St. Blas 40 Piaster und in Acapulco 50 Piaster. 25 jährlich i>ie Ansiedelungen versorgte. Im Hafen von St. Francisco besitzen die Missionen einzelne schlechte Barkassen, die fremde Gefangene gebaut. Das Presidio selbst hat kein Boot, und andere Hafen sind nicht besser versehen. Fremde fangen die Seeotter bis im Innern der spanischen Häfen, und ein Schleichhandel, dem erst seit seinem Antritt (14 Monate) der jetzige Gouverneur von Neu-Cali- fornien sich zu widersetzen strebt, versorgt allein diese Provinz mit den unentbehrlichsten Bedürfnissen. Spanien hat in der Sache von Nootka nachgegeben; jetzt verhandeln, ohne Rücksicht auf seine citeln Gebietsansprüche, England und die Freistaaten von Amerika über die Ansiedelungen am Ausfluß der Columbia, und die russisch-amerikanische Compagnie hat noch eine Niederlassung wenige Meilen nördlich von St. Francisco. Man schiebt aber der Erhaltung dieser Ansiedelungen einen andern Grund unter, als einen politischen: nämlich die fromme Absicht der Verbreitung des Glaubens Christi und der Bekehrung der heidnischen Völker. Diesen Gesichtspunkt gab uns selbst der Gouverneur dieser Provinz als den richtigen an. Wohlan, hier wird also ein gutes Werk zweckwidrig begonnen und schlecht vollführt. Die frommen Franciskaner, welche die Missionen in Neu-Cali- fornien halten, sind in keiner der Künste und Handwerke unterrichtet, die sie hier ausüben, lehren sollen; in keiner der Sprachen, welche die Völker sprechen, an die sie gesandt sind. Es sind Mönche, wie eben in den Klöstern Europa's.*) Sie stehen je Zwei in jeder Mission einer beträchtlichen Landwirtschaft vor, halten den Gottesdienst und unterhalten sich durch Dolmetscher, die selbst Indianer sind, mit ihren Pflichtbefohlenen. Alles Eigenthum gehört der Gemeinde der Mission an und wird von den Vätern verwaltet. Der Indianer selbst bezieht unmittelbar keine Frucht von seiner Arbeit; keinen Lohn, wenn er etwa auf dem Presidio als Tagelöhner vermietet wird. Die Mission, dieses Vernunftwesen, bezieht den Pfennig, *) Eine in der Mission von St. Francisco am Namenstage des Heiligen in spanischer Zunge gehaltene Predigt, worin der Schutzpatron Christo an die Seite gestellt ward, gereichte uns mehr zum Aergerniß als zur Erbauung. 26 den er verdient. Er lernt das Eigenthum nicht kennen und wird durch dasselbe nicht gebunden. Wir verkennen nicht die Milde, die väterliche Sorgsamkeit der Missionare*), deren wir verschiedentlich Zeuge gewesen. Das Berhältniß bleibt aber das aufgestellte und wurde, wie uns dünkt, fast nur dem Namen nach ein anderes sein, wenn der Herr von Sklaven sie zur Arbeit anhielte und nach Willkür vermiethete; ernähren würde er sie ebenfalls. Der Wilde kommt unbedachtsam in die Mission**), empfängt da gern gereichte Nahrung, hört der Lehre zu; noch ist er frei; hat er aber erst die Taufe empfangen, gehört er der Kirche an, so schaut er mit vergeblicher Sehnsucht hinfort nach seinen heimathlichen Bergen zurück. Die Kirche hat ein unveräußerliches Recht auf ihre Kinder und vindicirt hier dieses Recht mit Gewalt. Kann dies befremden, wo das Mutterland noch die Inquisition hegt? Der Wilde ist unbedachtsam, er ist unbeständig wie das Kind. Ungewohnte Arbeit wird ihm zu schwer; er bereut den Schritt, der ihn bindet; er begehrt nach seiner angebornen Freiheit. Mächtig ist in ihm die "1 Ein Beispiel unter andern: die Väter schickten ihre Indianer auf ihrem Boote nach nnscrm Ankerplatz her, blos damit sie sich unser Schiff, ein neues Schauspiel für sie, anschen möchten. Der Indianer in der Mission tanzt am Sonntage, unter den Augen der Väter, seine Nationaltänze, spielt (immer um Gewinn) seine gewohnten Hazardspiele; eS ist ihm nur sein Kleid, ein Stück grobes wollenes Gewebe ans der Fabrik der Mission, zu verspielen untersagt; er kann das gewohnte Schwitzbad genießen. Die Tänze sind wild, verschieden bei jedem Volke; die dazu gesungene oder gezischte Melodie meist ohne Worte. Das Spiel wird von zwei Gegnern mit rasch vorgezeigten Stäben, paar oder unpaar, gespielt; ein Richter sitzt dabei und führt mit andern Stäben die Rechnung. Das übliche Bad der Indianer, ähnlich dem der meisten nordischen Völker, ist folgendes: am Eingang einer Höhle am MeereSufcr, darin sich die Badenden befinden, wird Feuer geschürt, sie lassen eS, wenn sie genugsam geschwitzt, auSgehen und laufen dann darüber weg sich in die See zu stürzen Dampfbäder, den russischen ähnlich,- waren sonst bei den meisten Völkern Europa's gebräuchlich, Lrssmus Aoterocknmus Ooli. ckiversoris. ^Vtgni nutk sunos vixiuti quinque llidil rscsptius erst spuck Lrsbsutos dorminm tsimx kommt einzig auf Neu-Seeland und der Insel Norfolk vor. Die LariuZtonia sxeciosn gehört den Küsten Asien's und den Inseln des großen Ocean's an. Zwei Arten L.Ieurites kommen auf den Molukken-Jnseln vor, eine dritte Art macht auf den Südsee-Inseln einen Haupttheil der Vegetation aus. — Eine Art (lnsnnriim kommt in Afrika, eine in Indien und auf den Inseln des großen Ocean's vor; die übrigen sind auf Ncu-Holland ausschließlich einheimisch. Von den neuholländischen zahlreichen Gattungen dis troll 4« os Llolaleuea und l-optonpermum kommen nur eine Art in Indien, mehrere in Neu-Seeland, Neu-Caledonien, O-Taheiti und den Sandwich-Inseln vor, die Gattung bmenl)-ptns scheint auf Neu-Holland beschränkt. Bon der neuholländischen Form der blätterlosen Akazien kommt eine Art auf Mauritius und eine in Cochinchina vor. Eine solche ist auf den Sandwich-Inseln der Stolz der Wälder und der vorzüglichste Baum. Das 8rmt-ilum (Sandelbaum), eine indische Gattung, zu der Brown fünf neue Arten auf Neu- Holland gefunden hat, kommt auf den Fidji- und Sandwich-Inseln vor. Wir beschränken uns hier auf diese wenigen Züge: Die vorherrschenden Pflanzenfamilien sind auf Luyon: die Ilr- tiesns, die I-exuminosae in vielfach wechselnden Gestalten, die Oon- tortae und liublacose. Wir haben an zwölf Arten Palmenbäume gezählt und es mögen deren mehrere Vorkommen, sie sind indeß nur untergeordnet, dllpa bleibt in den Sümpfen, andere Zwergarten im Schatten der Feigenwälder verborgen, und nur der Cocosbaum, wo er angepflanzt schöne Wälder bildet, entspricht der Erwartung, 41 die diese Pflanzenform in uns erweckt*). Das schönste der Gräser, das Bambusrohr, dessen es mehrere Arten giebt, die bereits Loureiro (Morn coeliinebinensis) unterscheidet, giebt der Landschaft einen eigenthümlichen und lieblichen Charakter. Diese reiche Flora scheint auf den Inseln des großen Ocean's von Westen gegen Osten zu verarmen. Die Palmen verschwinden zuerst, bis auf den Cocos, der den niedern Inseln anzugehören scheint und namentlich die Penrhyn mit einem luftigen Baldachin überschattet, unter welchem das Auge zwischen den schlanken Stämmen den Himmel durchscheinen sieht; der Bambus tritt zurück, die andern Elemente der Flora mischen sich anders. O-Taheiti hat manche Pflanzen, die den Sandwich-Inseln zu fehlen scheinen, und diese andere, die auf O-Taheiti nicht Vorkommen**). Die dem ewigen Schnee angrenzenden Höhen von O-Waihi bleiben in ihrer Abgeschiedenheit die geheimnißreichste, reizendste Aufgabe fiir die Botaniker, so lange die Ernte, die Menzies darauf gesammelt, der gelehrten Welt vorenthalteu wird. Am dürftigsten begabt ist, am nächsten der amerikanischen Küste, die Oster-Jnsel, die freilich über den Wendekreis hinaus liegt. Ussompcion (ein unwirthbarer Vulkan im Norden der Ladronen, gegen den 20" nördlicher Breite gelegen) bot eine reichere Ernte den Gelehrten der Laperousischen Expedition dar. Die Vegetation scheint nur spät und zögernd sich auf den niedern Inseln anzusetzen. Sandbänke von einer beträchtlichen Ausdehnung schimmern häufig weiß und nackt über den Wellen. Einmal begonnen, mag sie schnelle Fortschritte machen, doch zeigt sie sich auf den verschiedenen Inseln und Inselgruppen auf sehr ungleicher Stufe. Wo der Cocosbaum sich eingefunden, ist die Erde für den Empfang des Menschen bereit, und der Mensch fehlt in der Südsee selten, wo er leben kann. *) Wir haben gleichfalls auf den schön begrünten Ufern der Caspar- und Sunda-Straße die Palmen nirgends vorherrschend gesehen. Auf O-Taheltl die Lurinxtonin speeiosu und Ossnnrinn eyuiseti- kolis, auf den Sandwich-Inseln das Santulum. 42 Die Fauna der Sunda-Jnseln bietet uns meist dieselben Familien und Gattungen dar, die im südlichen Asien einheimisch sind, aber viele der Arten sind eigenthümliche. Unter einer reichen Mannigfaltigkeit von Affen zeichnet sich der Orang-Utang aus, die dem Menschen Ähnlichste Art, deren nächste Verwandte man in Afrika antrifft. Man findet den asiatischen Elephanten, eine eigene Art Rhinoceros, mehrere Hirsche, Schweine und so weiter. Die Säugethiere, die auf Neu-Holland gefunden worden, haben fast durchgängig neue Arten und Gattungen, neue auffallende Formen gezeigt. Die größte der untersuchten Arten, ein Canguru, ist, mit den Thieren der übrigen Kontinente verglichen, nur klein, aber das Dasein größerer noch unbekannter Arten ist durch das Zeugnis mehrerer Reisenden beglaubigt. Die Vögel zeigen auf beiden Landen eine minder auffallende Verschiedenheit. Von zwei Arten Ca- suar kommt die eine auf den Sunda-Jnseln, die andere auf Neu- Holland vor. Der größere Reichthum herrscht auf den Inseln; dis Papageien, Hühner und Tauben, die Gattung Buceros zeichnen sich aus. Der ksitwaus kormc,8us und die Menura machen zwei eigenthümliche neuholländische Gattungen aus. Die Paradiesvögel scheinen dem uns so unbekannten Lande Neu-Guinea ausschließlich an- zugehörcn. Die Inseln und das feste Fand sind nach Maßgabe des Himmelsstriches, unter dem sie liegen, an gröhern Amphibien gleich reich, und namentlich Krokodile kommen auf beiden vor. Mehrere Thierarten haben sich von der Nordspitze von Borneo auf die nächst gelegenen Inseln verbreitet. Man findet auf Jolo (Sooloo der englischen Karte) noch den Elephant und aus Mindanao mehrere der größer» Affenarten. Wenigere Säugethiere sind von der Nordspitze derselben Insel auf Paragua übergegangen, und die Zahl der Arten ist auf Lu^on, der nördlichsten der Philippinen- Jnseln, schon sehr beschränkt. Auf den westlichsten der Inseln, in der nördlichen Provinz bis auf die Marianen, in der südlichen bis auf die Freundschafts-Inseln, 43 — hat sich die große Fledermaus (Vespvrtilio Vainxxrirs) verbreitet. Eine kleine Art kommt noch auf den Sandwich-Inseln vor. Das am weitesten verbreitete Säugethier ist eine Ratte, die sich überall und selbst aus der Oster-Jnsel gefunden hat. Die Landvögel finden sich auf den hohen Inseln in ziemlicher Menge und Mannigfaltigkeit, und manche Arten derselben scheinen sogar kein anderes Vaterland anzuerkennen. Eine Krokodilenart ist bis auf die Pelew-Inseln verbreitet. Nur einmal hat ein solches Thier auf Eap sich gezeigt und in der südlichen Provinz auf den Fidji-Jnseln (Narinsi-s DonZa I. x. 327). Ein Jguan wird weiter bis auf den Marianen - Inseln und Eap gefunden. Alle Inseln sind an Insekten ausnehmend arm. Es ist merkwürdig, daß der Floh dein Hunde und dem Menschen auf die Inseln des großen Ocean's nicht gefolgt war und erst von den Europäern dahin gebracht ist. Nach unserer Erfahrung gilt diese Bemerkung von den Inseln der ersten Provinz ebensowohl als von Neu-Seeland und den Sandwich-Inseln. Der gemeine Erdwurm scheint ein allgemein verbreitetes Thier zu sein, wir haben ihn auf den niedern Inseln gefunden, wo sich nur Humus gebildet hatte. Wir erheben uns von der Ansicht der Natur zu der Betrachtung des Menschen. Die erste Menschenrace, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die der Papuas oder Australneger mit wolligen Haaren, vorspringenden Kinnladen, wulstigen Lippen und schwarzer Haut. Diese Neger erscheinen uns vor Einwanderung anderer Völker und Anbeginn der Geschichte als Eingeborene der ostindischen Inseln und eines Theils der nächsten Kontinente und Vorlande. Sie sind auf den meisten Punkten von eingewanderten Völkern verdrängt worden und haben sich vor ihnen in die Berge des Innern gefluchtet, die sie als vereinzelte wilde Stämme bewohnen. Wir treffen zuerst im Westen auf der Insel Madagaskar, wie auf den ostindischen Inseln, zwei bestimmt verschiedene Menschen- racen an. Die uns bekannteren Madagassen, die, in verschiedene 44 einander feindliche Reiche getheilt, alle Küsten behaupten, sind Ein Volk und reden Eine Sprache. Drury nennt sie eben auch Neger. Ihr Haar ist lang und glatt; einzelne Fürstenfamilien zeichnen sich durch hellere Farbe aus. Ihre Ähnlichkeit mit dem malayischen Menschenstamm und in ihrer Sprache die Gemeinschaftlichkeit vieler Wurzeln mit den übrigen Dialekten sind auffallend. Die Einwirkung des Islam auf ihre Sitten ist gleich unverkennbar. Von jeher standen die Araber in Handelsverkehr mit ihnen. Die Vinzimbers, mit fast wolligem Haare, mit künstlich verbildetem Hirnschädel, mit eigenthümlichen Sitten und Sprachen, scheinen, jetzt zerstreut und unstät, die Urbewohner der Insel gewesen zu sein. Sollen wir die Madagassen von Ostindien, die Vinzimbers aber von Afrika herleiten, oder sollen wir sie mit den Papuas, denen sie zu vergleichen sind, vereinigen?*) Die kleineren Inseln des indischen Meeres waren vor den Europäern unbewohnt. Wir erkennen die Australneger in Urbewohnern von Eochin- china, den Mops oder Moyes, die gegen den Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts Ausgewanderte aus Tungquin von tatarischer Race in die Berge zwischen Cochinchina und Cambogia, ihren jetzigen Aufenthalt, zurückscheuchten**), und in den Bergbewohnern der malayischen Halbinsel, welche Samang, Bila und im südlichen Theile Dapack genannt werden. Die Völker von den Andaman-Jnseln sind anscheinlich von gleicher Race. Die Papuas sind unter verschiedenen Namen im Innern mehrerer der malayischen Inseln noch vorhanden, und es scheint, daß sie sich sonst auf allen vorgefunden. In den frühem Reisebeschreibungen der Araber wird ihrer verschiedentlich erwähnt***). Die Aetas oder Negritos del Monte, die Papuas des Innern der Philippinen-Inseln, sind gleichfalls die Urbewohner dieses Archi- pelagus, los Indios der Spanier; die Weißeren sind fremde Eroberer, *) Wir haben besonders benutzt: ^Läa^nsear or Robert Orur^5 ^ournul. I-onäon 1729, dessen Vokabularium und das von Hieronymus Megisserus. Leipzig 1723. **) Obapman im ^.siatie Journal. ***) ^.siatie Reseurebes. Vol. 10. p. 218. und die Ortsbenennungen, die längs der Küste noch in den Sprachen der Papuas bestehen, sind Monumente, die diese von ihrem Besitzrechte hinterlassen haben. Wir finden dieselbe Menschenrace unter ähnlichen Umständen auf Formosa wieder, und die Geschichte von Japan gedenkt schwarzer Einwohner, welche man auf den Inseln an der südlichen Küste von Niphon angetroffeu*). Wir finden die Australneger in meist ungestörtem, ungetheiltem Besitz von Neu-Guinea oder dem Lande der Papuas und den östlicher gelegenen Inseln, die mit den Neuen Hebriden und Neu-Ca- ledonien die Kette der Borlandc bilden, und erkennen sie in den Völkerschaften, die Förster zu seiner zweiten Hauptgattung der Südländer rechnet**). Sie bestehen auf etlichen der östlichern dieser Inseln mit der andern Hauptrace zugleich und erscheinen durch Vermischung mit ihr an manchen Orten sehr verändert. Crozet im dlouvsnu L In mer äu 8uä hat diese Neger unter den Bewohnern der Nordspitze von Neu-Seeland angctroffen, woselbst sie spätere Reisende nicht wieder gefunden haben. Die Westküste von Neu-Holland und Van-Diemen's-Land sind von eigentlichen Papuas, von Negern mit wolligem Haar, bewohnt. Die übrigen Völkerschaften dieses Kontinents scheinen zu einer eigen- lhümlichen Race zu gehören, die überall auf der untersten Stufe der Bildung steht. Sind auch hier die Neger die Ureinwohner, und haben es jene Armseligen dennoch vermocht, sie vor sich her in die äußersten Winkel ihres ehemaligen Landes zu treiben? Oder sind sie später und auf Schiffen eingewandert? — Wir erkennen in ihnen kein Schiffervolk. Wir wissen säst nichts von den Haraforas, Alfuriern oder Al- föirs, die von Vielen mit den Papuas verwechselt worden, von denen sie jedoch verschieden scheinen. Sie gehören nach Leyden***) zu den wildesten und ältesten Bewohnern dieser Inseln und sind *) Mrliriäates, 1. Thell, p. 569. **) 3l. li. k'orstvr Obsizrvations p. 238. 46 eine eigenthümliche Menschenrcice von langem Haarwuchs und öfters von hellerer Farbe als die Malapen. Wir finden in den Geschichtsschreibern von Manila keinen Grund, eine dritte, von den Negern und den gebildeten hellfarbigen Küstenbewohnern verschiedene Race aus diesen Inseln anzunehmen. Die Sprache der Papuas, die mitten unter andern Völkern in vereinzelten Stämmen außer aller Gemeinschaft und Verbindung leben, muß sich in viele ganz abweichende Mundarten gespalten haben ; die Malayen der Halbinsel Malacca betrachten die Dialekte der Neger des Gebirges als bloßes Zwitschern, der Stimme größerer Vögel allein vergleichbar, und es herrscht auf manchen der Inseln keine günstigere Vorstellung davon. — Die Sprache der Haraforas gilt eben auch für eine ganz besondere, die mit den Sprachen der übrigen Völker nichts gemein hat*). Von den Aetas der Philippinen behaupten dagegen die Spanier, daß in der Regel ihr Idiom eine große Uebereinstimmung mit dem der Küstenbewohner habe (bb-a lluan rls la Ooncopoion ), und daß sie Dialekte derselben Sprache reden als die Indianer (Xuniga). Nach Förster sind die Sprachen der Völkerschaft seiner zweiten Menschenrace nicht nur von der gemeinsamen Sprache der Südländer gänzlich verschieden, sondern auch unter einander völlig fremd und unähnlich. Die von ihm mitgetheiltcn Proben enthalten jedoch, außer den Zahlwörtern, noch einige wenige Wurzeln, die gemeinschaftlich sind; und dieselbe Bemerkung ist auch auf dis Vokabularien anwendbar, die Lemaire und Schuten auf Neu-Guinea und der Jsle de Moise gesammelt haben. Die Sprachen auf Neu-Holland scheinen unter sich und von den Dialekten der andern Menschenrace abweichend, jedoch sind die Wörtersammlungen, die man davon hat, unzulänglich ein Urtheil zu begründen. Sir Robert Brown hat uns versichert, daß die Völkerschaften, mit denen er verkehrt, nicht über Vier zu zählen vermögen, und daß Fünf und Vier für sie zusammenfließen. *) I. e. x. 216 u. 217. HlarZävn Orainmar. lutroäuLtion p. 22. 47 Wir kommen nun zu der vorherrschenden Menschenrace von schöner Gesichtsbildung, langem lockigem Haar und weißer, jedoch von Einwirkung des Klima's mehr oder weniger gebräunter Farbe, die von Madagaskar im Westen bis zu der Oster-Jnsel im Osten verbreitet ist. Wir müssen mit Marsden die Identität des Sprachstammes anerkennen, zu dem alle Dialekte gehören, welche die verschiedenen über so unermeßlichen Raum zerstreuten Völkerschaften reden. Dis Uebereinstimmung der Zahlwörter in allen Mundarten von Madagaskar bis zu der Oster-Jnsel*) kann, streng genommen, nur gemeinschaftliche Berührung, nicht gleiche Abstammung beweisen. Die Zahlen werden leichtlich von einer fremden Sprache angenommen, wir finden dieselben in manchen Mundarten der Papuas, deren Stammverwandtschaft zweifelhaft bleibt, und die Einwohner der Marianen haben zuerst in ihrer Sprache zu zählen vergessen, indem sie sich die spanischen Zahlen angewöhnt. Man findet in allen Mundarten, außer den gleichen Zahlwörtern, eine beträchtliche Anzahl gemeinschaftlicher Wurzeln, die meist die nächsten, einfachsten Dinge und Begriffe bezeichnen, und die von einem Urstamm ererbt, nicht aber von einem fremden Volk erlernt scheinen. Wir können diese Wurzeln in den Vokabularien von Madagaskar wie in denen der Inseln des großen Ocean's Nachweisen. Endlich ist die Sprachlehre in den mehr bekannten Dialekten Malayn, Tagalog, Tonga, mehr oder minder ausgebildet, im Wesentlichen dieselbe; und nichts berechtigt uns anzunchmen, daß es sich in den minder bekannten anders verhalte. — Das sehr einfache Sprachsystem ist bei Mehrsylbigkeit der Wurzeln ungefähr dasselbe als in den einsylbigen Sprachen. Es findet keine Wortbiegung statt, die Wurzeln stehen entweder, wie im Chinesischen, schroff bei einander und erhalten von der Stellung ihren Werth, oder werden in dm ausgebildeteren Dialekten durch verschiedentlich angehängte oder eingeschaltete Partikeln bedingt. ») Siehe Hervas Lritiiiiivt. cl. nat. und die vergleichende Tabelle in Cook'S dritter Reise Lpxenciix i. 48 Es bewohnen viele verschiedene und verschiedenredende Völkerschaften dieser Menschenrace die Inseln des ostindischen Archipelagus. Leyden stellt uns die reinere im Innern der Insel gesprochene Mundart des Javanischen dar als mit dem Sanskrit nahe und innig verwandt. Die einfachsten Gegenstände und Begriffe werden durch Wörter ausgedrückt, die vom Sanskrit nur in der Aussprache abzuweichen scheinen, wie es der Gebrauch eines minder vollkommenen Alphabets nothwendig bedingt*). Sprache, Monumente und Geschichte weisen auf Indien zurück. Die Geschichte zeigt uns zuerst im zwölften Jahrhundert eine dieser Völkerschaften, die Malauen, von der Gegend Manangkabau im Südwesten von Sumatra, ihrem ersten Wohnsitze aus, ihre Eroberungen und das Gesetz Mohamed's, welches sie von handelnden Arabern empfangen, sowohl auf dem festen Lande der Halbinsel Malacca als an den Küsten der übrigen Inseln ausbrcitend. Die bekehrten Völker werden oft mit ihnen verwechselt und die Ausdrücke: Malayen, Mauren und Mohamedaner ohne Kritik als gleichbedeutend gebraucht. Wir finden im dritten Buch des Marco Polo ein Bild dessen, was dieser Archipelagus am Ende des 13. Jahrhunderts war, und dieses Bild ist noch heute treffend; die Bemerkungen dieses Reisenden sind im Bereich seiner eigenen Erfahrungen immer treu, und die Fabeln, die er auf Autorität erzählt, sind an den Orten, wo er sie gesammelt hat, noch nicht verschollen. Pigafetta verdient ein gleiches Lob. Marco Polo fand, daß die Menschen, so im Reiche Felech auf der Insel Klein-Java am Meere wohnten, Mohamedaner waren, die das Gesetz Mohamed's von den Kaufleuten gelernt, die dahin verkehrten. Pigafetta, der im Jahre 1521 auf Tidori war, berichtet, daß die Mauren seit etwa fünfzig Jahren die Molukken erobert und ihren Glauben dahin verpflanzt hätten. Die Wörter- fammlung, die er dort machte, stimmt mit dem jetzigen Malayischeii überein. DaS Mälayische ist in diesem Theile der Welt zur allgemein *) I. o. p. 190. 49 »ermittelnden Sprache geworden, zur Sprache alles Handels und Verkehrs, und es wird im Innern der Häuser der Europäer bis am Vorgebirge der guten Hoffnung geredet. Diese Sprache ist uns vollkommen bekannt; Marsden's Dictionary und Drammar, London 1812, lassen uns nichts in dieser Hinsicht zu wünschen. Man findet in der Introduktion zur Grammar die Geschichte der Sprache und die Literatur der Quellen zu deren Erlernung. Das Malayische ist ein später aufgeblüheter Zweig des gemeinsamen Sprachstammes. Es enthält neben einem Theile gemeinsamer Wurzeln einen beträchtlichen Theil indischer Wörter, und der Islam hat eine spätere Einwirkung gehabt, die oberflächlicher geblieben ist. Das arabische Schriftsystem hat das indische verdrängt, welchem die heidnischen Völker in eigenthümlicher Ausbildung noch anhängen. Die vier Arten des Stpls und des Ausdrucks in der gemeinsamen malayischen Sprache, die dem Range und den Verhältnissen derer, die sie reden, sich aneignen: die Sprache des Hofes, der Großen, des Landvolkes und des Marktes, find nur von Unkundigen für Dialekte angesehen worden. In der malayischen Grammatik ist uns ohne Wahl ein Vergleichungspunkt für die übrigen minder bekannten Zungen dieses Sprachstammes gegeben. Wir verdanken dem Forschungssinn der Engländer unsere zunehmende Kenntniß der Völker und Sprachen der oftindischen Inseln und verweisen für deren Studium auf die bereits angeführten Schriften: Marsden's Sumatra, Raffle's Java, die Lsiatic U,cssru'cbo3, das Lsmtic llouriml u. s. w. Es wird ihrer Gelehrsamkeit gelingen, die Monumente verschollener Geschichten auf Java zu entziffern, Sprachen und Sitten in ihrem Zusammenhänge mit denen anderer Volker zu erhellen, das Stammvolk, das uns beschäftigt, von dem hohen Asien herzuleiten und den Weg nachzuzeichnen, auf dem es zu seinen jetzigen meerumspülten Wohnsitzen gewandert ist. Die Philippinen bieten uns eine eigenthnmliche Familie desselben Volkes und derselben Muttersprache dar. Wir finden hier die Sprache auf dem höchsten Standpunkt ihrer eigenthümlichen selbstständigen Ausbildung, und die Lehrbücher der verschiedenen Dialekte, die wir den spanischen Missionaren verdanken, eröffnen uns einen IV. 4 50 linguistischen Schatz, in welchen wir einen Blick zu werfen versuchen werden.*) Die Küstenbewohner dieser Inseln, die man als ihre ersten Eroberer betrachten kann, los Indios der Spanier, reden nach ihren Völkerschaften sieben verschiedene Hauptdialekte, nämlich: im Norden *) Voeadulario äs 1a len^ua 1a§ala por ei kadrv Ivan de I^oeeda v ei kadre kedro de 8an k,ueas de 1a Oomp. de desus. Impresso en Manila en 1a imprenta de 1a Oomp. de desus. kol. Voeadulario ka§a1o§ por kr. kedro de IZuenaventura. 1613. Voeadulario de 1a 1en§na 1a§s1a por nostro Hermann kr. Oomin§o de los 8antos de Heli^iosos minores deseal2os. Impresso en 1a mu;' nodle villa de lada^os. O. 1703. kol. Idem. Heimprvsso en 1a imprenta de 1^. 8. de k,oreto. 8sm- paloe 1794. ^.rtv laxalo^ por ei kadre kr. kraneiseo de 8an dosexd. 1610. Xrte de 1a len§ua kaZnIa por ei kadre XuZusto de 1a Magdalena 1669. 8. Xrte ^ rexlas de 1a 1en§ua la^ala. Idom. 0rti2. 4. Oompendio de 1a ^.rtv de 1a lenxua l'axala por ei kadre kr. Oaspar de 8an ^.u^ustin, Heli§ioso de ei mismo Orden. 1703. la^alismo elueidado ^ redneldo (en Io possibiv) a 1a latinidad äs 1>Iedr^a eon su 8;mtaxis, tropos, prosodias, ete. ete. ^ eon 1a alusiov, yuo en sn uso ^ eomposition Irene eon ei vialeeto Odinieo Mandarin, eon las len^nas Hedrea ^ OrieAL. kor 1^. H. kr. Meledor O^angurea de 8anta Vnes, HeliFioso deseal20. Mexico en 1a imprenta de O. kr. X. 8anede2 1742. 4. ^.rte de 1a lenxua la^ala ^ Manual 1a§a1o§ por kr. 8vdastian äe. lotanes de HeliKiosos deseal2os de 8an kraneiseo. Impresso en 1a im- prenta de 8. de I^oreto 8ampa1oo extra muros de 1a Oiudad äs Manila. 1745. 4. Idem. Reimpresso en 8ampa1oo. 1796. 4. Voeadulario de kampanxo por ei muy H. k. k-setor kr. viexo Ler- Aano de 1a Orden de los Hermitanos en Manila en ei Oonviento äs 8. de los ^.nAelos. kol. Xrte de 1a 1en§ua kampav§a por kr. Oiv§o Ler§ano en 1a im- prenta de 1a Oomp. de desus. Manila 1729. 4. Idem. 8ampa1oe 1736. 4. Voeadulario de 1a 1vn§ua Lisa^a compuesto por ei H. k. Matdeo 51 von Lupon die Pampangos, ZambaleS, Pangasinanes, Vlocos und Cayayancs; in der Gegend von Manila die Tagalos, und auf allen südlichem Inseln mit einigen Idiotismen die Bisayas*). Die Spanier sind Fremde auf den Philippinen-Inseln. Diele Stämme der Indianer haben im Innern selbst von Lupon ihre Unabhängigkeit behauptet, und die der Küsten, die mit dem Christenthum das fremde Joch übernommen, haben die fremde Sprache nicht erlernt. Die Mönchsorden, welche die geistliche Eroberung der Völker vollbrachten und die politische Herrschaft sichern, haben sich deren Sprache angeeignet. Das Tagalog besonders, welches durch den Umstand, daß es um die Hauptstadt gesprochen wird, zur Hauptsprache geworden, hat durch sie nicht nur an Hülfsbnchern zu dessen Erlernung, sondern auch an erbaulichen Schriften aller Art, beides in Prosa und Versen, eine ansehnliche Literatur erhalten. Fr. Francisco de San Joseph wird el Ciceron, Fr. Pedro de Her- rera cl Horacio Tagalo genannt, und es fehlt selbst an Tragöden nicht, die den Dionysius Areopagita übersetzt. Die Artes und Vocabularios der Pampango-, Bisaya- und Uloco- Sprachen sind im Drucke erschienen. Die Hülfsbücher der übrigen Ml. i?ol. L.rte Ns Irr Isn^un Hisn^n Ne ln krovinein Ne I-6)'te, eompnsstn por ei? Domingo L^xnvrrn Ne In Oonip. Ne Nesus. Heus vnxeriäns nIZn- nns nNvertsnsins Ns In IsnAnn Ns 2edn y IZool. 16l>2. INein. Usimpresso en ÄNnniln SN In Imprentn äs In Oomp. äs Nesus. 1747. 4. L.rts Ne In Ieii§ria Ilsen xor kr. Imx> 82 . Llnniln 11,17. 4. Voenbulnria Ne Ins Isn^uns Ns kirilipinns xor Llonso äs LIeutriNn. 1SZ7. 4. Lrts Ne In len^nn Lisn^n ^ Voenlinlnrio kspniiol Lisnvn Ns lensen 8uAduann compnesto por kr. Hiomns Ne 8NN Oei'oniino Ns los Nes- rnixos äs Fnn Lngnstino. UeNueiNo n sin exneto oräsn ete. xor nno InNiviNno Ns In mismn krovinein. Manuskript in nnscrm Besitz. *1 Nach Marigondon, am Ufer der großen Bucht von Manila, wurden in alter Zeit Eingeborene der Molukken-Justln versetzt; ihre Nachkommen reden bei dem Tagalog und Spanischen noch ihre Sprache, die sie mit Vorliebe bewahren. I?. Nnnn Ns In Ooneexcion, T. 7. x. 102. 4 * 52 Mundarten sind Manuskript, und die Abschriften, durch welche sie vervielfältigt werden, befinden sich nieist nur in den Provinzen in den Händen der Padres. Die sieben angeführten Mundarten kommen nach dem Zeugniß aller Tagalisten im Wesentlichen der grammatischen Formen wie in den Wurzeln überein. Wir haben selbst die Lehrbücher der Tagala-, Pampango- und Bisaha-Sprache verglichen und nur unbedeutende Abweichungen bemerkt. Wenn die Verschiedenheit der Aussprache den Eingeborenen einer Provinz sich in einer andern gleich zu verständigen hindert, reicht eine kurze Frist doch hin, den Abstand auszugleichen, und er lernet bald die eigene Sprache erkennen. Was mithin von dem Tagalog gesagt wird, ist gleichfalls auf die übrigen Dialekte anwendbar. Lehden hat in den L.siaüo researoliss p. 207 die tagalische, malayische, Bugis- und javanische Sprache als Schwestersprachen ausgestellt, den künstlichern Bau der tagalischen auf die Elemente der malayischen zurückgeführt und in beiden die Identität der Partikeln erwiese», worauf in einem Sprachsystem, dem jede Wortbiegung fremd ist, alle Grammatik beruhet. Lehden scheint uns den verdienstlichen Fleiß nicht genug zu würdigen, womit die Tagalisten das mit allen Partikeln, die es bedingen, verschiedentlich verbundene Zeitwort, bei einfacher, gedoppelter oder halbgedoppelter und außerdem euphonisch veränderter Wurzel, in eine Konjugationstabelle gebracht haben, die wenigstens einen leichten Ueberblick gewährt. Es ist unstreitig, daß bei diesem Vorzüge ihre Darstellung des tagalischen Zeitwortes der ursprünglichen Einfalt der Sprache nicht entspricht und unser Sprachsystem da zu vergegenwärtigen strebt, wo wirklich ein anderes vorhanden ist. DurchsArtikel und Präposition werden an dem Hauptwort meist nicht mehr als ein direkter und indirekter Fall bezeichnet. Der Plural, und nicht wie im^Malayischen der Singular, wird besonders durch eine getrennte Partikel bezeichnet. Die Pronomina sind dieselben wie im Malayischen, nur vollständiger. Es giebt außer den zwei Plnralen der ersten Person, von denen der eine die angeredete 53 Person mit inbegreift und der andere sie ausschließt*), noch einen Dual von jeder Person. Die Pronomina haben im direkten und indirekten Fall verschiedene Formen. Der Wurzel, die die Handlung ausdrückt, werden Partikeln vor- und nachgehängt und eingeschaltet, die den Präpositionen unserer Sprache entsprechen und an ihr die Zeit und die Beziehungen bezeichnen, welche wir an den Haupt- und Fürwörtern entweder durch Beugung derselben oder durch sie begleitende Präpositionen auszudriicken pflegen; daher die drei Passiva, deren Sinn und Gebrauch zu lehren die schwierigste Aufgabe der Tagalisten ist. Wir können in einem Satze nur Subjekt oder Objekt der Handlung im Nominativ setzen und die Beziehung an dem Zeitwort selbst bezeichnen, Aktiv und Passiv, am» et amor, dänisch llsA olsksr vA elskss. Die Tagalen vermögen das Subjekt, das Objekt, den Zweck oder das Werkzeug und den Ort der Handlung im direkten Fall zu setzen und die Beziehung am Zeitwort auszudriicken. Der Sinn entscheidet, was als Nominativ der Phrase hervorgehoben und vorangesetzt werden soll, und die Form des Zeitwortes richtet sich darnach. Man kann auf die Weise in dem Satze: Petrus hieb dem Malchus das Ohr ab mit dem Schwert, auf Petrus (das Subjekt) was schneidet (aktive Form), das Ohr (das Objekt) was geschnitten wird (erste Passivform mit 5H, das Schwert (das Werkzeug) womit geschnitten wird (zweite Passivform mit in) und auf Malchus (den Ort) woran geschnitten wird (dritte passive Form mit an), den Nachdruck beliebig legen. Die Feinheit und die Schwierigkeit der Sprache liegen in dem Gebrauch. Dieselben Partikeln, welche die Wurzeln als Zeitwort bedingen, bedingen sie auch in ähnlichen Verbindungen als Haupt- und Eigenschaftswort. Das bereits zusammengesetzte Wort wird, als einfaches behandelt, förder zusammengesetzt; der Reichthum erwächst aus dem Reichthum, aber es findet keine eigentliche Wortbeugung statt. Die Tagalen brauchen in ihrer Poesie Verse, die, obgleich eigen- ') Diese zwei Plurale der ersten Person finden sich, außer in gegenwärtigem Sprachstamme, noch in der Quitchua- oder peruvianischen Sprache. 54 thümlich, durch die Zahl der Sylben und eine Art Reim oder Halbreim an spanische Sylbenmaaße erinnern. Sie haben jedoch die künstlicher» Canzonen und Sonette, die ihnen der Padre Francisco de San Joseph zu geben versucht, aufzunehmen sich geweigert. Wir haben uns vergeblich bemüht, Proben von ihren ursprünglich heidnischen Liedern, deren es noch welche giebt, an uns zu bringen. Wer beachtet in dem Lande selbst Geschichte, Kunst und Alterthümer eines unterdrückten Volkes? Wir theilen im Anhänge, und zwar aus drei verschiedenen Quellen, das tagalische Alphabet mit, welches dem älteren Schrist- system der Volker der ostindischen Inseln sich anschließt, und verweisen auf die Bemerkungen, womit wir dasselbe begleiten. Die Küstenbewohner der Insel Formosa, im Norden der Philippinen, scheinen uns zu demselben Volksstamm, ihre Sprache zu derselben Stammsprache zu gehören. Wir kommen zu den im Osten der Philippinen gelegenen Inseln, die wir als die erste Provinz von Polynesien betrachtet haben. Wir finden in ihren Bewohnern eine Völkerfamilie, welche dieselben Sitten und Künste, eine mit großer Kunst ausgebildete Schifffahrt und Handel vielfach verbinden. Ein friedliches, anmuthiges Volk betet keine Bilder an, lebt, ohne Hausthiere zu besitzen, von den Gaben der Erde und opfert unsichtbaren Göttern nur die Erstlinge der Früchte, wovon es sich nähret. Es baut die kunstreichsten Fahrzeuge und vollbringt bei großer Kenntniß der Monsoons, der Ströme und der Sterne weite Seereisen. — Auf den westlichen Inseln, den Pelew-Jnseln, Eap, den Marianen, finden sich Bräuche der ostindischen Insulaner, wie das Kauen des Betels, eingeführt. Bei einer großen Aehnlichkeit der mehrsten Völkerschaften (andere, wie die der Pelew-Jnseln, die durch Schamlosigkeit der Sitten und mindere Kunde der Schifffahrt sich auszeichnen, möchten fremd in die Familie getreten sein), und bei dem vielfachen Verkehr, der sie unter sich verbindet, herrscht unter ihnen eine große Verschiedenheit der Zungen. Wir waren berufen, Sprachproben ihrer Mundarten zu sammeln, indem wir mit ihnen selbst in näherer Verbindung gestanden als andere wissenschaftliche Reisende vor uns, und wir theilen im Anhang ein vergleichendes Wortverzeichniß von dew Marianen, Eap, Uiea und Radack mit. Die Völker der Marianen gleichen nach Fra Juan de la Con- cepcion den Bisayas, wie an Ansehen, so auch an Sprache, welche letztere jedoch in einigen Dingen abweicht (in alZunas oosas altsraäo). Diese Chamori- oder Mariana-Sprache ist aber fast mit dem Volke, daS sie sprach, verschwunden; die neue Generation redet die Sprache der Eroberer, und die eigene nur noch durch deren Einmischung entstellt. Es ist zu bemerken, daß nur noch spanisch gezählt wird und es uns Mühe gekostet hat, die Zahlwörter der Mariana-Sprache zu erhalten. — Es scheinen anderer Seits Benennungen aus den Philippinen-Sprachen für manche der eingeführten fremden Thiers und Gegenstände obgesiegt zu haben. — So haben auch auf den Pelew-Jnseln Thiere, welche die Engländer eingeführt, malayische Namen erhalten. (Die Ziege 6amin§, malayisch LambiuZ.) Ein Vooubulru'io ViIsoQ dy 6eor§e Leate, tde irktk eäition. L.onäon 1803. 8ux- kleviont p. 63. schaftlichen Sprache der Michern Südländer anzuschließen, und wir finden auch zuerst da das Rechnungssystem auf die Skale von Zwanzig begründet, wie auf Neu-Seeland und den Sandwich-Inseln, in- deß die westlicher» Caroliner, die Malayen und die Tagalen die reine Decimalskale brauchen, die auch auf Tonga üblich ist. Wir finden schon innerhalb der dieser Provinz angewiesenen Grenzen, und zwar im Südwesten am nächsten den Wohnsitzen der Papuas und den Molukken, etliche Inseln, deren Bewohner von Eingeborenen der Sandwich-Inseln verstanden wurden und deren Boote den O-Waihischen gleich waren, nämlich die Mavils-Islands*). Eine Erscheinung, die uns Aufmerksamkeit zu verdienen scheint. Auf Neu-Seeland, den Inseln der zweiten Provinz, bis fern im Osten auf der entlegenen Oster-Jnsel und auf der abgesonderten Gruppe der Sandwich-Inseln findet sich bekanntlich nur Ein Volk, das überall fast auf gleicher Stufe der Bildung steht, ähnliche Sitten und Bräuche hat und eine gemeinsame Sprache redet, deren Mundarten fast nur durch örtliche Abweichungen der Aussprache bedingt sind, so daß oft Reisende sich mit Wörtern, die auf einer Insel gesammelt, auf andern weit entlegenen verständigen, die Eingeborenen der Sandwich-Inseln mit denen der Freundschafts-Inseln, und Tupeia, ein Insulaner dieser letzten Gruppe, sich mit den Neu- Seeländern unterreden konnten. Wir verdanken den Herren Mariner und T. Martin eine vollständige Grammatik der Mundart von Tonga**), die uns in den Stand setzt, die Sprache des östlichen Polynesien's näher zu beleuchten. Wir erkennen darin das malayische Sprachsystem in möglichster Einfalt und nach unserer Ansicht auf dem Standpunkt unentwickelter Kindheit. Es ist ein liebliches Kinderlallen, das kaum erst eine Sprache zu nennen ist. *) Siehe OkarL Lkv k'aoiiiL Oevarr 1793 und Llüaros Voy. x. 293. mcations ok LI. LV. Llarlver, 1. Llartin. L1V. I^onäou. 1319. 58 Die Tonga-Sprache schließt sich dem unendlich künstlichem Tagalog unmittelbarer an als dem Malayu; sie hat den häufigem Gebrauch des Artikels und zeichnet vorzugsweise den Plural durch Partikeln aus. Die Fürwörter sind unverkennbar dieselben, und sie hat bei den zwei Pluralen der ersten Person noch den Dual. Die Wurzeln werden ohne Unterschied für das Hauptwort, die Eigenschaft oder die Handlung gebraucht. Bei der Handlung werden, wie im Malapischen, die drei Zeiten durch bloße getrennte Partikeln (aävorbia) bezeichnet. Von zwei bei einander stehenden Wurzeln ist, wie in andern Mundarten, die erste Hauptwort und die andere Eigenschaft. Bei dieser Einfachheit möchte dennoch die Mundart von Tonga, wie eine der abweichenderen, so auch eine der ausgebildeteren des östlichen Polynesiens sein. Tonga liegt an der westlichen Grenze zunächst an den Vorlanden, und das Zahlensystem, wie wir bereits bemerkt haben, ist nicht das von Neu-Seeland und den Sandwich- Inseln. Es hat uns wirklich die Sprache der Sandwich-Inseln viel kinderhafter noch geschienen, als uns die Mundart von Tonga in deren Sprachlehre erscheint. Wir haben in derselben nur zwei Pronomina entdeckt, °Wuu für die erste Person, Los für die zweite, und nur zwei Adverbien zur Bestimmung der Zeit der Handlung, Lla- murs für die zukünftige, Llamoa für die vergangene Zeit. Die fragende oder zweifelnde Partikel Laim, die nachgesetzt wird, ist von häufigem Gebrauch. — Lus und Lue Lus sehr und groß, bilden den Komparativ und Superlativ. Etliche Partikeln bezeichnen als Präpositionen die Beziehungen her Hauptwörter.*) *) Wir können zwar nicht die Grenzen unserer erlangten Kenntniß der Sprache der Sandwich-Inseln für die der Sprache selbst auSgcben, finden aber in sonstigen Sprachproben Polynesiens und namentlich in Lieoias Voyaxe to nerv Seeland, I-oudon 1817, keine Andeutung eines weiteren Bereichs, wir finden da auch nur zwei Pronomina. Pronomen 1. Person: O-Waihi Wau, Ncu-Seeland Lou, Tonga Lu, vielleicht das Tagalog Leo, Malayu !ili. Bologna 1787. Mtüriäutes 3. p. 103. und über die Outchna-Sprache Mtlirisiutss 3. p. SIS. IV. 5 einstimmung gefunden. Die Zahlwörter, die Pronomina sind andere. Man könnte wohl die Konjugation des Zeitwortes und die Deklination des Hauptwortes auf die Wurzel zurückführen, die stets unverändert bleibt und welcher nur Partikeln angehängt werden, letztere werden aber stets nachgesetzt, und in der Art wie in dem Sinn der Zusammensetzung waltet ein ganz eigenthümlicher Geist, der mit dem malayischen und tagalischen nichts Gemeinschaftliches hat. Die Person wird an dem Zeitwort und zwar an dessen Endung bezeichnet, die Personalendungen bleiben sich durch alle Zeiten vollkommen und durch alle Moden im Wesentlichen gleich. Es entstehen durch Einschaltung verschiedener Partikeln nach der Wurzel (nur wenige Präpositionen werden vor dieselbe gesetzt) eine Menge Konjugationen, worin die Bedeutung verschiedentlich bedingt erscheint. So negativ, frequentativ u. s. w. Es wird auch verschiedentlich in den transitiven Konjugationen (Dransioionoo der spanischen Grammatiker) das Objekt der Handlung, das Pronomen Akkusativ!, in das Zeitwort ausgenommen. Es wird gern ein Satz als Wurzel eines Zeitwortes behandelt und mit der Partikel der Zeit, der Endung, der Person u. s. w. versehen, so daß sich der Sinn in ein einziges Wort drängt. Aus so zusammengesetzten Zeitwörtern werden, wie aus einfachen, durch verschiedene Endungen abgeleitete Wörter gebildet. Das Araucanische hat in der Deklination und Konjugation einen Dual, aber es hat den doppelten Plural der ersten Person nicht, welchen die Quichua-Sprache in Peru mit den Sprachen Ostindien's gemein hat. Dieses Zusammentreffen ist aber auch in dem Quichua blos zufällig und auf keine innere Verwandtschaft gegründet. Das Quichua ist dem Sprachstamme, der uns beschäftigt hat, eben so fremd als das Chilidugu, mit dem es bei auffallender Verschiedenheit der Wurzeln wesentlich in der Grammatik übereinkommt und unverkennbar zu demselben Sprachsystem gehört. Die vollkommene Regelmäßigkeit der araucanischcn Sprache, die ohne alle Anomala dem Gesetz wie der Nothwendigkeit folgt, zeugt von einer ruhigen, ungestörten, selbstständigen Entwickelung, der keine fremde Beimischung oder Einwirkung Gewalt gethan hat. Die Endung un, die in der araucanischen Sprache öfters gehört wird und Zuüiga zu täuschen beigetragen hat, ist von der gleichen Endung im Tagalischen völlig verschieden. Völlig verschieden scheinen uns, wie die Sprachen, so die Völker; und wir halten dafür, daß diese mit Recht zu verschiedenen Menschenracen zu zählen sind. Gemeinsame Züge vereinigen die Araucaner mit den übrigen amerikanischen Völkern, wie die Insulaner des großen Ocean's mit den übrigen Völkern der ostindischen Inseln, und es bleiben bei der Verschiedenheit der geselligen Ordnung, Sitten und Bräuche nur zwei Punkte zu berücksichtigen, die allerdings die Aufmerksamkeit anzuregen geeignet sind und worüber wir, um den Standpunkt der Frage nicht zu verrücken, was uns überliefert ist, mittheilen. Das Schwein und der Hund haben in der araucanischen Sprache eigene Namen, da die übrigen von den Spaniern eingeführten Thiere auch mit fremden Wörtern bezeichnet werden. Das Schwein heißt nach spanischer Rechtschreibung Obnnobo, nach italienischer Oinueio, zwei verschiedene Arten Hunde tzuiltbo und Ibexu; und Molina ist anzunehmen geneigt, daß sie vor dem Einfall der Spanier einheimisch gewesen und von den Urbewohnern von Westen her über das Meer gebracht worden. Der P. Acosta, der bald nach der Eroberung schrieb, wagt nicht zu entscheiden, ob das Schwein sich in Peru vorgefunden oder von den Europäern dahin gebracht worden sei; wir bemerken nur, daß die angeführten Namen den Sprachen der Südsee und Ostindien's völlig fremd sind *). Burnep in seiner ObronolvAionl Ilistor;- ok tlis äisoovsriss in tlm Sontb 8on V. 3. ob. 5. x. 187. bringt eine Stelle von Hendrick Brouwer's vo/ngis uenr Zs Ouston VLN Obiili p. 72. in Anregung, rvo eines Trankes der Chileser bei Valdivia erwähnt wird, 0nvnu, auch Sebitis und von andern mit italienischer Orthographie *) Das Schwein heißt Malahu Lnbi, Tagalog und Bisaha Lndui, in den Sprachen der Südsce Lun, Luneos, Sunds und Lun. Für den Namen de» Hundes vergleiche eine vorhergehende Note. 5 * 68 6loi genannt, welcher wie der Lava oder L.VN der Südsee bereitet wird und nur einer längern Gährung bedarf. Die Wurzel, aus der man ihn bereitet, wird InIIIs geheißen. Das Trinken des Lava ist eine den Bewohnern der östlichen Inseln eigenthnmliche Sitte, die auf den Inseln der ersten Provinz wie auf den ostindischen Inseln völlig unbekannt ist, obgleich die Pflanze daselbst vorkommt. Wir haben Lixer mstb/stionm auf Guajan und das sehr ähnliche l?ixer latitolium auf Luyon gesammelt. Es ist nicht anzunehmen, daß dieses verderbliche Kraut in Chile wachsen könne, doch möchten es andere ersetzen, und wir gestehen, daß die Uebereinstimmung des Namens auffallend ist. Wir finden übrigens in Moli na nichts über diesen Trank. Burney, am angeführten Ort, sucht zwischen dem araucanischen Poncho und der Kleidertracht der Insulaner des großen Ocean's eine Ähnlichkeit, die wir nicht finden; und wir können kein größeres Gewicht auf eine schwankende Sage der Araucaner legen, nach der sie vom Westen herstammen, indem sie eine andere vom Norden herwandern läßt und wieder eine andere sie als Eingeborene der Erde schildert, die sie bewohnen. Das Resultat unseres Studiums sowohl der Geschichte als der Natur ist, uns den Menschen sehr jung auf dieser alten Erde vor-, zustellen. In den Schichten der Berge liegen die Trümmer einer altern Welt wie Hieroglyphen begraben, dis Gewässer ziehen sich zurück, Thiere und Pflanzen verbreiten sich von verschiedenen Punkten aus in verschiedenen Richtungen über die Oberfläche der Erde, die Berge werden die Länderscheiden. Der Mensch steigt von seiner Wiege, dem Rücken von Asien herab und nimmt nach allen Seiten vorschreitend das feste Land in Besitz; er verbreitet sich im Westen über Afrika, wo die Sonne den Neger färbt, und über Europa, wo später eingewanderte Stämme in dreifacher Zunge unverkennbar die Sprache Indien's reden*). Der Papua auf den östlichen unter *) Autochthonen keim man in Europa nur die Kantabrer und Kelten nennen und nur in sofern sich ihre Einwanderung und Abstammung nicht Nachweisen läßt. — Die tschudische Volksstamm läßt sich auf andere astatische zurückführen. 69 der Linie gelegenen Ländern erleidet unter gleicher Einwirkung dieselbe Veränderung als der Afrikaner, oder gehört vielleicht mit ihm zu einem Stamm. Der Chinese bleibt in Ost-Asien unwandelbar. Andere Stämme verbreiten sich im Norden von Asien, die N. O. Spitze der alten Welt bahnet zu der neuen die Straße, — hier zerstreuen und entfremden sich die Völkerschaften, eine gewisse Aehn- lichkeit läßt uns einen gemeinsamen Menschenstamm annehmen, aber die Sprachen haben sich völlig von einander getrennt. Die Geschichte zeigt uns noch in frischem Andenken einen Völkcrstrom, der über die Ebene von Mexico von Norden gegen Süden sich fortergießt, andere Stämme vor sich her verscheucht, Monumente seines Ueberganges hinter sich läßt und Erinnerungen seines Geburtslandes, des hohen Asien's, treulich bewahrt*). — Ein anderer Stamm, die Eskimos, deren Gesichtsbildung uns die mongolische und chinesische Menschen- race verräth, ergießt sich von Nord-Asien über den nördlichen Saum von Amerika bis Grönland hin und bewahrt in beiden Welttheilcn eine gleiche Sprache, gleiche Lebensweise und gleiche Künste. Endlich ergießt sich von der S. O. Spitze Asien'ö ein kühnes Schiffervolk, die malayische Rare, über die Wohnsitze der Papuas hin, bis über die östlichsten, abgelegensten Inseln des großen Ocean's, und die Frage wird in Anregung gebracht: ob auch im Süden der Linie der Mensch sich auf Schiffen von der alten nach der neuen Welt den Uebcrgang gebahnt? Wir ahnen, daß, wer mit gehörigen Kenntnissen gerüstet alle Sprachen des redenden Menschen überschauen und vergleichen könnte, in ihnen nur verschiedene, aus Einer Quelle abgeleitete Mundarten erkennen würde und Wurzeln und Formen zu Einem Stamme zurückzuführen vermöchte. *) 8»,nt>o cx) 2. O I ^L3d ao 3. 0 31 il^cx) ^ U. x. x.i< 8. I. V. H 1. L-O O c>o 2. ^ 5- 3. 1^ IS 15 0 ^ 6u. Li, de. o Lu, de. La. Ire. Lu, Iro. etc. Vokabularium der Dialekte Chamori (Marianen-Inseln) und von Eap, Ulea und Radack. Anmerkung. Wir haben den Laut mit unfern deutschen Buchstaben, so weit sie hinreichten, zu malen versucht. Einen Mittellaut zwischen A und O haben wir ein sehr offenes s (das französische ai — s'aimais) L, «ine den französischen Nasen-Lauten sehr nahe kommende Endung — nx geschrieben. Wir haben für das deutsche W das einfache V gebraucht und aus dem englischen Alphabet das und das tb für verwandte Laute entlehnt. Das s oder x der Franzosen, der Russen, kommt blos in dem Worte Faxen vor. Der Accent fällt meist auf die letzte Sylbe. Wo sonst Mitlauter sich begegnen oder sich häufen würden, scheint ein gleitender Selbstlauter euphonisch eingeschaltet zu werden. Daß übrigens keiner der Fehler, denen wir in ähnlichen Arbeiten mit Nachsicht begegnen, umgangen werden konnte, brauchen wir wohl nicht erst zu erinnern. Unvermeidlicher Mißverständnisse nicht zu gedenken, ist unsere Rechtschreibung schwankend, wie selbst die Aussprache unseres LehrerS in ihm fremden Sprachen unzuverlässig war. Wir hörten auf Radack Lloäiä, Iruä, vile, — Kadu sprach lUe-iä, Irus, Udila aus. Wir waren stets zwischen I>, tb und s, zwischen ob, Ic und x u. s. w. zweifelhaft. Von letzteren Buchstaben scheinen ob oder U am Ende eines Wortes hart zu klingen und in der Verbindung in ein weicheres x überzugehen. Inxaeb. — Inxaxa xamolato Ross'ia. Ich verstehe nicht. — Ich verstehe nicht die Sprache Rußland. so Liedrr von Radack. 1. (Von Weibern gesungen.) ^süloK o no lo^o 6iläinu Untertauchcn in die See sechs Mal. OaloA o no 1o§o 6L16inn Auftauchen ans der See sechs Mal. (wird sechs Mal wiederholt) äiläinLnilluon! Sieben Rial! 2 . Wongusagelig, der Chef von Ligteb, führte seine Boote und Mannen dem Lamari auf Aur zu, als die von Mednro und Arno den Krieg dahin gebracht. Der erste Theil des Liedes vergegenwärtigt seine Ausfahrt aus Ligicp, der zweite seine Einfahrt in Aur. Ililriotd. u loinu äirvon. uülenAint;! Ls!süsu1o§! Lütliol ^.Ütlio! ^onZ-usuZ-eli^! ^nuinovurusudr: .»LoHogi innoseo! „LvurvouprvosoA „l^uoo^on äguäguvv! chn6gnve I HnHnve! „O^uäguvl;! ägudinvv! chuäjuve! „Lmurnn^vrun^ aübnuxin!" Wongusagelig Gehet unter Segel. Außen am Strande das Volk. „Setzt das Segel um. „Scheitern wir nicht an dem Niff! Land aus der Ansicht verloren! Ebbe! Ebbe! Wongusagelig! (wiederholt) Und es erschallet der Machtruf: „Die Schiffe zusammengclialten! „Es schlägt die Welle wohl ein! „AmSchiffvorn fteure! steurelsteure! „Steure! steurc! steure!. „Reißet hinein uns die Fluth!" Cavitc, auf der äußersten Spitze einer Landzunge gelegen, die sich in die schöne und wohlbefahrene Bucht von Manila hinein verlängert und einen Theil derselben absondert, ist der ungünstigste Standpunkt für einen Reisenden, der die kurze Dauer seines Aufenthalts auf Luyon anwenden will, die Natur deS Landes zu erkunden, Die Landzunge und das schön bebaute Ufer der Bucht bis nach Manila hin, gehören dem Menschen an. Man sieht zwischen den Dörfern und Häusern nur Reisfelder, Gärten und Pflanzungen, worin sich die Gewächse beider Indien vermischen. Wir hatten nur eine achttägige Exkursion in das Innere nach Taal und dem Vulkan gleiches Namens in der Laguna de Bongbong zu machen Gelegenheit. Die uns beigesellte militairische Bedeckung, worin sich die spanische Grandezza aussprach, belästigte uns sehr unnützerweise und vermehrte die Kosten einer Reise, wobei unter den milden und gastfreundlichen Tagalen nur ein Führer nöthig gewesen wäre. Die Insel Luyon ist durchgängig hoch und bergig, die höchsten Gipfel scheinen jedoch die Region der Wälder nicht zu übersteigen. Drei Vulkane erheben sich auf derselben. Erstens im Norden der Aringuay im Gebiete der UgorroteS in der Provinz von Jlocos, welcher am 4. Januar 1641 gleichzeitig mit dem Vulkan von Jolo und dem Sanguil im Süden von Mindanao ausbrach, wodurch diese Inseln eine der furchtbarsten Scenen darstelltcn, deren 92 die Geschichte erwähnt*); das Getös ward.bis auf das feste Land von Cochinchina vernommen. Zweitens der Bulkan de Taal, besonders bedrohlich der Hauptstadt, von welcher er ungefähr eine Tagereise entfernt »ist, und endlich der weitgesehene Mayon in der Nähe der Embocadera de San Bernardino zwischen Map und Ca- mariues. Gold-, Eisen- und Kupferminen, die reichhaltig aber vernachlässigt sind, beweisen das Borkommen anderer Gebirgsarten als eben vulkanischer. Wir haben auf dem Wege, den wir zurückgelegt, nur einen leichten, aus Asche, Bimstein und Schlacken bestehenden vulkanischen Tuff angetroffen und in Manila, Cavite, Taal, Balayan u. s. w. keinen andern Baustein gesehen, als diesen selben Tuff und den Riffkalkstein, der dem Meere abgewonnen wird. Der Granit, den man in den Bauten von Manila anwendet, wird als Ballast von der chinesischen Küste hergebracht. Wenn man von Cavite südwärts gegen Taal reiset, erhebt sich das Land allmälig und unmerklich, bis man zu Höhen gelangt, die jenseits schroff abschüssig sind und von denen man zu seinen Füßen die Saguna de Bongbong und den rauchenden weiten Krater, der darin eine traurige nackte Insel bildet, übersieht. Der See (die Laguna) mag ungefähr sechs deutsche Meilen im Umfange haben, er entladet sich in das chinesische Meer, durch einen jetzt nur noch für kleine Nachen fahrbaren Strom, der ehemals Champanes und größere Fahrzeuge trug; er fließt stark, und die Länge seines Laufes beträgt über eine deutsche Meile. Taal ist seit der Zerstörung von 1754 an seine Mündung verlegt worden. Das Wasser der Laguna ist brackisch, aber doch trinkbar. In deren Mitte soll das Senkblei keinen Grund finden. Sie soll von Haifischen und Kaimanen wimmeln, deren sich uns jedoch keiner gezeigt hat. Als wir uns zur Ueberfahrt der Laguna nach der Insel ein- schifften, ermahnten uns die Tagalen, an diesem unheimlichen Orte *) Die Jahrbücher von Manila erwähnen der ^erstörendstcn Erdbeben in ^en Jahren 1645 und 1648. 93 wohl Alles anzuschaucn, aber zu schweigen und durch kein unbedachtsames vorwitziges Wort den Unhold zu reizen. Der Vulkan bezeige sich unruhig jedesmal, wenn ein Spanier ihn besuche, und sei nur gegen die Eingeborenen gleichgültig. Die Insel ist nur ein Haufen von Asche und Schlacken, der, in sich selbst eingestürzt, den weiten, unregelmäßigen Krater bildet, der so viel Schrecken verbreitet. Es scheint nie eine Lava daraus geflossen zu sein. Vom Ufer, wo spärlich und stellenweise noch ein wenig Gras wächst und etliches Vieh zur Weide gehalten wird, erklimmt man auf der Ostseite auf kahlem steilen Abhang in ungefähr einer Viertelstunde den Rand, von wo man in den Schlund hinab sieht, wie in den Raum eines weiten Circus. Ein Pfuhl gelben Schwefelwassers nimmt gegen zwei Drtttheil des Grundes ein. * Sein Niveau ist auscheinlich dem der Laguna gleich. Am südlichen Rande dieses Pfuhls befinden sich etliche Schwefelhügel, die in ruhigem Brande begriffen sind. Gegen Süden und Osten derselben fängt ein engerer innerer Krater an, sich innerhalb des großen zu erzeugen. Der Bogen, den er bildet, umspannt, wie die Moraine eines Gletschers, die brennenden Hügel, durch die er entsteht, und lehnt mit seinen beiden Enden an den Pfuhl. Der Pfuhl kocht von Zeit zu Zeit am Fuße der brennenden Hügel. Man kann an der innern Wand des Kraters die Lagerung der verschieden gefärbten Schlacken, aus denen er besteht, deutlich erkennen; Rauch steigt von einigen Punkten derselben auf. Wir beinerkten von dem Standpunkt, von wo aus wir den Krater gezeichnet haben, an der uns gegenüberliegenden Seite desselben eine Stelle, wo ein Einsturz nach innen einen Abhang darzubieten schien, auf dem in den Grund hineinzusteigen möglich sein könnte. Es kostete uns Zeit und Mühe, diesen Punkt zu erreichen, weil wir die scharfe und zackige Kante, aus der wir wunderten, an manchen Stellen unwegsam fanden und öfters auswärts fast bis zu dem Strande hinab zu steigen gezwungen waren. Wir wurden unter dem Winde des Brandes nur mäßig von dem Schwefeldampfe belästigt. Die bezeichnet? Stelle ist die, an welcher in den letzten Aus- 94 brüchen das ausgeworfene Wasser sich ergossen hat. Wir versuchten in mehrere der sich darbietenden Schluchten hinabzusteigen und mußten von unstrm Vorhaben abstehen, nachdem wir ohngefähr zwei Drittheile der Tiefe erreicht hatten. Wir waren in Taal nicht mit den Seilen versehen worden, die wir begehrt hatten und vermöge derer wir vielleicht die senkrechte Wand von etlichen Faden Höhe, die sich zuerst darbot, hinabgekommen wären, ohne darum bis auf den Grund gelangen zu können, denn der Absturz wurde nach der Tiefe zu immer jäher. Wir fanden in dieser Gegend den Boden mit kristallisirten Salzen überzogen*). Die Zeit erlaubte uns nicht, mehrere Hügel zu besuchen. Die andern Krater sind am Fuße des Hauptkraters. Der furchtbarste Ausbruch des Vulkan de Taal war im Jahre 1754. Dessen Hergang wird im 12. Kapitel des 13. Theils der Geschichte von Fr. Juan de la Concepcion ausführlich erzählt. Der Berg ruhete zur Zeit von früheren Ausbrüchen (der letzte hatte im Jahre 1716 statt gefunden) und es wurde Schwefel aus dem an- scheinlich erloschenen Krater gewonnen. Er begann im Anfang August aufs neue zu rauchen, am 7. wurden Flamnien gesehen und die Erde bebte. Der Schrecken nahm vom 3. November bis zum 12. Dezember zu; Asche, Sand, Schlamm, Feuer und Wasser wurden ausgeworfen. Finsterniß, Orkane, Blitz und Donner, unterirdische Getöse und lang anhaltende heftige Erderschütterungen wiederholten sich in furchtbarer Abwechselung. Taal, damals am Ufer der Laguna gelegen, und mehrere Ortschaften wurden gänzlich verschüttet und zerstört. Der Vulkan hatte zu solchen Ausbrüchen den Mund zu klein; der ward sehr dabei erweitert und es eröffnete sich ein zweiter, aus dem gleichfalls Schlamm und Brand auSgespieen ward. Ja noch mehr, das Feuer brach aus manchen Orten der Laguna bei einer großen Tiefe des Wassers aus, das Wasser siedete. Die Erde eröffnete sich an manchen Orten, und es gähnte besonders ein tiefer Spalt, der weit in der Richtung von Calanbong sich erstreckte. Der Nach Vr. Mitscherlich's Untersuchung: Feder-Alaun. 95 Berg rauchte noch eine lange Zeit hinfort. Es haben seither noch Ausbrüche statt gefunden, jedoch mit abnehmender Gewalt. Die schönen Wälder, die in üppiger Grüne die Berge und einen Theil des Landes bekleiden, breiten sich bis zu dem Meere aus, in das Rhizophoren und andere Bäume noch hinabsteigen. Wir haben diese Wälder zu flüchtig auf gebahnten Wegen berührt, sind in dieselben nicht tief genug eingedrungen, um sie gehörig schildern zu können. Die Feigenbäume scheinen uns darin vorzuherrschen. Etliche Arten stützen sich als mächtige Bäume auf ein seltsames Netz von Stämmen und Luftwurzeln, welches die Felsen umklammert und sich über sie ausbreitet. Andere erheben sich schlankstämmig zu einer erstaunlichen Höhe, und man sieht am untern Stamm von Bäumen, deren Krone sich über das Laubdach des Waldes verliert, die räth- selhafte Frucht herauöbrcchen. Andere Arten bleiben strauchartig und andere ranken. Wir haben in den Wäldern die schöne Form der Akazicn-Bäume mit vielfach gefiederten Blättern vermißt. Die zahlreichen Gattungen der Schotengewächse nehmen sonst hier alle erdenkliche Formen an. Die Farrenkräuter und besonders die baumartigen, die Lianen, die Orchideen, die Pflanzenformen, die in Brasilien luftig getragene Gärten auf den Wipfeln der Bäume bilden, scheinen sehr zurückzutreten, oder, wie Cactus und die Bromeliaceen, ganz zu fehlen. Die Natur trägt einen andern ruhigern Charakter. Die Palmenarten sind zahlreicher wie in San Catharina. Mehrere derselben sind unscheinbar, der schlanke uiederliegende Rotang ist wohl von allen die wunderbarste. Unter den Aroideen ist der Uo- tbos ooauäsus, der mit grasähnlichen, in der Mitte verengten, zweizeiligen Blättern an den Baumstämmen hinankriecht, eine auffallende Pflanzenform. In den Gründen und an den Ufern der Bäche wächst das zierliche Bambusrohr*), ^dessen schlanke Halme, in dicht gedrängten *) Der Halm des Bambus schießt in einer einzigen Regenzeit zu der völligen Höhe, die er erreichen kann, und verholzt nur in den folgenden Jahren und treibt Seitenzweige ohne zu wachsen. Der junge Sprössling ist wie der des Spargels genießbar. Etliche der von Loureiro beschriebenen Arten sind hier einheimisch, wir haben die BLüthe von keiner gesehen. 96 Büschen aus der Wurzel empor geschossen, tönend im Spiel der Winde an einairder gleiten; und ein dichtes Gebüsch bietet da die reichste Mannigfaltigkeit von Pflanzen dar. Auf den Ebenen wechseln mit den Wäldern Savannen ab, deren Flora die allerdürftigste ist. Ein Paar Grasarten, deren Halme gegen acht Fuß Höhe erreichen und welche die Sonne ausdörrt, scheinen Saaten zu sein, die der Ernte entgegen reifen. Sehr wenige Zwergpflanzen, meist Schotcngewächse, verbergen sich in deren Schatten, und eine baumartige Bauhinia raget hie und da einzeln daraus hervor. Diese Savannen werden in Brand gesteckt, sei es um sie zur Kultur vorzubereiten, sei es um den Heerden jüngeren Graswuchs zu verschaffen. Das Feuer geht prasselnd darüber hin, und kleinere Falkenarten und andere Vögel umkreisen mit geschäftigem Fluge die Rauchwolken, die sich vor dem vorschreitenden Brande wälzen, an- scheinlich den Insekten nachjagend, die sich davor aufschwingen. Die Umstände haben unsere Forschungen im organischen Reiche der Natur fast ausschließlich auf die Botanik und die Entomologie beschränkt. Wir finden jedoch hier Gelegenheit, über ein Meergewürm, das der gelehrten Welt minder bekannt ist als der handelnden, ein Wort zu sagen. Unter dem gemeinsamen Namen Liebs äs mer, malahisch Ure- PNUA, spanisch Uulaw, werden auf den Markt zu Cantou getrocknete und geräucherte Holothurien von sieben und vielleicht mehreren verschiedenen Arten gebracht, deren jede ihren besonderen Werth und Namen hat. Dieselbe Lüsternheit der Chinesen, welche den bis in Europa bekannten Vogelnestern einen hohen Preis setzt, erhält auch bei der großen Konkurrenz den Trepang in Werth. Die Malayen suchen ihn bis auf der Küste von Neu-Holland im Golf von Car- pentaria, die Malayen und Chinesen bis auf den Küsten von Neu- Guinea, die Engländer lassen ihn auf den Pelew-Jnseln sammeln, wo sie mit diesem Geschäft beauftragte Matrosen zurücklafsen. Die Spanier bringen ihn von de» Marianen-Jnseln herbei, und da er von den Küsten, wo er gesucht wird, allmälig verschwinden mag, wird darnach auf'Entdeckungsreisen, deren wir an anderem Orte 97 erwähnen werden, nach den Carolinen-Jnseln gegangen. Der Trepang scheint auch im indischen Ocean und namentlich auf der Insel Mauritius für den Handel eingesammelt zu werden. Man findet diese Holothurien besonders auf den Korallenriffen, wo einige Arten, wie die auf Radack vorkommende, trocknen Fußes bei der Ebbe aufgelesen werden können, während andere sich in tieferem Wasser aufzuhalten scheinen. Wir haben diese eine Art genauer zu untersuchen und abzubilden Gelegenheit gehabt. Es ist eine der kleinern und minder geschätzten, die andern sind ihr ähnlich. Alle wahre Holothurien möchten als Trepang genossen werden. Dieser kostbare Wurm wird in manchen Orten auf den Philippinen-Inseln gesammelt. Die Jnsektenwelt ist auf diesen Inseln reich; die Schmetterlinge, Käfer und Wanzen besonders schön. Ein Scorpion scheint dieselbe Art zu sein, die auch auf den Inseln des großen Ocean's vorkommt und die wir auf Radack gleichfalls gesammelt; wir fanden aber hier die Exemplare viel größer. Termiten und Mosquitos sind eine Plage der Einwohner. Eine große Mantis, die bei Manila häufig ist, mag zu der Erzählung Pigafetta's von den lebendigen Blättern eines Baumes auf der Insel Cimbonbon Veranlassung gegeben haben. Dieselbe Sage und die ähnlichen von dem lebendigen Seetang, dem Liebeskraut, den Schlangenbrüdern, den Menschen mit Schweifen, die Fr. Juan de la Concepcion in seiner Geschichte ausgezeichnet hat, werden noch von den Spaniern nacherzählt; denn Niemand hat hier für die Naturgeschichte, wie überhaupt für irgend «ine Wissenschaft, Sinn, und Jeder fragt nur nach dem, was ihm nützt, oder was ihm in seinem Beruf nothwendig ist. Die naturgeschichtliche Sammlung von D. Gonzales de Caragual, Intendanten der Philippinen zur Zeit Laperouse (1787), ist.seitdem von Manila nach dem Mutterlands überbracht worden. Der gelehrte Cuellar, der von Spanien ausgesandt mit der Beförderung verschiedener ökonomischer Zwecke, der Kultur der Baumwolle, der Gewinnung des Zimmets u. s. w. beauftragt war und nach einem längeren Aufenthalt auf diesen Inseln vor wenigen Jahren in Manila starb, hatte einen botanischen Garten bei Cavite an- IV. 7 98 gelegt; es ist keine Spur mehr davon vorhanden. Cuellar sandte Naturalien aller Art nach Madrid, besorgte den Einkauf chinesischer Bücher, bereicherte die Gärten von Madrid und Mexico mit den Sämereien hiesiger Pflanzen und unterhielt gelehrte Verbindungen mit beiden Welten. Wir haben dessen nachgelassene Papiere unter- sucht und uns überzeugt, daß Alles, was die Wissenschaft betreffen konnte, dem Untergang entzogen und nach Spanien gesendet worden ist. Es scheint, daß Cavanillcs dessen gesammelte Pflanzen, wie die von der Malespinaischen Expedition, die hier einen ihrer Gelehrten verlor, herrührenden beschrieben hat. Die reiche Ernte einzusammeln, die hier noch die Naturkunde einzufordern hat, erfordert einen längeren Aufenthalt und Reisen auf die verschiedenen und besonders auf die mehr versprechenden südlicheren Inseln und in das Innere derselben. Es giebt hier Vieles und für Viele noch zu thun. Die Philippinen-Jnseln haben mehr und ausführliche Geschichtschreiber aufzuweisen als manches europäische Reich*). Wir wissen *) Antonio äs L4or§a, 8uessos äs ktälipinas. Mexico 1603.— ksäro LIurLIlo Vvlaräs, Historla äo !s xrovinsra äs ktulipinss äs 1a Lompams äo ässus. LLanila, en La imprsnta äs La Lomx. äs ässus 1749. 2 Vol. kol. — kr. äuan äs La Lonesxolon, keeolvto ^.ugustino äessalao, Historia FLuvral äs kdilizrinas. Alanila 1798—92. 14 VoL. 4. — äoayuin LVlartios 2 äs 2uni§a äsl vräsn äs 8an ^.u^ustin, Historia äs Las Isias ktülipinss. Lainxaloc: 1803.1 Vol. 4. Wovon eine englische Übersetzung bereits die zweire Auflage erlebt Hut. Listorioa! ok täs klrilipiuv Islanäs ikrom tds Lpamslr ok i^IartinsL äs 2uni§a ZoLin ^lavsr. I^onäon 1814. kodlasion äs VtriLipinas. Fol. Eine mangelhafte statistische Tabelle mit vielen Fehlern in den Zahlen, gedruckt zu Cavite cn S. Telmo 1817. Es scheint, daß ähnliche früher, und etwa von 1734 an, von Zeit zu Zeit erschienen sind. Oarta säLtieants o via§s a La provineia äs laal y Lalayan por sl ^.dats Don ksäro ^närvs äs Osstro )k ^moeäo 1790. 4. Manuskript in unserm Besitz. Es werden außerdem noch folgende Geschichtschreiber angeführt, die wir nicht Gelegenheit gehabt haben zu benutzen. kr. 6asxar äs 8an ^uFustin. Oolln, NLstoria äs ktälixinas.' Ein Auszug aus dem folgenden, ksäro Ldirino, Historia äs kliilipioas. 1 Vol. 5o1., Manuskript der Bibliothek des — 9S — es dem Uebersetzer des Zuniga Dank, uns der Pflicht überhoben zu haben, uns bei dieser ekeln Geschichte zu verweilen, die nur in einem Gewebe von Mönchszwistigkeiten und von Fehden der geistlichen Macht mit der weltlichen besteht, worauf die Berichte der Missionen in China, Japan u. s. w. aufgetragen in einem ungünstigen Lichte erscheinen. Fr. Juan de la Concepcion bringt die Geschichte bis zur Regierung des Gouverneurs Aranda, vor dem Einfall der Engländer im Jahre 1762; Zuniga bis zu deren Abzug im Jahre 1764. Wir werden über den jetzigen Zustand dieser spanischen Besitzung einen flüchtigen Blick zu werfen uns begnügen. Die Spanier rechnen zu dem Gebiete dieses Gouvernements die Marianen-Jnseln, die Carolinen-Jnseln, von denen verschlagene Boote ihnen früh die Kunde überbracht, und auf welche sie ihren Glauben und ihr Joch zu verbreiten beabsichtigt haben, und endlich die südlichem Inseln der Philippinen, Mindanao, Jolo u. s. w., Sitze ihrer Erbfeinde, der Mauren oder mohamedanischen Indianer, weiche im Piratenkriege Schrecken und Verheerung über alle Küsten der Christen zu verbreiten nicht aufhören. Das Presidio von Sanboangan auf der Westspitze von Mindanao soll dieses Gezücht im Zaum halten, ist aber in der That, so wie das Gouvernement der Marianen-Jnseln, nur eine Pfründe, Eolleglo, und verschiedene Chroniken und Geschichten mehrerer Mönchsorden, oder vielmehr ihrer Provinz der Philippinen-Jnseln, die als Manuskript in den Klöstern dieser Orden zu Manila aufbewahrt werden. Geschichte der Marianen: Lknrles 6obisa, Histoire Die gewöhnliche Weise der Volkszählung geschieht durch Tribut, welcher von jeder Familie erhoben wird. Tribut oder Familie werden iin Durchschnitt zu fünf Seelen gerechnet. In derselben Tabelle wird angegeben, daß die Volks- zahl sich seit dem Jahre 1731 um beiläufig eine Million und sieben tausend Seelen vermehrt habe. "> Die Gesichtsbildung dieser AgorroteS de AlocoS und ihre hellere Farbe zeigen, daß sie sich mit den Gefährten des Limahon vermischt haben, die zu ihren Bergen flüchteten, als Inan de Salcedo die Chinesen in Pangasinon belagerte. 103 der Stadt sind*grad angelegt; die Häuser massiv, von einem Stockwerk, auf einem unbenutzten Geschoß erhöht. Die Feuchtigkeit der Regenzeit gebietet in dieser Hinsicht dem Beispiele der Eingeborenen zu folgen. Sie sind nach allen Seiten mit äußeren Gallerten umringt, deren Fenster anstatt Glases mit einer durchscheinenden Muschelschale ausgelegt sind. Man befindet sich in den geräumigen luftdurchzogenen und schattigen Zimmern gegen die Hitze wohl verwahrt. Die Klöster und Kirchen, welche die Hauptgebäude der Stadt auö- machen, sind von nicht schlechter Architektur. Die Mauern werden, der Erdbeben wegen, von einer außerordentlichen Dicke aufgeführt und durch eingemauerte Balken gesichert. Etliche dieser Kirchen besitzen Gemälde von guten Meistern; einige Altäre sind mit hölzernen Statuen verziert, die nicht ohne Kunstwerth und das Werk von Indianern sind. Was aber der Indianer gemacht hat, wird nicht geschätzt. Wir haben die wenigen flüchtigen Stunden, die wir in Manila verlebt haben, meist in den Klöstern zugebracht, wo wir über uns wichtige Gegenstände Belehrung zu finden hofften. Wir baben in diesen Pflanzschulen der chinesischen und japanischen Missionen keinen Mönch angetroffen, der mit der Wissenschaft und Literatur dieser Völker vertraut gewesen wäre. Die Fremdlinge erlernen am Orte ihrer Bestimmung selbst die ihnen nothwendigen Sprachen; und das, wonach man in den nicht unbeträchtlichen Bibliotheken von Manila zu fragen eilt, ist eben, was in denselben gänzlich fehlt: das Fach der inländischen Sprachen und Literaturen und der Sprachen und Literaturen der Völker, die man von hier aus zum Glauben zu gewinnen sich bemüht. Die Inquisition scheint jetzt zu schlummern, aber die Gewohnheit der Vorsicht gegen sie besteht, und man merkt den Menschen an, daß es unheimlich ist und daß ein Gespenst gefürchtet wird, das man nicht sieht. Die Spanier entfalten hier einen großen Luxus. Die Equipagen sind zahlreich und elegant. Die Profusion der Speisen auf ihren Tischen, bei der Zahl der Mahlzeiten, die sie an Einem Tage halten, gereicht fast zum Ueberdruß. Geld und Gut zu erwerben ist der Zweck, den sich Jeder vorsetzt, und ein gemeines spanisches 104 Sprüchwort sagt: „Ich bin nicht nach Indien gekommen, blos uni eine andere Luft zu athmen." Erweiterte Freiheit wird den Handel in Manila blühend machen, und die Bedrückungen, denen er in Canton unterliegt, können den Markt zwischen China und der übrigen Welt hieher versetzen. Jeder handelt; und die Mönche, die das baare Geld besitzen, sind bereitwillig, den Spekulanten Kapitalien gegen bestimmten Gewinnst, für bestimmte Unternehmungen, deren Gefahren sie sich unterziehen, anzuvertrauen. Zucker und Indigo scheinen bis jetzt die vorzüglichsten Waaren zu sein, die hier für Europa gesucht werden. Baumwolle und Zeuge eigener Fabrik werden nach Mexico ausgeführt. Die Chinesen kaufen Trepang und Vogelnester ein. Die Muschel, die in mauchen Gegenden Jndien's als Münze gilt und die diese Inseln liefern, Perlen, Perlemutter, Ambra u. s. w. können wohl kaum in Betracht kommen. Diese Inseln könnten viel mehr Erzeugnisse dem Handel liefern, als sie wirklich thun; der Kaffee, der von vorzüglicher Güte ist, wird wie der Cacao nur für den eigenen Bedarf angebaut. Den Zimmt, der an manchen Orten in den Wäldern wild Vorkommen soll, den Sagu u. s. w. scheint die Industrie noch nicht zu Quellen des Reichthums gemacht zu haben. Wenn die Geschichte den Abfall beider Amerika von dem Mutterlande besiegelt haben wird, werden die Philippinen-Inseln der spanischen Krone verbleiben und können ihr durch weisere Administration den Verlust eines unermeßlichen Gebietes ersetzen, von dem sie die Vortheile, die es verhieß, zu ziehen nicht verstand. Die Indianer sind Eigenthümer und freie Menschen und werden als solche behandelt. Die Kastelle, die in jeder Ortschaft der Küste gegen die Mauren erbaut sind, befinden sich in ihrer Macht und werden von ihnen besetzt. Die Vorrechte ihrer adligen Familien sind verschollen, jeder Bezirk, jedes Dorf erwählt seine Häupter, und die Wahl wird nur bestätigt. Bei diesen Sovoruucloroillos, 6axi- ranos u. s. w., die von den Spaniern von angeredet werden, beruht die gesetzliche Autorität; aber das Ansehn, der Reichthum, die Macht sind ganz auf der Seite der Padres. Die Mönche, die das Volk beherrschen, saugen es auf vielfache Weise aus, und nachdem 105 der Kirche ihr Recht gezollt worden und sich der Priester das Beste angeeignet hat, trägt noch der Verarmte sein letztes Ersparniß für Skapularien und Heiligenbilder hin. Der Tribut, der dem Könige gezahlt wird, ist nur eine billige Fast; aber die Administration des Tabaks, der Allen ohne Unterschied des Alters und Geschlechts zum ersten Lebensbedürfniß geworden, ist eine drückende. Die Felder, wo er sonst für eigene Rechnung angebaut ward, liegen jetzt brach. Der Indianer befürchtet, daß ein neues Erzeugnis; derselben eine neue Bedrückung zur Folge haben möchte. Von der Areca-Palme, deren Nuß mit dem Betelblatt (Uixor Rotel) und Kalk gekaut wird, ist nur eine geringe Abgabe zu entrichten. Die Volksnahrung ist der Reis, und zu dem kommen alle Früchte, womit die Natur diese wirthbare Erde so verschwenderisch begabt hat, und worunter wir nur die vielgepriesene Manga*), zwei Arten Brodfrncht, die gemeinsame der Südsee-Jnseln und die eigen- thümliche der Philippinen, den Pisang und den Cocos ausheben wollen. Die Hausthiere, die sich ursprünglich auf diesem Archipelagus befanden, waren das Schwein, die Ziege, der Hund, die Katze, das Huhn, die Gans und nach Zuüiga auch der Carabao oder der ostindische Büffel**), den man von dem südeuropaischen unterscheiden muß und über welchen wir auf Marsden's Nachrichten zurückweisen***). Der Carabao befindet sich in den Bergen auch wild *) Zuniga setzt in Zweifel, ob die Mimga ursprünglich einheimisch sei, oder ob sie die Spanier von der linste des festen Landes herübergebracht. Derselbe rechnet unbegreiflicher Weise das Zuckerrohr unter die Gewächse, welche die Spanier cingcführt haben. Pigafetta erwähnt ausdrücklich des Zuckerrohrs in Zebu. Don San Jago de Echaparre hat vergeblich versucht, den Nutzbaum und den lkastanienbaum einheimisch zu machen. Er hat beide zu verschiedenen Malen in den Bergen des Innern und am Saum der Wälder LUsgesäet, aber ohne Erfolg. "> Pigafetta scheint nicht den Carabao auf den^Znscln dieses Archipelagus, wo er gewesen ist, angetroffen zu haben. Er nennt den Büffel nur auf Borneo mit dem Elcphanten und dem Pferde. Das Wort Carabao, lkarbau, ist malayifch. »-e-r; Llarsäon, 8umutrn. Seite 94 erste Ausgabe. 106 oder verwildert. Die Spanier haben erst unsere Rinderart, das Pferd und Schaf eingeführt. Der Hahnenkampf, dessen Pigasetta schon erwähnt, ist die größte Ergötzung der Indianer. Ein guter Streithahn ist der Stolz und die Lust seines Herrn, der ihn überall mit sich auf dem Arme trägt. Er wird im Wohnhause, an einem Fuße gebunden, auf das sorgfältigste gehalten. Die Kampflust und der Muth dieser Thiere erwächst aus der Enthaltsamkeit, zu der man sie verdammt. Der Palmenwein oder vielmehr der Branntwein ist, wie zur Zeit Pigafetta's, ein Lieblingstrank der Indianer. Wir finden die Art ihn zu gewinnen zuerst in Marco Polo beschrieben. Die Blumenspatha der Cocospalme wird, bevor sie sich erschließt, zusammengeschnürt, die Spitze wird abgeschnitten und man befestigt daran ein Gefäß von Bambus, worin der ausströmende Saft ausgenommen wird. Man sammelt diesen Saft zweimal im Tage ein, und wenn ein solcher Quell versiegt, reift auf demselben Baume eine andere Spatha, ihn zu ersetzen. Aus diesem Saft, der frisch genossen kühlend ist, wird durch angemessene Behandlung Wein, Essig, Branntwein oder Zuckersyrup bereitet*). Manche Cocosbäume werden anscheinlich durch zu üppigen Wuchs unfruchtbar, welche Krankheit zu vermeiden man tiefe Einschnitte in ihren Stamm einzuhauen pflegt. Ist aber ein Baum auf diese Weise unnütz geworden, so fället man ihn und hat an dem Kohl, den unentwickelten Blättern in der Mitte der Krone, ein wohlschmeckendes Gemüse**). Eine besondere Art Musa (I?isar>§, Launns), die keine genießbare Frucht trägt, .wird des Flachses wegen angebaut, der auS ihrem Stamm gewonnen wird und der vor vielen andern den Vorzug zu verdienen scheint. Die Fasern (Längengefäße der Blattstiele) haben die volle Länge des Stammes (gegen acht Fuß) und sind nach ihren Der süße Sprich der Pelew-Inseln wird nur von der EocoSpalme ans diesem Wege gewonnen. Gegohrnes oder gebrannter Getränk scheint dort nicht Eingang gefunden zu haben. *»> Wir haben das Unfruchtbar- oder, mit dem spanischen Ausdruck, Toll- wcrden (tornnr loco) des CvcosbaumeS und das dagegen angewandte Mittel besonders auf Guajan bemerkt. 107 äußeren oder inneren Lagen von verschiedener Feinheit, so daß aus derselben Pflanze der Flachs gewonnen wird, aus dem man die vorzüglich guten Ankertane verfertigt, die hier meist die spanische Marine anwendet, und der, aus welchem man die feinen streifigen Zeuge webt, die zu den zierlichen Hemden verwendet werden, die zu der Tracht dieses reinlichen Volkes gehören*). Ein Palmbaum (kulmu. äs Oubollo ns^rs) liefert einen festen schwarzen Bast, der ebenfalls zu Seilen und Ankertauen verarbeitet wird (die chinesischen aus Rotang geflochtenen Ankertaue, die manche Seefahrer des großen Ocean's gebrauchen müssen, gelten für die schlechtesten und unzuverlässigsten). Dieser Palmbaum wird wegen seiner Nutzbarkeit angepflanzt und vermehrt. Endlich müssen noch der Bambus und der Rotang unter den nutzbarsten Gewächsen dieses Himmelsstrichs aufgeführt werden. Der Tagal mit seinem Lola (ein Messer, das er stets wohlgeschliffen in der Scheide bei sich führt und das ihm als einziges Werkzeug bei allen mechanischen Künsten und zugleich als Waffe dient) baut selbst, aus Bambus und Rotang, sein Haus und versieht es mit den meisten der erforderlichen Geräthschaften und Gefäße. Die Erde gönnt ihm Speise und Trank, Stoffe zu seiner Kleidung, den Tabak, die Arecanuß und den Betel zu seinen Genüssen. Ein Streithahn macht ihn glücklich. — Die Erde ist hier so reich, der Mensch so genügsam! Er bedarf so wenig zu seiner Erhaltung und zu seinen Freuden, und hat oft dies Wenige nicht. ») Die Caroliner bereiten auch ihre mattenähnlichen Zeuge aus den Fasern der Musa, die nach Kadu'S Aussage zu diesem Behuf, bevor sie Früchte getragen hat, abgeschnittcn wird. Sollten sie auch die oben erwähnte Art besitzen? Die Marianen-Jnseln. — Guajan. Die Marianen-Jnseln bilden eine vulkanische Kette, die in der Richtung von Norden nach Süden liegt; die Vulkane und der Sitz der unterirdischen Feuer sind im Norden der Kette, wo unfruchtbare verbrannte Felsen unter den Inseln gezählt werden. Auf Guajan, der südlichste» derselben und zugleich der größten und vorzüglichsten, werden nur leise Erderschütterungen verspürt. Guajan erscheint von der N. O. Seite als ein mäßig hohes, ebenes Land, dessen Ufer schroffe Abstürze sind. Die Gegend um den Hafen und die Stadt trägt einen andern Charakter und hat hohe Hügel und schöne Thäler. Wir haben keine andere Gebirgsart angetroffen als Madreporen- Kalkstein und Kalkspath. Die Insel ist wohl bewaldet, die Flora anscheinend reich, die Vegetation üppig. Der Wald steigt an den steilen Ufern bis zum Meere herab, und verschiedene RhizopHora-Arten baden an geschützten Orten ihr Laub in der Fluth. Nichts ist den Wohlgerüchen zu vergleichen, die, als wir bei der Ankunft den Ankerplatz suchten, uns über die Brandung herüber zuwehten. Die Orangenbäume sind wie andere Fruchtbäume verschiedener Arten, Andenken einer sonst blühenderen Kultur, verwildert. Viele eingeführte Pflanzen haben die Flora wuchernd vermehrt, wie z. B. die stachlichte l-imouln tri- kolistn, der nicht mehr Einhalt zu thun ist, und die luäiZolern tino- torin, die Niemand zu benutzen versteht. Der Brodfruchtbaum, der Cocos, der Pisang sind im Ueberfluß da; die Llnugiksrn imlioa ist 109 angepflanzt, aber noch nicht einheimisch geworden. Wir fanden nur hier verschiedene der Pflanzenarten, die dem Kontinent von Asien und den Inseln des großen Ocean's gemein sind, z. B. die LariuZ- touia spseiosa und die Oasuariua eguisstikolla. Aber wir vermißten die Pflanzenformen von Neu-Holland, die Proteaceen, Epakrideen, Myrtoideen und Akazien mit einfachen Blättern. Wir trafen die mehrsten der auf Radack wachsenden Pflanzen wieder an, deren wir nachher etliche auf Luyon vermißten, so zum Beispiel die Daosa xiuuatiüäs, die, obgleich in Cochinchina einheimisch und angebaut, bei Manila zu fehlen scheint. Es kommen zwei verschiedene Pandanus-Arten vor und mehrere Feigenbäume. Außer den Fledermäusen (wir fanden de» Vamx^rus) ist das einzige ursprünglich einheimische Säugethier die auf allen Inseln der Südsee so allgemein verbreitete Ratte. Die Spanier haben außer unfern gemeinen Hausthieren, deren sich keines hier vorfand, den Guanaco aus Peru und einen Hirsch aus den Philippinen eingeführt; den Hirsch zur Zeit des Gouverneurs D. Thomas. Mehrere dieser Thiere sind jetzt auf verschiedenen dieser Inseln verwildert. Verschiedene Arten der Landvögel kommen vor und unter andern ein Falke. Wir bemerken unter den Amphibien ein Jguan und eine große Seeschildkröte; unter den Zoophyten einige der Holothuricn-Arten, die unter dem Namen Trepang (blobs äs msr, balate) einen so wichtigen Handelszweig für China abgeben. Die düstere Geschichte der Marianen-Jnseln ist in Europa hinreichend bekannt. Wir verweisen auf die Listoire des Islss blariauss nouvellsmeut oonvsrtiss d, 1a IloliAiou ebretisuus et äs 1a mort glorlsuss äss xrsmisrs missiouairss, gui out preobe Is toi, parle I>ers Obarles Oolrisu. ?aris 1700, und auf deren beurtheilendeu Auszug in Lurnex ObronoloMeal bistor^, '1. 3. p. 271. Diese Inseln wurden von Magalhaens entdeckt, sie hießen unter den Eingeborenen Laguas, die Spanier nannten sie Das Isias äs los laärous», äs las Vslas latiuas, und endlich Marianas. Der fromme Missionar Don Diego Luis de San Vitores landete auf Guajan im Jahre 1667; er begehrte den Völkern das Heil zu bringen, aber es folgten ihm Soldaten und Geschütz. Noch vor 110 dem Schluffe des Jahrhunderts war das Werk vollbracht, und diese Nation war nicht mehr! ?»eiüear nennen's die Spanier. „Diese so sehr beträchtliche Verminderung rührt von der Unter- ,Weisung her, zu der sie die Waffen zwangen. Sie konnten, ihre „Freiheit liebend, kein fremdes Joch erdulde», und es ward ihnen „so drückend, daß, unvermögend es abzuschütteln, sie lieber sich erhängten, oder auf andere Weise sich verzweifelnd um das Leben brachten. Die Weiber machten sich vorsätzlich unfruchtbar und warfen „ihre eigene Frucht in das Wasser, überzeugt, daß sie durch solchen „frühen Tod, der sie von Mühseligkeiten und Elend erlösete, sie „glücklich und selig machten. So hielten sie die Abhängigkeit für „das äußerste und erbärmlichste Elend. Auch trug eine epidemische „Krankheit dazu bei, die im Anfänge des Jahrhunderts die Uebrig- ,gebliebenen fast gänzlich hinraffte."*) Don Pedro Murillo Velarde führt dasselbe Bild mit denselben Zügen aus. Wir überlassen es gern den Spaniern hier zu reden. Die ursprüngliche Volkszahl belief sich nach Fra Juan de la Eoncepcion auf 40000, nach Murillo Velarde auf 44000. (Es heißt im dlouveau vo^ago s. In msr cku 8uil (Marion), daß die Menschenzahl, sonst über 60000, zu 8—900 geschmolzen sei.) Die Ueberreste der Eingeborenen wurden Anno 1695 auf den Inseln Saypan und Guajan, und nach der gleich darauf erfolgten Krankheit auf letzterer Insel allein gesammelt. Nach der Volkszählung ohne Jahreszahl, die Murillo Velarde (gedruckt zu Manila 1749) *) Rsta dimimreioa tan eovsideralrle vierte de la suAeeiorr a yus los obli§arorr las armas; amarrtes de su libertad, rro podiarr tolerar a§eno 8e les lriso este tau pesado, yue uo pudieado deseelrarls de sus kumdros, tertiarr eu mouos perder eoa lasos de otros modos desespe- rsmerrte las vidas. I^as muZeres ss esterilisabarr de xroposito, 5 arro- ^adarr a las a§uas sus xroprios partos; persuadidas, a yue eon a^uella tempraaa muerts, gue les remedia de tradajos ^ de una vida penoss, los Iraeiarr dieirosvs 5 Leiroes; en tanta teniaa 1a su§6oion, c^ue les xareois 1a ultima y mas lamevtadle miseria: l'amdierr a^udo uns epidemia eu los prmeipios de este si§1o, Man vergesse nicht, daß man in früherer Zeit, um die Misston zu verstärken, Hunderte von Philippinern nach Guajan versetzt hatte und daß deren Nachkommen in diesen Zählungen mitrechncn. ") Burney zeigt auch hier, in wie guten Händen sich Lei ihm die gründlichste Gelehrsamkeit befindet, I. o. x. 312. Wie hätten Bewohner von Inseln, auf welchen häufige Vulkane brennen, das Feuer nicht gekannt. Pigafetta rechnet unter die Dinge, wovon sie sich ernähren, das Fleisch der Vögel, ohne zu bemerken, daß eS roh gegessen wurde. — Wir bemerken beiläufig, daß das Mutter- schwetn, welches nach diesem Rcisebeschreiber Magalhaens bei seiner Ankunft auf Humunu lPhilippinen-Znseln) schlachten ließ, die unverbürgte Behauptung veranlaßt zu haben scheint, Magalhaens habe Schweine von den Ladronen- Jnseln mitgenommen; davon schweigen sowohl Llnssimilinno Drnnbiivnno als die Rrnvv nnrrntionn lii NN ?ortn§ii68N (bei Unmnsio), und Hurrnrn, bii- storin (in Ins Inäins. 1. 2. Lax. 3. erwähnt nichts davon. Alle Autoritäten stimmen darin überein, daß sich bei der Besitznahme keine vierfüßige Thiere auf derselben b-kanden. Herrera I. o. schreibt diesen Inseln den Reis zu lv xouo srrou), anscheinlich ohne allen Grund. 112 ker stehen auf keiner geringen Stufe der Bildung, und die Bewohner der Marianen standen in nichts ihren Briidern nach. Sie waren in der Schifffahrt den kunstreichsten der Caroliner wenigstens gleich.*) Die noch bestehenden Werke ihrer Baukunst auf Tinian und Saypan bezeugen, daß sie in dieser Hinsicht den übrigen überlegen waren, und wir haben unter ihren Antiquitäten etwas entdeckt, das einen unermeßlichen Schritt in der Civilisation zu bezeichnen scheint, den sie allen Inselbewohnern des großen Ocean's vorauSgethan hatten. Wir reden von der Erfindung der Münze. Wir haben die Gegenstände, die wir beschreiben, selbst gesehen und wir erläutern sie nach der befugten Autorität, nach Don Luis de Torres, dem Freunde der Indianer, dem Kenner ihrer Sitten und unserm Freunde. An einer groben Schnur von Cocosbast sind Scheiben von Schildkröte von der Gestalt einer Knopfform, aber dünn wie Papier, dicht aneinander gepreßt, eingefädelt und durch Reibung äußerlich geglättet. Das Ganze bildet eine biegsame Walze von der Dicke eines Fingers und von der Länge einiger Fuße. Diese Schnüre sollen als ein Mittel des Handels in Umlauf gewesen sein, und sie zu verfertigen und auszugeben war das Recht nur weniger Häuptlinge. Schildkrötenfelder von der großen Seeschildkröte sind verschiedentlich in der Mitte von einem größeren und an dem breitern, ») Wir müssen hier in Dampier'S Bericht von den kross der Maria- nen-Jnseln eine Unrichtigleit rügen. Die Fahrzeuge der Caroliner segeln wirklich nur, wie es in Anson's Reise angegeben wird und wie schon Pigafetta bemerkt, mit dem Ausleger auf der Windseite und der flachen Seite des Boots unter dem Winde. Es ist auch nach Anson, dar inan diese Fahrzeuge in England nachgcahmt hat; der Lauf von 2t Knoten, den Dampier denselben zu- schrcibt, muß übertrieben scheinen, obgleich sic leicht, schnell und besonders viel geschickter sind als unsere Schiffe, scharf bei dem Winde zu segeln. Wir müssen ferner bemerken, was sich ohnehin von selbst versteht, daß das Steuerruder stets unter dem Winde geführt wird, welches in Betreff der Boote von Radack in den zu diesem Werke gehörigen Zeichnungen nicht immer beachtet worden. 113 dünnern Rande von mehreren kleinern Löchern durchbohrt, oder haben nur ein einziges Loch in der Mitte. Wer, vermuthlich im Schwimmen, eine Schildkröte getödtet hatte (wohl ein schweres Wagestück), brachte ein Feld ihres Panzers dem Häuptlinge, der nach den Umständen der That und der dabei erhaltenen Hülfe die Löcher darein bohrte; je weniger derer, desto größer der Werth. Solche Trophäen sollen dann dem Eigner ein gewisses Zwangsrecht gegeben haben, sie nach hergebrachten Bräuchen gegen Anderer Eigenthum auszutauschen, und in gewisser Hinsicht als Mittel des Handels und Zeichen des Werthes gegolten haben. Indem die Insulaner von Guajan, sagt Crozet, durch die Civilisation neue Kenntnisse erworben, haben sie in dem Bau ihrer Boote die Kunst, die sie von ihren Vätern ererbt, vollkommen erhalten; sie hatten in dieser Hinsicht nichts zu gewinnen*). Sollten wir dieses Zeugniß wie das früherer Seefahrer gelten lassen? verhält es sich doch jetzt weit anders als zur Zeit von Anson (1742) und Duclesmeur (1772). Die jetzigen Bewohner von Guajan kennen nicht mehr die See, sind keine Schiffer, keine Schwimmer mehr, sie haben aufgehört Boote zu bauen. Kaum höhlen sie noch Baumstämme ungeschickt aus, um innerhalb der Brandungen auf den Fischfang zu gehen. Es sind die Bewohner der Carolinen (La- mureck, Ulea u. s. w.), die, nachdem der Pilot Luito aus Lamureck im Jahre 1788 die Wiederentdeckung von Waghal (Guajan) für seine Inseln vollbracht, seit dem Jahre 1805 jährlich mit einer Handelsflotte gegen Guajan kommen und die Spanier gegen Eisen mit den ihnen nöthigen Fahrzeugen versehen, die sie für dieselben auf ihren Inseln erbauen. Sie sind es auch, die auf ihren eignen Booten die Sendungen des Gouverneurs nach Tinian und Saypan befördern und die sonst schwierige Verbindung der Marianen-Jnseln unterhalten. *) Nouveau ä !a vier äu 8uü, xar Clarion et Ouelesmeur rväjxe sur 1e8 xlaas et los ^ouruaux äv Hlr. Oroset, p. 204 . „I^es Insu-, laires äe 6uam aohuerant par lg. eivi1i8atiou cle nouvvlles eolluoi58S,uo68, out parkaitvineut eov8erve I'art» ^u'il8 tlvuueut äe 1eur8 aneetreZ, pour la evu5truetion äe leurs bateaux, ils u'avoieut rien ä gec^uvrir <1aQ3 evtte I>3rtie." rv. 8 114 Dieser carolinischen Boote giebt es jetzt hier 10—12, und man erinnert sich nicht, daß je ähnliche auf Guajan gebaut worden. — Haben nicht auch in der Fremde gebaute Boote dieZ früheren Seefahrer getäuscht? Zu allen Zeiten sind Boote der Caroliner hieher verschlagen worden, und namentlich noch im Jahre 1760—70 ein Boot aus Eap; denn so weit gehen unsere auf Erinnerung gegrün- dete Nachrichten zurück. Die jetzigen Bewohner von Guajan find zu Spaniern umgebildet*), sie wohnen und kleiden sich wie die Tagalen um Manila, bauen den Reis für den nächsten Bedarf, bereiten und trinken de» Eocoswein, kauen den Betel und rauchen den Tabak und genieße» träg bis in ein hohes Alter**) der Früchte des Waldes, der Gaben der willigen Erde und der Milde des Himmels. Und wie könnte Industrie sich regen! Dem Gouverneur dieses entlegenen Theils der Welt ist auf eine kurze Dauer sein Amt als eine Pfründe verliehen. Er hat den alleinigen Handel der Kolonie, das heißt, daß er das beträchtliche baare Geld ***), das Spanien für Gehalte hinschickt, behält und dafür die Verpflichtung hat, seinen Unterbeamten so wenige und so schlechte Waare, als er nur immer will, zu geben-j); dagegen zahlt der Indianer keinen Tribut, bauet selbst seinen Tabak und hat der Kirche keine Zehnten zu entrichten. Selten legen jetzt die Gallionen von Acapulco in Guajan an, und nur gelegentlich die den Handel der Nordwestküste treibende» Amerikaner. Der jetzige Gouverneur der Marianen besitzt ein eigenes *) Wir äußerten den Wunsch, mit den eigenthümlichen Sitten, Spielen. Tänzen der Eingeborenen bekannt zu werden, und der Gouverneur ließ sie »ei uni ein Opernballei von Montezuma in Theatercostümen aufführen, welche sich auS alten Zeiten her im Collegio, den Schulgebäuden der Jesuiten, vorfinden. **) Ein rüstiger Greis von 88 Jahren und 4 Monaten lebt in Agava »>il seinem gleichbejahrten Weibe, der einzigen Gefährtin seiner Jugend und seim- AlterSj sie zählen jetzt um sich 138 Nachkommen und die sechste Generation. *»*) Gegen 18000 Piaster jährlich, eine Angabe, die wir jedoch nicht «er- bürgen. tl 2ulli>;n> p. 6. 115 Schiff, eine hübsche Brigg, womit er die Verbindung und den nötigen Handel mit Manila unterhält und außerdem den Handel der diclis äs mer treibt. Er hat angefangen die Caroliner zu ermuntern, ihm diesen Handelsartikel zuzuführen, da er auf ihren Inseln häufig ist und sein Pilot, ein Engländer, sich wegen Gefahr der Riffe geweigert hat, ihn von dort her zu holen. Es kann dieser Schritt großen und wohlthätigen Einfluß auf die fernere Entwickelungsgeschichte dieser Insulaner erlangen. Die Jesuiten sind bis zu der Aufhebung des Ordens im Besitz der Missionen geblieben, die sie auf den Marianen begründet hatten. Sie verbrannten einen Theil ihrer Papiere und Bücher, als die Augustiner sie ablöseten, und räumten ihnen das Feld. Da es in der letzten Zeit an Missionaren gemangelt, ist die Seelsorge der Marianen Weltgeistlichen übertragen worden. Die Inseln sind in zwei Kirchspiele eingetheilt, das von Agaüa und das von Rota, welches letztere einen Theil der Insel Guajan in sich begreift; beide stehen eigentlich unter dem Bischof von Zebu, der aber wegen zu großer Abgeschiedenheit die Administration derselben dem Erzbischof von Manila überläßt. Die Pfarrherren sind junge Tagalen aus Manila, denen die spanische Sprache zur Beschickung ihres Amtes hinreichend ist; sie bewohnen in Agaüa das Gebäude der Mission. Auf der Insel Rota ist jetzt eine feste Ansiedelung unter Aufsicht eines Offiziers, hingegen sind keine Wohnungen auf der Insel Tinian. Es wird dieselbe nur besucht, um den Anbau von Reis zu betreiben. Man sagte uns, daß auf Tinian sich Rinder, Schweine und Ziegen, auf Saypan Rinder und Schweine, und auf Agrigan Schweine und Ziegen verwildert befänden. Es haben sich etliche Caroliner, welche die Taufe empfangen, auf Guajan angesiedelt; wir fanden nur wenige von ihnen gegenwärtig. Mehrere hatten Urlaub vom Gouverneur erhalten, die Ihrigen auf ihren Inseln zu besuchen, und waren im vorigen Jahre mit der Flottille von Lamureck dahin abgegangen. Es bleibt noch übrig zu erläutern, weshalb auf der beigefügten 8 * 116 Tafel Eingeborene der Sandwich-Inseln unter den Bewohnern auf Guajan aufgezählt werden können. Der Leser wird in einem andern Theil dieses Werkes einen umständlichen Bericht über den Menschenraub gefunden haben, den zum Behuf einer Ansiedelung auf den Galapagos ein amerikanischer Schiffs-Kapitain mit bewaffneter Hand und Blutvergießen auf der Oster-Jnsel verübte. Der Handel dieses Ocean's macht den Seefahrern, in deren Besitz er sich befindet, ähnliche Ansiedelungen auf östlichern Inseln wünschenswerth. Die Verhältnisse auf den Sandwich-Inseln erleichtern dort den Menschenraub, und die Insel Agrigan, eine der nörd- lichsten der Marianen, scheint zu einer solchen Niederlassung sich vorzüglich zu eignen, ob sie gleich gebirgig und zur Kultur unfähig, selbst keine Rinder ernähren kann und keinen geschützten Ankerplatz darbietet. Der Kapitain Brown war im Jahre 1809 oder 10 mit dem Schiff Derby aus Boston auf Atuai. Auf dieser Insel gesellte sich ihm Herr Johnson bei, Schiffsbaumeister des Königs, welcher aber eines Unfalles wegen, der ein Schiff betroffen hatte, in Ungnade gefallen war. Man lichtete die Anker während der Nacht und entführte fünfzehn Weiber, die sich am Bord befanden. Man näherte sich der Insel Oniheau. Ein Boot brachte Erfrischungen vom Lande. Dieses wurde erwartet; sieben Mann, die sich auf demselben befanden, wurden in das Schiff ausgenommen, dann das Boot selbst heraufgezogen, und man richtete den Cours auf Agrigan. Diese Insel wurde verfehlt, sie befand sich im Norden; man suchte, um nicht mit Zeitverlust gegen den Wind anzuringen, aus einer der südlichen: Inseln zu landen. Es geschah auf Tinian. Hier blieben zwei Parteien. Einerseits der Johnson mit vier Mann und den Sandwichern (diese sollten sich ein Fahrzeug Lauen, um nach Agrigan überzugehen), andererseits der zweite Master des Schiffes mit drei Mann, die vom Dienst entlassen eine Barkasse, die sie vom Kapitain erstanden, zu einem Schiff umarbciten wollten, geeignet diese Meere auf Handelsspekulationen zu befahren. Das sandwicher Boot ward den Ausgesetzten zurückgelassen, Leide Parteien gingen — 117 — »ach Saypan über, welche Insel ihnen besseres Bauholz darbot, und betrieben da ihr Werk. Aber die Sandwicher gedachten der Freiheit, der Rache und ihrer Heimath. Als der Master sein Fahrzeug zu Stande gebracht, welches sie zur Heimfahrt zu benutzen gedachten, ersahen sie die Gelegenheit, die Getrennten und Wehrlosen zu überfallen; der Master und ein Weißer wurden so getödtet; der Krieg wüthete. Man hatte indeß auf Guajan erfahren, daß sich Fremde auf Sahpan und Tinian aufhielten; der Gouverneur D. Alexandro Parreno schickte dahin, und es war mitten in diesen blutigen Zwisten, daß im Juni 1810 Johnson mit vier Weißen, zwei Negern, den sieben Sandwichern und fünfzehn Sandwicherinnen nach Guajan, woselbst er sich noch befindet, abgcführt wurde. Im Mai 1815 wurde auf Befehl des Kapitain - General der Philippinen, D. Gose Gardoque, eine Ansiedelung auf Agrigan aufgehoben und beiläufig vierzig Menschen, worunter ein Amerikaner, drei Engländer und die übrigen Sandwicher waren, nach Guajan eingebracht. Man weiß aus verschiedenen zuverlässigen Nachrichten, daß sich bereits eine neue Ansiedelung auf Agrigan befindet. Nach dem nunmehrigen Befehl des Kapitain - General in diesem Betreff wird den Ansiedelungen daselbst kein Hinderniß mehr entgegengestellt, die Ansiedler sollen nur die Oberherrschaft der Spanier anerkennen, und ein Spanier soll als Oberer hingesendet werden. Man hat bis jetzt noch unterlassen, Jemand dahin zu schicken. Guajan erinnert au den in Europa bekannt gewordenen Namen des Gouverneur D. Thomas. Im Ilouvean vo^a§s a la mor clu 6ucl wird seiner mit hohem Lob erwähnt, und der Abb^ Raynal weihte ihn auf seine Weise zur Unsterblichkeit ein. Laperouse fand ihn bald darauf zu Manila in den Händen der Inquisition und maß dies den Lobreden des Philosophen zu. Wir bezweifeln jedoch mit besserer Ortskenntnis daß die Schuld dieses Unrechts lediglich dem französischen Aufklärer beizumessen sei. 118 Die Inquisition trifft, gleich dem Zufall, unter den Hohen und Reichen Jeden, den nur Angaben bezeichnen, und es ist Brauch, daß die Weiber in häuslichen Mißverhältnissen den Arm des heiligen Gerichts für ihre eigene Sache bewaffnen. Die Güter der Verur- theilten fallen dem Gericht anheim, und der arme obskure Mensch genießt Sicherheit. 119 Aüszug aus den Archiven von San Agnacio de Agaiia. Zabl der Zu- Ab- Einwohn. nähme, nähme. I. 1783 dem ersten d. Reg. v. D.Felipe de Cerain 3231 — — 1781. 3213 18 1785 . 3292 79 — 1783. 3301 9 1787 d. erst. d. Reg. v.D. Jose de Arlegui yLeoz 3344 43 1788 . 3433 89 1789 . 3501 68 1790. 3564 63 1791 . . . 3630 66 1792 . 3660 50 1793 . 3564 96 1735 d ersten der Reg. v. D. Manuel Muro 3500 84 1796 . 3643 143 1797 . 3783 146 1798 . 3335 146 1799 . 4061 66 1800 . 4158 157 1801 . 4245 87 1802 . 4249 4 1803 d. ersten der Reg. v. D. Wicente Blanco 4303 54 1804 . .. 4308 9 1805 .^ - 4354 46 1806 d. ersten d. Reg. v. D. Alerandro Parreno 4442 88 1807 . 4545 103 1808 . 4690 145 1809 . 4804 114 1810. 4845 41 1811. 4358 113 - 1812 d.ersten v.D.Jose deMedinilla HPineda 4921 — 37 1813. 5043 128 1814. 5232 183 1815. 5315 83 — - 181«. 5383 74 — Zunahme 2393 233 Abnahme 235_ Neine Zunahme 2158 San Van. de Agana, Hauptstadt der Martanen-Jnsctn, am 27.N°v. 1817. Ueber unsere Kenntniß der ersten Provinz des großen Ocean's. Neue Quellen. — Kadu, Don Luis de Torres. Geographischer Ueberblick. (Mit eilicr Karte.) Nach den verschollenen Entdeckungen von Saavedra 1528, Vil- lalobos 1542, Legaspi 1565 und Anderer; nach der Entdeckung der Earolina (vielleicht Eap) durch Lazeano 1686, sammelte auf den Philippinen der Jesuit Paul Clain 1697 die ersten bestimmten Nachrichten über die Inseln, die nachher Carolinen genannt wurden, von Eingeborenen dieser Inseln, welche der Sturm auf Samar verschlagen hatte. Wir erfahren zugleich, daß jene Insulaner öfters, bald zufällig, bald vorsätzlich, diese Küsten besucht. I-ottrs ein U. 1?nul 6Inin, isttros eclitiantos lb. 1. )i. 112. ^.nx llesuitos äe Francs. Lbnrlss Olobieu, Ob 6. tnit der Karte von Serrano, welche keine Aufmerksamkeit verdient. Der Misstonseifer erwacht, alle Monarchen der Erde werden aufgefordert, der Verbreitung der Lehre Christi förderlich zu sein. Verschiedene Schiffe werden in Manila ausgerüstet, die ein den Völkern freundliches Schicksal, deren Glück und Unabhängigkeit bewahrend, von ihrem Ziel abhält. Endlich landen die Väter Cor- til und Duperon auf Sonsorol 1710. Wind und Strom entfernen alsbald das Schiff; die Missionare sind verlassen, und vereitelt wird jede fernere Unternehmung, ihnen zu Hülfe zu kommen. Zu S. 119. r und Einwohner. Entworfen?msän, äusticin LIkixor, Civil- und Militair- in diesem Jahre 1816. der verschiedenen Klassen. Insel < Indianer aus den Sandwich- Inseln und aus den Carolinen. Männer^ Frauen. Summa im Jahre 1816. Summa im Jahre 1815. Zunahme. Abnahme. Haup, 8s.u15§uneir Deren B 8antn Ornr, 8nn l^Annc, 8nn llieolak 8nn Rnmon Fili ^.uigun . . ^snu . . . lOexunxnn. dluNAINUNA 8inn 8nnn Getrennte L ^.FNt . . . VMn äs vi Llsriro . . Ilnnrnsnn . ?SF0 . . . Jnsi Lotn und > Dininn s 23 29 3115 238 116 71 84 184 241 189 292 204 200 455 3062 233 112 67 90 188 244 184 288 201 204 442 53 5' 4 4 5 4 3 13 6 4 3 4 > 23 29 5389 5315 I iil 17 cn und allen Kasten ergab die Seclenzahl non S38S, und Oie den, e Fe Unterschrieben seit den, 1 . If- gy MeäinMn 7 xinsän. iinsto äs In 6rnr,. Zu S. IIS. Tabelle der auf den Marianen-Jnseln befindlichen Ortschaften, Häuser und Einwohner. Entworfen von dem Lieutenant des König!. Infanterie-Regiments äs läma, von .7os6 äs Nsäiuilln x klnsän, itustieia Llaxvr, Civil- und Militair- Lieutenant-Gouverneur und Kapitain-General derselben und ihrer Gerichtsbarkeit, in diesem Jahre 1816. Mit Bemerkung der Zu- und Abnahm e seit dem vorigen Jahre und der verschiedenen Klassen. Insel Guajan. Häuser. Beamte und Militär Spanier und Mestize n. Philippiner und deren Nachkommen. Indianer. Mulatten. Indianer aus den Sandwich- Inseln und aus den Carolinen. Summa im Jahre 1816. Summa im Jahre 1815. Zunahme. Abnahme. Männer. Frauen. Männer. Frauen. Männer. Frauen. Männer. Frauen. Männer. Frauen. Hauptstadt: 8an Vgnaeio äs ^.Aana. Deren Viertheile. 8auta Ornr , 8au Vxnacio ' . . . . 8nn Hieolus i 8aii ünmou 448 147 535 568 670 764 188 172 10 9 23 29 3115 3062 53 — Filiale. ^.nignn. ^snu. DsxunAKn . dlnngmnnF. 8iua 8ana. 44 28 14 15 36 — — 1 1 1 1 2 4 1 3 2 116 64 36 44 99 118 48 34 36 82 — — — 238 116 71 84 184 233 112 67 90 188 5 4 4 6 4 Getrennte Ortschaften. . Villa äs llmata . . . Llerlro. 45 34 52 43 — 1 1 4 6 7 5 5 3 118 86 144 99 112 84 138 104 4 2 3 — — 241 189 292 204 244 184 288 201 5 4 3 3 ?n§o. 40 — — 2 — 2 98 88 4 6 — 200 204 4 Inseln. Rota und s 103 2 2 228 223 — — — — 455 442 13 — Mulau I Lumina 902 147 535 574 1 6S1 793 1320 1239 18 20 23 29 5389 5315 91 17 Dic mit größter Genauigkeit und Ausführlichkeit geschehene Nachsuchung und Zählung von beiden Geschlechtern und allen Kasten ergab di- Scclenzahl von ssss, und sei. dem 1. Februar>6 bis,äuto eine »mahme von 7ä. Di-^ AnM ^Häuser war S°2. ,^-s ^ LL ^ rinn-,-., o 8an 'X'Friaeio de Marlcinen-Jnseln, am 4. März 1817. 121 äesuitss äs Ikranos. -I. 8. äu Haläe 77. 6. — Relation SN korms äs äonrnal 1. 6. p. 75. — I-sttrs äu 8. Oarüsr P. 16. Der Pater Jean Antoine Cantova sammelt auf Guajan 1722 von dorthin verschlagenen Insulanern ans lllea und Lamureck die vollständigsten Nachrichten über die Carolinen und entwirft eine Karte von diesen Inseln, die alle Beachtung verdient; sein Herz entbrennt, das Evangelium auf denselben zu verbreiten. Rettrs äu ?srs ,1. Oantova 1. 18. p. 188. mit der Karte. Die Geschichtschreiber von Manila haben diese Geschichten sorgfältig aus den Quellen zusammengetragen. Historia äs 1a provinoia äs RKIIipinas äs la Oowpania äs äe- SU8 por ei 1?. Rsäro Murlllo Velaräs. Llanila 1749. P. 2. — Historla Asnsral äs Rbilipinas ^>«r Rr. äuan äs 1a Oonssii- eion P. 9. e. 4. x. 151. und D. 10. c. 9. x. 239. Wir entlehnen, was folgt, aus dem letzteren: Cantova gelingt es, an die Volker der Carolinen gesandt zu werden. Er wird 1731 mit dem P. Victor Uvaldec von Guajan nach Mogmug übergebracht, und eine Mission wird auf der Insel Falalep begründet. Der P. Victor macht eine Reise nach den Marianen; als er mit neuer Hülfe für die Mission 1733 wiederkehrt, ist die Stelle, wo selbige gestanden hatte, verheert und verödet. Er setzt seine mühselige Fahrt nach Manila fort. „Sie erfuhren von einem Gefangenen, den sie entführten, daß zehn Tage „nach Abfahrt des P. Victor am 9. Juli 1731 der P. Cantova, „berufen ward, vorgeblich einen Erwachsenen auf Mogemug zu taufen. Er ging mit zwei Soldaten dahin und fand Alles in Waffen. „Sie gaben vor, er wolle ein neu Gesetz gegen das alte und ihre „Bräuche einführen, und durchbohrten ihn mit drei Lanzenstichen, „zwei in die Seiten und einen in das Herz; sie tödteten gleichfalls „die zwei Soldaten und warfen sie in die See. Sie entblößten „aber den Pater, bewunderten, daß er so weiß sei, und beerdigten „ihn unter einem kleinen Dach ^). Sie fielen nachher die auf Falalep ') So bestatten sic ihre eigenen Tobten; der Pater warb als ein Fürst, die Soldaten als Männer vom Wolke behandelt. 122 „Zurückgebliebenen unversehens an, diese konnten nur in Eile ihre „kleinen Kanonen!! abfeuern, tödteten also vier Indianer und verwundeten andere mit dem Schwert; aber ihre Verteidigung war „umsonst. Sämmtliche Spanier, welche auf der Insel waren, vier- „zehn an der Zahl, wurden getödtet, und verschont ward nur ein „junger Tagal, der Sakristan des Pater, den der Chef der Insel an „Sohnesstatt angenommen hatte." „Derselbe Gefangene sagte aus: daß der Vertraute des Pater, „einer Namens Digal, den er auf Guajan getauft hatte, der vorzüglichste Anstifter dieses Aufruhrs gewesen sei." Also endigt die Geschichte der Missionen auf den Carolinen. Mit einer einzelnen Gruppe dieser Inseln macht uns später bekannt Um ncoount ok tbs I'elsve Islands krom tbs jonrnals und eonnnunieations ok Oaxt. 8snr^ IVilson b/ tAsorZe lileato Hsg,, tiktb edition, I-ondon 1803. Burney, im fünften Kapitel des ersten Bandes seiner Chronologischen Geschichte der Reisen, berichtet ausführlich aus den Quellen, was die Carolinen anbetrifft. — Er führt beim Tode Cantova's eine Denkschrift des Gouverneurs der Philippinen an, welche uns nicht zu Gesicht gekommen ist. Es enthält dieses fünfte Kapitel eine vollständige Darstellung unserer geographischen Kennt- niß der Inseln, welche die Spanier unter dem Namen las Oaroli- nas begreifen. Wir finden uns veranlaßt, die Carolinen, denen die Pelew- Jnseln und die westlicher gelegenen Gruppen beizuzählen sind, mit den fast unter gleicher Breite östlicher gelegenen Inseln bis zu denen, die Krufenstern nach den Haupt-Entdeckern derselben die Gilbert- und Marshals-Inseln nennt, und mit den Marianen im Norden der Carolinen unter einem Gesichtspunkt und unter der Benennung der westlichen oder ersten Provinz des großen Ocean's zu vereinigen. Krusenstern hat in seinen Beiträgen zur Hydrographie, Leipzig 1819, die Entdeckungen, welche die neuern Seefahrer in diesem Meerstrich gemacht haben, unter verschiedenen Hauptstücken, von 123 Seite 94 bis 121, gesammelt und mit großer Gelehrsamkeit abgehandelt. Er hat dabei besonders die Uemorias xor von llosek vsxinos» / Tollo, Nackriä 1809, benutzt. Tuckep (Llailtiin VooZiupIi)- nnä Lmtistics, Vonllou 1815) hat, indem er die Quellen, nach welchen er die Lage streitiger Inseln (Lamurca, Hogolen) festsetzt, anzugeben unterlassen, seine Arbeit aller Zuverlässigkeit beraubt, und Arrowsmith, 6Nurt ol tim paoiüc ocoan mit den nääiticnm to 1817, erscheint uns von größerer Autorität. Es ist hier der Ort, da wir nach eigenen Erfahrungen und gesammelten Nachrichten besonders über die Inseln und Völker dieser Provinz Mittheilungen zu machen uns anschicken, über die neuen Quellen, die wir zu deren Kenntniß darbringen, Rechenschaft abzulegen. Es sind diese Quellen die Mittheilungen unseres Freundes und Gefährten Kadu, und die von D. Luis de Torres auf Guajan, welche sich an Cantova's Brief und Karte anschließen. Wir hatten zu Anfang 1817 im äußersten Osten dieser Provinz auf der Gruppe Otdia und Kaben der Inselkette Radack mit dem lieblichen Volke, welches sie bewohnt, Bekanntschaft gemacht und Freundschaft geschloffen. Als wir darauf in die Gruppe Aur derselben Inselkette einfuhren, die Eingeborenen auf ihren Booten uns entgegen kamen und, sobald wir Anker geworfen, an unfern Bord stiegen, trat aus deren Mitte ein Mann hervor, der sich in manchen Dingen vor ihnen auszeichnete. Er war nicht regelmäßig tatuirt wie die Radacker, sondern trug undeutliche Figuren von Fischen und Vögeln, einzeln und in Reihen um die Kniee, an den Armen und auf den Schultern. Er war gedrungenern Wuchses, hellerer Farbe, krauseren Haares als sie. Er redete uns in einer Sprache an, die, von der radackischen verschieden, uns völlig fremd klang, und wir versuchten gleich vergeblich, die Sprache der Sandwich-Inseln mit ihm zu reden. Er machte uns begreiflich, er sei gesonnen, auf unserm Schiffe zu bleiben und uns auf unfern ferneren Reisen zu begleiten. Sein Gesuch ward ihm gern gestattet. Er blieb von Stunde an an un- serm Bord, ging auf Aur nur einmal mit Urlaub ans Land und verharrte bei uns, unser treuer Gefährte, den Offizieren gleich gehalten und von Aken geliebt, bis zu unsrer Rückkehr auf Radack, wo er mit schnell verändertem Entschluß erkor sich anzusiedeln, um der Bewahrer und Ausgeber unsrer Gaben unter unfern dürftigen Gastfreunden zu sein. Es könnte Niemand von dem menschenfreundlichen Geiste unsrer Sendung durchdrungener sein als er. Kadn, ein Eingeborener der Inselgruppe Ulea, im Süden von Guajan, von nicht edler Geburt, aber ein Vertrauter seiueS Königs Toua, der seine Aufträge auf andern Inseln durch ihn besorgen ließ, hatte auf früheren Reisen die Kette der Inseln, mit 'denen Ulea verkehrt, im Westen bis auf die Pelew-Inseln, im Osten bis auf Setoan kennen gelernt. Er war auf einer letzten Reise von Ulea nach Feis mit zweien seiner Landsleute und einem Chef aus Eap, welcher letztere nach seinem Vaterlands zurückkehren wollte, begriffen, als Stürme das Boot von der Fahrstraße abbrachten. — Die Seefahrer, wenn wir ihrer unzuverlässigen Zeitrechnung Glauben beimessen, irrten acht Monde auf offener See. Drei Monde reichte ihr kärglich gesparter Vorrath hin; fünf Monde erhielten sie sich, ohne süßes Wasser, blos von den Fischen, die sie fingen. Den Durst zu löschen, holte Kadu, in die Tiefe des Meeres tauchend, kühleres und ihrer Meinung nach auch minder salziges Wasser in einer Cocosschale herauf. Der Nordost-Passat trieb sie endlich auf die Gruppe Aur der Kette Radack, wo sie sich im Westen von Ulea zu befinden wähnten. Kadu hatte von einem Greise auf Eap Kunde von Radack und Ralick vernommen: Seefahrer aus Eap sollen einst auf Radack, und zwar auf die Gruppe Aur verschlagen worden sein und von da über Nugor und Ulea den Rückweg nach Eap gefunden haben. Die Namen Radack und Ralick waren ebenfalls einem Eingeborenen aus Lamureck, den wir auf Guajan antrafen, bekannt. Es werden oft Boote aus Ulea und den umliegenden Inseln auf die östlichen Inselketten verschlagen, und noch leben auf der südlichen Gruppe Arno der Kette Radack fünf Eingeborene aus Lamureck, die ein gleiches Schicksal auf gleicher Bahn dahin geführt. Die Häuptlinge von Radack schützten die Fremden gegen Niedrig- 125 gesinnte ihres Volks, deren Habsucht das Eisen, welches jene besaßen, gereizt hatte. — Man trifft die edelmüthigern Gesinnungen stets bei den Häuptlingen an. Die Einwohner von Ulea, die in größerem Wohlstand und in ausgebreiteterem Verkehr als die Radacker leben, sind ihnen in mancher Hinsicht überlegen. — Kadu stand in einem gewissen Ansehn auf Radack. Er mochte, als wir diese Inseln besuchten, seit etwa vier Jahren auf denselben angelangt sein. Er hatte zwei Weiber auf Aur und von der einen eine Tochter, die bereits zu sprechen begann. Unsere Erscheinung verbreitete in Aur, wo die Kunde von uns noch nicht erschollen war, Schrecken und Bestürzung. Der vielgewanderte, der vielerfahrene Kadu, der sich zur Stunde auf einer- entlegenen Insel der Gruppe befand, ward alsbald herbeigeholt, und man begehrte seinen Rath, wie man den mächtigen Fremden begegnen müsse, die man für böse Menschenfresser anzusehen geneigt war. Kadu hatte von den Europäern Vieles erfahren, ohne daß er je eines ihrer Schiffe gesehen. Er sprach seinen Freunden Muth ein, warnte sie vor Diebstahl und begleitete sie an unser Schiff mit dem festen Entschluß, bei uns zu bleiben, und in der Hoffnung, durch uns zu seinem lieben Vaterlande wieder zu gelangen, da einmal ein europäisches Schiff in Ulea gewesen, zu einer Zeit, wo er selbst abwesend war. Einer seiner Landsleute und Schicksals-Gefährten, der bei ihm war, bemühte sich umsonst, ihn von diesem Vorhaben abzubringen, und seine Freunde bestürmten ihn umsonst mit ängstlichen Reden: er war zur Zeit unerschütterlich. — Ein andrer Gefährte Kadu's, der Häuptling aus Eap, den wir im Gefolge des Königs Lamari bei Udirick antrafen, faßte denselben Entschluß, dieselbe Hoffnung wie unser Freund. Er war ein schwächlicher Greis; sein Gesuch fand kein Gehör. Es war schwer ihn zu vermögen, unser Schiff zu verlassen, worauf er in Thränen in der ruhigen Lage beharrte, durch welche er seinen Vorsatz uns zu versinnlichen gesucht. Wir stellten ihm sein Alter und die Mühseligkeiten unserer Fahrt vor, er blieb bei seinem Sinne; wir stellten ihm vor, daß unser Vorrath nur 126 auf eine gewisse Anzahl Menschen berechnet sei. Er muthete uns zu, unsern Freund Kadu hier auszusetzen und ihn an dessen Stelle aufzunchmen. Wir müssen die leichte und schickliche Weise rühmen, womit Kadu sich in unsre Welt zu fügen wußte. Die neuen Verhältnisse, worein er sich versetzt fand, waren schwer zu beurtheilen, zu behandeln. Er, ein Mann aus dem Volke, ward unversehens unter den an Macht und Reichthum so sehr überlegenen Fremden gleich einem ihrer Edeln angesehen, und das niedere Volk der Matrosen diente ihm wie dem Oberhaupte. Wir werden Mißgriffe nicht verschweigen, zu welchen er Anfangs verleitet ward, die er aber zu schnell und leicht wieder gut machte, als daß sie strenge Rüge verdienten. — Als kurz nach seiner Aufnahme unter uns Häuptlinge von Radack an unsern Bord kamen, erhob er sich gegen sie und nahm Geberden an, die nur jenen ziemen. Eine arglose Verhöhnung ihrerseits ward sein wohlverdienter Lohn. — Es geschah nicht ein zweites Mal. — Er suchte Anfangs den Gang und die Arten des Kapitains nachzuahmen, stand aber von selbst davon ab. Es ist nicht zu verwundern, daß er die Matrosen erst für Sklaven ansah. Er befahl einst dem Aufwärter, ihm ein Glas Wasser zu bringen; dieser nahm ihn still am Arme, führte ihn zu dem Wasserfaß und gab ihm das Gefäß in die Hand, woraus Andere tranken. Er ging in sich und studirte die Verhältnisse und den Geist unserer Sitten, worein er sich bald und leicht zu versetzen und zu finden lernte, wie er eben unsern äußern Anstand im Leben und bei der Tafel sich anzueignen gewußt. Kadu lernte erst nach und nach die Kraft unserer geistigen Getränke kennen. Man will bemerkt haben, daß er sich Anfangs Branntwein von den Matrosen geben lassen. Als darauf ein Matrose bestraft wurde, ward ihm angedeutet, solches geschehe wegen heimlichen Trinkens des Feuers (Name, womit er den Branntwein bezeichnet?). Er trank nie wieder Branntwein, und Wein, den er liebte, nur mit Mäßigung. Der Anblick betrunkener Menschen, den er auf Unalaschka hatte, machte ihn mit Selbstgefühl über sich selber wachsam. — Er beschwor im Anfang den Wind zu unsern 127 Gunsten, nach der Sitte von Eap; wir lächelten, und er lächelte bald über diese Beschwörungen, die er fortan nur aus Scherz und uns zu unterhalten wiederholte. Kadu hatte Gemüth, Verstand, Witz; je näher wir einander kennen lernten, je lieber gewannen wir ihn. Wir fanden nur bei seinem lieblichen Charakter eine gewisse Trägheit an ihm zu bekämpfen, die sich unfern Absichten entgegensetzte. — Er mochte nur gern singen oder schlafen. Als wir unS bemühten, über die Inseln, die er bereist oder von denen er Kenntniß hatte, Nachrichten von ihm einzuziehen, beantwortete er nur die Fragen, die wir ihm vorlegten, und dieselbe Frage nicht gern zweimal, indem er auf das, was er bereits ausgcsagt hatte, sich bezog. Wenn im Verlauf des Gesprächs Neues an das Licht gefördert ward, welches verschwiegen zu haben wir ihm verwiesen, pflegte er gelassen zu entgegnen: „Das hast Du mich früher nicht gefragt." Und dabei war sein Gedächt- niß nicht sicher. Die Erinnerungen lebten nach und nach in ihm wieder auf, so wie das Ereigniß sie hervorrief, und wir glaubten zugleich zu bemerken, daß die Menge und Vielfältigkeit der Gegenstände, die seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, frühere Eindrücke in ihm verlöschten. Die Lieder, die er in verschiedenen Sprachen sang und von den Völkerschaften, unter welchen er gelebt, erlernt hatte, waren gleichsam das Buch, worin er Auskunft oder Belege für seine Angaben suchte. Kadu hielt unter uns sein Journal nach Monden, wofür er Knoten in eine Schnur knüpfte. Dieses Journal schien uns aber unordentlich geführt zu werden, und wir konnten uns nicht aus seiner Rechnung finden. Er war nicht ungelehrig, nicht ohne Wißbegierde. Er schien wohl zu verstehen, was wir über die Gestalt der Erde und unsre nautische Kunst ihm anschaulich zu machen uns bestrebten; aber er war ohne Beharrlichkeit, ermüdete durch die Anstrengung und kehrte ausweichend zu seinen Liedern zurück. Er gab sich die Schrift, deren Geheimniß er begriffen hatte, selbst zu erlernen einige Mühe, war aber zu diesem schweren Versuche ohne Geschick. Was man ihm in der Absicht ihn zu befeuern, sagte, mochte ihm wohl völlig 128 den Muth benehmen; er unterbrach und nahm das Studium wieder vor, und legte es endlich gänzlich bei Seite. Er schien, was wir ihm von der geselligen Ordnung in Europa, von unsern Sitten, Bräuchen, Künsten berichteten, mit offenem Sinne aufzufaffen. Am empfänglichsten war er aber für den friedlichen Abenteurersinn unserer Reise, mit der er die Absicht verband, den entdeckten Völkern, was ihnen gut und nützlich sei, mitzutheilen, und er verstand allerdings darunter hauptsächlich, was zur Nahrung dient; erkannte aber auch wohl, daß unsere Neberlegenheit auf un- serm großem Wissen überhaupt beruhe, und er ehrte und diente nach Möglichkeit unserm Forschsinn, wo derselbe auch manchem Gebildeteren unter uns sehr müßig geschienen hätte. Als wir auf Unalaschka angekommen, und er diese verwaiste, von allen Bäumen entblößte Erde sich beschauet hatte, eilte er geschäftig uns aufzufordern, etliche Cocos, die wir noch an Bord hatten, und zu welchen er noch ihm eigens gehörige zugeben wolle, hier an angemessenen Orten zu säen. Er drang, uns das Elend der Einwohner vorhaltend, auf den Versuch, und ließ sich ungern überreden, daß solcher vollkommen überflüssig sei. Die Natur fesselte zumeist seine Aufmerksamkeit und Neugierde. Die Rinder auf Unalaschka, die ihm erst ins Gedächtniß wieder riefen, daß er früher welche auf den Pelew-Jnseln gesehen, beschäftigten ihn anhaltend, und er ging ihnen täglich betrachtend auf der Weide nach. Nichts auf der ganzen Reise hat ihn freudiger angeregt als der Anblick der Seelöwen- und Seebären-Heerden auf der Insel St. George*). Wie Kadu während der Reise vernachlässigte Eisenstücke, Glasscherben und alles von uns Uebersehene, was für seine Landsleute *) Als von der Insel St. George ans Schiff zurückgckehrt wir uns von den Seelöwen unterhielten, deren Gang und Stimme mit launigem Geschick nachzuahmen Kadu sich und uns ergötzte, ward er mit anscheinlichem Ernste gefragt, ob er auch deren Nester und Eier unter dem Felsen am Strande in Augenschein genommen? Wie unbewandert er auch in der Naturgeschichte der Säugethiere war, befremdete ihn doch diese Frage, deren Scherz ec gleich entdeckte und herzlich belachte. 129 Werth haben mochte, sorgfältig aufgelesen und aufbewahrt, so suchte er sich auf Unalaschka unter den Geschieben des Ufers vorzüglich zu Schleifsteinen taugliche Steine aus. Wir haben diesen sanftmüthigen Mann nur einmal in zurückgehaltenem Zorne, in Ingrimm gesehen; das war, als im Verlauf der Reise er diese Steine am Orte, wo er sie auf dem Schiffe verwahrt, vergeblich suchte, und die Beschwerde, die er darüber führte, wenig Gehör fand. Er war in seinem Rechtssinn gekränkt. Kadu war in seiner Armuth freigebig und erkenntlich in seinem Herzen. Er diente denen von uns, von welchen er beschenkt worden, und benutzte auf O-Wahu die Gelegenheit, durch den verständigen Handel, den er mit den kleinen Maaren, womit wir ihn bereichert, trieb, uns und den Matrosen, die ihm gedient hatten, Gegengeschenke darzubringen, wie sie jedem nach eignem Sinn angenehni sein mochten. Er legte für sich selber Nichts zurück, als das, womit er einst seine Landsleute zu bereichern oder zu erfreuen hoffte. So hatte er seinen Freunden auf Radack Alles, was er besaß, hinterlassen und nur ein einziges Kleinod sich Vorbehalten, einen Halsschmuck, den er lange noch unter uns getragen hat. Er vertraute uns einst mit feuchten Augen lächelnd die Heimlichkeit dieses Halsbandes. Er focht im Kampf auf Tabual (Insel der Gruppe Nur von Radack) in den Reihen seiner Gastfreunde gegen den aus Me- duro und Arno eingefallenen Feind; da gewann er über seinen Gegner den Vortheil, und war im Begriff, den zu seinen Füßen Gestürzten zu durchbohren: als dessen Tochter rettend vorsprang und seinen Arm zurückhielt. Sie erhielt von ihm das Leben ihres Vaters; dieses Mädchen verhieß ihm ihre Liebe, er, der Mann, trug ihr heimlich ansehnliche Geschenke hinüber, und er trug ihr zum Angedenken das Liebespfand, das sie auf dem Schlachtfelde ihm verehrt. Wir müssen in Kadu's Charakter zwei Züge vorzüglich herausheben: seinen tief eingewurzelten Abscheu vor dem Kriege, dem Menscheumord, und die zarte Schamhaftigkeit, die ihn zierte und die er unter uns nie verleugnet hat. Kadu verabscheute das Blutvergießen, und er war nicht feig, rv. 9 130 Er trug vorn auf der Brust die Narben der Wunden, die er im Vertheidigungskriege auf Radack erhalten hatte, und als wir uns zu einer Landung auf der St. Laurenz-Insel mit Waffen rüsteten und er belehrt war, solches geschehe nicht zu einem feindlichen Angriff, sondern zur Selbstvertheidigung im Fall der Nothwehr unter einem Volke, dessen Gesinnung uns unbekannt und mit dem wir blos zu wechselseitigem Vortheil zu handeln gesonnen seien, begehrte er Waffen, einen Säbel, womit er uns ini nöthigen Fall beistehen könne, da er sich im Schießen auf Unalaschka noch nicht hinreichend eingeübt. — Er hegte fest die Meinung, die er auf Eap sich eingeprägt, daß graue Haare nur daher erwuchsen, daß man der Männerschlacht in ihrem Gräuel beigewohnt. Kadu trug im Verhältnisse zu dem andern Geschlechts eine musterhaft schonende Zartheit. Er hielt sich von dem Weibe, das im Besitz eines andern Mannes war, entfernt. Er hatte überall ein richtiges Maaß für das Schickliche. Was er auf O-Wahu erfuhr, widerstand ihm, und er sprach frei darüber, wie über die Sittenlosigkeit, die er auf den Pelew-Inseln herrschend gefunden. In das freie Männergespräch gezogen, wußte er in dasselbe dergestalt einzugehen, daß er immer innerhalb der ihm angedeuteten Grenzen blieb. Man findet den regsten Sinn und das größte Talent für den Witz unter den Völkern, die der Natur am wenigsten entfremdet sind, und besonders wo die Milde des Himmels dem Menschen ein leichtes genußreiches Leben gönnt. Kadu war besonders witzig, verstand aber wohl in arglosem Scherz geziemende Schranken zu beobachten, und er wußte mit großem Geschick sich durch leichte Dienste oder Geschenke die zu versöhnen, über die er sich mit Ueber- legenheit erlustigte. Unser Freund bezeugte uns wiederholt im Verlauf unserer Reise, er sei gesonnen, bis an das Ziel derselben bei uns zu verharren, und sollten wir selbst sein vielgeliebtes Vaterland Ulea auffinden, von uns nicht abzutreten, sondern uns nach Europa zu begleiten, von wo aus wir ihm die Rückkehr nach Ulea verheißen durften, da der Handel unsre Schiffe regelmäßig nach den Pelew-Inseln führt, wo 131 ^ die Boote von Uleci gleich regelmäßig verkehren. Wir waren selbst noch des andern Weges über Guajcm unkundig. Aber er hegte den Wunsch, und dieser wurde ihm auf Guajan in Erfüllung gegangen sein, Gelegenheit auf einer der ihm bekannten Inseln zu finden, nach Eap über das Schicksal und den jetzigen Aufenthalt des Häuptlings dieser Insel, seines Unglücksgefährten auf Radack, berichten zu lassen, damit, meinte er, die Seinen ein Schiff baueten und ihn dort aufsuchten. Er beschäftigte sich angelegentlich mit diesem Gedanken. Wir bemühten uns, auf O-Wahu nutzbare Thiere und Gewächse, Setzlinge und Samen verschiedener nützlicher Pflanzen zusammen zu bringen, deren Arten wir auf Radack einzuführen versuchen wollten. Kadu wußte, daß wir dort anzugehen gedachten, und beharrte auf seinem Sinn. Wir forderten ihn auf, sich hierin Allem, was auf Radack nützen könne, zu unterrichten, da er unsre Freunde unterweisen und sie belehren könne, welcher Vortheil ihnen aus unfern Gaben erwachsen sollte und wie sie ihrer Pflegen müßten. Er ging wohl in unsere Absichten ein, aber der Zweck lag ihm noch zu fern, und Leichtsinn und Trägheit ließen ihn in diesem wollüstigen Aufenthalt eine Lehrzeit saumselig benutzen, deren Versäumniß er später selbst bereitete*). Wir kamen nach Radack und landeten auf Otdia, unter dem Jubel der wenigen unserer Freunde, die nicht.mit in den Krieg gezogen. Von dem Augenblicke an war Kadu unermüdlich auf das ämsigste beschäftigt, beim Pflanzen, Säen und der Besorgung der Thiere uns mit Rath und That an die Hand zu gehen und den Eingeborenen das Erforderliche zu erklären und cinzuschärfen. — Noch war er festen Sinnes, bei uns zu bleiben. Als auf Otdia alles Nöthige besorgt war, ging Kadu nach Oromed, der Insel des alten Häuptlings Laergaß, um dort auch einen Garten anzulegen. Auf dieser Excursion, die in Booten der Kadu hatte sich leicht mit den O-Waihiern verständigen gelernt, und er machte uns selbst auf die Aehnltchkcit verschiedener Wörter in ihrer Sprache und in den Sprachen der Znseln der ersten Provinz aufmerksam. 9 * 132 Radacker ausgeführt ward, begleitete ihn nur der Verfasser dieser Aufsätze. — Auf Oromed gingen die Stunden des Tages in Arbeiten, die des Abends in anmuthigcr Geselligkeit hin. Die Frauen sangen uns die vielen Lieder vor, die während unsrer Abwesenheit auf uns gedichtet und worin unsere Namen der Erinnerung geweibt waren. Kadu berichtete ihnen von seinen Reisen und mischte scherzhafte Märchen seiner Erzählung bei; er theilte Geschenke aus, die er im Verlauf der Reise für seine Freunde bereitet. Sobald am andern Tag, dem letzten unsers Aufenthaltes auf Radack, das Boot, das unS zum. Schiffe zurückführte, unter Segel war, erklärte K a d u, dessen heitere Laune in ruhigen Ernst überging, er bleibe nun auf Otdia und gehe mit dem Rurik nicht weiter. Er beauftragte seine» Freund ausdrücklich, diesen neuen unveränderlichen Entschluß dem Kapitain zu verkündigen, und Gegenvorstellungen ablehnend setzte er die Gründe, die ihn bestimmten, auseinander. Er bliebe auf Otdia, Hüter und Pfleger der Thiere und Pflanzungen zu sein, die ohne ihn aus Unkunde verwahrlost, ohne Nutzen für die unverständige» Menschen verderben würden. Er wolle bewirken, daß unsre Gaben den dürftigen Radackern zu hinreichender Nahrung gereichten; daß sie nicht fürder brauchten aus Noth ihre Kinder zu tödten, und davon abließen. — Er wolle dahin wirken, daß zwischen den südlicheren und nördlicheren Gruppen Radack's der Friede wieder hergestellt werde, daß nicht Menschen Menschen mehr mordeten; — er wolle, wenn Thiere und Pflanzen hinreichend vermehrt wären, ein Schiff bauen und nach Ralick übergehen, unsere Gaben auch dort zu verbreiten; — er wolle von dem Kapitain, indem er ihm Alles, was er von ihm empfangen, wiedcrgebe, nur eine Schaufel, die Erde zu bearbeiten, und dieses und jenes nützliche Werkzeug sich erbitten. Sein Eisen wolle er gegen den mächtigen Lamari verheimlichen und nöthigenfalls vertheidigen. Er rechne bei seinem Unternehmen auf die Mitwirkung seines Landsmannes und Schicksalsgefährten, den er aus Aur, wo er sich jetzt befände, zu sich berufen wolle. Dieser sollte ihm auch sein Kind, seine Tochter, mitbringen, die, wie er nun erfahren, seit seiner Abreise traurig war, nach ihm verlangte, nach ihm schrie und nicht 133 schlafen wollte. — Seine Weiber hatten andere Männer genommen, nur sein Kind beschäftigte ihn auf das zärtlichste. Kadu bereuete zu dieser Frist, vieles Nützliche, die Bereitung der Bastzeuge auf O-Wahu u. a. m. zu erlernen vernachlässigt zu haben, und er begehrte in diesen letzten Augenblicken noch über Vieles Rath, den er mit großer Aufmerksamkeit auffaßte. Das Boot, worauf wir diese Fahrt gegen den Wind anringend vollbrachten, war ein schlechter Segler; die Sonne neigte sich schon gegen den Horizont, als wir an daS Schiff kamen, worauf sich glücklicher Weise der Kapitain befand. — Als der Entschluß Kadu's bekannt geworden, sah er sich bald und unerwartet in dem Besitz unendlicher Schätze, solcher, die in diesem Theile der Welt die Begehrlichkeit der Fürsten und der Nationen erregen.*) Die Liebe ward kund, die er unter uns genoß, und man sah Jeden stillschweigend geschäftig, den Haufen deö Eisens, der Werkzeuge und der nutzbaren Dinge, die für ihn zusammengebracht wurden, aus dein eignen Vorrath zu vermehren. (Proben von Matten und Zeuge aus O-Wahu, Proben von Strohhüten u. dergl. m. wurden nicht vergessen.) Als Kadu sein Bett, seine Kleider, seine Wäsche, die er nun behielt, zu einem Bündel zu schnüren sich beschäftigte, sonderte er seine Winterkleider sorgfältig ab und brachte dieselben dem Matrosen, der ihm gedient hatte, als ein Geschenk dar, welches jedoch dieser sich weigerte anzunehmen. Die Sonne war bereits untergegangen, als Kadu mit seinem Reichthume ans Land übergebracht wurde. Die Zeit erlaubte nicht, ihm irgend ein geschriebenes Zeugniß auszufertigen und zu hinterlassen. Nur eine Inschrift auf einer Kupferplatte, an einen Cocos- baum auf Otdia geschlagen, enthält den Namen des Schiffs und das Datum. Kadu wurde vor den versammelten Einwohnern von Otdia als unser Mann eingesetzt, dem unsere Thiere, unsere Pflanzungen anbefohlen, und der außerdem mit unfern Geschenken an Lamari beauftragt sei. Verheißen ward, daß wir, die wir bereits dreimal Hom. Ilias X. v. 379. 13t auf Radack gekommen, nach einer Zeit zurückkehren würden, nach ihm zu sehen und Rechenschaft zu begehren. Zur Bekräftigung dieser Verheißung und zum Zeichen unsrer Macht (wir hatten bis dahin nur Zeichen unsrer Milde und Freundschaft gegeben) wurden, als wir bei dunkler Nacht an das Schiff zurückgekehrt, zwei Kanonenschüsse und eine Rakete abgefeuert. Als wir am andern Morgen die Anker lichteten, war unser Freund und Gefährte am Ufer mit den Thieren beschäftigt, und er blickte oft nach uns herüber. Eines der Lieder, die Kadu oft unter uns sang, verherrlichte in der Sprache von Ulea die Namen Samuel, Bormann (er sprach Moremal aus) und Luis. Dieses Lied bezog sich auf das europäische Schiff, welches Ulea besucht, zu einer Zeit, wo Kadu selbst auf Reisen war. Waghal erschien in den Erzählungen von Kadu als ein großes Land, woselbst Rinder vorhanden, Eisen und andere Reichthümer in Ueberfluß, wohin der König Toua einmal eine Reise gemacht und von woher er namentlich drei zweipfündige Kanonenkugeln heimgebracht hatte. Wir erkannten, sobald wir auf Guajan gelandet, jenes Waghal in dieser Insel, und der Luis jenes LiedeS trat uns freundlich entgegen in der Person von Don Luis de Torres, dem wir hier mit inniger Liebe und Erkenntlichkeit seiner gedenkend, folgende Nachrichten nachschreiben. Luito*), ein Seefahrer der im Süden von Guajan gelegenen Inseln, dessen Ruhm unter seinen Landsleuten fortlebt, fand im Jahr 1788 mit zwei Booten den Weg von Waghal oder Guajan wieder, wovon ein Lied aus alter Zeit die Kunde aufbewahrt zu haben scheint. Er kam, durch den Erfolg der ersten Reise und den Empfang, den er gefunden, ermuthigt, im Jahre 1789 mit vier Booten wieder und begehrte vom Gouverneur Erlaubniß, jährlich wieder zu kommen. Die vier Fährmänner, als sie zur Rückreise sich anschickten, entzweiten sich über den Rumb, den sie steuern sollten, *) Vgl. Espinosa, bei ltrusensiern: Beiträge zur Hydrographie S.S2. angeführt. 135 — sie trennten sich. Die See gab keinen ihrer seinem Vaterlande je zurück. Darauf ward der begonnene Verkehr unterbrochen. Im Sommer des Jahres 1804 ging das Schiff Maria auS Boston, Kapt. Samuel Williams Voll, Supercargo Thomas Bor mann, von Guajan aus auf Entdeckung, den Trepang auf den Carolinen-Jnscln zu suchen. Don Luis de Torres stieg als Passagier an Bord der Maria, in der Hoffnung, die Insulaner, die er lieb gewonnen hatte, wieder zu sehen, ihnen Gutes zu erzeugen, zu erfahren, warum sie Guajan zu besuchen unterlassen, und sie zur Wiederkehr zu bewegen. Auf dieser Reise wurden geographisch bestimmt, nach dem Tagebuch von Don Luis: Eine Untiefe von 24 Faden in 8" 20" N. B. und 149° O. L. von Greenwich. Die wüste Insel Piguelao (D. L. d. T.), Bigells (K.) in 8° 6" N. B. und 147° 17" O. L. (fehlt bei Cantova). Die Untiefe Oraitilipu von 21 Faden unter gleicher Breite auf dem halben Wege nach der wüsten Insel Fallao (D. L. d. T.), Fahueu (Cantova), Kapo (K.) in 8° 5" N. B. und 146° 45" O. S. Die kleine niedere Gruppe Farruelap (D. L. d. T.) Faroilep (Cantova), Fatoilep (K.), in 8° 30" N. B., 144° 30" O. L., und endlich die Gruppe Guliai (D. L. d. T ), Ulee (Cantova), Ulea (K.), Olä (nach der Aussprache von Radack), in 7° N. B. und 144° O. L., in welche Gruppe die Maria eindrang und woselbst sie sich einige Zeit verweilte. Don Luis de Torres hat auf Ulea, dessen Sprache er versteht und dessen liebenswerthes Volk er hochschätzt, bei den Unter- richtetsten dieses Volks gründlich und sinnig über dasselbe und die verwandten Völkerschaften, mit denen es verkehrt, sich zu belehren die Gelegenheit benutzt. Er hat auf Ulea nach Angabe der erfahrensten Seefahrer der Eingeborenen, mit Berücksichtigung der Rumben, nach welchen sie segeln, eine Karte aller ihnen bekannten Inseln ent- 136 werfen, deren Uebereinstimmung mit der ihm unbekannten Karte von Cantova auffallend ist. Er hat seither auf Guajan in fortwährendem Verkehr mit seinen dortigen Freunden gelebt und jährlich die geschickten Fährmänner, die das HandclSgeschwader aus La- mureck nach Guajan führen, gesehen. — Wir bedauern, daß wir aus dem Schatz seiner Erfahrungen und Nachrichten, welchen er uns so liebreich eröffnet hat, zu schöpfen nur so flüchtige Augenblicke gehabt, und wir erwarten von der französischen Expedition unter dem Kapt. Freycinet, der ein längerer Aufenthalt auf Guajan versprochen wird, und mit deren gelehrten Teilnehmern wir uns am Cap über diesen Gegenstand unterhalten haben, eine Nachlese, die weit reicher als unsre Ernte ausfallen kann. Don Luis de Torr es erfuhr auf Ulea, daß das Ausbleiben von Luito im Jahr 1789 den Spaniern auf Guajan mißdeutet worden war. Die Insulaner, eines Besseren belehrt, versprachen den unterbrochenen Handel wieder anzuknüpfen und hielten Wort. Ein Passagier am Bord der Maria, ein Engländer, den D. Luis Juan nennt, siedelte sich auf Ulea an. Kadu nach seiner Rückkehr hat ihn dort unter dem Namen Lisol gekannt, er hatte ein Weib genommen und ein Kind mit ihr gezeugt. Nach seinen Nachrichten ist später zu einer Zeit, wo Kadu abermals verreist gewesen, dieser Lisol von Schiffen wieder abgeholt worden. Nach den Erkundigungen, die D. Luis über ihn eingezogen, ist derselbe ans Ulea verstorben. Don Luis de Torres hatte auf dieser Reise die Art der Rinder und Schweine und verschiedener nutzbarer Gewächse auf Ulea einzuführen versucht. — Die Eingeborenen haben in der Folge die Rinder und Schweine geflissentlich ausgerottet, weil sie ihnen nicht nur unnütz, sondern schädlich waren. Die Rinder weideten die jungen Cocosbäume ab, die Schweine gefährdeten die Taro- Pflanzungen. — Von den Gewächsen war nur die Ananas fortgekommen; wie sie Frucht getragen und sich die Menschen darüber gefreut, haben sie die Pflanze, die Jeder besitzen wollte, so oft umgesetzt, daß selbige zuletzt ausgegangen ist. Seit der Reise von D. Luis hat kein neuer Unfall den wiederangeknüpften Verkehr unterbrochen. Die Cciroliner kommen jährlich zahlreicher gegen Guajan. Ihr Geschwader, in Booten aus Ulea und umliegenden Gruppen, aus Lamureck und Setoan bestehend versammelt sich in Lamureck. Die Reise wird von da aus im Monat April unternommen; man zählt bis nach Fapo, der wüsten Insel, auf welcher man sich ein paar Tage verweilt, zwei Tage Ueberfahrt, von Fayo nach Guajan drei Tage. Die Rückreise geschieht ebenfalls über Fapo und Lamureck. Ihre Zeit ist im Mai, spätestens im Juni, bevor die West-Monsoon, die zu fürchten ist, eintreten kann. Kadu erwähnte eines Unternehmens des Chefs auf Fatoilep, von dieser Gruppe aus direkt nach Waghal (Guajan) zu segeln. — Derselbe irrte lauge zur See und kam, ohne diese Insel aufgefundcn zu haben, endlich auf Mogemug an, von wo aus er wieder heimkehrte. Das Geschwader verfehlte einmal Guajan und trieb unter dem Winde dieser Insel. Die Fährmänner gewahrten bei Zeiten ihren Jrrthum und erreichten gegen den Wind anringend nur mit einigem Verzug ihr Ziel. Diese weite Reise vollbrachte einst ein ganz kleines Boot, welches nur drei Menschen trug. Es segelte besser als die zwei großem Fahrzeuge, mit welchen es kam. Der Fährmann Olopol aus Setoan brachte solches dem D. Luis als Geschenk. Olopol verstarb in Agana, wir haben daS Boot selbst noch gesehen. Toua*), der König von Ulea, kam selber im Jahr 1807 nach Guajan. Es war auch in diesem Jahr, oder in dem folgenden, daß ein Boot aus der östlichen Insel Tuch auf Guajan verschlagen ward. Es hatte fünfzehn Menschen an Bord, der Pilot hieß Kulingan. Die Fremden wurden gut empfangen, aber eine Prozession, die in diesen Tagen statt fand und Artillerie-Salven veranlaßte, verbreitete Furcht und Schrecken unter ihnen. Sie verbargen sich in dem Walde »1 Don Luis de Torres nennt ihn Roua, wie er Rüg die Insel nennt, die wir »ach sladu Tuch schreiben. 138 und gingen in derselben Nacht, von allem Vorrath entblößt, wieder in die See. — Zu ihrem Glück begegneten sie auf dieser Flucht der anlangenden Flottille aus Lamureck, die sie mit Lebensmitteln versorgte und ihnen die zu ihrer Heimkehr nöthigen Unterweisungen gab. DaS Geschwader war im Jahre 1814 achtzehn Segel stark. Die Caroliner tauschen in Guajan Eisen, Glaskörncr, Tücher u. s. w. gegen Boote, Muscheln*) und Seltenheiten ein; der Trepang kann zu einem wichtigeren Zweig ihres Handels werden. — Sic selbst werden während der Zeit ihres Aufenthaltes auf Guajan auf das gastfreundlichste von den Eingeborenen ausgenommen. Don Luis de Torres hat mit Freude übernommen, den Freunden von Kadu auf Ulea sein Schicksal und seinen Aufenthalt berichten zu lassen und ihnen in seinem Namen unsre Gastgeschenke zu übersenden. Don Luis de Torres hat uns ferner Kunde gegeben von einer hohen großen Insel unbekannten Namens, die von dem Brigantin San Antonio de Manila, Kapt. Manuel Dublon, auf der Reise von Manila nach Guajan am 10. Dezember 1814 in 7° 20" N. B., 151° 55" O. L. gesehen worden. Ein sehr hoher Berg erhebt sich auf derselben. Wir hatten Kadu ein Lied von Feis singen gehört, welches sich auf ein Schiff bezog, mit welchem die Insulaner in Ansicht ihrer Insel, ohne daß es sich aufgehalten habe, gehandelt hatten. Es besang die Namen Jose Maria und Salvador. Wir erfuhren auf Guajan, daß im Jahre 1808 oder 1809 der Modesto aus Manila, Kapt. Jose Maria Fernande;, welches Schiff, um Trepang einzusammeln, die Pelew-Jnseln aufsuchte, dieselben verfehlte und in Ansicht von Feis kam. Als darauf der Modesto die Pelew-Jnseln erreichte, fand sich dort einer der Eingeborenen aus Feis, mit denen man zur See verkehrt hatte; dieser war, um den Handel fortzusetzen, dem Schiffs dahin vorausgceilt. — Der *) Diese Muscheln, worunter die schönsten Arten Vorkommen, schickt der Gouverneur von Guajan nach Manila, woher sie unsre Museen und Sammlungen erhalten. Gouverneur der Marianen, D. Jose de Medinilla y Pineda, befand sich am Bord des Modesto. — Wir haben uns auf Manila vergeblich bemüht, fernere Nachrichten von dieser Reise einzuziehen. Wir erzählen noch hier unserm Freunde Kadu eine Begebenheit nach, die Interesse erwecken kann. — Auf Eap sind einmal sechs weiße kleidertragende Menschen auf einem mit hölzernen Stiften ohne Eisen zusammengefügten Boot angelangt. Dieses Boot war sonst nach Art der europäischen gebaut. Die Fremden wurden gastlich empfangen. Einer von ihnen, Losle genannt, ward von 8 am an, dem Häuptling des Gebietes Kattepar, an Kindesstatt angenommen. Dieser blieb auf der Insel, als die übrigen fünf nach einem Aufenthalt von wenigen Monaten wieder in die See gingen. Kadu, der kurz darauf nach Eap kam, hat diesen LosI6 gekannt. Er ging auf der Insel nackt und war oben an den Lenden tatuirt. Die Insel-Kette Radack wird uns zuvörderst beschäftigen. Wir werden, was uns die eigene Anschauung gelehrt hat, durch Kadu's Berichte ergänzen, deren Zuverlässigkeit zu bewähren der letzte Besuch, den wir unfern Freunden abgestattet, uns die Gelegenheit gegeben hat. An Radack reihen sich natürlich an: die Insel-Kette Ralick, die, nahe in Westen gelegen, den Radackern vollkommen bekannt ist; die Inseln Repith Urur und Bogha, von denen verschlagene Seefahrer ihnen die Kunde überbracht haben; und die Inseln, von der Fregatte CornwalliS im Jahr 1809 entdeckt, die Arrowsmith für Gasparrico der alten Karten anzusehen geneigt ist. Eine nördlich von Radack gelegene wüste Gruppe, welche wir wieder aufgesucht haben. Die Insel-Ketten Radack und Ralick liegen in dem Meerstrich, den die Marshall-Jnseln (l-orä Llnlgravs's rnnZs und nächst gelegenen Inseln) einnehmen. Kapt. Marsh all im Scarborough und Kapt. Guilbert in der Charlotte haben im Jahre 1788 dieselben Inseln gesehen. Der Erste, dem Krusenstern folgt, giebt ihnen ok Olovernor ikkillix. Donclon 1790 p. 218 u. f.) eine westlichere Lage, als der Zweite thut, dessen Original-Karten und Journale Arrowsmith besitzt und befolgt. Man kann keine geographisch-wissenschaftliche Arbeit über die Inseln dieses Meerstrichs unternehmen, ohne diese Dokumente zu benutzen. Es ist bei den abweichenden Bestimmungen beider Kapitaine und bei den andern Namen, die Jeder den Insel» beilegt, ihre Angaben unter sich und Mit den hier eingreifenden Entdeckungen andrer Seefahrer zu vergleichen eine schwere Aufgabe, welche befugteren Geographen aufgespart bleibt. ä)sise »lögen entscheiden, welche von den Inseln, die hier nur unter den einheimischen Namen (diese haben Bestand) aufgeführt werden, früher unfern Seefahrern bekannt geworden und welche der von ihnen gesehenen Inseln, obgleich in der Nähe von Radack, den Radackern dennoch unbekannt geblieben. Der Seefahrer, der die Inseln, die er auffindet und deren Lage er bestimmt, willkürlich zu benennen sich begnügt, zeichnet seinen Namen in den Sand. Der die wirklichen Namen seiner Entdeckungen erfährt und bewahrt, sichert sein Werk und hilft das Gebäude wirklich aufführen, zu welchem der Andere bios Steine reicht. Wir haben unter den Radackern keine Kenntniß von den Gil- bert's-Jnseln, das ist von Inseln im Süden von Radack, angetroffen. Man wollte denn, wie uns aus manchen Gründen (der Lauf der Winde u. s. w.) unzulässig scheint, Repith Urur dahin verlegen. In Marsh all's Berichte erscheinen uns die südliche und die nördliche Kette der von ihm entdeckten Inseln in Allem ähnlich und von demselben Volke bewohnt; nur daß die südlicheren Inseln frucht- reicher und volkreicher sind als die nördlicheren, wie wir es auf Radack selbst befunden haben und wie uns Alles einladet anzunehmen, es fei auf allen Archipelagen dieses Meerstrichs der Fall. Dos pintackos und los bnsnos faräines von Alvaro de Saa- vedra 1529 sind unter der Breite von 7° — 8° oder 10" N. an- scheinlich fern in Osten von Radack gelegen. Die Beschreibung dieser Inseln, die von unser» Karten verschwunden sind, und die ihrer Bewohner mahnt uns, ihrer hier zu gedenken. Wir haben ans Radack die Natur selbst beobachtet und mit dem Volke gelebt. Vertraut mit dieser Natur und mit diesem Volke, werden die Nachrichten, die wir von den Carolinen mitzutheilen haben, anschaulicher vor unfern Blick treten. Die Carolinen-Jnseln werden den Gegenstand eines eigenen Aufsatzes ausmachen. Wir werden mit unfern Freunden Kadu und D. Luis de Torres von Ulea aus die umliegenden Inseln zu überschauen uns bemühen und ein liebliches Volk, das nur in Künsten des Friedens bewandert ist, auf seinen muthigen Fahrten verfolgen. Wir werden dabei unsre Nachrichten mit denen der Jesuiten und besonders mit den achtungswerthen Berichten von Cantova sorgfältig vergleichen. Wir zählen hier diese Inseln nur auf und theilen die sich uns darbietenden geographischen Bemerkungen mit. Dieser Theil unsrer Arbeit kann, wie die Karte von Tupaya und die Nachrichten, die Quiros von den Eingeborenen von Taumaco und andern Inseln einsammelte, Winke enthalten, die künftigen Seefahrern nicht ganz der Beachtung unwürdig scheinen möchten. Die hier beigefügten Karten von Cantova und D. Luis de Torres werden unsere Nachrichten zu erläutern beitragen. Die angeführten Entdeckungen der Neuern sind in den Quellen oder in den vorbenannten hydrographischen Werken und namentlich auf den Karten von Arrowsmith und Krusenstern nachzusehen. Ulea (K.), Olä nach der Aussprache von Radack, Ulee (C.), Guliai (T.), und nach ihm 7" N. B. und 144° O. L. gelegen. (Die dreizehn Inseln von Wilson in Duff 1797 7° 16" N. B., 144° 30" O. L. sW. Eine Hauptgruppe niederer Inseln. — Die Namen von elf n) Hier möchte noch die Harte zu dergleichen sein, die Herr von Äotzebuc nach Edack, dem Gefährten Kadu"S, gezeichnet und Reise II. x. 88. mitge- theilt hat. 142 Inseln sind in Cantova's Original-Karte ausgezeichnet; Kadu hat uns vier und zwanzig genannt und die geringeren unbewohnten übergangen. Namentlich: nach Kadu: nach Cantova Ulea Ulee Raur Raur Pelliau Peliao Marion Mariaon Thageilüp Tajaulep Engeligarail Algrail Tarreman Termet Falalis Falalis Futalis Faralies Lüsagä Otagu Falelegalä Falelmelo nach Kadu: Falelemoriet Faleelepalap Faloetik Lollipellich Woes afo Lugalop Jesang Seliep Pügel Tabogap Tarrematt - Piel und Ulimirö, Wohnsitz von Toua, dem Oberhaupte der Insel-Kette, und Vaterland von Kadu. Fatoilep (K-), Farroilep (C.), Farruelap (T.), und nach ihm 8° 30' N. B., 144" 30' O. A gelegen. Nach Cantova von Juan Rodriguez im Jahr 1696 zwischen dem 10° und 11° N. B. gesehen. Eine kleine niedrige Gruppe von drei Inseln. 143 Die Bank von St. Rosa, nahe der Südküste von Guajan, deren Dasein vorzüglich Dampier in Eignet 1686, und wiederholt Juan Rodriguez 1696 beweisen, wird nicht mehr gefunden, und es segelte namentlich die Maria 1804 über die Stelle weg, die sie in den Karten einnimmt. Iletasich ist, nach Kadu, eine Untiefe im Norden von Ulea, die den Seefahrern, welche von Feis kommen, zum Wahrzeichen dienen kann, Ulea nicht zu verfehlen. Man sieht jedoch auf dieser Fahrt Uetasich nicht, so man nur richtig steuert. Das Wasser ist weiß gefärbt. Das Meer brandet nicht. Eurüpügk (K.), Eurrupuc.(E), Aurupig (T.). Eine geringe niedere Gruppe von drei Inseln, von denen zwei sehr klein sind, in» nicht großer Entfernung von Ulea, nach K. und C. gegen Westen, nach T. gegen Süden gelegen. Die trvo Islanäs 1791 auf Arrowsmith's Karte scheinen uns, obgleich entlegen, hier wenigstens erwähnt werden zu müssen. Vergleiche auch Sorol. Die vier folgenden bilden eine Kette, die von Ulea aus nach C. gegen Osten, nach T. gegen Ost-Süd-Ost, nach K. gegen Sonnenaufgang läuft. Jviligk (K.), Jfeluc (E), Jfelug (T.) (die dreizehn Inseln oder die zwei niederen Inseln von Wilson?). Niedere Inselgruppe. Elath (K.), Elato (C.), Etat (T.) (die zwei niederen Inseln von Wilson?). Eine kleine niedrige Grupps, wo nur die Insel, »ach der sie heißt, beträchtlich ist. Geringere sind vier bis fünf an der Zahl. Lamu reck (K.), Lamurrec (C.), Mugnak (T.), Lamursee bei Krusenstern, oft auch Lamurca genannt, Lamuirec oder Faln bei Gobien und auf der Karte von Serrano (Lrveäes Islamls die sechs Inseln von Wilson? Luito (bei Krusenstern) giebt die Zahl der Inseln auf 13 an. Eine Hauptgruppe niederer Inseln. Die Namen Puc, Falait (Falu Serrano?), Toas und Uleur auf der Karte von Canto va müssen auf einzelne Inseln der Gruppe bezogen werden, vielleicht auch Olutel, obgleich bei Elato niedergelegt. 144 Der baue äo I'ülix)' von Cantova kommt Meder bei Kadu »och bei D. Luis de Torres vor. Setoan (K.), Seteoel (C-), Satahual (T.) (Tuckers-Jnsel Wilson in 7" 22' N. B., 146" 48' O. L.?). Eine niedrige große einzeln liegende Insel. Ollimirnu (K.>, Olimarau (C.). Eine geringe niedere Gruppe, die auf der Karte von D. Luis de Torres fehlt. Kadu legt sie im Osten von Setoan, Cantova im N. W. von Lamnreck, auf dem halben Wege nach Fayo; eine Lage, die unrichtig sein muß, da sie auf der Fahrt von Lamnreck nach Fayo und Guajan nicht berührt wird, und eS bleibt, falls unsre Deutung von Wil- «son's Inseln richtig ist, zwischen Lamureck und den nördlicheren wüsten Inseln für eine andre Gruppe kein Raum. Wir würden Ollimirau östlich oder nordöstlich von Setoan suchen. Fayo (K.), Fähen lC.), Fallao (T.), und nach ihm in 8" 5' N. B., 146" 45' O. L. gelegen.*) Eine unbewohnte Insel ohne Fruchtbäume und süßes Wasser, welches nur nach dem Regen in den Gruben quillt. Die von Fatoilep, Ulea, Jviligk, Elath, Lamureck und Ollimirau besuchen sie des Schildkröten- und Vögelfanges wegen. Bigelle (K.), Piguelao (T.), und nach ihm in 8" 6' N. B., 147" 17' O. L., fehlt bei Cantova. Eine ähnliche Insel, die ebenfalls der Jagd wegen von Elath, Lamureck und Ollimirau aus besucht wird. Oraitilipü (T.) ist eine Untiefe von 12 Faden zwischen beiden vorerwähnten Inseln in 8" 6' N. B. Eine andere Untiefe von 24 Faden hat D. Luis de Torres in 8° 20' N. B., 149" O. 8. bestimmt. *) Fayo würde demnach 43' N. und 3' W. voir.TuckcrS-Insel liegen, und find die SwedeS-Jnscln Lamureck, so würde die Fahrt von dieser Gruppe über Fayo nach Guajan in zwei und drei Tagen unrichtig eingethcilt sein, man müßte Fayo in Einem Tage erreichen. Wir bemerken, daß die Reise von Fayo nach Guajan, eine Entfernung von beiläufig 6 Grad oder 360 Meilen, in drei Tagen oder 72 Stunden zurück zu legen, einen Lauf von S Knoten voraussctzt, dies ist S Meilen oder 5 Viertel deutsche Meilen die Stunde. 145 Die bisher genannten Inseln bilden die zweite Provinz von Canto va, die zu seiner Zeit in die zwei Reiche von Lamureck und Ulea getheilt war, jetzt aber den Tamon oder Fürsten von Ulea als alleiniges Oberhaupt anerkennt. Dieser Tamon, mit Namen Toua, wird außerdem noch auf etlichen der östlicheren Inseln, die Canto va zu seiner ersten Provinz rechnet, anerkannt, und namentlich nach Kadu auf Saugt, Buluath und dem hohen Lande Tuch. Nach D. Luis de Torres werden diese Inseln nach dem Ableben von Toua nicht seinem Erben auf Ulea anheim fallen, und dieses nep- tunische Reich zerfällt. Auf allen Inseln der zweiten Provinz von Cantova wird eine und dieselbe Sprache gesprochen. Die Nachrichten über die östlicheren Inseln, die bei Cantova unter dem Fürsten von Torres oder Hogoleu die erste Provinz, Cittac genannt, ausmachen, sind am schwankendsten und am unzuverlässigsten, und es wird ihre Geographie zu beleuchten schwer. Kadu war selbst auf keiner dieser Inseln gewesen; er läßt, immer nach der ausgehenden Sonne von Ulea, oder in etwas nach Süden hinneigender Richtung, fünf Inselgruppen oder Inseln folgen. Saugk (K ), Sog (T.), Scheug oder, der Lage nach, Schoug (C.)d Niedere Gruppe. Buluath (K.), Puluot (C.), Poloat (T.). Ein Riff, auf dem nur die Insel dieses Namens bewohnt ist. — Saugk und Buluath haben noch die Sprache von Ulea. Tuch (K.), Rüg (T.), Schoug oder, der Lage nach, Scheug (C.)? Das einzige hohe Land, von dem Kadu's Nachrichten im Osten erwähnen. Tuch hat sehr hohe Berge, einen Pie nach D. Luis de Torres. Die Einwohner leben im Kriege mit denen von entfernten Inseln (Giep und Vageval). Ihre Sprache ist von der von Ulea sehr abweichend; D. Luis de Torres nennt sie eine eigene. Kadu hat mit Einwohnern von Tuch und Buluath auf Ulea verkehrt, wohin sie den Tribut bringen und handeln. Savonnemusoch und Nu gor. Reiche niedere Inselgruppen, die Kadu in weiter Entfernung nach derselben Himmelsgegend hin verlegt. Jede soll IV. 10 146 eine eigene Sprache haben. Man könnte in dem Namen Nugor Magor (T.), Magrer (C.) erkennen. Toroa und Fanopö sind, nach Kadu, niedrige Inselgruppen, die durch häufig von dorther auf Buluäth verschlagene Seefahrer den Bewohnern dieser letzten Insel wohl bekannt sind. Nach einem kurzen Aufenthalt auf Buluath haben etliche dieser Fremden den Weg nach ihrer Heimath wieder zu finden versucht. Sie waren nach einer Irrfahrt von einem Monat auf Buluath angelangt. Die Sprache von lUca wird auf Toroa und Fauopö gesprochen. In einem Liede dieser Insulaner, welche Kadu auf Ulea von Menschen aus Buluath erlernt, wird die Kunde von Malilegotot, einer weit entlegnen nieder» Inselgruppe, aufbewahrt, die ihnen eben wohl durch ein von dorther verschlagenes Boot bekannt geworden. Eine eigene Sprache wird da gesprochen und die Bewohner sollen Menschenflcisch essen. (Wir werden an Repith Urur der Radacker erinnert.) Wuguietsagerar ist ein sehr gefährliches Riff, denen von Buluath wohl bekannt, nach welchem sie sich in ihren Fahrten zu richten scheinen. Es soll in beträchtlicher Entfernung von ihrer Insel sein. Es bildet einen halben Kreis, in den man nur mit großer Gefahr sich eingefangen fände. Man muß den Eingang vermeiden und das ganze Riff zur Seite lasse». Giep (Cuop sC.s ?) und Bageval sind niedere Inselgruppen in großer Entfernung vonTuch undimKriegemitdieserInsel. KaduhatkeineweitereNachrichtdarüber. Lomuil und Pullop sind Name» von Inseln, die er sich erinnert hat einmal in Ulea vernommen zu haben. Die Karte von D. Luis de Torres stimmt in der Hauptanordnung der Inseln dieser östlichen Provinz, wie in den meyrsten ihrer Namen, mit der von Cantova überein. Ms er sie zuerst entworfen, fehlte darauf die Haupt-Insel Torres oder Hogoleu (C.), die auch auf der Karte von Serrano unter dein Namen Torres ausgezeichnet ist und wovon die Nachrichten von Kadu nichts 147 erwähnen. Nachdem er aber die 29 Inseln von Monteverde (ün S. Rafael 1806) nach ihrer angegebenen Länge und Breite auf dieselbe nachgetragen, wo sie denn im Kreis, den die Provinz Cittac bildet, die östliche Stelle ungefähr ausfüllen, die Hogoleu bei Cantova einnimmt, hat der erfahrne Fährmann Olopol aus Setoan diese Inseln mit dem Namen Lugnlus belegt, worin man vielleicht Hogoleu erkennen muß. Cantova hat 19 Inseln, Don Luis mit Lugnlus nur 16; ihm fehlen die, so bei Cantova den Kreis im Südosten schließen, fünf an der Zahl, und er hat im eine, die ihm abgeht, nämlich: nach Cantova: 1. Torres oder Hogoleu im Osten u. von da nordwärts den Kreis verfolgend 2. Etel. 3. Ruac (4 T.) 4. Pis (2 T.) 5. Lamoil (7 T.) 6. Falalu (6 T.) 7. Ulatu (8 T.)? 8. Magur (9 T.) 9. Uloul (11 T.) 10. Pullep (12 T.) 11. Puluot od. Leguischel, im Westen zunächst gegen Setoan gelegen (14 T.) 12. Temetem (13 T.) 13. Schoug (16 T.) 14. Scheug (15 T.) 15. Pata 16. Peule 17. Foup 18. Capeugeug 19. Cuop. übrigen Umkreis drei neue gegen nach D. Luis de Torres: 1. Lugulus 2. Pis (4 C.) 3. Lemo 4. Ruac (3 C.) 5. Marilo 6. Felalu (6 C.) 7. Namuhil (5 C.) 8. Fallao (7 C.)? 9. Magor (8 C.) 10. Pisaras 11. Olol im Westen zunächst gegen Setoan gelegen (9 C.) 12. Pollap (10 C.) 13. Tametam (12 C.) 14. Poloat (11 C.) 15. Sog (14 C.) 16. Rüg im Süden, von wo der Kreis offen bleibt. 10 * 148 Der vergleichende Ueberblick, den die beigefügten Karten gewahren, überhebt uns einer weiteren Auseinandersetzung. Cantova schreibt seiner Provinz Cittac eine einzige Sprache zu, die von der von Ulea verschieden ist. Dagegen ist Kadu's Zeugniß wenigstens in Betreff von Buluath und Tuch überwiegend. Cantova läßt uns noch fern im Osten von Cittac eine große Menge Inseln unbestimmt erblicken, unter denen er nur Falupet (Fanope K.?) nennt und genauer bezeichnet. Der Haifisch soll da angebetet werden! Seefahrer von diesen Inseln, welche auf die westlicheren verschlagen worden, haben die Kunde davon verbreitet. Wir kehren nach Ulea zurück, um von da aus die Kette der westlicheren Inseln zu überzählen. Feis (K. und C.), Veir nach der Aussprache von Radack, Fais (T.), Pais Karte von Serrano, — von der Nassauischen Flotte 1625 gesehen? liegt im Nordwesten von Ulea, und die Reise dahin, die eine der mißlichsten zu sein scheint, erfordert nach Kadu's Zeugniß, dem wir übrigens hierin nicht blinden Glauben beimesfen, vierzehn Tage Zeit. Feis, obgleich von derselben Bildung als die übrigen uiedcrn Inseln, ist erhöhter und bei weitem fruchtreicher als alle. Drei Inseln oder Gebiete heißen: Litötö, Soso und Vaneo. Der Chef von Litötö ist unabhängiger Fürst von Feis. Mogemug (K.), Mugmug (T.), Egoi oder Lumululutu (C.) (er giebt den ersten Namen den westlichen Inseln der Gruppe oder den Inseln unter dem Winde, und den andern den östlichen oder Inseln über dem Winde), los Garbanzos auf seiner verbesserten Karte und bei F. Juan de la Concepcion, Ulithi auf Cap geheißen, von Bernard de Egui 1712 entdeckt, die Gruppe, auf welche Cantova als Missionar ging und wo er den Tod fand. Eine Hauptgruppe niederer Inseln und anscheinlich größer als Ulea. Sie liegt zwischen Feis und Eap in geringer Entfernung von beiden und erkennt ein eigenes Oberhaupt. Cantova schreibt den Namen von drei und zwanzig Inseln 149 auf, Kad» nennt sechs und zwanzig derselben, worunter die mehrsten von Cantova zu erkennen sind. Nämlich: nach Cantova: nach Kadu: Mogmog Möge m u g Sagalen Thagaleu Oiescur " Essor Falalep Talalep Guielop Ealap Gaur Cor Lusiep Alabul Lnssiep Pugelup Pugulug Pig Pig Faleimel Faleim a n Faitahun Laddo Teitawal Fantarai Caire Fasarai Pigileilet Sein Troilem Pigeleili Lam Lam Elil Petas aras Elell Medencang Ma rurul Malauli Tongroß Malemat Tarembag Song Elipig Eo Eoo Laß Feis und Mogemug machen nach Cantova die dritte Pro- 150 vinz aus, der eine eigene Sprache zugeschrieben wird. Es wird aber daselbst die Sprache von Ulea nur mit sehr wenigen Abänderungen geredet. Eap (K.), Jap (C.), Uapa (T.), Ala-Cap ^ocouut, ok tbo Uelev Islanäs p. 21. in der Anmerkung. Gesehen von der Nas- sauischen Flotte 1625, von Funnel und seinen Gefährten 1705 und von dem Exester 1793, nach dessen Bestimmung sie jetzt auf die Karten niedergesetzt wird. Eine hohe und beträchtliche Insel, die jedoch, wie die Pelew- Jnseln, keine sehr ansehnliche Berge hat. Sie stand sonst unter einem Oberhaupt und genoß des Friedens. Jetzt waltet Krieg zwischen den Häuptlingen der verschiedenen Gebiete, deren uns Kadu 46 gezählt hat. Nämlich: Kattepar, Sigel, Sumop,- Samuel, Sitol, Suomen, Palao, Runnu, Girrigai, Athebue, Tugor, Urang, Maloai, Rumu, Gili- stth, Jnif, Ugal, Umalai, Sawuith, Magetagi, Elauth, Toanwai, Ngari, Gurum, Tabonefi, Summaki, Sabogel, Samusalai, Taine- far, Thorta, Unau, Maloai, Taumuti, Sul, Sütemil, Täp, Ulien- ger, Wutel, Laipilau, Süllang, Thelta, Urieng, Meit, Feidel, Tu- munaupilau, Sop u. a. m. Kleinere Inseln längs der Küste von Eap sind ohne Namen und Einwohner. Eap hat eine eigene Sprache, die nur noch auf der folgenden Gruppe geredet wird. Ngoli (K.), Ngolog (T.), Ngoly (C.). Eine kleine niedere Gruppe in geringer Entfernung von Eap gegen Süden und auf dem Wege nach Pelli. Sie hat nur drei Inseln, von denen blos die, nach der die Gruppe heißt, bewohnt ist und nicht über dreißig Einwohner zählt. Die Namen Petangaras und Laddo bei Can- tova beziehen sich auf die anderen Inseln der Gruppe, und der Name Laddo hat auf manchen neueren Karten (z. B. Burnep) obgesiegt. Zwischen Eap und den Pelew-Inseln sind mit Ngoli zu vergleichen: Die Inseln äo los Rexes, Saavedra 1528; cis los Mrtta- lotss, Mllalobos 1542; die von Hunter 1791 und die 1796 gesehenen Inseln. Die von Hunter scheinen uns der Lage von Ngoli 151 am mehrst«! zu entsprechen. — Die Isias ela Kmznoira 1526 bezieht Burnev mit Wahrscheinlichkeit auf los ülartires der Spanier 1802, westlicher als die Pelew-Jnseln gelegen. Pelli (K.), nach der Aussprache von Ulea, und nach ihm richtiger Walau; Pannog (T-), Paleu und PalaoS (C.), die Pelew- Jnfeln H. Wilson. — I-os L.rreeiiles von R. L. de Villalobos 1542. Islands ok tlrivos von Sir Francis Drake 1579? Ein Archipelagus hoher Inseln, in zwei Reiche getheilt, welche fortwährend im Kriege sind. Die Pelew-Jnseln sind uns vollkommen bekannt und werden regelmäßig von unfern Schiffen besucht. — Die Sprache ist eine eigene, und selbst das Volk scheint in mancher Hinsicht von den Carolinern verschieden. Die Karte von Don Luis de Torres ist hier begrenzt, und Canto va hat nur noch die St. Andres-Jnseln im Südwester! der Palaos. Kadu zählt noch in dieser Richtung: Lamuniur lK.), Lamuliur (P. Clain). Man vergleiche die zweifelhaften Inseln St. Johannes. Sonsorol (K. und Helatiorr et Heitres eäMantes 1?. 11. x. 75, wie auch auf der dort deigegebenen Karte steht); Sonrol bei Cantova, beide Namen in Fr. Juan de la Concepcion beibehalten. Kathogube (K.), Codocopuei (C.). Beide letzteren sind die Inseln St. Andres, auf deren erster die Missionare Cortil und Duperon im Jahre 1710 zurück gelassen wurden und verschollen. Sie erscheinen in den Missions-Berichten als Inseln einer und derselben Gruppe, und Kadu, der sie trennt und ihre Entfernung von einander in Tagereisen angiebt, hat wohl hier bei Inseln, die er selbst nicht bereist hat, keine Autorität. Wull (K.), Poulo und Pulo der Missions-Berichte, nach welchen sie S. sl S. W. von Sonsorol liegt. Vergleiche Current Island von Carteret. Merir (K.), Merieres der Missions-Berichte, nach welchen sie S. S. O. von Sonsorol liegt. Vergleiche Warren-Ha- stings-Jnsel. 152 Die Namen beider letzten Inseln: Pulo Maria und Pulo Ana auf der Karte zu Fr. Juan de la Concepcion 1b -9. p. 150, Pulo Anna und Pulo Mariere auf andern Karten, sind aus verschiedenen Sprachen verderbt zusammengesetzt. Das malayische Wort kulo, für Insel, ist den Europäern im malayischen Archipelage geläufig. Alle benannten Inseln im Südwesten der PalaoS sind niedrige Inseln oder Inselgruppen, deren friedlich freundliche Bewohner die Sprache von Ulea reden. Die Ereignisse bei Sonsorol, wo Insulaner aus Ulea und Lamureck den Spaniern als Dolmetscher diente», bestärken hierin Kadu's Aussage. Nach Kadu gehen die Kauffahrtei-Boote aus Ulea nach diesen Inseln und namentlich bis nach Merir über die Kette der nördlicheren Inseln, wie wir sie von Ulea an verfolgt. Sie kommen aber von Merir nach Ulea auf einem andern Wege zurück, uämlich über . Sorol oder Sonrol (K.), (nicht das Sonrol der St. Andres- Jnseln), Zaraol Canto va, nach welchem sie unter der Botmäßigkeit von Mogemug steht und fünfzehn Stunden davon entfernt liegt. Sie ist auf seiner Karte gezeichnet, aber der Name ausgelassen. Eine kleine niedere Gruppe von zwei Inseln im Süden und in keiner großen Entfernung von Mogemug. Vergleiche die Phillip-Inseln vom Kapit. Hunter 1791 und die tevo Iblanäs 1791, die wir bereits mit mehr Wahrscheinlichkeit bei Eurüpügk angeführt haben. Sorol scheint nach den Sagen von Kadu von Mogemug aus bevölkert worden zu sein und unter deren Herrschaft gestanden zu haben. Jetzt ist sie schier entvölkert. Diese Sagen erwähnen noch: Tügülot, eine niedere Inselgruppe, von welcher ein Boot, welches nach Umaluguoth, einer entlegenen wüsten Insel, auf den Schildkrötenfang fuhr, auf Sorol verschlagen wurde. Die Fremden übten da Raub aus. Der Zwist, der sich daher entspann, wurde blutig geführt. Der Häuptling von Sorol und gegen sieben Mann und fünf Weiber von den Seinen wurden getödtet; von Seiten der Fremden gegen vier Mann. Später gingen noch etliche der Ein- — 1)3 — wohner von Sorol zu Schiff, die nicht dahin zurückgekehrt. Auf der Gruppe blieben zuletzt nur ein Mann und etliche Weiber zurück. Wir können über die Lage dieser Inseln keine Vermuthung aufstellen. Don Luis de Torres hat uns in den Stand gesetzt, die Entdeckungen Wilson's am Bord des Duffs 1797 unter den Carolinen aufzusucheu, und wir neigen dahin, in seiner volkreichen und wohlhabenden Dreizehn-Jnseln-Gruppe, obgleich die Zahl der Inseln, worunter er nur sechs größere zählt, nicht eiutrifft, Ulea zu erkennen. Wenn wir in unserer Voraussetzung nicht irren, läuft die Inselkette von Ulea nach Setoan lDreizehn-Jnseln-Gruppe und Tuckers- Jnsel) unter dein siebenten Grad nördlicher Breite, von Westen nach Osten, in der Richtung, die sie in Cantova's Karte hat, und nicht von W. N. W. nach O. S. O., wie sie D. Luis de Torres gezeichnet hat. Diese Kette nimmt ferner nur ungefähr drei Längengrade ein, anstatt sich über mehr als fünf Grade zu erstrecken. Es läßt sich von den Aussagen der Eingeborenen die relative Lage der Inseln gegen einander leichter als ihre Entfernungen abnehmen. Die Rumben lassen sich mit Bestimmtheit angeben, die Entfernungen nur nach der Zeit, die zu der Reise erfordert wird, und selbst darin fehlt hier alles Maaß der Zeit. Cantova scheint beim Entwurf seiner Karte, wie D. Luis de Torres, von Ulea, die er richtig iin Süden von Guajan nicdergesetzt hatte, ausgegan- geu zu sein. Beide hatten für den westlichen Theil bestimmte Punkte, zwischen welchen ihnen nur blieb, die übrigen Inseln an- zuordnen. Nicht also für den östlichen Theil, wo sich ihnen der Raum unbegrenzt eröffncte. Es ist nur die zufällige Uebcreinstim- mung des Maaßstabes, den sie angelegt, zu bewundern. Wenn wir nun die Verjüngungs-Skale, die uns die Entdeckungen von Wilson an die Hand geben, auf die Provinz Cittac anzulegen ein Recht haben, so wird dieselbe ungefähr zwischen dem 148° und 152° O. L. von Greenwich und dein und 81^ N. B. zu suchen sein. Und wir finden in der That, daß mehrere Inseln von unfern Seefahrern binnen der angegebenen Grenzen aufgefunden worden sind. Nämlich: 154 Die vom Kapit. Mulgravc in der Sugar Cane 1793 und von Don I. Jbargoitia 1801 gesehene Insel, die Letzterer (ohne Gründe anzugeben) und Arrowsmith für die Quirosa oder St. Bartolome halten, eine große mäßig hohe Insel, die Qniros nacb dem Tode von Mcndana 1595 entdeckte. Wir bemerken, daß niedrige Inselgruppen sich nah im Westen der Quirosa befinden müssen. Die Jniel Cota 1801. Eine niedere Insel, gesehen 1796. Los Martires. Die Untiefe von D. Luis de Torr es in der Maria 1804. Die Anonima von Espinosa's Karte, und Das hohe Land von M. Dublon im St. Antonio 1814. Das Zusammentreffen von Monteverdc mit Lugulus in der Karte von D. Luis de Torres ist lediglich für eine Täuschung zu halten. Wir sind dagegen nicht ungeneigt, mit Burney Hogoleu und die Quirosa zu vereinigen, wir glauben aber diese Insel von dem Orte, wo er sie setzt und wo die niedere Gruppe St. Augustin von F. Tompson 1773 wirklich liegt, westwärts verrücken zu müssen. Die Lage von der Insel Dublon, die wie Tuch mit einem hohen Pic beschrieben wird, scheint uns der Quirosa oder Hogoleu zu entsprechen, indem Jbargoitia die Quirosa in einer Insel erkennt, die uns den Ort einzunehmen scheint, worin wir Tuch eher gesucht hätten. Im Osten von Cittac bleibt bis zu den Inselketten Ralick und Radack ein Zwischenraum von beiläufig 15 Graden, worin uns die unbestimmten Nachrichten von Cantova noch manche Inseln ver- muthen lassen und worin unsere Seefahrer wirklich schon mehrere entdeckt haben. Wir bemerken Llos, daß sich darunter, und zwar gegen Osten, noch hohe Inseln finden, als da sind Strong Island (Tcyoa von Arrowsmith), die sich zu einem hohen Berg erheben soll, und Hope 1807. Die St. Bartolome-Jnsel von Loyasa 1526 liegt nördlicher. Ebenfalls ein hohes Land, in dessen Westen sich niedrige Inseln befinden. Man hat irrig die von der Nassauischen Flotte gesehenen Inseln darauf bezogen. Die Boote von der Provinz Ulea und Eap, die auf Radack verschlagen werden, lehren uns, daß die Monsoons viel weiter nach Osten reichen als wir es geglaubt. Die Seefahrer dieser Inseln, die von Radack den Weg nach ihrem Vaterlande wieder finden und andrer Seits nach den Philippinen fahren und von da zurnckkehren, zeigen uns, daß ihre Schifffahrt einen Raum von ungefähr fünf und vierzig Längengraden umfaßt, welches fast die größte Breite des atlantischen Ocean's beträgt. Radack, Ralick, Repith-Urur, Bogha, die Cornwallis-Jnseln. Wir hatten auf Radack Gelegenheit, die Bildung der nieder» Korallen-Inseln genauer zu untersuchen und unsere früheren Beobachtungen über diesen Gegenstand zu ergänzen und zu berichtigen. Wir denken uns eine Inselgruppe dieser Bildung als eine Felsenmasse, die sich mit senkrechten Wänden aus der unermeßlichen Tiefe des Ocean's erhebt und oben, nahe an dem Wasserspiegel, ein überflosscnes Plateau bildet. Ein von der Natur ringsum am Rande dieser Ebene aufgeführter breiter Damm wandelt dieselbe in ein Becken um. Dieser Damm, das Riff, ist mehrstens auf der Seite des Umkreises, die dem Winde zugewendet ist, etwas erhöht und ragt da bei der Ebbe gleich einer breiten Kunststraße aus dem Wasser hervor. Auf dieser Seite, und besonders an den auSsprin- genden Winkeln, sammeln sich die mehrsten Inseln auf dem Rücken des Dammes an. Unter dem Winde hingegen tauchet derselbe meist unter das Wasser. Er ist da stellenweis unterbrochen, und seine Lücken bieten oft selbst größeren Schiffen Fahrwege dar, durch welche sie mit dem Strome in das innere Becken einfahren können. Innerhalb dieser Thore liegen öfters einzelne Felsenbänke, die wie Bruchstücke der eingerissencn Mauer oder Andeutungen derselben sind. Andere ähnliche Bänke liegen hie und da im Innern des Beckens zerstreut. Sie scheinen von gleicher Beschaffenheit als die Ringmauer zu sein, überragen aber den Wasserspiegel nie. Das innere Meer, die Laguna, hatte in der beträchtlichem Gruppe Kaben 25—32 Faden Tiefe, in der geringeren Eilu bei häufigen Untiefen gegen 22 Faden. Der Grund ist feinerer oder gröberer Korallensand und stellenweise Korallen. Das Meer ist schon bei dieser Tiefe mit dem tiefen dunklen Blau gefärbt, das die reinen Gewässer dieses Ocean's auszeichnet. Das Auge erkennt die Untiefen von Weitem und das Senkblei wird entbehrlich. Der Theil des Riffes, der aus dem Wasser ragt oder untersucht werden kann, besteht aus fast wagerechten Lagern eines harten, schwer zerbrechlichen Kalksteins, der ans bald gröberen, bald feineren Madreporentrümmern mit beigemengtcn Muscheln und Echinus- Stachcln zusammengesetzt ist, und der in großen Tafeln bricht, welche stark unter dem Hammerschlag erklingen. Der Stein enthält die Lithophyten nur als Trümmer und nirgends in der Lage, worin sie gewachsen sind und gelebt haben. Die Oberfläche des Dammes ist gegen seinen dem äußern' Meere zugekehrten Rand durch das Ausrollen der brandenden Welle gefegt und ausgeglättet. Auf dem äußersten Rande selbst, wo die Brandung anschlägt, sind Blöcke des Gesteins außer Lage aufgeworfen. Solche Blöcke finden sich wieder auf der Seite, die nach der Laguna liegt, hin und wieder zerstreut. Diese Seite ist abschüssig, und der minder scharf bezeichnet? Rand liegt unter dem Wasser. — Es scheint die Lagerung nach innen zu abschüssig zu sein, und die oberen Lager nicht so weit als die, auf welchen sie ruhen, zu reichen. Die Ankerplätze, die man in der Laguna im Schutze der windwärts gelegenen Hauptinscln der Gruppen bei 4—6, 8 Faden Tiefe findet, sind solcher Abstufung der Steinlager zu verdanken. Meist aber fällt innerhalb und längs dem Riffe das Senkblei von 2—3 Faden Tiefe unmittelbar auf 20 bis 24, und man kann eine Linie verfolgen, auf welcher man von einer Seite des Bootes den Grund sieht und von der andern die dunkle blaue Tiefe. Ein feiner weißer Sand aus Madreporentrümmern bedeckt den wafserbespülten Abschuß des Dammes. Wenige Arten zierlich ästiger Madreporen oder Milleporen erhoben sich stellenweis aus diesem Grunde, in welchem sie mit knollenförmigen Wurzeln haften. Andere 158 und mehrere wachsen an den Steinwänden größerer Klüfte, deren Grund Sand erfüllt, unter diesen auch die U'ukiporn musion, bic wir in lebendigem Zustande gesehen und deren Erzeuger wir für einen sternförmig achtthcilig aufblühenden Polypen erkannt haben. Arten, die den Stein überziehen oder sich kuchenförmig gestalten (Lswoa), kommen in stets bewässerten Aushöhlungen des Bodens zunächst der Brandung vor. Die rothe Farbe des Riffes unter der Brandung rührt von einer biullchorn her, die überall, wo Wellen schlagen, das Gestein überzieht und sich unter günstigen Umständen stalaktitenartig ausbildet. Farbe und Seidenglanz, die an der Luft vergänglich sind, bestimmten uns gleich, diesem Wesen thierische Natur bci- zumessen, und die Behandlung des gebleichten Skelets mit verdünnter Salpetersäure bewährte unser auf Analogie gegründetes Ikrtheil. Der flüchtige Blick unterscheidet nur an der Färbung und einem gewissen sammetartigen Ansehen die Lithophyten-Arten mit feineren Poren im lebendigen Zustande von ihren todtcn, ausgebleichten Skeletten. Wir haben bloS die blilleyorn oaernlen und die Dubi- yorn musion und eine gelblich röthlich bräunliche Distiobllyoru mit an sich gefärbten Skeletten gefunden, letztere aber nie lebend beobachtet. Die Arten mit größeren Sternen oder Lamellen haben größere bemerkbarere Polypen. So überzieht die Endzweige einer Ari (Är^opbz-Ilin., die wir auch über der Linie deS niedrigsten Wasserstandes lebendig angetroffen, ein Actinienähnliches Thier; Stämme und' Wurzel scheinen ausgebleicht und erstorben. Man sieht an den Lithophyten oft lebendige Aeste oder Theile bei anderen erstorbenen bestehen, und die Arten, die sich sonst kugelförmig gestalten, bilden an Orten, wo Sand zugeführt wird, flache Scheiben mit erhöhtem Rande, indem der Sand den obern Theil ertödter, und sie nur an dem Umkreise leben und fortwachsen. Die enormen Massen aus einem Wuchs, die man hie und da auf den Inseln oder auf den Riffen als gerollte Felsenstücke antrifft, haben sich wohl in den ruhigen Tiefen deS Ocean's erzeugt. Oben unter wechselnden Einwirkungen tonnen nur Bildungen von geringer Größe entstehen. Eine breit- gliedrige OvinIIins hat im lebendigen Zustande eine vegetabilische grüne Farbe, die sie ausgetrocknet verliert. Es kommr nur eine 159 kleine unansehnliche Art lssucus vor, welche noch unbeschrieben ich (Ilueus rnfineoeusis viertens.)*) Der Sand, der auf dem innern Abschuß des Riffes abgesetzt wird, häuft sich da stellenweis zu Bänken an. Auü Sandbänken werden Inseln. Diese sind, wie wir bereits bemerkt haben, häufiger, von größerem Umfang und reicher an Humus auf der Windseite und an den ausspringenden Winkeln der Gruppe. Geringere, gleichsam anfangende Inseln sind auf dem Riffe nach innen gelegen, und das innere Meer bespült stets ihren Strand. Einige Inseln ruhen auf Steinlagern, die sich gegen das innere Meer abschüssig senken. Dann bemäntelt nieist diese Lager, wo sie gegen das äußere Meer an das Licht kommen sollten, ein anderes Lager desselben Gesteins, welches aus gröberen Madreporentrümmern besteht und an seiner ober» Fläche ungleich und angefressen erscheint. Dieses äußere Lager ist oft zertrümmert und liegt in großen Tafeln außer Lage. Alan beobachtet bei andern Inseln auf äußerer und innerer Seite nur inantelförmige Lagerung, die Bildung erscheint neu, und Lager von Sand wechseln meist mit denen des Kalksteins ab. Dies ist am Strande des innern Meeres immer der Fall. Ein auf diesem Grunde aufgeworfener Damm großer Madre- porengerülle bildet nach der Brandung zu den äußerlichen Rand der Inseln. Das Innere derselben begreift Niederungen und geringe Hügel. Gegen den Strand des innern Meeres ist der Boden etwas erhöht und von feinem Sande. Auf der Insel Otdia, Gruppe gleiches Namens, greift das innere Meer an einer Stelle auf das Land wieder ein, und I-^tlirum l?om^Iris erhält sich mit entblößten Wurzeln auf dem wasser-bespülten Felsen. Auf Otdia befindet sich im Innern ein Süßwassersee, und auf Tabual, Gruppe Aur, morastiger Grund. Auf den großem Inseln ist an süßem Wasser kein Mangel, es quillt hinreichend in die Gruben, die man zu dem Behufe gräbt. . *) Die Algen, die den Nicdcr-Jnscln gänzlich ZN fehlen scheinen, finde» sich auf den Riffen am Fuße de» hohen Landes wieder ein. Wir haben auf den Rissen von O-Wahu t?uous nstnns und andere, mehrere Ulven u. s. w. gesammelt. 160 Auf dem Trümmerdamm, der die Inseln nach außen umsäumt, wachsen zuerst Leaovola Xüni^ii und 1°ournelortm svrieea; diese schirmenden Gesträuche erheben sich allmälig und bieten nach außen dem Winde mit gedrängt verschlungenem Gezweigs eine abschüssige Fläche dar, unter deren Schutz sich der Wald oder das Gesträuch des Innern erhebt. Der Pandanus und mit ihm, wo der Humus reicher ist, eine Ccrbera machen den Hauptbestandtheil der Vegetation aus. Onvttaräa sxseiosn, Llorinän oitritolia, l'erminalia molnMknsis sind auf allen Inseln gemein; blsrimucliu scmom fehlt auf den reichern selten, llalaxbMum iuopbxlium, voäonou viseosa, Ooräia sebestkim n. s. w. kommen einzeln vor. Ans den nördlichem dürftigem Gruppen wachsen I-z-tbrum kempliis und Luriarm maritima am Strande des Innern Meeres auf dürrem Sande. Sie fehlen auf Kaben und Aur. Das Ufer des innern Meeres allein ist wirthbar für den Menschen, und er baut da seine Hütten unter den Cocosbäumcn, die er gepflanzt hat. Die Flora dieser Insel ist dürftig; wir haben auf der Kette Radack nur 59 Pflanzenarten gefunden, die, welche nur angebaut Vorkommen, sieben an der Zahl, mit eingerechnet. Drei und zwanzig von dieser Zahl, worunter fünf kultivirte, hatten wir bereits auf O-Wahu angetroffen, und zwölf, den Cocosbaum mit eingerechnet, auf der Insel Romanzoff, wo überhaupt nur neunzehn Arten gesammelt wurden. Wir fanden gegen zwanzig derselben auf Guajan wieder. Wir bemerken, daß weder Orangen noch Kohlpalmen, Erzeugnisse, die man auf zweifelhafte Anzeichen den Mulgraves-Jnseln zugeschrieben hat, auf der Kette Radack, so weit wir sie kennen gelernt, Vorkommen.*) Wir sind nicht-der Meinung, daß die Flora von Radack auf die oben angeführte Pflanzenzahl beschränkt sei. Wir glauben vielmehr, daß selbst auf den Gruppen, die wir besucht und auf welchen wir nicht alle Inseln durchforschen konnten, etliche Urten unserer N90. p. 2i8. die Reise von dem Scarborough, Kapt. Marsh'nll. 161 Bemühung entgangen sind, vorzüglich aber daß die südlicher» Gruppen, die wir nicht gesehen (Arno, Meduro und Mille), bei älterer Vegetation und reicherem Humus mehrere Gewächse hervorbringcu müssen, die auf den dürftigem nördlichem gänzlich fehlen. Die Vegetation scheint auf dieser Inselkette begonnen zu haben, und der Mensch ihren Fortschritten nach Norden gefolgt zu sein. Bvgar, noch wüst und ohne süßes Wasser, wird nur des Vogel- und Schildkrötcnfanges wegen besucht. Udirick, ein Riff von geringem Umfang und arm an Land, hatte nur zwei bewohnte Inseln. Auf ihnen erhebt sich zwar der Cocosbaum über den übrigen Wald empor, dennoch scheint die Vegetation dürftig und der Brodfruchtbaum ist selten. Tegi bei Udirick, wüst und spärlich begrünt, ist kaum dem Namen nach unter dem Volke von Radack bekannt. Eilu (vielleicht richtiger Eilug) ist die ärmlichste der Gruppen, auf denen wir gelandet sind. Udirick und Eilu beziehen ihren Bedarf an Aroma, eine Pflanze, die ihnen fehlt, von der westlicher liegenden Gruppe Ligiep. Auf Ligiep fehlt der Brodfruchtbaum, und der Cocosbaum erhebt sich nicht über den Wald. Temo, auf dem halben Wege nach Ligiep, ist eine kleine wüste Insel, auf welcher auf der Reise dahin übernachtet wird. Mesid, eine ostwärts, abseits von der Kette liegende einzelne Insel, von beiläufig zwei Meilen in ihrem größten Durchmesser, gewährte uns auf der Seite unter dem Winde, wo wir ihr nahten, nicht den Anblick einer sonderlich üppigen Vegetation. Mau sieht nur einzelne Co- cosbäume sich aus ihrer Mitte erheben, und das süße Wasser, das uns zum Trinken angeboten ward, war ausnehmend schlecht. Nichts desto weniger zeichnet sie sich vor allen Gruppen von Radack, die wir besucht, durch ihre stärkere Bevölkerung aus. Wir schätzten auf mindestens Hundert die Zahl der bei unserem Nahen auf Booten und am Strande versammelten Menschen. Die beträchtliche Gruppe Otdia, die wir am genauesten kennen gelernt, hat, Weiber und Kinder mit eingerechnet, kaum eine gleiche Anzahl Bewohner. Man steht auf Otdia nur auf einer Insel alte hochstämmige Cocosbäume, und nur auf dieser Einen mehrere Wurzeln und Spuren früher ausgegangener Bäume. Erigup bei Otdia ist eine ärmliche, unbe- iv. 11 162 deutende Gruppe, nur von fünf Männern und etlichen Weibern bewohnt. Wir fanden Kaben, die größte der von uns gesehenen Gruppen, in älterer Kultur und blühenderem Zustande. Die Flora bereicherte sich um mehrere Pflanzen, und wir entdeckten da zuerst den Pisang, welcher jüngst angepflanzt worden zu sein schien. Die Insel Tabual, die einzige der Gruppe Aur, auf der wir gelandet, zeigte sich uns in ungewohntem Flor. Hinter einem gedrängten Wald hochstämmiger Cocospalmen sind in den Niederungen Pflanzungen von Bananen und Arum, und etliche Pflanzen wachsen da, die den andern Gruppen fremd sind. Die südlichern Gruppen Med uro, Arno und Mille sollen an Bananen und Wurzeln reicher sein, und beide ersten vergleichen sich allein den übrigen der Kette zusammengenommen an Bevölkerung und Macht. Lim- mosalülü im Norden von Arno ist ein Riff, eine Klippe, worauf das Meer brandet, und die den Seefahrern von Radack zum Wahrzeichen dient. Die Ansicht aller dieser Gruppen und ihrer einzelnen Inseln hat eine ermüdende Einförmigkeit. Man möchte schwerlich vom äußern Meere, da wo die Eocospalme sich nicht über den Wald erhebt, die Gegenwart des Menschen ahnen. Man sieht vom Innern seine Ansiedlungen und die Fortschritte seiner Kultur. Eine Insel nur der Gruppe Otdia zeichnet sich auS und zog schon vom äußern Meere aus unsere Aufmerksamkeit auf sich durch den Anschein erhöhten Landes. Sie wölbte sich wie ein schön begrünter Hügel über den Spiegel der Wellen. Diese Insel nimmt einen ausspringenden Winkel des nördlichen Riffes ein. Sie hat, von andern Inseln an Gestalt verschieden, eine geringere Breite und mehr Tiefe, indem sie sich auf einer Spitze erstreckt, die da das Riff nach dem innern Meere zu bildet. Strömungen dieses Meeres bewirken auch an dem Strande, den es bespült, eine starke Brandung. Was Berg erscheint, ist Wald. Ein Baum, den zu bestimmen die Umstände nicht erlaubten, erreicht dort auf niederem Grunde von großen Ma- drcporengcrüllen eine erstaunliche Höhe und Stärke. Auf andern Inseln, wo er ebenfalls vorkommt, gelaugt er zu keiner beträchtlichen Größe. Umgestürzte Bäume haben häufig ihre emporgerichteten 163 Wurzeln wieder zu Stämmen umgewandelt, indem ihr niederliegendes Gezweig Wurzel gefaßt, eine Erscheinung, die auch sonst auf Radack nicht selten ist und auf Orkane schließen läßt. Der gegen den Rand der Insel zu niedrige Wald scheint deren fortschreitende Erweiterung anzudeuten. Der Pandanus ist verdrängt, Nichts zieht an diesem Ort den Menschen an. Eine Seeschwalbe, 8rerim swllila, nistet in unendlichen Schaaren in den hohen windgeschlagenen Wipfeln*). Das nutzbarste Gewächs dieser Inselkette ist der gemeine Pandanus der Sndsee-Jnseln (Wob). Er wächst wild auf dem dürrsten Sande, wo erst die Vegetation anhebt, und bereichert den Grund durch die vielen Blätter, die er abwirst. Er wuchert in den feuchten Niederungen reicherer Inseln. Er wird außerdem mit Fleiß angebaut, zahlreiche Abarten mit veredelter Frucht, die der Kultur zuzuschreiben sind, werden durch Ableger fortgepflanzt. Ihr Samen bringt die Urform der Art (der bU-nan) wieder hervor**). Die Frucht des Pandanus macht auf Radack die Volksnahrung aus. Die zusammengesetzten faserigen Steinfrüchte, aus denen die kugelförmige Frucht besteht, enthalten an ihrer Basis, dem Punkte ihrer Anheftung, einen würzigen Saft. Man klopft erst, diesen Saft zu Zu Erigup sahen wir auch über einer Insel, die sich übrigens vor an- tern nicht auszeichnct, denselben Vogel in gleich unzählbaren Flügen schwärmen. Man zählt dieser Abarten über zwanzig und unterscheidet sie an der äußern Gestalt der Frucht oder der zusammengesetzten Steinfrüchte, die sie bilden, und an der Zahl der in jeglicher enthaltenen einfachen Früchte oder Kerne. Der männliche Baum heißt Iki^nr, der wildwachsende weibliche tlirnan; Abarten sind: Un^ar, llatzian, lsuÜLim, lsruusi, 1-urro, -Väiburiü, kÄielvbodon, Kromnmu^b, Uabilebil, lumuIiLmu, ImAirluAubilnn, llii- (1a und ein Orinum, deren wohlriechende Blumen mit denen der Onettaräa speeiosa, der Voloameria iuermis, und auf Aur der lxora ooooinon (?) in anmuthigen Kränzen um das lange aufgebundene Haar und in den Ohren getragen werden. Sinn für Wohlgerüche und Zierlichkeit zeichnet das dürftige Volk von Radack aus. Das Meer wirft auf die Riffe von Radack nordische Fichtenstämme und Bäume der heißen Zone (Palmen, Bambus) aus. ES versieht die Eingeborenen nicht allein mit Schiffsbauholz, es führt ihnen auch auf Trümmern europäischer Schiffe ihren Bedarf an Eisen zu. Wir trafen bei ihnen, das Holz zu bearbeiten, keine anderen Werkzeuge an, als das auf diesem Wege gewonnene kostbar« Metall, und fanden selbst, als wir noch die Aussage unserer Freunds über diesen Punkt bezweifelten, ein solches Stück Holz mit eingeschlagenen Nägeln am Strande einer unter dem Winde liegenden Insel der Gruppe Otdiä. Sie erhalten noch auf gleiche Weise einen andern Schatz, harte zum Schleifen brauchbare Steine. Sie werden aus den Wurzeln und Höhlungen der Bäume ausgesucht, die das Meer auswirft; Eisen und Steine gehören den Häuptlingen — 167 - zu, denen sie gegen eine Belohnung und unter Strafe abgeliefert werden müssen. Das Meer bringt diesen Inseln den Samen und die Früchts vieler Bäume zu, die meist auf denselben noch nicht aufgegangen sind. Die mehrsten dieser Sämereien scheinen die Fähigkeit zu keimen noch nicht verloren zu haben, und wir haben oft dem Schooße der Erde das ihr zugedachte Geschenk fromm anvertraut. Wir haben dieselben gesammelt und darunter die Früchte von der Nipa-Palme und von Pandanus-Arten gefunden, die nur auf den größer» im Westen gelegenen Landen Vorkommen, die der LarinAwma sxeeiosa, der Llsuritis triloba und anderer Bäume, die der gemeinsamen Flora Polynesiens angehören und die wir zunächst im Westen auf den Marianen-Jnseln angetroffen haben. Der größte Theil dieser Sämereien gehört den baumartigen oder rankenden Schotenpflanzen an, die überall zwischen den Wendekreisen gleich häufig sind. Der Samen der VuilmErm Lonäuo kommt darunter häufig vor, und wir haben die Pflanze selbst nur einmal auf der Gruppe Otdia, und zwar auf einer unter dem Winde gelegenen Insel angctrosfen. Wir bemerken, daß Sämereien, die, mit der Fluth über das Riff getrieben, auf die innere Seite einer Insel unter dem Winde gelangen, mehr Schutz, bessere Erde und zu ihrem Aufkommen günstigere Umstände antreffen als die, so die Brandung auf das Aeußere der Insel auswirft. Mau findet häufig gerollte Bimssteine unter dem Nuswurf des Meeres, und dichtgeballte Massen der ähnlich denen, die die Kostern mariim auf einigen unserer Küsten bildet und die man in Frankreich am mittelländischen Meere klotte äe mer nennt. Außer den Säugethieren, die das Meer ernährt, den Delphinen, welche die Radacker nur selten und einzeln erlegen, da sie nicht zahlreich und mächtig genug sind, sie, wie andere Insulaner, heerdenweis zu umringen, in ihre Riffe einzutreiben und zu erjagen, dem Kaschelot'^) und den seltneren Walisischen, wird auf Radack *) Wir haben im Jahre 1817 einen mscrooexlmlns bei Ra- back gesellen. 168 nur die allgemein verbreitete Ratte gefunden, welche sich, da ihr kein Feind an die Seite gesetzt ist, ans eine furchtbare Weise vermehrt hat. Kadu, der die Ratte nur im Gefolge des Menschen zu denken scheint, behauptet, sie befände sich auf Bygar nicht. Man stellt auf den bewohnteren Gruppen, und namentlich auf Anr, diesen lästigen Thieren zuweilen nach. Man läßt sie bei Lockspeisen sich versammeln, die halb von Feuergruben umringt sind, und treibt sie dann in Las Feuer, das inan für sie geschürt hat. — Die Ratte wird auf Udirick von den Weibern gespeiset, und auch auf Otdia haben unsere Matrosen Weiber sie essen sehen. Die Hühner finden sich auf Radack wild oder verwildert, sie dienen nur auf Udirick zur Speise und werden auf andern Gruppen nur zur Lust einzeln gefangen und gezähmt, ohne daß man Nutzen aus ihnen zu ziehen verstünde. Man findet hie und da um die Wohnungen einen Hahn, der, mit einer Schnur am Fuß an einen Pfahl gebunden, an den Streithahn der Tagalen erinnert. Ein kleiner weißer Reiher wird gleichfalls gezähmt. Außer dem Huhn und der Taube der Südsee (dolnmba australis) kommen nur Wald- und Wasservögel vor, und diese sind auf den bewohnten Gruppen nicht in großer Unzahl. Am häufigsten ist die Sterna stoll-la, die sich gern in der Nähe der Brandung aufhält. Die Seeschildkröte wird aus Bygar gefangen; aus der Klasse der Amphibien kommen außerdem vier kleine Arten Eidechsen auf Radack vor. Die Lagunen iin Innern der Inselgruppen sind an Fischen nur arm. Man trifft außen um die Riffe und an deren Eingängen Schaaren von Haifischen an, die nur selten in das innere Meer dringen; diese Thiere sollen bei Bygar den Menschen unschädlich sein. Wir haben beim Eingänge in Eilu Boniten gefangen. — Der fliegende Fisch ist in der Nähe der nieder» Inseln am häufigsten. Die Radacker stellen ihm Nachts bei Feuerschein nach. Es kommen mehrere Arten von Fischen vor, die nicht gegessen werden und deren Genuß für tödtlich gilt. Kadu führte uns Beispiele von also erfolgten Vergiftungen an. Dieselben Arten werden auf Ulea, nachdem man einen inner» Theil (die Leber?) Herausgenom- 169 nie» hat, verspeiset, und etliche (namentlich Dioden- und Tctro- don-Arten) gelten da sogar für leckere Bissen. Unter den giftigen Fischen von Radack werden zwei Roggen (Unsn) angeführt, welche eine ausnehmende Größe erreichen; die eine hat, wie linsn Lguiln und U. bestimm-,, einen großen Stachel am Schwänze, die andere hat deren fünf. Beide sollen, nach Kadu, zu ihrer Vertheidigung diese Stacheln von sich schießen und sie nach deren Verlust binnen zwanzig Tagen wieder erzeugen. Man greift sie nur von vorn an. Sie werden der Haut wegen, welche die Trommel zu bespannen dient, aufgesucht. Beide Urten werden auf Ulea gegessen. Man trifft eine reiche Mannigfaltigkeit sowohl einschaaliger als zweischaaliger Muscheln an. Manche werden gespeiset, und die Schnellen von manchen werden verschiedentlich benutzt. Das Tritonshorn dient als Signaltrompcte. Die Olmmu und andere große zweifchaalige Muscheln dienen als Gefäße, und es werden auch Schneidewcrkzeuge daraus verfertigt; die Perlemutter wird zu Messern geschärft, und kleinere Schneckenarten werden zum Schmuck in zierlichen Reihen um Haupt und Nacken getragen. Unter den Krebsen machen sich verschiedene kleine Pagurus- Artcn bemerkbar, die in erborgten bunten Gehäusen von allerhand Seeschnecken, in das Innere der Insel ihrer Nahrung wegen ein- gehen. An nackten Molusken, Würmern und Zoophyten ist die Fauna vorzüglich reich. Wir bemerkten einen Tintenfisch, etliche schöne Arten von Seeigeln und Seesternen, etliche Medusen, doch diese nicht in allen Gruppen, und etliche Holothurien. Die dürftigen, um Nahrung bekümmerten Radacker haben in Ueberfluß auf ihren Riffen eins der Thiere CUrexanZ), nach welchen die chinesischen Wollüstlinge so gierig sind, und darben oft, ohne noch versucht zu haben, Len Hunger mit diesem ekelhaften Wurm zu stillen. Das Meer wirst häufig eine kleine Physalis (l?b)'salis xsla§iea Dilos.) auf die Riffe aus. Ein Wurm durchbohrt den Felsen unter der Linie des höchsten Wasserstandes und lebt im Innern des Kalksteines, und unser gemeiner Regenwurm ist auch auf diesen entlegnen Inseln einheimisch. 170 Insekten giebt es nur sehr wenige; wir bemerkten die 8oolo- psiKlrn, morsitsns und den Leorxio ^ustral-nsins, vor dem die Eingeborenen keine Scheu bezeigten, und dessen Stich nach Kudu eine örtliche vorübergehende Geschwulst verursachen soll. Die Einwohner von Rcidack sind weder von großer Statur, noch von sonderlicher körperlicher Kraft. Sie sind, obgleich schmächtig, wohlgebildet und gesund und scheinen ein hohes Alter mit heiterer Rüstigkeit zu erreichen.*) Die Kinder werden lange gesäugt und nehmen noch die Brust, wenn sie schon zu gehen und zu sprechen vermögen. Die Radacker sind von dunklerer Farbe als die O-Wai- hier, von denen sie sich vortheilhaft unterscheiden durch größere Reinheit der Haut, die weder der Gebrauch des Kava noch sonst dort herrschende Hautkrankheiten entstellen. Beide Geschlechter tragen ihr langes, schönes schwarzes Haar sauber und zierlich hinten aufgebunden. Bei Kindern hängt es frei und lockig herab. Die Männer lassen den Bart wachsen, welcher lang, obgleich nicht sonderlich dicht wird.**) Sie haben im Allgemeinen die Zähne von der Art ihrer Bolksnahrung, von dem Kauen der holzig faserigen Frucht des Pandanus verdorben und die vorderen oft ausgebrochen. Es ist bei den Häuptlingen weniger der Fall, für die gewöhnlich der Saft der Frucht, über den Rand einer Muschel ausgekratzt und ausgeschieden wird. Mann und Weib tragen in den durchbohrten Ohrlappen ein gerolltes Pandanusblatt. Die Rolle hat bei den Männern drei bis vier Zoll im Durchmesser, bei den Weibern unter der Hälfte. Sie wird zuweilen von einer feinen Schildplatt- *> Wir muffen einer natürlichen Mißbildung erwähnen, die wir an verschiedenen Weibern der Häuptlinge ans verschiedenen Gruppen und an einem jungen Häuptling der Gruppe Eiln bemerkt haben; sic betrifft die Vorderarme. Die Ulna erscheint im Bug der Hand nach oben ausgerenkt, und der gekrümmte, in seinem Wachsihum mehr oder minder gehemmte Vorderarm ist in einigen Fällen kaum spannenlang; die Hand ist klein und nach außen geworfen. — Ein Kind auf Otdia hatte eine doppelte Reihe Zähne im Mund. Noch ist ein Beispiel von Taubstummheit anzuführen. —> Man erzählte uns von einem im Kampf ans Tabual gebliebenen Mann anS Mcduro, dessen voller Bart ihm bis auf die Kniee hing. lamelle überzogen. Etliche ältere Leute hatten außerdem den obern Rand des Ohrknorpels zum Durchstecken von Blumen durchbohrt. Die kunstreich zierliche Tatuirung*) ist nach dem Geschlecht verschieden, bei Jedem gleichförmig. Sie bildet bei den Männern über Schulter und Brust ein am Nabel zugespitztes Dreieck, das aus kleineren verschiedentlich verbundenen Strichen besteht. Aehnliche wohlgeordnete Horizontalstriche nehmen den Rücken und den Bauch ein. Bei den Weibern sind nur die Schultern und die Arme ta- tuirt. Außer dieser regelmäßigen Zeichnung, die am Erwachsenen erst ausgeführt wird und nur bei Wenigen fehlt, haben Alle als Kinder schon an Lenden, Armen, aber seltener im Gesicht Gruppen von Zeichen oder Strichen tatuirt. Wir bemerkten etliche Mal unter diesen Zeichen das Bild des römischen Kreuzes.**) Die ta- tuirte Stelle ist sehr dunkel, scharf gezeichnet und über der Haut erhaben. Das Kleid der Männer besteht im Gürtel mit Hangenden Baststreifen, den öfters eine kleinere viereckige Matte als Schürze begleitet; Knaben gehen, bis sie das männliche Alter erreicht haben, völlig nackt. Die Weiber tragen zwei längere Matten mit einer Schnur über die Hüften befestigt, die Mädchen früh schon eine kleinere Schürze. Die Männer tragen öfters außer den Blumen- und Muschelkränzen, womit sich beide Geschlechter zieren, einen Halsschmuck von gcrciheten Delphinenzähnen, mit vornhängenden Platten von Knochen desselben Thieres oder von Schildkrot. Zu diesem Schmuck werden auch dünne runde Muschel- und Eoeosschaalenschei- ben gebraucht. Wir haben auch unter ihrem Schmuck die Schwanzfedern des Tropikvogels, die Federn der Fregatte und Armbänder, *) Wir hatten im Frühjahr 1816 auf Udirick (den Kutusoffs-Inseln) dies-' Tatuirung übersehen. **) Eingeborene der Mulgraves-Jnseln, die an Bord der Charlotte stiegen, trugen nach Art der Spanier ein Kreuz, am Halse gehangen. Wir haben diesen Schmuck auf Nadack nicht angetroffcn und uns vergeblich bemühet, in dem Zeichen, dessen wir erwähnten, irgend eine Beziehung auf Christen und Europäer zu entdecken. 172 aus der Schaale einer größeren einschaaligen Muschel geschliffen, angetroffen. Die Jrus oder Häuptlinge zeichnen sich oft durch höheren Wuchs aus, nie durch unförmliche Dicke des Körpers.'*) Die Tatuirung verbreitet sich meist bei ihnen über Theile des Körpers, dis beim gemeinen Mann verschont bleiben, die Seiten, die Lenden, den Halö oder die Arme. — Die Häuser der Radacker bestehen blos in einem von vier nieder» -Pfosten frei getragenen Dache, das mit eineni Hängeboden versehen ist. Mau kann unter demselben nur sitzen. Mau klettert durch eine viereckige Oeffnung in den obern Raum, worin die kleine Habe verwahrt wird. Man schläft auf diesem Boden oder unten in der -offenen Halle, und etliche zeltförmige offne Hutten umher dienen zu abgesonderten Schlafgemächern. Die Dächer sind von Cocos- oder Pandanusblättern, der Estrich ist eine Streu von feinen am Strande aufgelesenen Korallen und Muscheltrümmern. Eine bloße grobe Matte dient zum Bett, und ein Holzstamm zum Kopfkissen. Wir hielten anfangs nicht diese Häuser, die wir auch oft verlassen fanden, für die stetigen Ansiedelungen der Menschen. Die Schiffer ziehen auf ihren kunstreichen Booten**) mit Habe und Familie bald auf die eine, bald auf die andere Insel, und so versammelte sich, als wir erst mit ihnen befreundet waren, immer der größte Theil der Bevölkerung einer Gruppe in unserer Nähe. Der wildwachsende Pandanus scheint ein gemeinschaftliches Gut zu sein. Ein Bündel Blätter dieses Baumes (Zeichen des Eigen- thumS) an den Ast gebunden, woran eine Frucht reift, sichert dem, der sie entdeckt hat, ein Recht darauf. Wir haben oft und besonders auf den ärmlichem nördlichem Gruppen diese Frucht, die fast alleinige Nahrung der Radacker, ganz unreif verzehren sehen. Die 1 Der Häuptling der Gruppe Ligiep soll hierin eine Ausnahme mache» und ein ausnehmend feister Mann sein. Der Verfasser dieser Aufsätze überläßt Besiegteren^ diese Fahrzeuge, die im Wesentlichen mit den oft erwähnten ProaS der Marianen-Jnseln Übereinkommen, kunstgerecht zu beschreiben. 173 Cocosbäume sind ein Privateigenthum. Man sieht öfters die, so in der Nähe der Wohnungen mit reifenden Nüssen beladen sind, mit einem um den Stamm derselben durch Zusammenknüpfen der entgegengesetzten Blättchen befestigten Cocosblatt, das durch Rauschen das Hinanklettcrn verrathen soll, verwahrt. Auf den volkreicheren Gruppen Kaben und Nur sind oft Bezirke und Baumgärten au Nmzäunungsstatt mit einer Schnur umzogen. Außer der Sorge für Nahrung beschäftigt unsere Freunde nur ihre Schifffahrt und ihr Gesang. Ihr liebstes, ihr einziges Gut sind ihre Boote und ihre Trommel, welche schon ihre Kinderspiele ausmachen. Sie führen besonders am Abend, im Kreis um ein hellloderndes Feuer versammelt, ihre sitzenden Liedertänze auf. Berauschende Freude ergreift dann Alle, und Aller Stimmen mischen sich im Chor. Diese Lieder gleichen denen der O-Waihier, sie sind aber roher, verzerrter, die allmälig gesteigerten Wellen des Gesanges arten zuletzt in Geschrei aus. Wir lernten zuerst und hauptsächlich auf der Gruppe Otdia das anmuthige Volk von Radack kennen. Die Menschen, die uns freundlich einladend entgegenkamcn, schienen uns eine Zeit lang, im Gefühl unserer Ueberlegenheit, zu scheuen. Die Häuptlinge bewiesen den stärkern Muth, die größere Zuversicht. Vertrauen machte unsere Freunde nie zudringlich, nie überlästig. Die Vergleichung unseres überschwenglichen Reichthums und ihrer Dürftigkeit erniedrigte sie nie zum Betteln, verführte sie selten zum Diebstahl, ließ sie nie die Treue brechen, wo ihnen getraut ward. Wir durchwandelten täglich einzeln, ohne Waffen ihre Inseln, schliefen bei weggelegten Schätzen (Messer, Eisen) unter ihren Dächern, entfernten uns auf längeren Zügen auf ihren Booten und vertrauten ihrer Gesinnung, wie wir bei uns dem wachenden Schutze der Gesetze vertrauen. Wir tauschten mit ihnen, von ihnen zuerst ausgefordert, unsere Namen. Die Menschen kamen uns, wo wir erschienen, gastfreundlich entgegen und reichten uns Cocosnnsse dar. Wir handelten auf Otdia nicht, wir beschenkten und wurden beschenkt. Einzelne schienen zu geben eine gleiche Lust zu haben als wir, und brachten uns noch mit feiner Sitte Geschenke, wann Gegengeschenke nicht mehr zu erwarten wa- 174 ren. Andere betrugen sich eigennütziger. Wo unerhörte Ereignisse nie überdachte Verhältnisse herbeiführen und die Sitte schwelgt, muß der eigenthümliche Charakter der Menschen sich selbstständig offenbaren. Die Frauen verhielten sich schamhaft und zurückhaltend, sie entfernten sich, wo wir uns zuerst zeigten, und kamen nur in dem Schutze der Männer wieder hervor. Gegen unsere kleinen Geschenke, Ringe, Glasperlen, die sie weniger als wohlriechende Holzsplitter von englischen Bleistiften zu schätzen schienen, reichten sie uns mit zierlicher Art den Schmuck, den sie eben trugen, dar, ihre Muschel- und Blumenkränze. — Kein Weib von Radack ist je an unser» Bord gekommen. Uns trat überall das Bild des Friedens bei einem werdenden Volke entgegen, wir sahen neue Pflanzungen, fortschreitende Kultur, viele aufwachsende Kinder bei einer geringen Menschenzahl, zärtliche Sorgfalt der Väter für ihre Erzeugten, anmuthige leichte Sitten, Gleichheit im Umgang zwischen Häuptlingen und Mannen, keine Erniedrigung vor Mächtiger», und bei größerer Armuth und minderem Selbstvertrauen keine der Laster durchblicken, welche die Völkerschaften des östlicheren Polynesien's entstellen. Wir erfuhren zuerst auf Aur, daß diese kümmerlich sich nährenden Menschen auch ihre Kriege führen, Laß Herrsch- und Eroberungssucht auch über sic diesen Fluch gebracht. Sie forderten uns auf, mit unserm furchtbaren Eisen (die verderblichere Wirkung anderer Waffen hatten sie durch uns nicht kennen gelernt) in ihre blutigen Fehden wie Schicksalsmächte einzugreifen. Der gewaltige Lamari ist von Meduro ausgegangen, sich alle nördlicheren Inselgruppen Radack's mit den Waffen zu unterwerfen. Er herrschet nun über Aur, Kaben und den Norden der Kette und hat auf Nur seinen Sitz. Die von Meduro und Arno führen gegen ihn und sein Reich den Krieg. Ihre Streifzüge auf dreißig Booten, jedes mit sechs bis zehn Menschen bemannt, haben sich bis Otdia erstreckt. Der neuliche Kampf auf Tabual hat vier Menschen das Leben gekostet, dreien von Seiten Meduro's, einem von Seiten Aur. In einem frühem Kriegszug waren auf derselben Insel gegen, zwanzig von jeder Seite geblieben. Lamari bereiste zu Anfang von 1817 die Inseln seines Gebietes, sein Kriegsgeschwader, eben auch an dreißig Boote stark, auf Aur zusammen zu berufen, von wo aus er gegen Meduro ziehen wollte. Wir erwarteten diesen Fürsten auf Eilu anzutreffe», er war bereits auf Ildirick, bei welcher Gruppe er uns in seinem Boote auf offener See besuchte. Als wir gegen das Ende desselben Jahres nach Otdia wiederkamen, war die Kriegsmacht in Aur versammelt. Lamari hatte die Insel Mesid verfehlt und — auf andere Gruppen verschlagen — Verzicht auf die Verstärkung geleistet, die er von daher zu erwarten hatte. Wir werden, was uns von der Religion, der geselligen Ordnung, den Sitten und Bräuchen unserer Freunde kund geworden, ausführlich berichten. Die Bewohner von Radack verehren einen unsichtbaren Gott im Himmel und bringen ihm ohne Tempel und Priester einfache Opfer von Früchten dar. In der Sprache bedeutet lluAer-.eb Gott, der Name des Gottes ist Anis. Bei zu unternehmenden Kriegen und ähnlichen Gelegenheiten finden feierliche Opfer statt; die Handlung geschieht im Freien. Einer aus der Versammlung, nicht der Chef, weihet dem Gotte die Früchte durch Emporhalten und Anrufen; die Formel ist: dickien Luis mne seo; das letzte Wort wiederholt das versammelte Volk. Wenn ein Hausvater zum Fischfang ausfährt oder etwas ihm Wichtiges unternimmt, so opfert er unter den Seinen. Es giebt auf verschiedenen Inseln heilige Bäume, Cocospalmen, in deren Krone sich Anis niederläßt. Um den Fuß eines solchen Baumes sind vier Balken im Viereck gelegt. Es scheint nicht verboten zu sein, in den Raum, den sie einschließen, zu treten, und die Früchte des Baumes werden von den Menschen gegessen. Die Operation des Tatuirens steht auf Radack in Beziehung zu dem religiösen Glauben und darf ohne gewisse göttliche Zeichen nicht unternommen werden.*) Die, welche tatuirt zu werden be- *) Unsere Freunde weigerten sich stets unter verschiedenen Norwanden, uns diese Zierde zu ertheilen. Sie schützten uns oft die bedenklichen Folgen, das Aufschwellen der Glieder, das schwere Erkranken vor. Einst beschied ein Chef 176 gehren, bringen die Nacht in einen, Hause zu, auf welches der Chef, welcher die Operation vollziehen soll, den Gott herabbeschwört: ein vernehmbarer Ton, ein Pfeifen soll seine Zustimmung kund geben. Bleibt dieses Zeichen aus, so unterbleibt auch die Operation. Daher sie an Etlichen nie vollfiihrt wird. Im Fall der Ucbertretung würde das Meer über die Insel kommen und alles Land untergchen. Vom Meere bedroht wohlbekannte Gefahr alle nieder» Inseln, und der religiöse Glaube verhängt oft diese Ruthe über die Menschen. Dagegen helfen aber Beschwörungen. Kadu hat auf Radack das Meer bis an den Fuß der Cocosbänme steigen sehen, aber cs wurde bei Zeiten besprochen und trat in seine Grenzen zurück. Er nannte uns zwei Männer und ein Weib, die auf Radack diese Beschwörung verstehen. Die wüste Inselgruppe Bygar hat ihren eigenen Gott. Der Gott von Bygar ist blind, er hat zwei junge Söhne, Namens Ri- gabuil, und die Menschen, die Bygar besuchen, nennen einander, so lange sie da sind, Rigabuil, damit der blinde Gott sie für seine Söhne halte und ihnen Gutes thue. Anis darf auf Bygar nicht angerufen werden, der Gott würde den, der es thäte, mit schwerer Krankheit und mit Tod. schlagen. Unter einem Baume von Bygar werden Opfer von Früchten, Cocos u. s. w. dargebracht. Daß in die Gruben Wasser quelle, helfen wohl und ohne Fehl ausgesprochene Beschwörungsformeln; denn ist der Erfolg ungünstig, so ist etwas versehen worden und die Worte wurden nicht recht gesagt. ES ist überall wie bei uns* *). Bei Bygar dürfen die Haifische dem Menschen Nichts thun, Gott läßt es nicht zu. Von allen Gruppen Radack's aus wird Bygar über Udirick besucht, nur die aus Eilu dürfen es nicht unmittelbar. Sie müssen einen Monat auf Udirick verweilen, bevor sie hinfahren, und müssen nach der Rück- auf Aur Einen von uns, die Nacht bei ihm zuzubringen, baß er ihn am andern Morgen tatuire; am andern Morgen wich er wiederholt der Zudringlichkeit seines Gastes aus. *) Als Beispiel der Glaube an die Arznei, der letzte, woran der Ungläubige noch hängt. 177 kehr einen andern Monat auf derselben Gruppe verharren, bevor sie von dem mitgebrachten Vorrath genießen. — Dieser Vorrath besteht in Fleisch von Vögeln und Schildkröten, welches erst gebacken und sodann an der Sonne getrocknet worden. Der Gebrauch des Salzes ist auf Radack unbekannt. Die Ehen, die Bestattung der Todten, die Gelage, die bei verschiedenen Gelegenheiten angestellt werden, scheinen außer Beziehung mit der Religion zu sein, lieber den Begriff der Fortdauer nach dem Tode ist es uns nicht geglückt uns mit Kadu zu verständigen. Obgleich den Häuptlingen keine besondere Ehrfurchtsbezeigung gezollt wird, so üben sie doch über alles Eigcnthum ein willkürliches Recht. Wir sahen selbst von uns beschenkte Häuptlinge gegen Mächtigere unsere Gaben verheimlichen. Sie scheinen in mehreren Graden einander untergeordnet zu sein, ohne daß wir recht diese Verhältnisse durchschauen gekonnt. Rar ick war der mächtigste auf Otdia, sein Vater Saur-aur, vielleicht der wirkliche Häuptling der Gruppe, lebte auf Aur. Rar ick und sein Sohn, ein Knabe von ungefähr zehn Jahren, trugen allein etliche Streifen von Pan- danusblättcrn, worin Knoten geknüpft waren, um den Hals, und es schien ein Vorrecht zu sein. Wir haben ähnliche Streifen in Häusern von Häuptlingen hängen sehen, die, wie gedörrte Fischköpfe, unreife Cocos und Steine, das Ansehn geweihter Gegenstände hatten. Die Erbfolge ist nicht unmittelbar von dem Vater auf den Sohn, sondern von dem ältern Bruder auf den jüngern, bis nach Ableben Aller der erstgeborene Sohn des Ersten wieder an die Reihe tritt. — Frauen sind ausgeschloffen. — Wo ein Chef auf eine Insel anfährt, wird von seinem Boote aus ein Zeichen gegeben, und seinen Bedürfnissen wird sofort mit dem besten Vorhandenen zuvorgekommen. Dieses Zeichen giebt, wer am Vorderschiffe sich befindet, indem er den rechten Arm schwenkt und ruft. Dieses wurde, wo Offiziere der Expedition auf Booten der Eingeborenen fuhren, auch beobachtet. Die Häuptlinge zeichnen sich durch freiere Bewegungen in ihrem Gange ans, die der gemeine Mann nicht nachahmen darf. IV. 12 178 Zum Kriege berufen die Fürsten ihre Mannen, der Häuptling jeglicher Gruppe stößt mit seinen Booten zu dem Geschwader, man unternimmt mit vereinter Macht eine feindliche Gruppe zu überfallen, man landet. Nur auf dem Lande wird gekämpft. Die Weiber nehmen Antheil an dem Kriege, nicht nur wo es dem Feinde auf eignem Boden zu wehren gilt, sondern auch beim Angriff, und sie machen auf dem Geschwader, obgleich in Minderzahl, doch einen Theil der Kriegsmacht aus. Die Männer stehen in der Schlacht voran. Ihre Waffen sind zum fernen Kampf: die Schleuder, die sie ohne Geschick handhaben, und ein an beiden Enden zugespitzter Stab, der, in Bogen geschleudert, wie der Durchmesser eines rollenden Rades sich in der Lust schwingt und mit dem Ende, womit er voran fällt, sich einbohrt; zum nahen Kampf: der Wurfspieß, ein fünf Fuß langer Stock, der gespitzt und mit Widerhaken oder Haifischzähnen versehen ist; wir haben ein kurzes krummes hölzernes Schwert, dessen beide Schärfen mit Haifischzähncn versehen sind, nur auf Mesid gesehen. Die Weiber bilden unbewaffnet ein zweites Treffen. Etliche ihrer rühren nach dem Geheiß des Führers die Trommel, erst in langsamem abgemessenem Takt (RtuAssixiuem), wenn von fern die Streiter Wurf auf Wurf wechseln, dann in verdoppelten raschen Schlägen (kinnenema), wenn Mann gegen Mann im Handgemenge ficht. Die Weiber werfen Steine mit der bloßen Hand, sie stehen im Kampfe ihren Lieben bei und werfen sich sühnend und rettend zwischen sie und den obsiegenden Feind. Gefangene Weiber werden verschont, Männer werden nicht zu Gefangenen gemacht. Der Mann nimmt den Namen des Feindes an, den er in der Schlacht erlegt. Eingenommene Inseln werden aller Früchte beraubt, aber die Bäume werden geschont. Die Ehen beruhen auf freier Uebereinkunft und können, wie geschlossen, auch aufgelöset werden. Ein Mann kann mehrere Weiber haben. Das Weib ist die Gefährtin des Mannes und scheint in billigem Verhältniß zu dem Haupt der Familie sich ihm selbstständig und frei unterzuordnen. Beim Wandern gehen die Männer beschützend voran und die Weiber folgen ihnen. Wo gesprochen wird, reden die Männer zuerst, die Weiber nehmen, aufgefordert, Antheil 179 am Gespräch und auf sie wird gehört. Im Frieden ist ihnen blos, was wir weibliche Arbeit nennen, auferlegt. Die Trommel, die in Men die Freude erweckt, ist in ihrer Hand. Unverheiratete genießen unter dem Schutze der Sitte ihrer Freiheit. Das Mädchen bedingt sich Geschenke von dem Manne aus — aber der Schleier der Schamhaftigkeit ist über alle Verhältnisse, die beide Geschlechter vereinigen, gezogen. Wir bemerken, daß die selbst unter Männern auf den Carolinen wie auf den Inseln des östlichen Polynesiens übliche Liebkosung durch Berührung der Nase auf Radack nur zwischen Mann und Weib und nur im Schatten, worin Vertraulichkeit sich verbirgt, gebräuchlich ist. Das Band der ausschließlichen Freundschaft zwischen zweien Männern, welches auf allen Inseln der ersten Provinz sich wiederfindet, leget auf Radack dem Freunde die Verbindlichkeit auf, seinem Freunde sein Weib mitzutheilen, verpflichtet ihn aber nicht zur Blutrache. Wir erwähnen zögernd und mit Schaudern eines Gesetzes, dessen Grund uns Kadu in dem dringenden Mangel und der Unfruchtbarkeit der stiefmütterlichen Erde angegeben hat. Jede Mutter darf nur drei Kinder erziehen; das vierte, das sie gebiert, und jedes darauf folgende soll sie selbst lebendig vergraben. Diesem Gräuel sind die Familien der Häuptlinge nicht unterworfen. Uneheliche Kinder werden übrigens wie die ehelichen erzogen. Wenn sie zu gehen vermögen, nimmt sie der Vater zu sich. Wo kein Vater sein Kind anerkennt, behält es die Mutter. Wenn die Mutter stirbt, nimmt sich ein anderes Weib des Kindes an. Die Leichen der Verstorbenen werden in sitzender Stellung mit Schnüren ganz umwickelt. Die Häuptlinge werden auf den Inseln begraben. Ein mit großen Steinen abgemessener viereckiger Raum bezeichnet unter den Palmen am innern Strand den Ort. Die aus dem Volke werden in das Meer geworfen. Gegen in der Schlacht gefallene Feinde findet nach ihrem Range dasselbe Verfahren statt. Ein eingepflanzter Stab mit ringförmigen Einschnitten bezeichnet das Grab der Kinder, die nicht leben durften. Wir haben selbst beide Arten der Begräbnisse gesehen. 12 * 180 Vor langer Zeit hat sich ein europäisches Schiff bei Kaben gezeigt und einen Tag lang, ohne eine Landung zu versuchen, in der Nähe dieser Gruppe verweilt. Der Häuptling Saur-aur, unser Gastfreund auf Tabual, ist an Bord dieses Schiffes gestiegen. (Wir bemerken, daß er zur Zeit Laelidjü hieß, indem er seither seinen jetzigen Namen durch freundlichen Tausch von einem Häuptling der Inselkette Ralick erhalten hat, welcher nun nach ihm Laelidjü genannt wird). Die Eingeborenen haben von diesem Schiff Eisen und Glasscherben erhandelt. Kadu besaß selbst auf Aur zwei dieser Scherben und erinnerte sich dessen bei Gelegenheit ähnlicher, die er unter uns für seine Freunde aufhob*). Kein Lied hat das Andenken dieses Schiffes aufbewahrt. Keine Namen sind der Vergessenheit entrissen. Wir sind die ersten Europäer, die aufMadack gelandet und dessen anmuthiges Volk kennen gelernt. Wir haben aus Grundsatz und aus Neigung, aus wirklicher inniger Liebe, von dem, was wir für dieses Volk zu thun vermochten, Nichts zu unterlassen uns bestrebt. Wir hatten bei unserm ersten Besuch unsere Freunde auf Otdia in Besitz von Schweinen, Ziegen, zahmen Hühnern gesetzt, Jgnam waren gepflanzt und Melonen und Wassermelonen waren aufgegangen und in gutem Gedeihen. Wir fanden, als wir nach wenigen Monaten zurückkehrten, die Stelle des Gartens auf der Insel Otdia verödet und leer. Nicht Ein fremdes Unkraut war, unsere fromme Absicht zu bezeugen, zurück geblieben. Die Schweine waren verdurstet, die Hühner waren nicht mehr vorhanden, der Fürst Lamari hatte die Ziegen nach Aur überbracht und so auch die Jgname von der Insel Otdia, die allein der feindlichen Ratte widerstanden, dahin verpflanzt. Der alte Häuptling Laergaß hatte auf einer Insel seines Gebietes andere von uns dort gepflanzte Jgname entdeckt. Er hatte diese Wurzeln wohlschmeckend gefunden, und nachdem er sie gegessen, das Kraut sorgfältig wieder gepflanzt. Dieses Ver- *) Man kann das Holz mit Glasscherben schaben und sie ungefähr wie wir den Hobel gebrauchen. Sie haben einen wirklichen Werth. 181 fahren, welches bei der Kultur der Taro beobachtet wird, hatte sein Vertrauen getäuscht. Der eigentliche Zweck unseres zweiten Besuches war, unfern Freunden wohlthätig zu sein. Wir brachten ihnen Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen, zahme Hühner, Bataten aus den Sandwich-Inseln (lxomooa tnbsrosa Hour. 6oob.), Jams (Oiosooroa alata), die Melone, die Wassermelone, Kürbisse verschiedener Arten, solche, wovon die Frucht zu schätzbaren Gefäßen benutzt, und andere, wovon sie gegessen wird, das Zuckerrohr, die Weinrebe, die Ananas, den Apfelbaum der Sandwich-Inseln (nicht eine Eugenia), die lea root (Oraoaeim terinirmlis), den Citronenbaum und den Samen verschiedener auf den Sandwich-Inseln nutzbarer Bäume, des Kukui (Lleu- rite8 triloba), dessen Nüsse als Kerzen gebrannt werden und Del und Farbestoff gewähren, und zweier der Sträucherarten, deren Bast zur Verfertigung von Zeugen dient u. a. m. Wir haben mit frommem Sinn den Samen ausgestreut, dessen zu warten unser Freund Kadu übernommen hat. Möge Kadu in seinem schönen Beruf mit Weisheit und Kraft verfahren, möge ihm gelingen, was ohne ihn nicht zu hoffen stand. Möge der Gute das Gute, was er will, bewirken; möge er, der Wohlthäter eines liebenswerthen Volkes, dessen Wohlstand begründen, es friedlich und volksthümlich zum Besseren leiten und es bald bewegen, ein Natur empörendes Gesetz abzuschwören, welches nur in der Noch begründet war. Wir müssen es uns gestehen, unser Freund steht allein dem Neid seiner Ebenbürtigen, der Begehrlichkeit und Macht seiner Fürsten blos, und die Schätze, womit ihn unsere Liebe überhäuft, ziehen das Gewitter über sein Haupt zusammen. Unsere Besorgniß kann noch weiter gehen. Der wirkliche Reichthum an Eisen, welchen wir mit Lust auf Radack vergeudet, kann zwischen dem Süden und dem Norden dieser Kette und zwischen ihr und Ralick einen verderblichen Krieg schüren und Blut die Frucht unserer Milde sein. Die dürftigen und Gefahr drohenden Riffe Radack's haben Nichts, was die Europäer anzuziehen vermöchte, und wir wünschen 182 unfern kindergleichen Freunden Glück, in ihrer Abgeschiedenheit zu beharren. Die Anmuth ihrer Sitten, die holde Scham, die sie ziert, sind Blüthen der Natur, die auf keinen Begriff von Tugend gestützt sind. Sie würden sich unfern Lastern leicht bildsam erweisen und, wie das Opfer unserer Lüste, unsere Verachtung auf sich ziehen. Ralick ist nah im Westen von Radack eine ähnliche Kette niederer Inselgruppen, deren Geographie selbst Weibern auf Radack geläufig ist. — Ralick ist fruchtreicher und bevölkerter als Radack. Das Volk, die Sprache, die Tatuirung sind dieselben. Es werden keine Kinder gemordet, die Frauen ziehen nicht mit in den Krieg. Die Menschen sind ,wohlhabender, wohlgenährter als auf Radack, sie tragen einen noch größeren Ohrenschmuck. Etliche Männer werden namentlich angeführt, welche die erweiterten Ohrlappen über den Kopf zu ziehen vermögen. Zwischen beiden Inselketten finden Reisen, feindliche und freundliche Berührungen statt. Ein Häuptling von Eilu zeigte uns Narben von Wunden, die er auf Ralick empfangen; Ralick hat auf 50 Booten den Krieg in Radack geführt, Häuptlinge von Radack fuhren hinüber; ein freundschaftliches Verhaltniß ward wieder hergestellt. Es ist einmal ein europäisches Schiff nach Ralick gekommen. Dieses Schiff soll eine längere Zeit (angeblich ein Jahr) in Odia (einer Hauptgruppe dieser Kette) vor Anker gelegen haben. Wir vermuthen, daß gleichfalls auf Ralick die südlichem Gruppen die reicheren find. Nicht alle Erzeugnisse, Bananen, Wurzeln u. a. m. kommen auf allen Gruppen vor. 183 Repith-Urur wird uns als eine beträchtliche Gruppe niederer Inseln geschildert, durch häufige von dorther auf ihre Riffe verschlagene Boote den Einwohnern von Radack bekannt. Die Boote und die Tracht der Menschen sind auf Repith-Urur dieselben als auf Radack. Die Sprache ist eine eigene, die Ta- tuirung ist verschieden. Sie nimmt die Seiten des Körpers ein und erstreckt sich auf das Aeußere der Lenden und Beine. Haus- thiere sind da nicht, die Brodfrucht, der CocoS, die Bananen, Wurzeln und, wie auf Radack, die Frucht Pandanus dienen zur Nahrung. Die Eingeborenen von Repith-Urur leben in fortwährendem Kriege unter sich. Der Mann hat fortwährend die Waffen in der Hand, und wenn er sich, um zu essen, niedersctzt, so legt er einen Wurfspieß zu seiner Rechten und einen andern zu seiner Linken ne- j ben sich. Menschenfleisch wird auf Repith-Urur gegessen. > Auf die Insel Reltch-^) der Kette Ralick kamen einmal vor ^ langer Zeit fünf Menschen aus Repith-Urur auf einem Boote an. ! Sie fischten und fingen keine Fische, an Früchten war kein Mangel, sie schlachteten Einen aus ihrer Zahl, backten und aßen ihn. Ein Zweiter ward ebenso geschlachtet und verzehrt. Die Bewohner von Relich bezwangen und tödteten die drei Uebrigen. Auf der Insel Airick der Gruppe Kaben leben ein Mann und ein Weib; auf der Gruppe Arno zwei Männer und ein Weib aus Repith-Urur, die auf Booten auf Radack getrieben sind. Ein zweites Weib, welches Letztere noch bei sich gehabt, war zur See während der langen Irrfahrt vor Durst gestorben. Diese fünf Menschen waren schon vor Kadu's Ankunft auf Radack. Zu seiner Zeit sind noch zwei Boote zugleich aus Repith-Urur auf der Gruppe Aur, wo er sich befand, angelangt, in jeglichem ein Mann und ein Weib. Sie waren nach ihrer Angabe seit neun Monaten zur See und - hatten fünf Monate vom Fischfänge ohne frisches Wasser gelebt. Die Eingeborenen von Radack wollten gegen diese Menschenfresser zu den Waffen greifen. Die Häuptlinge beschützten die Fremden, H Diese Insel fehlt auf der Karte des Herrn von Kotzebne. 184 ein Chef auf Tabual hat einen Mann und ein Weib ausgenommen, ein Chef auf Aur die anderen. Bogha ist der Name einer geringen niederen Inselgruppe, welche den Radackern durch folgendes Ereigniß bekannt geworden. Ein Weib von Bogha ward, als sie längs dem Riffe von einer Insel dieser Gruppe zu der andern eine Ladung Cocos zog, von der Fluth weggespült. Ihre Cocos dienten ihr zu einem Floß und trugen sie; sie trieb mit Wind und Strom an Bpgar vorüber und ward am fünften Tag auf Udirick ausgeworfen. Dieses Weib lebt noch auf der Insel Tabual der Gruppe Aur. Bogha erscheint uns in seiner Abgesondertheit als der Sitz einer verschollenen Kolonie von Radack, deren Sprache daselbst gesprochen wird. Die von Kapitain Johnstone auf der Fregatte Cornwallis im Jahre 1807 gesehenen und von uns wieder ausgesuchten Inseln im Norden von Radack (dieselben nach Krusenstern Beiträge zur Hydrographie p. 114 dlo. 24 und p. 119, die Ferdinand Quintana auf dem Schiffe Maria 1796 und die Nassauische Flotte 1625 gesehen, wie auch das 6-isxar rioo der alten Karten) bilden eine niedere, sichelförmige Gruppe geringen Umfangs, deren Rundung gegen den Wind gekehrt ist. Nur auf der Windseite hat sich Erde auf dem Riffe angesammelt. Es ragt meist unter dem Winde nackt aus den Wellen hervor und senkt sich zu keinen, Eingänge in das innere Meer. Die Inseln bilden eine dicht gedrängte Reihe, auf ihnen erscheint aber die Vegetation dürftig und der Cocosbaum ragt nirgends empor. Das wüste Ansehen dieser Gruppe und die Menge der Seevögel, der Fregatten, die uns in deren Nähe umschwärmten und auf die rothen Wimpel unseres Schiffes wie auf eine Beute schaffen, überführen uns, daß sie wirklich unbewohnt ist, und wir können nicht unserem Gefährten Kadu beistimmen, der in derselben Bogha erkennen gewollt. Der Nordostpassat und die starke westliche Strömung, die wir auf der Fahrt von Udirick dahin empfanden, wie sie 185 in diesem Meerstrich mit Beständigkeit zu erwarten ist, weisen bei der Geschichte des Weibes auf Tabual eine östlichere Lage der Gruppe Bogha an. Sie müßte vielleicht noch östlich von der durch Udirick und Bygar angegebenen Richtung in geringer Entfernung von Ra- dack zu suchen sein. Daß auf Bogha die Cocosbäume nur niedrig seien und die Menschen keine Boote besäßen, mag aus der vorgefaßten Meinung unseres Freundes, die vor ihm liegenden Inseln seien eben Bogha, in seine Schilderung dieser Gruppe übergegangen sein, von der er erst bei dieser Gelegenheit zu erzählen begann. Die Carolinen-Jnselrr. Der scharfsinnige Pedro Fernande; de Quiros 1605 wollte südwärts nach der Mutter so vieler Inseln forschen (ou äs- mauäu äs I» maärs äs tuntas Islas), die man schon damals im großen Ocean entdeckt hatte. Wir haben diese Mutter in dem Kontinent erkannt, in dessen Osten man sie antrifft, wie man die Seevögel über dem Winde der Klippen antrifft, die ihr Mutterland sind und zu welchen sie Abends mit der sinkenden Sonne nach ihren Nestern zurückkehren. Dieses Bild, welches besonders treffend auf die Inseln der ersten Provinz paßt, hat sich uns wieder aufgedrungen, als wir von dem östlichen entfernten Radack auf die westlicheren Carolinen, von dem sich verlierenden Kinde zu den Kindern im Schooße der Mutter zurückgekehrt. Uns empfängt eine reichere Natur, und dasselbe Volk ist bei gleicher Lieblichkeit gebildeter. Der Meerstrich, den die Carolinen einnehmen, ist heftigen Stürmen unterworfen, die meist den Wechsel der Monsoons bezeichnen. Diese Orkane, welche die Spanier auf den Philippinen- und Marianen-Inseln mit dem tagalischen Wort nennen, verwüsten zuweilen auf den niedern Inseln alle Früchte, so daß die Menschen eine Zeit lang sich von dem Fischfang allein zu ernähren gezwungen sind. Sie befährden die Inseln selbst, gegen die sie das Meer empören. Kadu hat auf Mogemug einen Orkan erlebt, während dem das Meer eine zwar unbewohnte, jedoch mit Cocospalmen und Brodfruchtbäumen bewachsene Insel wegspülte. 187 Herr Wilson gewährt uns einen Blick über die Natur der Pelew-Inseln und deren Erzeugnisse. Eap, das andere westliche hohe Land der Carolinen, erscheint uns, obgleich ohne hohe Gipfel, als der Sitz vulkanischer Kräfte. Die Erdbeben sind häufig und stark, es werden sogar die leicht gebauten Häuser der Eingeborenen davon umgestürzt. Die Korallenriffe von Mogemug und Ulea werden, wenn auf Eap die Erde bebt, erschüttert, jedoch mit minderer Gewalt. Kadu hat dasselbe von Feis nicht erfahren. Nach seiner Bemerkung sind auf Eap die Nächte bei gleich warmen Tagen viel kühler als auf Ulea. — Eap bringt Schleifsteine hervor, welche die östlicheren nieder» Inseln von daher beziehen. Sie sind ein freundlicheres Geschenk der Natur als das Silber, welches Cantova dieser Insel auf Zeugniß des dort gebornen Cayal zuschreibt. Kadu erklärt uns diese Sage. Ein weißer Stein wird in den Bergen von Eap gefunden, worauf die Häuptlinge ein ausschließliches Recht haben. Ihre Ehrensitze sind davon gemacht. Ein Block bildet den Sitz, ein anderer die Rücklehne; Kadu hat diesen Stein gesehen, es ist nicht Silber, nicht Metall. Ein gelber Stein hat auf Pelli (die Pelew-Jnseln) gleiche Würde. Man erinnere sich aus Wilson des als Kriegstrophäe entführten Sitzes eines Häuptlings. Ein Töpferthon wird auf Eap wie auf Pelli benutzt, es werden längliche Gefäße daraus gebrannt. Die Kunst kann auf den niedern Inseln ohne das Material nicht bestehen. Die verschiedenen nutzbaren Palmen der Philippinen (?alma brava, Ualma äs Osdollo ueZro), die unter den Gewächsen der Pelew-Znseln angeführt werden, lassen uns den Reichthum ihrer Flora ermessen. Eap genießt mit Pelew die Vorrechte eines hohen Landes; wir finden unter den Erzeugnissen von Eap die Arecapalme (Li-oca. 6atoo!m), den Bambus, drei in den Bergen wachsende Baumartcn, aus deren Holz man Boote baut, wozu auf den niedern Inseln nur der Brodfruchtbaum gebraucht wird; die ^leuritss tri- loba, den Würznelkenbaum (Oar/opbxllus nrowatica), der nicht blos nicht geachtet, sondern noch verachtet wird und nebst zwei andern Bäumen, die nutzlos und bittern Geschmackes sind, der Schlechtigkeit und Häßlichkeit zur Vergleichung dient; den Orangenbaum, das 188 Zuckerrohr und endlich den Curcuma, der freilich auch auf Ulea und den niedern Inseln vorkommt, aber in größerem Reichthum auf Eap. Kadu erkannte auf den Sandwich-Inseln und unter den auf die Riffe von Radack ausgeworfenen Sämereien viele Arten, die theils auf Eap, theils auch auf den niedern Inseln der Carolinen einheimisch sind. Feis erfreut sich unter allen niedern Inseln des reichsten Bodens und der reichsten Flora. Der seines vielfachen Nutzens wegen aus Eap verpflanzte Bambus ist da gut fortgekommen. Die andern Inselgruppen beziehen ihren Bedarf aus Eap. — Ulea und sämmtliche niedere Inseln dieser Meere bringen viele Pflanzenarten hervor, die auf Radack nicht sind, und haben eine bei weitem üppigere Natur. D. Luis de Torres hat sogar Pflanzen von Ulea nach Guajan überbracht, die der Flora dieses hohen Landes fremd waren. Alle diese Inseln sind reich an Brodfruchtbäumen, Wurzeln, Bananen. Die Volksnahrung scheint auf den niedern Inseln auf dem Brodfruchtbaum zu beruhen, von dem verschiedene großfrüchtige Abarten unter verschiedenen Namen kultivirt werden. Die Wurzeln machen auf den hohen Landen die Volksnahrung aus. Die süße Kartoffel (Lumotos) *), die nebst dem Samen anderer nutzbarer Pflanzen Cayal, drei seiner Brüder und sein Vater Corr von den Bisayas (Philippinen-Inseln), wohin sie verschlagen worden, nach Eap zurück brachten und von wo sie sich auf andere Inseln verbreitet hat (s. Cantova), kommt nach Kadu auf Ulea nicht fort. Die Wurzel der Arum-Arten erreicht nur auf dem hohen Lande und allenfalls auf Feis ihr volles Wachsthum. Auf den Pelew- Jnseln werden verschiedene Varietäten der einen Art angebaut, von denen etliche zu einer außerordentlichen Größe gelangen.**) — Der Pandanus wächst auf allen Carolinen, ohne daß seine Frucht ge- ») Die Spanier nennen die süßen Wurzeln lüainotes, und cs scheint, daß sie dieses Wort von den Sprachen der Philippinen entlehnt haben. Der 6a- mvte der Tagalen und Bisayas war auf diesen Inseln vor der Eroberung angebaut. *") Im Account ok tliv Islands steht überall dsins, d. t. Oiosco- rea, irrig für Daro oder Lrum lsiin. 189 gessen oder nur zum Schmuck benutzt werde. Es kommt keine der veredelten Abarten vor. Die Agrikultur von Eap muß unvergleichlich sein. Schwimmende Arum-Gärten werden da auf den Wässern, auf Holz- und Bambusflößen künstlich angelegt. Der Pisang wird nicht sowohl der Frucht als seiner Fasern wegen kultivirt, aus welchen die Weiber zierliche mattenähnliche Zeuge oder zeugähnliche Matten zu weben oder zu flechten verstehen. Die Stücke dieser Zeuge sind in Gestalt eines türkischen Shawls, eine Elle breit und etliche Ellen lang. Eingeschlagene schwarze Fäden bilden zierlich durchwirkte Muster an beiden Enden, und die Fäden des Aufzuges hängen als Fransen heraus. Diese Zeuge werden zuweilen mit Curcuma gefärbt. In der Reisebeschreibung des Kapit. James Wilson, der im Duff 1797 mit den Insulanern der Provinz von Ulea verkehrte, werden diese Zeuge beschrieben und die Kunst sie zu verfertigen ohne allen Grund der Belehrung der spanischen Missionare zugeschrieben*). Die Bananenpflanze wird nach Kadu meist, bevor sie Früchte getragen, zur Gewinnung der Fasern abgeschnitten. Eine andere Pflanze, eine Llalvaosa, liefert einen Bast, der ebenfalls auf einigen Inseln zu ähnlichen Zeugen verarbeitet wird**). Der Papier-Maulbeerbaum und die Bastzeuge von O-Waihi waren Kadu gleich unbekannt***-. Die Curcumawurzel wird zu *) Wir erklären uns leicht, daß die Eingeborenen das Eisen mit dem Namen begehrten, unter welchem Luito neun Jahre früher vieles von ven Europäern auf Guajan erhalten hatte. (Vmlu Chamori, für?Lran§ Ulea.) Wir begreifen aber nicht, daß die mitgetheilten Zahlen aus keinem der uns bekannten Dialekte dieser Meere sind. Wir erkennen nur die allgemeinen Wurzeln des Sprachstammes darin. **) Eine Stelle in Cantova's Brief bestärkt uns in der Vermuthung, daß die unfruchtbare Bananenart, die auf den Philippinen eigens ihres Flachses wegen kultivirt wird, gleichfalls auf den Carolinen sich vorfiudet. „lVlettre en oeuvre unv espeee äe klaue 8auva§e et uu autrs arbre yu1 8'a.ppelle Lnlibaxo xour eu kaire äs ln tolle." ***) Eine Stelle in Pigafetta möchte auf die Vermuthung bringen, daß die kleine Schürze der Weiber auf den Marianen-Inseln Bastzeug gewesen sei. „Voile ou xlutot eeores minoe eomiuv äu papier yue l'ou tire äe l'au- bier äu. palmler." S. 61 der franz. Ausgabe. 190 einem Pulver geraspelt, welches einen beträchtlichen Handelszweig von Eap ausmacht. Sich die Haut mit diesem Pulver zu färben, ist von Tuch im Osten bis Pellt im Westen eine allgemeine Sitte, die auf den südwestlich von den Pelew-Inseln gelegenen Gruppen nicht herrscht und auch auf den Marianen-Inseln nicht herrschte. So schmücken sich die Weiber jederzeit, und die Männer bei Festen oder, wo Krieg herrscht, zum Kamps; so werden die Leichen zur Bestattung geschmückt. — Die Sitte, den Betel zu kauen und die Zähne schwarz zu färben, ist ausschließlich ans Pelli, Ngoli, Eap und die Marianen-Jnseln, wo sie ursprünglich auch war, beschränkt. Süßer Syrup wird aus dem Safte der Cocospalme nur auf den Pelew-Jnseln gewonnen. Das Trinken des Kava und der Gebrauch des Salzes sind allen diesen Inseln gleich fremd. Es finden sich auf keiner der Inseln der ersten Provinz des großen Ocean's andere Hausthiere als die, so die Europäer dahin gebracht. Wir lassen Wilson über die Pelew-Jnseln berichten. — Nach Kadu ist vor langer, langer Zeit ein großes Schiff auf Mo- gemug gekommen, welches daselbst Katzen zurückgelaffen hat. Die Art dieser Thiere hat sich von Mogemug aus nach Westen bis Pelli, nach Osten bis Ulea verbreitet. Sie werden auf diesen Inseln mit dem spanischen Namen Gato benannt. Von einem sehr bejahrten Greise haben Menschen aus Eap und aus Ulea, hat Kadu selbst in der Sprache jener Fremden von Eins bis Zehn zählen gelernt. So weit zählt er wirklich auf spanisch mit Geläufigkeit und reiner Aussprache. Er hat ferner auf Mogemug zwei große irdene Gefäße (drei bis vier Fuß hoch) gesehen, die von jenem Schiffe herrühren. — Wir haben sonst von der Mission Cantova auf Mogemug kein anderes Andenken aufgespürt. Von dem auf der Insel Falalep zurückgebliebenen Geschütz hat Kadu Nichts vernommen*). Der Driebscbus Ougon§ kommt in den Gewässern der Pelew- Jnseln wie in denen der Philippinen-Jnseln vor. *) Caschattel, Herr von Mogemug zur Zeit des Briefes von Cantova war Kadu dem Namen nach als ein längst verstorbener Häuptling dieser Gruppe wohl bekannt. 191 Cantova erwähnt der Jagd, welche die Bewohner der nieder» Inseln auf den Wallfisch machen. Es möchte vielleicht, was er davon berichtet, auf die Delphinenjagd zu beziehen sein. Es kommen drei Arten Delphinen mit weißen, rothen, schwarzen Bäuchen in diesem Meerstriche vor. Wenn die von Ulea diese Thiere gewahr werden, so gehen kleine Boote, gegen achtzig an der Zahl, in die See, umzingeln die Heerde, treiben selbige gegen das Land, und wenn sie sich dem hinreichend genähert, belästigen sie die Thiere mit Steinwürfen, bis sie sich auf den Strand werfen. So wird man ihrer in großer Anzahl habhaft. Ihr Fleisch wird gern gegessen. Bei dem Zerschneiden sind kunstgerechte Schnitte zu beobachten. Ein falscher Schnitt entfernt die Thiere auf eine gewisse Zeit von der Insel. Zu Jviligk, wo das Riff nur einen schmalen Eingang hat, werden die Thiere in die Laguna getrieben, und es wird keines ge- tödtet, bis sie sich in gehöriger Anzahl (gegen ein halbes Hundert) eingefangen haben. Auf den zu Ulea gehörigen Inseln wird diese Treibjagd mit besonderem Erfolg ausgeübt. Man versteht auf anderen die Kunst nicht so gut. Die Delphine steigen zuweilen in die Flüsse von Eap hinauf, man versperrt ihnen dann die Rückkehr mit Netzen und sie werden harpunirt*). Das Huhn findet sich auf allen Carolinen-Inseln, ohne daß man daraus besonderen Nutzen zu ziehen verstünde. Wir müssen gegen Cantova, der uns Berichte von Eingeborenen von Eap selbst mittheilt und sagt, daß eine Art von Krokodilen daselbst angebetet oder verehrt werde, das Zeugniß von Kadu ausführlich anführen. Auf Pelli (den Pelew-Inseln) kommt eine Art Krokodil vor, 6a-ut genannt (Iks-uss nach Wilson). Der Ga-ut hält sich beständig im Wasser auf und hat einen zusammengedrückten Schwanz. Die Kinderstimmen ähnlichen Töne, die dieses gefährliche Thier hervorbringt, möchten Unkundige verlocken. Der Ga-ut von Pelli wird auf Eap nicht angetroffen. Es hat sich nur einmal einer "1 Die von Eap haben zum Fischfang größere Netze, dergleichen auf den nicdcrn Inseln nicht üblich und vermuthlich nicht anwendbar sind. 192 da gezeigt und ist getödtet worden, nachdem er ein Weib verschlungen hatte. Eine große Art Eidechse, Kaluv genannt, kommt auf Pellt und , Eap vor, und zwar ausschließlich auf diesen Inseln und namentlich nicht auf Feis. Der Kaluv ist viel kleiner als der Ga-ut und sein Schwanz ist rund. Er geht zwar in das Wasser, wo er Menschen gefährlich werden kann, und frißt Fische, er hält sich aber meist auf dem Lande auf und kriecht auf die Bäume, wo er während der Tagec-Hitze schläft. Kadu erkannte den Kaluv in der Figur der I-a- csrtn, Llonitor, die Sonini und Latreille in den Luites d, Luüon geben; das Fleisch dieses Thieres gilt auf Eap für giftig und wird nicht gegessen. Die Eingeborenen meinen, man stürbe davon; sie tödten aber das Thier, wo sie können. Boöle, der angenommene Sohn des Häuptlings und Priester des Gebietes Kattepar, und seine Gefährten (unmaßgeblich Europäer) aßen das Fleisch ohne Aerger- niß wie ohne böse Folgen. Unter den Insekten von Eap, die auf andern Inseln nicht Vorkommen, führt Kadu einen sehr großen Skorpion an, dessen angeblich tödtlicher Stich durch den Saft von Kräutern geheilt wird, und eine kleine Art Lampyris, die nur in etlichen Gebieten angetroffen wird. Der Floh war Kadu, bevor er zu uns kam, völlig unbekannt. Eisen wird von ausgeworfenen Schiffstrümmern auf Ulea, Eap und andern Inseln in reicherer Menge als auf Radack gewonnen. Es soll aus den Inseln im Südwesten von Pelli gar nicht Vorkommen. Das Treibholz wird überall vernachlässigt. Cantova erwähnt einer Mischung verschiedener Menschenracm auf den Carolinen, von der unsere Nachrichten schweigen. Wohl möchten Papuas aus den südlichen Landen durch irgend einen Zufall, und etliche Europäer, Martin Lopez und seine Gefährten, oder Andere auf andern Wegen auf diese Inseln gelangt sein, wie seit der Zeit es häufiger geschehen ist. Die Race der Eingeborenen ist aber die , so auf allen Inseln des großen Ocean's verbreitet ist. Ihr Haar scheint krauser-lockig zu sein als das der Radacker. Alle lassen es lang wachsen und legen auf diese natürliche Zierde einen 193 besonder:: Werth. Es wird nur auf Eap den Kindern abgeschnitten. Nach Kadu's Bemerkung sind die Bewohner des Gebietes Summagi auf Eap von ausnehmend kleiner Statur. Mißgeburten und natürliche Fehler sind nach demselben auf dieser Insel merkwürdig häufig. Er führte uns als Beispiele an: einen Mann ohne Arme, besten Kopf außerordentlich groß ist, einen ohne Hände, einen andern ohne Daumen, einen Menschen mit nur einem Bein, Hasenscharten und Taubstumme*). Selbst minder auffallende Fälle sind auf andern Inseln viel seltener. Eine Krankheit, welche die Europäer auf den mehrsten Inseln der Südsee verbreitet haben, scheint nach Kadu auf Ulea nicht unbekannt zu sein. Die Menschen sind im Allgemeinen auf den Carolinen wohlgenährter und stärker als auf Radack. Die Tatuirung ist überall willkürlich und in keiner Beziehung mit dem religiösen Glauben. Die Häuptlinge sind mehr als das Volk tatuirt. Ein Stück Bananenzeug, ungefähr wie das Maro von O-Waihi und O-Taheiti getragen, ist das bräuchliche Kleid, nur aus Pelli gehen die Männer völlig nackt, wie es auch ehemals auf den Marianen-Jnseln der Fall war. Der Ohrenschmuck der Radacker wird nur auf Pelli nicht getragen. Der Nasenknorpel wird zum Durchstechen wohlriechender Blumen durchbohrt. Das Armband aus dem Knochen des Drieds- eba5 vnAonA, das die Häuptlinge der Pelew-Jnseln tragen, ist aus H. Wilson bekannt. Die Häuptlinge von Eap tragen ein ähnliches breiteres Armband, das aus einer Muschel geschliffen ist. Die Häuser sind überall groß und geschlossen. Man kann ohne sich zu bücken zu den Thüren ein gehen. Gepflasterte Wege und viereckige Plätze vor den Häusern der Häuptlinge finden sich auf Eap wie auf den Pelew-Jnseln, wo wir sie durch H. Wilson kennen gelernt. Wir müssen dieses muthige Schiffervolk zuerst auf seinen Booten betrachten. ») Auch auf Eap hat Kadu einen monstruösen Kuluv gesehen, der zwei Schwänze und zwei Zungen hatte. IV. 13 194 Von gleicher Bauart mit den Booten von Ulea sind nach K adu die von Nugor und Tuch, deren Völker durch ihre Sprachen abgesondert sind, und die von den gleichredenden niedern Inseln bis Ulea, Feis und Mogemug. Die anders redenden Einwohner von Savon- nemusoch zwischen Nugor und Tuch unternehmen keine weiten Seereisen und möchten andere Boote haben. Die Vergleichung, welche Cantova zwischen den Booten der Carolinen und denen der Marianen anstellt, läßt uns auf diese zurückschließen. Die Boote der Marianen waren ähnlich denen von Ulea, jedoch vorzüglicher und bessere Segler*). Die Bauart der Boote von Eap und Ngoli weicht wenig von der von Ulea ab. Die Eingeborenen von Eap gebrauchen aber gern Boote aus Ulea, die sie sich auf dem Wege des Handels verschaffen. Pelli hat eine eigene Bauart, und die niedern Inseln im Südosten von Pelli wieder eine andere. Pelli und diese Inseln stehen in der Schifffahrt nach, und ihre Boote besuchen die östlicheren Inseln nicht. Die kühnsten Seefahrer sind die Eingeborenen von Ulea und den umliegenden Inseln, die auch Cantova für gesitteter als die übrigen hält**). DaS Triebrad der Schifffahrt ist der Handel. — *) Die zwei Boote, die Cantova gesehen, waren mit vier andern auf der Reise von Fatoilep nach Ulea von dem Westwinde ergriffen und zerstreut worden. Die meisten Menschen darin waren Eingeborene beider benannten Gruppen, und wir nehmen an, die Boote selbst seien von diesen Inseln gewesen. DaS erste größere Boot, welches 24 Menschen trug, drei Kajüten hatte und seiner Merkwürdigkeit wegen sorgfältig beschrieben wird, heißt: Uns burqne etrungers xeu ckiikersnte äes durlgnss mariunoises, inuis plus bunte, das andere kleinere: uns durizne etrsngers Ies Aurisnes. Es heißt ferner, wo die Entfernung der Inseln unter sich geschätzt werden soll: ü'ui ksit attention u In eonstruction äs Ivurs burquss Nach Eantova wird die Sternkunde gekehrt: 1,0 mnitrs n ovo Lpiröro, oü sont trnoös los pi-illoipnux sstros. **) IIs so sorvvllt wolle vonssolo qui n Nonxo sirvs äo vollt, 13 * 196 Man zählt auf den Carolinen-Inseln Tage und Monde und theilt daS Jahr nach der Wiederkehr und dem Verschwinden der Gestirne in seine Jahreszeiten ein. Niemand aber zählt die Jahre. Das Vergangene ist ja vergangen, das Lied nennet die Namen, die der Aufbewahrung Werth geschienen, und sorglos wallet man den Strom hinab*). Kadu wußte eben so wenig sein eignes Alter als jeder Insulaner des östlicheren Polynesien's. — Das Leben dieser Insulaner, unbedächtlich, entschlossen und dem Moment gehörend, ist vieler der Qualen bar, die daS unsere untergraben. Als wir Kadu von dem unter uns nicht beispiellosen Selbstmorde erzählten, glaubte er sich verhört zu haben, und es blieb für ihn eins der lächerlichsten Dinge, die er von uns vernommen. Aber sie sind, und aus denselben Gründen, fremder planmäßiger Bedrückung unduldsam, und die Geschichte hat den Selbstmord des Volkes der Marianen unter den Spaniern (den Boten des Evangelii?) in ihr Buch ausgezeichnet. Es werden aus allen Carolinen-Jnseln nur unsichtbare himmlische Götter geglaubt. — Nirgends werden Figuren der Götter gemacht, nirgends Menschenwerke oder körperliche Sachen verehrt. Kadu war in der Theosophie seines Volkes wenig bewandert. Was wir ihm hier nacherzählen, läßt Vieles zu wünschen übrig und bedarf vielleicht der Kritik. Wir haben nach ihm das Wort Inutup (ladutup, 6unt.), auf Radack cka§e->cl>, durch das Wort Gott übersetzen zu müssen geglaubt. Nach Cantova sind die labutup abgeschiedene Seelen, die als Schutzgeister betrachtet werden. Der Gott (luutux) von Ulea, Mogemug, Eap und Ngoli heißt Engalap, der von Feis: Rongala, der von Elath und Lamu- reck: Fuss, der von der wüsten Insel Fayo: Lagö. — Ist Engalap der Eliulep von Cantova, Aluelap von D. Luis de Torres, der große Gott? Menschen haben Engalap nie gesehen. Die Väter haben die Kunde von ihm den Kindern überliefert. — Er besucht abwechselnd die Inseln, wo er anerkannt wird. Die Zeit seiner Gegenwart ') „Oarpu älvin.? 197 scheint die der Fruchtbarkeit zu sein. Er ist mit Rongala, dem Gott von Feis, durch Freundschaft verbunden; sie besuchen gastfreundlich einander. Mit Fuss, dem Gott von Lamureck, scheint er in keinem Verhältniß zu stehen. Es giebt auf Ulea und den östlicheren Inseln (Lamureck rc.) weder Tempel noch Priester, und es finden da keine feierlichen Opfer statt. Auf Mogemug, Eap und Ngoli sind eigene Tempel erbaut, Opfer werden dargebracht und es giebt einen religiösen Dienst. Kadu hat uns berichtet, wie er es auf Eap, wo er sich lange aufgehalten, befunden hat, und er behauptet, daß es auf den beiden nächsten Gruppen sich ebenso verhält. Es haben beide Geschlechter andere Tempel und andere Opferzeiten. Bei den Opfern der Weiber ist kein Mann gegenwärtig. Bei den Opfern der Männer ist der Häuptling der Opfernde. Er weihet dem Gott durch Emporhalten und Anrufen eine Frucht jeglicher Art und einen Fisch. Die Formel ist: IVarogaimm Aure 7'uutux; das Volk wiederholt das letzte Wort. Die geopferten Fruchte werden nicht verzehrt, sondern in dem Tempel weggelegt. Die Menschen bleiben zu diesen Opfern einen Monat lang im Tempel versammelt und abgeschieden, wo sie ihre Nahrung von Außen her erhalten. Jeder weihet von allen Früchten oder Fischen, die er während der Zeit verzehrt, den ersten Bissen nach obigem Brauche ein und wirft dann solchen ungenossen weg. Gesänge oder Tänze finden in den Tempeln nicht statt. Diese Feierlichkeit wird abwechselnd einen Monat in einem Gebiete, den folgenden in einem andern gehalten. Kadu hat, als ein Fremder, der Feier im Tempel nicht Leigewohnt. Er ist in denselben nie eingetreten. Der ist außer den Opferzeiten jedem Andern als dem Häuptling und Priester verboten, (lUutnmat.) Rongala hat zu Feis keine Tempel. Es giebt aber Zeiten, wo er auf die Insel herabsteigt und unsichtbar im Walde gegenwärtig ist. Dann dürfen die Menschen nicht laut sprechen oder gehen, dann nähern sie sich dem Walde nur mit Curcuma gefärbt und festlich geschmückt. Wir theilen die Götterlehre von Ulea nach Don Luis de Torres getreu und ausführlich mit. Cantova, den wir hier zu 198 vergleichen Litten, erzählt die Abstammung der Götter fast auf dieselbe Weise und etwas vollständiger. Die liebliche Mythe von Oli- fat ist völlig neu. Angebetet werden drei Personen im Himmel, Aluelap, Lugeleng und Olifat. Der Ursprung aller Dinge ist aber, wie folgt. Vor allen Zeiten war ein Götterweib, Ligopup geheißen. Diese wird für die Erschafferin der Welt gehalten*). Sie gebar Aluelap, den Herrn alles Wissens, den Herrn der Herrlichkeit, den Vater von Lugeleng**). Wer aber Lugeleng's Mutter und wie dessen Geburt gewesen, weiß man nicht. Lugeleng hatte zwei Weiber, eine im Himmel und. eine auf Erden. Die himmlische hieß Hamulul, die irdische Tarifs», die an Schönheit und andern natürlichen Gaben sonder gleichen war. Tarisso gebar Olifat***) nach vier Tagen Schwangerschaft aus ihrer Scheitel. Olifat entlief sogleich nach seiner Geburt und man folgte ihm nach, um ihn von dem Blute zu reinigen. Er aber sagte: er wolle es selber thun, und litt nicht, daß man ihn berühre. Er reinigte sich an dem Stamme der Palmbäume, an denen er vorbeilief, daher sie ihre röthliche Farbe behalten. Man rief ihm zu und verfolgte ihn, um ihm die Nabelschnur abzuschneiden. Er aber biß sie sich selber ab; er sagte, er wolle selber für sich sorgen, und ließ sich von keinen! Sterblichen berühren. Er gedachte, wie es Brauch fei, den Neugeborenen die Milch der jungen Cocosnuß trinken zu lassen, und kam zu seiner Mutter, die ihm den Cocos zu trinken reichte. Er trank und wandte die Augen gegen den Himmel, worin er seinen Vater Lugeleng gewahrte, welcher nach ihm rief. ») Nach Cantova Ligopud, Schwester und nicht Mutter von Elinlep (Aluelap T.), Erschafferin der Menschen. Die ersten der Götter sind aber Sabu- cnr und sein Weib Halmelul, Eltern von Eliulcp und Ligopud. Lugueileng nach Cantova, der dessen Mutter nennt Letcuhicul auS Ulea gebürtig. Oulefat Cant. Er nennt die Weiber von Lugueileng nicht, läßt aber die irdische Mutter von Oulesat aus der Znsel Falalu der Provinz von Hogolcn gebürtig sein. — Diese Insel ist dem Kadu unbekannt; sic heißt Felalu ans der Karte von D. L. de TorreS. 199 Da folgte er dem Rufe seines Vaters und seine Mutter mit ihm. Also schieden Beide von der Welt. Wie Olifat in dem Himmel angelangt war, begegnete er daselbst etlichen Kindern, die mit einem Haifische spielten, welchem sie eine Schnur um den Schwanz gebunden hatten. Er stellte sich, um unerkannt zu bleiben, aussätzig an. Da hielten ihn die Kinder fern von sich und berührten ihn nicht. Er begehrte von ihnen den Fisch, um auch damit zu spielen, und sie verweigerten ihm denselben. Einer jedoch erbarmte sich seiner und reichte ihm die Schnur, woran der Fisch gebunden war. Er spielte eine Weile damit und gab ihn sodann den Kindern wieder, sie ermahnend, sich nicht zu fürchten, sondern fort zu spielen; der Fisch werde ihnen Nichts thun. Er biß aber alle bis auf den, der sich dem Olifat gefällig erwiesen. Olifat hatte dem Haifisch, der zuvor keine Zähne gehabt und unschädlich gewesen, geflucht. Also ging er fürder durch den Himmel, seinen Fluch bei ähnlichen Gelegenheiten allen Kreaturen erthcilend, weil man ihn in der Herrlichkeit reizte. Da keiner ihn kannte und er zu seinem Vater noch nicht gekommen, der allein ihn erkennen konnte, stellte man seinem Leben nach. Er kam an einen Ort, da ein großes Haus gebaut wurde; er begehrte von den Arbeitern ein Messer, um Cocosblätter für das Dach schneiden zu helfen; sie schlugen es ihm aber ab; einer jedoch reichte es ihm und er schnitt sich eine Last Blätter; aber er verfluchte alle Arbeiter, bis auf den, der ihm behülflich gewesen, daß sie regungslos zu Bildsäulen erstarrten. Lugcleng aber, der Herr des Baues, erkundigte sich nach seinen Arbeitern, und es wurde ihm berichtet, wasmaßen dieselben regungslos wie Bildsäulen erstarrt seien. Daran erkannten Lugeleng und Aluelap, daß Olifat im Himmel wandelte. Sie fragten den Mann, der noch bei der Arbeit geschäftig Cocosblätter zu dem Bau trug: ob er Nichts umher gesehen, und er antwortete: er habe Nichts gesehen denn einen Can- duru (eine Art Uferläufer), in welchen Vogel sich Olifat verwandelt hatte. Sie schickten den Manu aus, den Canduru zu rufen; als er es aber that, erschrack der Vogel ob der Stimme und flog davon. — Der Mann berichtete das, und die Götter fragten ihn, was er denn dem Vogel entboten. Er antwortete: er habe ihn kommen 200 heißen. Sie schickten ihn abermals aus und unterwiesen ihn, den Vogel sich entfernen zu heißen, weil er den Häuptern hinderlich sei. Er that es also, und der Vogel kam alsbald herbei. Er verbot ihm ferner hineinzugehen und sich in Gegenwart der Häupter zu setzen, und der Vogel that alsbald, was ihm verboten ward. Sobald derselbe sich gesetzt hatte, befahl Lugeleng, die Arbeiter, welche im Walde erstarrt geblieben, zusammen zu rufen, und diese kamen alsbald zur Bewunderung der Umstehenden; denn Aluelap und Lugeleng wußten allein, daß Jener Olifat war. Die Arbeiter fuhren nun mit dem Bau fort und gruben tiefe Löcher in den Boden, nur die Pfosten darin aufzurichten. Dies schien ihnen, die damit umgingen den Olifat zu tödten, wegen des vielen Unheils, das er gestiftet, eine gute Gelegenheit zu sein. Olifat erkannte aber ihren Vorsatz und führte bei sich versteckt gefärbte Erde, Kohlen und die Rippe eines Palmblättchens. So grub er nun in der Grube und machte unten eine Seitenhöhle, sich darin zu verbergen. Sie aber glaubten, es sei nun die Zeit gekommen, warfen den Pfosten hinein und Erde um dessen Fuß und wollten ihn so zerquetschen. Er aber rettete sich in die Seitenhöhle, spie die gefärbte Erde aus, und sie meinten, cs sei sein Blut. Er spie die Kohlen aus, und sie meinten, es sei die Galle. Sie glaubten, er sei nun todt. Mit der Cocosrippe machte Olifat durch die Mitte des Pfostens sich einen Weg und entwich. Er legte sich als ein Balken quer über den Pfosten, aus dem er herausgekommen, und wurde nicht bemerkt. Als nun das Tagewerk vollendet war, setzten sich die Arbeitslcute zum Mahl. Olifat schickte eine Ameise hin, ihm ein Bißlein Cocos zu holen. Sie brachte ihm ein Bröckelchen davon nach ihren Kräften. Er ergänzte selbiges nach seiner Macht zu einer ganzen Nuß. Er rief sodann laut: Gebet Acht da unten, ich will meinen Cocos spalten. Sie wurden ihn bei dem Ausruf gewahr und wunderten sich sehr, daß er am Leben geblieben sei. Sie hielten ihn für Alus, den bösen Geist*). Sie beharrten bei ihrem Vorsatz, ihn umznbringen, und sagten ihm, er solle nur seine *) vloinbrs qus äaa al Diablo. I 201 Mahlzeit beendigen, sie würden nachher ihm einen Auftrag geben. Sie schickten ihn nach dem Hanse des Donners, demselben sein Essen zu bringen. Olifat nahm ein Rohr zu sich und ging getrost hin. Er kam zu dem Donner ins Haus und sagte ihm roh und herrisch: Ich habe mich ermüdet, dir die Nahrung eines mißgestalteten Mundes zu bringen. Er gab das Essen ab und ging. Der Donner wollte über ihn herfallen, er aber versteckte sich in sein Rohr. Der Donner konnte ihn nicht finden und ließ ab, ihn zu verfolgen. Olifat kam wieder hervor und erregte, da er aus dieser Prüfung ohne Unheil zurück gekehrt, desto größere Bewunderung. Die Werkleute schickten ihn abermals aus, dem Fische Fela sein Essen zu bringen*). Olifat trat ein in des Fisches Fela Haus, und da dieser selbst nicht zugegen war, so warf er denen, die da waren, das Essen hin, indem er sagte: Nehmet hin für euch, und ging. Als der Fisch nach Hause kam, so fragte er nach dem, der das Essen gebracht. Die Familie erzählte ihm: Einer hätte ihnen das Essen zugeworfen, sie wüßten aber nicht, wer er sei, noch wohin er gegangen. Der Fisch fing nun an, eine Angel an einer langen Leine nach allen Winden auszuwerfen, und wie er zuletzt die Angel nach Norden auswarf, so zog er den Olifat heraus. Da gab er ihm den Tod. Nachdem vier bis fünf Tage verstrichen, ohne daß Olifat wieder erschienen, so trösteten sich die, welche ihm im Himmel nachstellten, und meinten, er sei nun todt. Aber Lugeleng suchte seinen Sohn und fand ihn endlich entseelt und voller Würmer. Er hob ihn in seinen Armen empor und weckte ihn wieder auf. Er fragte ihn, wer ihn getödtet? Olifat antwortete: er wäre nicht todt gewesen, sondern hätte geschlafen. Lugeleng rief den Fisch Fela zu sich und schlug ihn mit einem Stocke über den Kopf und zerbrach ihm die obere Kinnlade. Daher die Gestalt, die er nun hat. Alue- lap, Lugeleng und Olifat gingen nun in die Herrlichkeit ein, wo sie die Gerechtigkeit auszuüben sich beschäftigen. Andere bringen die Zahl der Himmlischen auf sieben, als da *) Dies ist ein Fisch, dessen obere Kinnlade um Vieles kürzer ist als die untere. 202 sind: Ligopup, Hautal, Aluelap, Litefeo, Hulaguf, Lugeleng und Olisat. Auf die Frage, ob andere Inseln einen andern Glauben hätten, antworteten Etliche: dieses sei der Glaube der ganzen Welt, und die Welt würde untergehen, wenn es Aluelap verhänge. Wir führen zur Vergleichung noch die Lehre der ehemaligen Einwohner der Marianen-Jnscln an. Velarcls 1. 2. 5. 291. Pun- tan war ein sehr sinnreicher Mann, der vor Erschaffung des Himmels und der Erde viele Jahre in den leeren Räumen lebte. Dieser trug, als er zu sterben kam, seiner Schwester auf, daß sie aus seiner Brust und Schultern den Himmel und die Erde, aus seinen Augen die Sonne und den Mond, aus seinen Brauen den Regenbogen verfertigte*). Obgleich zu Ulea kein öffentlicher Dienst der Götter oder der Gottheit statt findet, sind doch nach Don Luis de Torres die Menschen nicht ohne frommen Sinn. Der Einzelne legt zuweilen Früchte als Opfer den Unsichtbaren hin, und cs wird Niemanden verarget, dieses Opfer aufzunehmen und zu verzehren. Cantova erwähnt einer eigenen Weise, das Loos zu befragen. Das Verfahren dabei ist folgendes. Man reißet aus einem Cocos- blättchen von jeder Seite der Rippe zwei Streifen, indem inan die Silbe pue xuö pup rasch hintereinander hersagt, knüpfet sodann hastig und ohne zu zählen Knoten in jeglichen Streifen, indeni man die Frage, die man dem Schicksal vorzulegen hat, mit vernehmbaren Worten wiederholt. Der erste Streifen wird zwischen dem kleinen und dein Ringfinger mit vier Knoten nach dem Innern der Hand genommen, der zweite zwischen dem Ring- und mittleren Finger mit *) So m nniercr nordischen Mythologie: Or Xinis Lolcli wörtlich: Var jörtli vm seLvpvtlr von or dsinoni diör§, or kavsi ins krrmkallla !otvno8 Dow or 8voitL sior Vakrtirusüismül XXI. Ans Dmer's Fleisch Ward die Erde geschaffen, Aber aus (seinen) Gebeinen Felsen, Der Himmel aus dem Schädel Des eiskalten Giganten, Aber aus seinem Blute die See. SLoinunäar x. 13. 203 drei Knoten nach dem Innern der Hand, so wie die andern mit abnehmender Knotenzahl zwischen dem mittleren und Zeigefinger und zwischen Zeigefinger und Daumen. — Nachdem die Zahl der nach dem Rücken der Hand heraushängenden Knoten mit den Zahlen der Finger, eins, zwei, drei und vier zusammentrifft oder davon abweicht, spricht sich das Loos günstig oder ungünstig aus. Es werden zu Ulea, wie unter allen Völkern, der gläubigen Bräuche viele beobachtet, und auch manche Beschwörungen sind im Schwange. Wir haben das Zerschneiden des Delphins erwähnt. Es wird ein kleiner Fisch häufig gefangen, mit welchem Kinder nicht spielen dürfen. Geschähe es, daß wer einen dieser Fische bei dem Schwänze anfaßte und aufhöbe, so daß der Kopf nach unten hinge, würden bei dem nächsten Fischfänge alle Fische eben so mit dem Kopf nach unten die Tiefe suchen, und es könnte keiner gefangen werden. Es dürfen nicht mehrere Menschen Früchte von derselben Bananentraube genießen. Wer eine der Bananen gegessen hat, nur der darf die andern verzehren. Auf der wüsten Insel Fayo wird, wie auf Bygar, das süße Wasser in den Wassergraben besprochen. Es giebt eine schwarze Vogelart, die auf dieser Insel in heiligem Schutze steht und die nicht getödtet werden darf. Die von Eap sind ihrer Zauberkünste wegen berüchtiget. Sie verstehen den Wind zu besprechen, den Sturm zu beschwören, daß er schweige, und bei der Stille den Wind aus dem günstigen Rumbe herzurufen. — Sie verstehen, indem sie mit Beschwörungen ein Kraut ins Meer werfen, die Wellen aufzuwiegeln und unendliche Stürme zu erregen. Dem wird der Untergang vieler Fahrzeuge aus Mogemug und Feis zugeschrieben, ja die allmälige Entvölkerung dieser Insel. In einem süßen Wasser des Gebietes Sütemil befinden sich zwei Fische, nur spannenlang, aber uralt; sie halten sich beständig in einer Linie mit dem Kopfe gegen einander gekehrt. Wenn inan den einen etwa mit einer Gerte berührt, daß er sich vorwärts bewege und beide sich kreuzen, so wird die Insel in ihrer Grundfeste erschüttert, und es ist des Erdbebens nicht Ruhe, bis beide ihre gewohnte Stellung wieder angenommen. Ueber diesen Fischen und 204 dem Wasser, worin sie sich befinden, ist ein Haus erbaut, und darüber wachen die Häuptlinge, bei deren Tode manchmal ein Erdbeben veranstaltet wird. Ein gewisser Eonopei (er ist jetzt todt, sein Sohn Tama- nagack ist ein Häuptling des Gebietes Eleal) zeigte einst unserem Freunde Kadu ein merkwürdiges Probestück seiner Kunst. Eonopei bereitete aus Taro-Teig einen runden flachen Kuchen. Es war Nacht und Vollmondschein. Er begann unter Beschwörungen von seinem Kuchen zu essen. In dem Maaße, als er dessen Scheibe antastete und davon einen Einschnitt aß, ward die erst volle Scheibe des Mondes angegriffen und mehr und mehr sichelförmig ausgeschweift. Als er so eine Zeit lang magisch an dem Monde gezehrt hatte, änderte er sein Verfahren und seine Beschwörungen. Er Hub an, den übrig gebliebenen weichen Teig seines Kuchens wiederum in die Form einer vollen Scheibe zu kneten, wobei denn die Mondssichel sich gleichmäßig wieder stillte und zuletzt der Mond wieder voll erschien. Kadu saß indeß dicht neben dem Beschwörer, betrachtete Alles, den Mond und den Kuchen, mit der größten Aufmerksamkeit und bewunderte, wie die Rundung beider gleichmäßig erst verletzt und dann wieder ergänzt wurde. Wir lassen die uns unverdächtige Aussage unseres kindergleichen Freundes auf sich beruhen, es aufgeklärten Auslegern überlassend, dieselbe auf eine Mondfinsterniß zu deuten, welche jedoch auf Eap vor Erfindung der Schrift nicht wohl als voraus berechnet angenommen werden darf. Feste und Gelage, die bei verschiedenen Gelegenheiten, dem Durchbohren der Ohren der Kinder, dem Abschneiden ihres Haares auf Eap, dem Tatuiren u. a. m. statt finden, scheinen nichts Religiöses zu haben. Gesang und Tanz, meist unzertrennlich, machen überall die Hauptergötzung, die Hauptlustbarkeiten aus. Es giebt verschiedene Arten Festspiele, die von den verschiedenen Geschlechtern oder von beiden vereint aufgeführt werden, und jede derselben hat einen anderen Charakter und einen eigenen Namen. Diese Gesänge werden aber von keinem musikalischen Instrument begleitet, und selbst die Trommel ist auf den Carolinen-Jnseln unbekannt. 205 Die Häuptlinge scheinen nach einer Art Lehnssystem einander untergeordnet zu sein. Die Meinung erhebt sie hoch über das niedere Volk, und es werden ihnen außerordentliche Ehrfurchtsbezeigun- gen gezollt, die uns aus Cantova's Briefen und (fürPelli) aus dem Account ok tbs l?elmv islamls bekannt sind. Man bückt sich vor ihnen zur Erde und kriecht nur zu ihnen hin. Im Angesicht der Insel Mogemng, Wohnsitz des Oberhauptes der Gruppe dieses Namens, lassen die Boote ihre Segel herab. Diese Verehrung der adeligen, vielleicht göttlichen Abstammung scheint in rein menschliche Verhältnisse nicht einzugreifen, welche unbeschadet der Rangverhältnisse, denen ihr Recht geschieht, zwischen Häuptling und Mann statt finden. Die Oberhäupter haben eine große Autorität und verwalten dte strafende Gerechtigkeit nach dem Grundsätze der strengen Wiedervergeltung. Aug um Aug, Zahn um Zahn. Die Verbrecher werden nach Canto va nur durch Verbannung gestraft. Wir erzählen nnserm Freunde Kadu eine Geschichte nach, worin es sichtbar wird, wie mit großer Milde das Verbrechen weniger gesühnt als unterdrückt werden soll. Wir wähnen, l?in vo- leur, das volksthümliche Märchen aus dem Munde unserer Ammen zu vernehmen. Auf einer Insel von Mogemng wurden die Bäume regelmäßig ihrer besten Früchte beraubt, ohne daß die Menschen, die aufmerksam einander bewachten, eine lange Zeit hindurch den Thäter zu entdecken vermochten. Sie wurden endlich inne, daß ein anscheinlich frommer Knabe allnächtlich aufstand und den Diebstahl verübte. Sie züchtigten ihn und gaben auf ihn Acht. Er aber belog ihre Wachsamkeit und ließ von seiner Sitte nicht ab. Sie sperrten ihn während der Nacht ein, sie banden ihm die Hände auf den Rücken, aber der schlaue Dieb verstand alle ihre Vorsicht zu vereiteln, und es geschah nach wie vor. Sie brachten ihn auf eine entlegene unbewohnte Insel der Gruppe, die kärglich zu der Nahrung eines Menschen genügen konnte. Sie ließen ihn da allein. Sie bemerkten aber bald, daß solches nichts gefruchtet, und ihre Bäume wurden nach wie vor beraubt. Etliche fuhren nach der wüsten Insel hinüber und fanden den jungen Menschen in großem Neberfluß von 206 den Früchten ihres Eigenthmns schmausend. Ein Baumstamm diente ihm zu einem Boot und er fuhr allnächtlich auf seine Ernte aus. Sie zerstörten dieses Fahrzeug und überließen ihn, unschädlich gemacht, seiner Einsamkeit. Sie hatten nun Ruhe. Sie wollten nach einiger Zeit wissen, wie es ihm ginge, und Etliche fuhren wiederum nach der Insel. Sie sahen und hörten Nichts von ihm. Nachdem sie vergeblich im Walde nach ihm gerufen und gesucht, kehrten sie nach dem Strande zurück und fanden nun ihr Boot nicht mehr. Der schlaue Dieb war damit in die See gegangen. Er segelte nach Sorol über. Er ließ auf dieser Gruppe von seiner Tücke nicht ab, sondern sann auf größere Unternehmungen. Er vermochte den Häuptling von Sorol zu einem Anschläge gegen Mogemug. Er sollte bei einem nächtlichen Ueberfall die Häuptlinge tödten und sich die Obergewalt anmaßen. Die Verschworenen kamen bei Tage in Ansicht von Mogemug. Sie ließen die Segel nieder, die Nacht auf hoher See zu erwarten. Das Boot war dennoch bemerkt worden, und sie wurden, so wie sie landeten, umringt. Der Aufwiegler ward getödtet. Die von Sorol zogen frei nach ihrer Insel zurück. Die Erbfolge geht zu Ulea und Eap, wie auf Radack, erst auf die Brüder, sodann auf die Söhne des Erstgeborenen. Nach Kadu sollen die Häuptlinge ihrem Erstgeborenen de» Namen ihres Vaters, dem zweiten Sohn den Namen des Vaters ihrer Frau, dem dritten wieder den Namen ihres Vaters und so fort; die Leute aus dem Volke hingegen ihrem Erstgeborenen den Namen des Vaters ihrer Frau, und den andern Kindern andere Namen geben, und so soll es auch ans Radack beobachtet werden. Nach D. Luis de Torres liegt in den Namen die Andeutung der Sippschaft, und es läßt sich daran erkennen, wessen Sohn und Enkel Einer sei. Der freundliche Namentausch, eine allgemeine Sitte ä)es östlichen Polynesien's, ist auf den Carolinen unbekannt, und Kadu leugnete anfangs, daß er auf Radack gebräuchlich sei, ob er gleich selbst in der Folge Beispiele davon anführte. — Die Ehen werden ohne Feierlichkeit geschlossen. Der Man» 207 macht dem Vater des Mädchens, das er heimführt, ein Geschenk von Früchten, Fischen und ähnlichen Dingen. Die Ansehnlichkeit dieser Gift richtet sich nach dem Range des Brautvaters; denn Ehen finden auch zwischen Ungleichgeborenen statt. Ist nur der Vater oder nur die Mutter aus der Klasse der Häuptlinge, so werden die Kinder dieser Klasse auch zugezählt. Im ersten Fall erweiset der Mann und Vater seinem Weibe und seinen von ihr gezeugten Kindern die äußerlichen Ehrfurchtsbezeigungen, die ihrem Range zukommen. Die Mehrheit der Weiber ist zugelassen. Die Ehen werden ohne Förmlichkeit getrennt, wie sie ohne Förmlichkeit geschlossen werden. Der Mann schickt seine Frau ihrem Vater zurück. Die Männer wohnen ihren Weibern auch bei, wenn sie gesegneten Leibes sind, nicht aber wenn sie ein Kind an der Brust haben. Das Letztere geschieht nur auf Radack; das Elftere wird, gegen Wilson's Zeugniß, ausdrücklich von Pelli behauptet. Dort läßt ein Häuptling, der gewöhnlich mehrere Weiber hat, seine Stelle bei der seiner Frauen, die in diesem Falle ist, von einem ausgesuchten Manne sab erregte mentulato guoänin) vertreten. — Wir werden von den Sitten von Pelli besonders reden. — Ehefrauen sind auf den übrigen Inseln allein ihren Männern ergeben. Sie sind in Pflicht genommen und es scheint die Unverdorbenheit des Volkes ihre Tugend zu behüten. Unverheiratheten gewährt die Sitte, ihre Freiheit zu genießen. Sie bringen in eigenen großen Häusern die Nächte zu. Der Kindermord ist unerhört; der Fürst würde die unnatürliche Mutter tödten lassen. Was wir von der Bestattung der Todten auf Radack berichtet, ist auch auf Ulea und den östlicher gelegenen Inseln Brauch. Auf Feis, Mogemug und Eap werden nach Kadu die Leichen Aller, ohne Unterschied der Geburt, auf den Inseln beerdigt. Wir sehen jedoch auf Mogemug nach der großen Tragödie, welche die Geschichte der carolinischen Missionen beschließt, gegen die Körper der erschlagenen bedrohlichen Fremden die Bräuche von Ulea beobachten und müssen glauben, daß Kadu in Rücksicht auf Mogemug irrt. Auf Eap sind die Begräbnisse im Gebirge. Die Bergbewohner holen die Leichen der im Thale Verstorbenen ab und erhalten für die- 208 ses Amt ein Geschenk an Früchten, Wurzeln u. s. w. Es scheint, daß keiner der Angehörigen zu Grabe folgt. Ein unverbrüchlicher Freundschaftsbund wird auf allen diesen Inseln ausschließlich zwischen zwei Männern geschloffen, der mit ganz besonderer Kraft die Verbündeten gegen einander verpflichtet. Der Häuptling und der geringe Mann können auch dieses Bündniß eingehen, unbeschadet der Rangverhältnisse, denen ihr Recht fortwährend geschieht. Ob sich gleich diese Freundschaft auf allen diesen Inseln wiederfindet, ist sie doch an verschiedenen Orten mit verschiedenen Rechten und Pflichten verknüpft. Auf Eap muß bei jedem Handel der Freund für seinen Freund stehen, und wo ihm Unbill geschieht, oder wo er gefällt wird, liegt ihm die Pflicht der Rache ob. Zu gleichen Verpflichtungen'kommt auf Ulea eine neue hinzu. Wenn der Freund die Gastfreundschaft seines Freundes anspricht, so tritt ihm dieser auf die Zeit seines Besuches sein Weib ab, welches auf Feis und westlicher nicht geschieht. Wir haben gesehen, daß auf Radack die Pflicht in erster Hinsicht unverbindlicher, in anderer dieselbe ist als auf Ulea. Die Berührung mit der Nase ist, wie auf den Inseln des östlichen Polpnesten's, die bräuchliche Liebesbezeigung. Den Krieg kennen unter den Carolinen nur Pelli, Eap, Tuch und die entlegneren Inseln, womit Tuch in Fehde ist. Die übrigen Inseln genießen, wie Ulea, eines ungestörten Friedens. „Da — wiederholte oft und gern unser gutherziger Gefährte — da weiß man Nichts von Krieg und Kampf, da tödtet nicht der Mann den Mann, und wer den Krieg sieht, dem wird das Haar weiß." — Auf Eap hat nicht immer der Krieg geherrscht. Sonst erkannte die Insel die Autorität eines Oberhauptes und es war Friede. Seit aber Gurr, der letzte Alleinherrscher, nicht mehr ist, fechten häufig die Häuptlinge der verschiedenen Gebiete ihre Fehden blutig aus. Wo eine Uebertretung, eine Beleidigung geschehen, wird das Tritonshorn geblasen. Beide Parteien rücken in Waffen gegen einander. Man unterhandelt. Wo Genugthuung verweigert wird und kein Vergleich zu Stande kömmt, wird gekämpft. Der Krieg dauert, bis von jeglicher Seite einer aus der Klasse der Häuptlinge gefallen 209 ist und die der Gegenpartei von seinem blutigen Fleische gekostet haben. Ein Jeder führt eben nur ein Stückchen zum Munde. Dies ist eine unerläßliche Förmlichkeit. Der Friede, wenn erst diese Bedingung erfüllt ist, tritt wieder ein, und Ehen zwischen beiden Gebieten besiegeln ihn. Der Charakter dieser Insulaner ist dennoch mild und gastfreundlich, wie auf den übrigen Inselgruppen. Der Fremde auf Eap und Pelli geht unbefährdet durch die kriegführenden Parteien und genießt hier und dort gleich freundlichen Empfang. — Die von Eap werfen den Wurfspieß in Bogen mit Hülfe eines rinnenförmigen Stückes Bambus, worin das unbewaffnete Ende des Geschosses gehalten wird und beim Wurf den Anstoß erhält. Sie treffen so auf eine außerordentliche Weite. Es scheint diese Waffe mit der der Aleuten und nördlichen Eskimos im Wesentlichen zusammenzutreffen. — Sie haben auch den zweispitzigen Wurfstab der Radacker. Derselbe Wurfspieß wird, wenn die Streitenden sich genähert, grad und mit der bloßen Hand geworfen. Es wird zuletzt damit Mann gegen Mann gesuchten. Der Häuptling leitet mit dem Tritonshorn das Treffen. Die Kriegsmacht zieht auf Booten und Flößen von Bambus gegen das feindliche Gebiet. Der Landung sucht man zu wehren. Auf dem Lande fallen die entscheidenden Kämpfe vor. Die von Tuch gebrauchen in der Nähe den Wurfspieß, aus der Ferne aber die Schleuder. Ihr Wurf ist weit und sicher, sie handhaben diese Waffe mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit. Sie tragen sie auch im Frieden stets um das Haupt gebunden und gebrauchen sie, um Vögel zu tödten, Früchte von den Bäumen herab-, zuwerfen und dergleichen. Kadu hatte auf lliea von Eingeborenen von Tuch die Schleuder brauchen gelernt, und er vertrieb sich oft unter uns die Zeit mit dieser Uebung, worin er übrigens sehr ungeschickt war. Don Luis de Torres lobte an seinen Freunden von Ulea, was an unfern Freunden von Radack zu loben uns gefreut hat. Sie sind gut, freundlich, zierlich und schamhaft. Nie ist ein Weib an Bord der Maria gestiegen. Sie sind gemüthlich, liebevoll, freigebig und erkenntlich. Sie haben das Gedächtniß des Herzens. IV, 14 210 Das Ding, das nützliche Werkzeug etwa, das sie als eine Gabe aus lieber Hand besitzen, erhält und trägt zum späten Angedenken unter ihnen den Namen des Freundes, der es ihnen verehrt hat. Und so wollte Kadu auf Radack den Thieren und Pflanzenarten, die wir eingeführt, unsere Namen zum ewigen Gedächtniß unser auflegen. Von den Eingeborenen der Pelew-Inseln (Ua.la.os, UanIoZ) entwirft uns Cantova ein abschreckendes Bild*). Es sind nach den Nachrichten, die er eingesammelt, feindliche Menschenfresser. Dieselben erscheinen uns sodann in den Berichten des erkenntlichen Henry Wilson, der ihrer großherzigen Gastlichkeit die Rückkehr ins Vaterland verdankte, im günstigsten Lichte, dem Farbenspiele der Liebe, mit allen Tugenden ausgestattet, — und die That bewährt, daß sie die meisten dieser Tugenden ausgeübt. Wir leben mit Wilson unter diesem Volke, sehen mit eigenen Augen und urthei- len selbst. Seit Wilson haben die Engländer, Spanier, Amerikaner die Pelew-Inseln unausgesetzt besucht, verschiedene Europäer haben sich dort angesiedelt, und der Trepang wird fortwährend auf deren Riffe für den Markt von Canton gesammelt. Kadu aus Ulea war auf den Pelew-Jnseln, und in seinem Urtheil geht eine Vergleichung beider Völker uns auf. Diese Vergleichung ist, wie das Urtheil unseres Freundes, den Eingeborenen von Pelli ungünstig. Kadu rügt besonders, wie er sie aller Scham entblößt befunden, so daß sie viehisch den Naturtrieb vor Aller Augen befriedigten. Er erweckte in uns das Bild einer ausschweifenden Verderbtheit, wie sie auf den Sandwich-Inseln zu Hause ist. Etliche Blätter, die ein Spanier, der neun Monate auf den Pelew-Jnseln zugebracht, uns in Cavite über diese Inseln mitge- Inäiens ä«s Oaro1ine8 rv^aräent eette natiov avee liorreur, eomme I'enne- mle äu Avnre Lumain et avee layuellv il est äanxereux ä'avoir 1e moiaäre eommeree. Oe raxport me paroit üäele et tres eonkorme ä ee izue nou8 ea 3. apxr!8 1e ?. Lernarck ^688ia, eomme on le xeut voir äau8 8a re- laticm. Dieser Bericht wird nirgends gefunden und scheint nicht gedruckt worden zu sein. 211 theilt, sind schmähend und nicht beurtheilend abgefaßt. Er macht weniger Eindruck aus uns als unser redlicher Freund, dessen Beschuldigungen er unter andern umständlich wiederholt. „Der Mann erkennt das Weib im Angesichte aller Menschen. Alle sind bereit, für jede Kleinigkeit ihre Weiber Preis zu geben rc." Aber er giebt ihnen auch schuld, Menschenfleisch zu essen, und gönnt ihnen von Menschen kaum die Gestalt. Wir legen seine traurige Schrift aus der Hand, nachdem wir blos ihrer erwähnt. — Es sind wohl nicht mehr die unschuldigen, arglosen Freunde von Wilson. Was sie von uns gelernt, hat sie nicht besser gemacht. 14 * Die Penrhyn-Znseln.*) Die hohen, vollen Wälder, welche die Cocospalme auf den Penrhyn-Jnseln bildet, täuschten uns von fern mit dem Anschein erhöheter Ufer. Rauch verkündete die Gegenwart des Menschen. Bald, als wir uns dem Tande genähert, umringten uns zahlreiche Boote, und ein friedliches Volk begehrte mit uns zu verkehren. Die Insulaner sind stark und wohl gebaut, beleibter als die Bewohner der Oster-Insel und von derselben Farbe als sie. Sie sind nicht tatuirt, dagegen haben Viele quer in die Haut des Leibes und der Arme eingerissene Furchen, Striemen, die bei Einem noch frisch und blutend schienen. Es fehlen ihnen öfters die Vorderzähne. Aeltere Leute werden feist und haben dicke Bäuche. Wir bemerkten verschiedene Greise, die den Nagel des Daumes wachsen gelassen, ein redendes Ehrenzeichen ihres vornehmen Müßigganges. Bei Einem hatte dieser einwärts gebogene Nagel eine Länge von 2 bis 3 Zoll erreicht. Wir zählten gegen 36 Boote. In jedem waren 7 bis 13 Männer, welche zu Einer Familie zu gehören schienen. Ein Greis (der Hausvater?) stand in der Mitte und führte das Wort. Er hatte, anscheinlich als Friedenszeichen, das Ende eines Cocosblattes um den Hals gebunden. Weiber befanden sich nur in drei Booten. In *) ok Oovsrnor?tuUjp. Lveonä eäitinn, I^onäon 1790. p. 233. — >Vatts narrativi; ok ttie rvturn ok t1lv laäzk konrbyn (Oap. Lsvirr) ;>. 254. und x. 33. lakls 7. p. 39. 213 diesen nahm ein bejahrtes Weib (die Hausmutter?) den Hinteren Sitz ein und schien eine gewichtige Stimme in den Angelegenheiten der Männer zu haben. Die Autorität keines Einzelnen schien sich weiter als über sein eigenes Boot zu erstrecken. Die Weiber tragen einen mit freihängenden Baststreifen besetzten Gürtel, welcher dem Männerkleide von Radack ähnlich ist; die Männer an dessen Statt nur ein durch Schnüre befestigtes Bündel von Cocosblättchen. Nur wenige hatten eine ärmliche Schulterbedeckung. Diese besteht in einer groben, aus zwei Stücken von einem Cocosblatt geflochtenen Matte. Ein Theil der Mittelrippe, der die Blättchen trägt, bildet den unteren Saum dieses korbähnlichen Mantels. Zuweilen sind gebleichte Pandanusblätter der Zierlichkeit wegen eingeflochten. Wenige trugen einen Kopfputz von schwarzen Federn. Sie drängten sich gesprächig und zutraulich an das Schiff, keiner aber unterfing sich, unfern Einladungen, auf dasselbe zu steigen, Folge zu leisten. Sie hatten gegen unsere Waaren, nach denen sie sich begierig zeigten und die sie mit einer Art Verehrung empfingen, nur wenig zu vertauschen; einige Cocosnüsse, mehrstens unreife, den Durst zu löschen, zufällig mitgenommene Geräthschaften und ihre Waffen. Diese sind lange Spieße von Cocosholz, an deren Fuß eine Handhabe von anderem Holze mit Schnüren von Cocosbast befestigt ist und deren Spitze entweder erweitert und zweischneidig, oder einfach und lang zugespitzt ist. Sie weigerten sich erst, diese Waffen zu veräußern, und entschlossen sich nur dazu gegen lange Nägel oder wollene scharlachene Gürtel. Wir erhandelten von ihnen etliche Fischangeln, die, aus zwei Stücken ächter Perlemutter zusammengesetzt und auf das zierlichste gearbeitet, denen der Sandwich- Inseln vollkommen gleich waren. Die Boote sind aus mehreren, mittels Schnüren von Cocosbast wohl an einander gefügten Holzstücken gearbeitet. Beide Enden sind über dem Wasser abgerundet und unter dem Wasser mit einem vorspringenden Sporen versehen. Sie haben einen Ausleger und die Waffen liegen auf demselben verwahrt. 214 Ein Boot, welches aus einer der entfernteren Inseln der Gruppe unter Segel auf uns zu kam, wurde nicht erwartet. Die niedere Gruppe der Penrhyn ernährt reichlich eine starke Bevölkerung, welches das Ansehen der Menschen verbürgt. Wir kennen von ihren Erzeugnissen nur die Cocoswälder sonder Gleichen, die sie überziehen, und den Pandanus. Welche Früchte sonst und welche Wurzeln, ob auch das Schwein und der Hund, oder letzterer allein daselbst vorhanden sind, haben wir aus keinen Merkmalen ab- nehmcn können. Als wir uns von den Penrhyn entfernten, überhingen sie blitzend und donnernd Gewitterwolken und gewährten uns ein erhabenes Schauspiel, dessen man selten zur See genießt. Die niedern Inseln unter dem 15° S. B. zwischen dem 138° und 149° W. L. Die Insel Romanzoff. Die niedern Inseln, welche wir gegen den 15. Grad südlicher Breite zwischen dem 138. und 149. Grad Länge westlich von Greenwich im Jahr 1816 gesehen, namentlich in der Ordnung, in der sie von Ost in West, der Richtung unsers Courses, aufeinander folgen: die zweifelhafte Insel (Sumnlteln/ Ostroik), die Inseln Romanzoff und Spiridoff, die Ruriks- und Deans-Ketten und die Inseln Kru- senstern, einerseits mit den Entdeckungen früherer Seefahrer und besonders mit denen von Le Maire und Sho Uten, deren Cours wir folgten, zu vergleichen, und anderer SeitS ihre Namen auf der Karte von Tnpaya, in deren Bereich sie sich befinden, aufzusuchen — überläßt der Verfasser dieser Aufsätze den gelehrten Hydrographen, die in Ansehung der gleichgestaltenen Riffe und niedern Inseln dieses Meerstriches der wissenschaftlichsten Kritik bedürfen. Krusenstern hat in seinen Beiträgen zur Hydrographie S. 173 u. f. die erste dieser Aufgaben abgehandelt. Wir können jedoch in der traurigen Spiridoff-Jnsel die wohlbevölkerte und mit Cocosbäumen reich bewachsene Sondergrondt nicht erkennen, was uns andere seiner Bestimmungen mit zu erschüttern scheint. . Die von uns gesehenen Inseln haben uns alle unwirthbar und wirklich unbewohnt geschienen, der Eocosbaum erhebt sich nur auf der kleinen Insel Romanzoff, der einzigen, auf der wir landeten. Die Bildung, zu der sie insgesammt gehören, ist bereits erläutert worden. Wir haben nur über die, welche wir betreten haben, einige Berner- kungm mitzutheilen. Ein Blick auf den Atlas wird in Rücksicht der übrigen belehrender sein als was wir zu sagen vermöchten. Die Insel Romanzoff ist von geringem Umfange. Der aufgeworfene Damm von Madreporen-Geschieben, der ihren äußern Saum bildet, schließt eine Niederung ein, wo die Dammerde mehr Tiefe zu haben scheint und aus welcher sich schlangstämmige Cocospalmen hie und da erheben, ohne sich zu einem ganzen Walde zu drängen. — Der erhöhte schützende Rand ist auf der Seite unter dem Winde stellenweis durchbrochen, und es scheint, daß bei sehr hoher Fluth das Meer in das Innere der Insel eindringen müsse. Das an manchen Stellen angesammelte Regenwasser war vollkommen süß. Die Flora ist von der äußersten Dürftigkeit. Wir zählten nur neunzehn Arten vollkommene Pflanzen (ein Farrenkraut, drei Monokotyledonen und fünfzehn Dikotyledonen) und wir glauben nicht, daß viele unserer Aufmerksamkeit entgangen sind. Die niedern Ako- tyledonen, womit in höheren Breiten die Vegetation anhebt, scheinen zu fehlen. Die Lichene erscheinen nur an älteren Baumstämmen als ein pulverähnlicher Ueberzug, und der schwarze Anflug des Gesteins scheint nicht vegetabilischer Natur zu sein. Ein Moos und etliche Schwämme, die wir auf Radack gefunden, haben sich uns auf Romanzoff nicht gezeigt. — Die Pflanzers die wir beobachteten, waren: ein Polipodium, der Cocosbaum, der Pandanus, ein Gras, Soasvola Lönigii, ü'onrnelortia urgenten, Lxrbram Leinxbis, Onstturcku spe- oiosu, eine Lusaka, eine Lnxborbia, eine Losrbuvia, eine krautartige Nesselart, Pflanzen, welche alle auf Radack Vorkommen; und an Pflanzen, die daselbst fehlen: zwei strauchartige Rubiaceen, ein anderer Strauch, Litbosxeimam inoanaw Lorst., Lortnluoeu (ole- raesu?), l-exickium xiseiäinm Lorst. und eine Ladinern (?). Gesträuche mit ganzrandigen, einfachen, meist fleischigen Blättern und farblosen Blüthen bilden ein leicht durchdringliches Gebüsch, über welches der Cocosbaum sich erhebt, worin der Pandanus sich allein durch seine auffallende Form auszeichnet und nur die Onss^tu mit blätterlosen röthlichen Fäden rankt. Der Grund scheint überall durch das lose Pflanzenkleid hindurch. Wir haben die Ratte, die freilich während der heißen Mittags- 217 stunden (der Tageszeit, die wir auf der Insel zubrachten) sich eingezogen hält, nicht wahrgenommen. Verschiedene Arten Waldvögel (dlumenins, 8eoloxax) waren auf der Insel häufig, sie schienen nicht den Menschen fürchten gelernt zu haben. Sie wichen nur vor unfern Tritten, wie zahmes Geflügel in einem Wirthschaftshof. Die Sterna stoliäa war unter den Wasservögeln am häufigsten. Der zutrauliche Vorwitz dieses Vogels hat ihm billig seinen Namen verdient. Es flogen uns in diesem Meerstrich mehrere buchstäblich in die Hände, und wir schenkten etlichen ihre Freiheit wieder, nachdem wir ihnen Zettel mit dem Namen des Schiffes und dem Datum um den Hals gebunden hatten. Eine kleine Eidechse schien aus der Insel Romanzoff der einzige unbeflügelte Gast zu sein. Ein kleiner Schmetterling war gemein und das einzige Insekt, das uns in die Hände fiel. Die Insel Romanzoff wird von andern Inseln her besucht, welche außer Sicht von derselben liegen. — Der Landungsplatz ist auf der Seite, die dem Winde zugekehrt ist. Von da aus führen glänzend in die scharfen Korallentrümmer getretene Pfade in verschiedenen Richtungen durch die Insel. Wir fanden im Innern ein der Verwesung überlassenes kleines Boot, das aus einem Cocosstamm ausgchöhlt und mit einem Ausleger versehen war. An zwei verschiedenen Stellen standen leichte, zirkelförmige Hütten, die aus wenigen Stäben, groben Matten und Cocosblättern zusammengesetzt waren. Wir fanden in einer derselben ein kammähnliches Geräth von Holz, mit Schnüren von Cocosbast zusammengefügt. Gruben waren zpm Ansammeln des Regenwaffers gehöhlt. Feuer hatte an verschiedenen Orten über der Erde gebrannt, Backgruben bemerkten wir nicht. Unter dem Winde der Insel schien längs dem Strande ein Platz zum Aufziehen von Leinen eingerichtet zu sein, und in der Nähe dieses Ortes war ein junger Baum mit abgeschnittenen Aesten, woran Cocosnüfse und Blätter und eine Schnur von Cocosbast hingen. Feste Wohnungen oder Morais waren auf der Insel Romanzoff nicht, und wir fanden keine Merkmale eines neulichen Besuches der Menschen. Waihu oder die Oster-Jnsel. — Salas y Gomez*). Wir setzten eben nur den Fuß aus den Lavastrand der Oster- Jnsel, und schmeicheln uns nicht, die Kenntniß, die man davon hat, beträchtlich erweitern zu können. Wir beziehen uns auf die Berichte unserer Vorgänger, und suchen nur den Eindruck, den diese rasche Berührung in uns hinterließ, unfern Lesern zu vergegenwärtigen. Die Oster-Znsel erhebt sich mit breitgewölbtem Rücken, dreieckig, die Winkel an pyramidenförmige Berge anlehnend, majestätisch aus den Wellen empor. Es wiederholen sich in ihr im Kleinen die ruhig großartigen Linien von O.-Waihi. Sie schien uns durchaus mit dem frischesten Grün angethan, die Erde überall und selbst an den steilsten Abhängen der Berge in gradlinige Felder eingetheilt, die sich durch anmuthige Farbenabstufungen unterschieden, und deren viele in gelber Blüthe standen. Wir staunten diese vulkanische, steinbedeckte, wegen ihres Mangels an Holz und Wasser berüchtigte Erde verwundert an! Wir glaubten einige der kolossalen Bildsäulen, die so viel Bewunderung erregen, auf der Südostküste mit dem Fernrohr unterschieden zu haben. In Cooksbai auf der Westküste, wo wir die Anker fallen ließen, sind diejenigen dieser Büsten, die den Landungsplatz bezeichnten, und die Listanskoy noch gesehen hat, nicht mehr vorhanden. *) Ärusenstern Beiträge zur Hydrographie p. 21S. — 219 Zwei Kanots (wir sahen im Ganzen nur drei auf der Insel) waren uns, jedes mit zwei Mann bemannt, einladend entgegen gekommen, ohne sich jedoch an das Schiff heran zu wagen. Schwimmende hatten unser zum Sondiren ausgesetztes Boot umringt und den Tauschhandel mit ihm eröffnet. Die Untreue eines dieser Handelnden war streng bestraft worden. Wir ließen, eine Landung zu versuchen, ein zweites Boot in die See. Ein zahlreiches Volk erwartete uns friedlich, freudig, lärmend, ungeduldig, kindergleich und ordnungslos am Ufer. Mit Laperouse zu entscheiden, ob diese Kindermenschen zu bedauern sind, zügelloser zu sein als andere ihrer Brüder, ist unsers Amtes nicht. Gewiß ist es, daß dieser Umstand den Verkehr mit ihnen erschwert. Wir näherten uns dem Strande. Alles lief, jauchzte und schrie, Friedenszeichen, bedrohliche Steinwürfe und Schüsse, Freundschaftsbezeigungen wurden gewechselt. Endlich wagten sich die Schwimmenden haufenweise an uns heran, der Tauschhandel begann mit ihnen und ward mit Redlichkeit geführt. Alle, mit dem wiederholten Rufe Ws! Llüs!, begehrten Messer oder Eisen gegen die Früchte und Wurzeln und die zierlichen Fischcrnetzc, die sie uns anboten, zum Tausch. Wir traten auf einen Augenblick an das Land. Diese als so elend geschilderten Menschen schienen uns von schönen Gesichtszügen, von angenehmer und ausdrucksvoller Physiognomie, von wohlgebildetem, schlankem, gesundem Körperbau, das hohe Alter bei ihnen ohne Gebrechen. Das Auge des Künstlers erfreute sich, eine schönere Natur zu schauen, als ihm die Badeplätze in Europa, seine einzige Schule, darbieten. Die bläulich breitlinige Tatuirung, die den Lauf der Muskel kunstreich begleitet, macht auf dem bräunlichen Grunde der Haut eine angenehme Wirkung. Es scheint an Bastzeugen kein Mangel zu sein. Weiße oder gelbe Mäntel davon sind allgemein. Frische Laubkränze werden in den bald länger bald kürzer abgeschnittenen Haaren getragen. Kopfputze aus schwarzen Federn sind seltener, wir bemerkten zierlich anliegende Halsbänder, die vorn mit einer geschliffenen Muschel Patella) geschmückt waren. Keine unschöne, entstellende Zierrathen fielen uns auf. Die bei einigen Greisen durchbohrten und erweiterten Ohr- 220 lappen waren zusammengeknüpft, in das Loch wieder durchgezogen und unscheinbar. Die Schneidezähne waren öfters ausgebrochen. Einige junge Leute unterschieden sich durch eine viel hellere Farbe der Haut. Wir sahen nur wenige Weiber, diese mit dunkelroth gefärbten Gesichtern, ohne Reiz und Anmuth und wie es schien ohne Ansehen unter den Männern. Eine derselben hielt einen Säugling an der Brust. Wir halten uns deshalb zu keinem Schluß über das Zahlenverhältniß der beiden Geschlechter berechtigt. Wenn wir die Berichte von Cook, Laperouse, Lisianskoy und unsere eigenen Erfahrungen vergleichen, dränget sich uns die Vermuthung auf, daß sich die Bevölkerung der Oster-Insel vermehrt und der Zustand der Insulaner gebessert hat. Ob aber die wohlthätigen Absichten des menschenfreundlichen Ludwig XVI., der diesem Volke unsere Hausthiere, nutzbaren Gewächse und Fruchtbäume durch Laperouse überbringen ließ, erreicht worden, konnten wir nicht erfahren, und wir müssen es bezweifeln; wir sahen nur die in Cook aufgezählten Produkte, Bananen, Zuckerrohr, Wurzeln und sehr kleine Hühner. Als wir am Abend die Anker lichteten, ruheten befruchtende Wolken auf den Höhen der Insel. Wir haben die vermuthliche Veranlassung des zweifelhaften Empfanges, den man uns auf der Oster-Jnsel gemacht, seither erfahren und über uns selbst zu erröthen Ursache gehabt, wir, die wir diese Menschen Wilde nennen. — Die Insel Salas y Gomez ist eine bloße Klippe, die nackt und niedrig aus den Wellen hervortaucht; sie erhebt sich sattelförmig gegen beide Enden, wo die Gebirgsart an dem Tage liegt, indem die Mitte anscheinlich mit Geschieben überstreut ist. Sie gehört nicht zu den Korallenriffen, die nur weiter im Westen vorzukommen beginnen. Vermuthen lassen sich Zusammenhang und gleiche Natur mit dem hohen vulkanischen Lande der nahgelegenen Oster-Jnsel. Noch sind keine Anfänge einer künftigen Vegetation darauf bemerkbar. Sie dient unzähligen Waffervögeln zum Aufenthalt, die solche 221 kahle Felsen begrünten, obgleich unbewohnten Inseln vorzuziehen scheinen, da mit den Pflanzen sich die Insekten auch einstellen, und die Ameisen, die besonders ihre Brut befährden. Die Seevögel, - nach unserer unmaßgeblichen Erfahrung, werden am häufigsten über dem Winde der Inseln, wo sie nisten, angetroffen. — Man sieht sie am Morgen sich gegen den Wind vom Lande entfernen und am Abend mit dem Winde dem Lande zufliegen. Auch schien Kadu den Flug der Vögel am Abend zu beobachten. Man soll bei Salas y Gomez Trümmer eines gescheiterten Schiffes wahrgenommen haben; wir späheten umsonst nach denselben. Man schaudert, sich den möglichen Fall vorzustellen, daß ein menschliches Wesen lebend darauf verschlagen werden konnte; denn die Eier der Wasservögel möchten sein verlassenes Dasein zwischen Meer und Himmel auf diesem kahlen sonnengebrannten Steingestell nur allzu sehr zu verlängern hingereicht haben. Die Sandwich-Inseln. — Die Zohnstone-Znseln. O-Waihi steigt in großartig ruhigen Linien majestätisch aus den Wellen empor und gestaltet sich mit enormer Masse zu drei verschiedenen Berggipfeln, von denen auf zweien der Schnee mehrere Monate im Jahre liegt. Wir haben beidemal die Sandwich-Inseln im Spätjahr besucht und auf den Höhen von O-Waihi keinen Schnee gesehen*). Mauna-roa, der große Berg, La Mesa, die Tafel der Spanier**), erhebt sich breit gewölbt südlich im Innern der Insel und überragt die andern, die sich ihm anschließen. Mauna-kea, der kleine Berg, der nächste nach Mauna-roa, nimmt mit zackigen Zinnen den Norden ein. Der dritte, Mauna-Wororap, ein vulkanischer Pic, befindet sich auf der Westküste. Sein Krater ist in Vancouvcr's Atlas abgebildet. Auf seinen nackten Abhängen erschimmern Lavaströme, deren letzten er durch einen Seitenausbruch im Jahr 1801 nach dem Meere zu ergossen hat^-). Das Dorf Powarua ist am Im November 1816 und im September 1817. **) O-Waihr und die Sandwich-Inseln. La Mesa oder La Mira und Los Monges der alten spanischen Karten (San Francisco von Anson's Karte möchte ebenfalls O-Waihi sein) mußten oft von den Galleonen auf der Fahrt von Acapulco nach Manila gesehen werden. Es ist zu bemerken, daß Herr Marini in den VolkSsagen von O-Waihi keine Erinnerung früheren Verkehrs mit Europäern auffinden gekonnt. a) Im Jahre 1774 nach Otroris, xitdorvscgrre. isio 8nn>t«ieir x.!i. 223 Strande auf dieser schlackenartigen Lava erbaut. Der Mauna- Puoray, der die Nordwestspitze der Insel bildet, schließt sich als ein geringerer Hügel den Grundfesten von Mauna-kea an. Die Höhen von O-Waihi erscheinen meist klar und rein während der Nacht und am Morgen; der Wasserdunst schlägt sich gegen Mittag an denselben nieder; die Wolken, die sich erzeugen, ruhen am Abend in dichtem Lager verhüllend über der Insel und lösen sich gegen Mitternacht wieder auf. Wo wir uns O-Waihi genähert haben, die Nordwestspitze umsegelnd und längs der Westküste bis an den südlichen Fuß des Wo- roray bei Titatua, erscheinen die Abhänge kahl und sonnengebrannt. Etliche Gegenden gehören dem Feldbau an, die meisten überzieht ein fahler Graswuchs. Hoch unter den Wolken fängt erst die Region der Wälder an, und das Auge erreicht kaum die nackten Kronen des Riesenbaues. Der Strand bietet eine ununterbrochene Reihe von Anfledlungen dar, die, wie man nach Süden fortschreitet, reicher umgrünt und von häufigeren Cocospalmen untermischt sich zeigen. In der vulkanischen Gebirgskette der Sandwich-Inseln scheint allein noch der Wororay auf O-Waihi wirksam zu sein. Heiße Quellen befinden sich im Gebiete Kochala bei dem Wohnsitze des Herrn Jung, an der Küste südlich von Puoray. — Die Kette läuft von der Nordwestspitze von O-Waihi über die Inseln Mauwi, Morotoi und O-Wahu nach West-Nord-West. Der östlichere Berg auf Mauwi giebt an Höhe dem Wororap, dessen großartige Formen er wiederholt, nur wenig nach. Der westlichere ist niedriger, und sein Gipfel scheint in zwei verschiedene Spalten von Nord in Süd tief eingerissen zu sein. Die großgezeichneten Berglinien senken sich auf Morotoi noch niedriger bis zu der ganz stachen westlichen Spitze dieser Insel. Das Gebirge erhebt sich wiederum auf O-Wahu (Waohoo der Engländer), wo es bei einem ganz verschiedenen Charakter kaum ein Viertheil der Höhe von O-Waihi erreicht. Zwei ungleiche Berggruppen erheben sich auf der Insel O-Wahu. Die östliche niedrige 224 hat einen größern Umfang als die westliche, welche die höheren Gipfel enthält. Das Gebirge, von reichbewässerten, schön begrünten Thälern tief durchfurcht, erhebt zackige Gipfel in unmhigen Linien. Tiefer als in O-Waihi senken sich die Wälder auf ihren Abhängen zu den sonnengebrannten Ebenen, welche die Insel meist umsäumen und einst Korallenriffe waren, die das Meer bedeckte; und Korallenriffe erstrecken sich vor diesen Ebenen weit in das Meer. Eine Furche im Riff am Ausstusse eines Stromes angesammelter Berggewässer bildet am südlichen Fuß der östlichen Bergmaffe den sichern Hafen von Hana-ruru, von welchem Orte aus sich unsere Exkursionen in verschiedenen Richtungen durch beide Theile der Insel erstreckten. Der nächste niedrige Hügel hinter Hana-ruru ist ein alter Vulkanen - Krater, dessen verschütteter Mund, wie die äußeren Abhänge, mit dichtem Grase bewachsen ist. Ein anderer ähnlicher, aber größerer und höherer Krater begrenzt als ein meerbespültes Vorgebirge die Aussicht nach Osten. Angebliche Diamanten, die ein Europäer in dieser Gegend gefunden haben soll, haben den Tabu veranlaßt, mit dem dieser Berg belegt worden ist. Man hat uns als solche gemeine Quarzkrystalle gezeigt. Das Gebirge erhebt sich hinter diesen nackten Vorhügeln schön begrünt in ungleichen Stufen zu seinem höchsten Rücken, welcher längs der nördlichen Küste läuft. Thäler und Schluchten führen zu den Pässen, die es zwischen seinen Gipfeln durchkreuzen. Das Thal Nuanu hinter Hana-ruru ist unter allen das weiteste und an- muthigste. Jenseits gegen Norden oder Nordosten bietet das Gebirge einen steilen Absturz, den man nur barfuß auf schwindligen Pfaden und Felsenstiegen erklimmen kann. Niedere Hügel, von sonnengebrannten Savannen überzogen, vereinigen die beiden Bergmassen der Insel. Südlich dieser Hügel schlängelt sich mehrfach verzweigt bis an deren Fuß der Einlaß des Meeres, den die Engländer l?earl rivsr nennen, durch eine weite Ebene, die ein meerverlassenes Korallenriff ist, dessen Oberfläche gegen zehn Fuß über den jetzigen Wasserspiegel erhaben sein mag. Dieser Fiord scheint den schönsten Hafen darzubieten, doch soll 225 eine Bank den Schiffen den Eingang versperren. Er nimmt nur vom östlichen Gebirge Wafferströme auf. Das westliche höhere Gebirge, dessen Rücken nach dem Innern der Insel gekehrt ist, ergießt seine Gewässer in die Thäler, die es gegen Westen zwischen etliche Arme einschließt. Die Paffe zwischen den Gipfeln sind hoch und steil und nur auf gefährlichen Pfaden zu erklettern. Die Ueppigkeit der Vegetation, die in der Höhe von etwa dreihundert Toisen, zu welcher wir gestiegen, unverändert erscheint, entzieht meist dem Auge des Geognosten den Gegenstand seiner Forschung, und die Gebirgsart kommt selten an den Tag. Wir haben in beiden Theilen der Insel nur Mandelstein und Thonporphyr beobachtet; schwarze Stellen, die wir von der See aus am östlichen Abhang und Fuße des größern alten Kraters bemerkten, schienen uns eine Lava zu sein. Um die Gipfel der Berge sammeln sich die Wolken an, und Regen fällt häufig im Innern der Insel, während eine brennende Sonne den Strand versengt. Die Temperatur verändert sich merklich, sobald man nur von den äußeren Ebenen in die Bergthäler tritt. Wir besaßen bereits drei von einander sehr abweichende ungefähre Messungen der Höhe von Mauna-roa, nach King, Marchand und Horner. Die genauere Messung von Herrn von Kotzebue stimmt bis auf sechs Toisen mit dem Mittleren der drei früheren überein, und seine trigonometrische Arbeit über die übrigen Gipfel der Sandwich-Inseln bietet eine interessante Reihe dar^). Die Kürze der Frist, die uns beidemal bestimmt war, erlaubte uns nur mit Betrübniß zu den Bergen von O-Waihi zu schauen, 6) Auf O-Waihi Mauna-roa. 2182,4 Toisen. Mauna-kea. 2180,1 - Manna-Wororay .... 1887,1 - Mauna-Pnoray (mündl. mttgetheilt) 817,3 - Der östliche höhere Gipfel von Mauwt . 1663,1 - Auf O-Wahu der höchste Gipfel im N. W. . 631,2 - der höchste Gipfel tm S. O. S2S,0 - (Kotzebuc's Reise II. S. 21 und 22.) IV. 15 226 die uns zu verdienen schienen, der Zweck einer eignen Reise nach den Sandwich-Jnseln zu sein. Wir mutzten am Ziele selbst darauf Verzicht thun. Mauna-roa von Titatua aus zu besteigen, erfordert eine Reise von mindestens zwei Wochen (man vergleiche Vancouver), und wenn wir zu Titatua und zu Powarua am Futze selbst des Wo- roray dessen Gipfel in kurzer Frist zu ersteigen hoffen durften, blieb uns die Reise zum Schiff nach Hana-ruru in einem Doppelkanot der Eingeborenen unzuverlässig, da sich auf keinen Fall über ein solches Fahrzeug gebieten läßt, häufige Tabu die Schifffahrt hemmen, und die Ueberfahrt von O-Waihi nach Mauwi und von Morotoi nach O-Wahu von den Winden erschwert und lange verzögert werden kann. Was Archibald Menzies, der gelehrte Gefährte von Vancouver, in verschiedenen Reisen auf den Höhen von O-Waihi und Mauwi an Pflanzen gesammelt hat, ist mit so vielen ändern Schätzen im Herbario Banks' noch vergraben; und obgleich der ehrwürdige Senior der Naturforscher sein (laroxlrz-Invinm mit gleich unbeschränkter Gastfreiheit allen Gelehrten offen hält, hat keiner noch übernommen, uns mit der alpinischen Flora von O-Waihi bekannt zu machen. Die Flora von O-Wahu hat mit der des nächsten Kontinents, der Küste von Californien, Nichts gemein. Die blätterlose Form der Akazien, die Gattungen Llotrosicleros, ikaixtnnus, Lantnium, Llonrites, vrncnsna, ^mowllw, Ourouma, Daova drücken ihr das Siegel ihres Ursprungs und ihrer natürlichen Verwandtschaft auf. Vorherrschend sind die Familien der Rubiaceen, Contorten und Ur- ticeen, aus welcher letzten viele verschiedene wildwachsende Arten zur Verfertigung verschiedenartiger Bastzeuge benutzt werden. *) Etliche baumartige milchige Lobeliaceen zeichnen sich aus. — Der äußere Saum der Insel bringt nur wenige Arten Gräser und Kräuter her- *) Der Papiermaulbcerbaum (Lroussonvtia papyrrkvrn) wird auf den -Sandwich-Inseln, wie auf den mehrstcn Inseln der Südsee, zur Verfertigung von Zeugen angebaut. Man irrt aber zu glauben, daß nur aus dessen Ninde Zeuge gemacht werden. 227 vor. Im Innern ist die Flora reich, ohne jedoch an üppiger Fülle der brasilianischen Natur vergleichbar zu sein. Nur niedrige Bäume steigen hinab zu Thal; unter ihnen die ^leurites triloba, die mit weißlichem Laube sich auszeichnende Gebüsche um den Fuß und an dem Abhange der Berge bildet. Man findet hie und da in den hohen Bergschluchten wundervolle Bananenhaine, die, Stamm an Stamm gepreßt, eine dunkle Nacht unter ihren großen ausgebreiteten Blättern hegen. Diese Pflanze, die am Strande kultivirt kaum fünf Fuß hoch wird, erreicht an solchen Orten eine dreifache Höhe. — Die Akazie, aus deren Stamm die großen Kanots der Eingeborenen ausgehöhlt werden, erreicht nur im hohen Gebirge die dazu erforderliche Größe, und es findet sich auch nur da der Sandelbaum, dessen in China so sehr gepriesenes Holz dem Beherrscher dieser Inseln zu Schätzen verhelft, während das bedrückte Volk, welches dasselbe einsammeln muß, seinem Feldbau und seinen Künsten entzogen, verarmt. Die Tarowurzel (Lrum esouleutum), zu einem zähen Brei, nachdem sie gekocht worden, gestampft, macht die Hauptnahrung des Volkes aus. Am fruchtreichsten unter den Sandwich-Inseln ist O-Wahu, von der O-Waihi einen Theil seines Bedarfs an Taro bezieht. Die Kultur der Thäler hinter Hana-ruru ist bewundernswürdig. Kunstvolle Bewässerungen unterhalten selbst auf den Hügeln Taropflanzungen, die zugleich Fischweiher sind, und allerlei nutzbare Pflanzungen werden auf den sie scheidenden Dämmen angebaut. Viele eingeführte Pflanzen werden nun neben den ursprünglich einheimischen angebaut; aber das Volk, welches seiner alten Lebensweise anhängt, macht von wenigen Gebrauch. Unter diese ist hauptsächlich der Tabak zu rechnen, dessen Genuß sich anzueignen alle Völker der Erde sich gleich bereitwillig erwiesen haben. Die Wassermelone, die Melone und das Obst überhaupt haben nächst dem Tabak die willigste Aufnahme gefunden. Außer dem verderblichen Kava werden gegohrne Getränke aus der 1'ea-root (vra- easna termlnaiis) bereitet, aber das Zuckerrohr wird dazu noch nicht benutzt. 15 * 228 Der Betriebsamkeit des Herrn Marini als Landwirth haben die Sandwich-Inseln im Allgemeinen, und O-Wahu, sein jetziger Aufenthalt, insbesondere Vieles zu verdanken. Er hat unsere Thier- und Pflanzenarten unermüdlich eingeführt und vermehrt. Er besitzt bei Hana-ruru zahlreiche Rinderheerden. (Die Ziegen scheinen allgemeiner verbreitet.) Er besitzt Pferde, und wird Esel und Maul- thiere, die in diesen Gebirgen nützlicher sind, vermehren. Viele ausländische Bäume und Gewächse werden in seinen Pflanzungen gehegt. Etliche, die er eingeführt, werden bereits überall verwildert gefunden, z. B. Uortnlacca olsraeea. (Der einheimischen Flora gehören nur zwei andere Arten derselben Gattung an.) Er hat jüngst den Reis, nach mehreren vergeblichen Versuchen, aus chinesischem Samen aufgehen sehen. Er hat Weinberge von beträchtlichem Umfange angelegt, und die Traube gedeihet zum Besten; aber er ist in der Kunst, den Wein zu keltern, noch ungeübt. Wir haben auf unserer Reise vielfach in Erfahrung gebracht, daß überall die Kunst, die vorhandenen Produkte zu benutzen, dringenderes Bedürfniß sei als die Einführung neuer Erzeugnisse, und ergreifen diese Gelegen- heit, menschenfreundlichen Reisenden einen nützlichen Fingerzeig zu geben. Es bedarf nur etlicher Bücher zum Unterricht. Die einzigen ursprünglich wilden Säugethiere der Sandwich- Inseln sind eine kleine Fledermaus und die Ratte. Dieser hat sich nun unsere Hausmaus zugesellt, wie sich auch der Floh, Blatta- Arten und andere schädliche Parasiten eingefunden haben. Die Rinder sind nun im Innern von O-Waihi verwildert, wo der König zuweilen welche für seinen Tisch erlegen läßt. Wir bemerkten unter den Landvögeln die dlootarinia ooeoinen, deren geschätzte Federn einen Theil des Tributs ausmachen. Das Meer ist reich an Fischen, deren viele mit einer außerordentlichen Farbenpracht begabt sind. Sie gehören zu den Lieblingsspeisen der Eingeborenen, welche verschiedene Arten in den Taropflanzungen und in Fischweihern erziehen, die auf den Riffen längs dem Strande durch Mauergehege gebildet sind. Unter den Krebsen zeichnen sich schöne Squilla- und Palin- urusarten aus, unter den Muscheln die kleine Perlemuttermuschel, welche nur im Pearl river gefischt wird und aus der kleine Perlen von geringem Werth gewonnen werden. Den reichsten und interessantesten Theil der Fauna möchten die Seewürmer und Zoophyten ausmachen. Es scheinen hier im Allgemeinen andere Arten als auf Radack vorzukommen. Das fortschreitende Wachsthum der Riffe selbst scheint den Eingeborenen nicht entgangen zu sein. Man erzählte uns, daß einmal die Menschen, welche auf Geheiß des Königs eine Mauer aufführten, wozu sie die Steine aus dem Meere holen mußten, bei der Arbeit geäußert, es würde solche von selbst nachwachsen und sich vergrößern. Wir besitzen über die Sandwich-Inseln nur noch die Berichte flüchtiger Reisenden, welche uns in ihrer Treue nur Bilder vorführen, wo wir gründlichere Erkenntniß erwarten und zu begehren immer mehr gereizt werden. Cook entdeckte diese Inseln, und ein unglücklich begonnener Streit ließ ihn unter den starken und kriegerischen O-Waihiern sein schönes Leben beschließen. Sie hatten ihn wie einen Gott verehrt, sie verehren noch sein Andenken mit frommem Sinn. Der Handel folgte den Spuren von Cook nach der Nordwestküste von Amerika; und die Sandwich-Inseln, die den dahin fahrenden Schiffen alle Arten Erfrischungen darboten, erhielten sofort die Wichtigkeit, die ihnen ihr Entdecker beigelegt. Wir werden mit Vancouver einheimisch auf denselben. Ein großer Mann, den wir schon bei Cook als Jüngling kenneü gelernt, hatte auf O-Waihi die Zügel der Macht ergriffen und strebte nach der Alleinherrschaft der gesammten Gruppe. Tameiameia versicherte sich des Schutzes von Großbritannien, indem er in die Hände seines Freundes Vancouver selbstständig, freiwillig und feierlich dem König Georg huldigte. Spätere Reisende bis auf Lisianskoy, von den auf den Sandwich-Insel» angesiedelten Europäern unterrichtet, erweitern unsere Kenntniß derselben und berichten uns den Verlauf der Geschichte. Unsere gewinnsichtigen Abenteurer schüren geschäftig den Krieg, um die Waffen, womit sie bezahlen, in Preis zu erhalten. Tameiameia vollführt die Eroberung aller Inseln, und der König von Atuai (der im Westen abgesonderten Gruppe) 230 eilet, sich freiwillig dem zu unterwerfen, dem er nicht widerstehen kann. Er wird zwar zur Empörung unter der Flagge der Russisch-Amerikanischen Compagnie verleitet, aber er sühnt sogleich sein Vergehen und huldigt seinem Lehnsherrn aufs Neue (1817). Tameiameia, durch die Lage seines Reiches und das Sandelholz, das es hervorbringt, begünstigt, hat erstaunliche Reichthümer gesammelt. Er kaust mit baarem Gelde Geschütz und Schiffe, baut selbst kleinere Schiffe, die, wenn er das Kupfer sie zu beschlagen erspart, auf das Land gezogen unter Schuppen zu Titatua, Karakakoa und andern Orten der Insel O-Waihi verwahrt werden. Er schickt seine Schiffe aus, halb von Eingeborenen, halb von Europäern bemannt, und versucht, was ihm noch nicht geglückt, seiner Flagge Eingang in Canton zu verschaffen. Er wählt mit großer Menschenkenntniß unter den Europäern, die sich seinem Dienste anbieten; aber er ist gegen die, die er braucht, mit Löhnen und Gehalten freigebig; er ist großgcsinnt und bleibt, bei der Belehrung, die er von den Fremden annimmt, dem Geiste seines Volkes und den väterlichen Sitten getreu. Aber nach dem Tode des alten Helden wird sein durch Gewalt gegründetes und zusammengehaltenes Reich, dessen Theilung bereits entschieden und vorbereitet ist, in sich zerfallen. Kareimok», sonst Naja genannt (Hill Vitt der Engländer), aus dem königlichen Geblüt aus Mauwi entsprossen, ward nach der Eroberung dieser Insel, noch ein Knabe, von Tameiameia verschont, liebreich behandelt und auferzogen. Er hat ihm Liebe, Güter, Macht geschenkt, ihn zu einer Größe erhoben, die kaum der eignen weicht. Er hat das Recht, über Leben und Tod zu sprechen, in seine Hände niedergelegt. Er hat ihn stets treu befunden. Ka- reimoku, Statthalter von O-Wahu und Herr der Festung von Hana-ruru auf dieser letzteren, ihres Hafens wegen wichtigsten der Inseln, ist dieselbe an sich zu reißen gerüstet und kauft für eigne Rechnung Geschütz und Schiffe. Mit ihm ist einverstanden und in enger Freundschaft verbunden Tei motu, der, aus dem Königsstamm von O-Waihi und ein Bruder der Königin Kahumanu, L31 die Insel Mauwi zu seinem Antheil erhält. Der König von Atuai wird unabhängig sein angeborenes Reich behaupten. Und der natürliche Reichserbe, der schwache, geistlose Liolio (kriues ot Wales der Engländer), Enkel des letzten Königs von O-Waihi, Sohn von Tameiameia und der hohen Königin Kahumanu, vor dem sein Vater nur entblößt erscheinen darf, wird auf die Erbinsel O-Waihi beschränkt. Kein Ausländer, so viel ihrer auch unter den mächtigsten Häuptlingen und Rcichsvasallen gezählt werden, kann über die Eingeborenen zu herrschen irgend einen Anspruch machen. Bei diesen bevorstehenden Staatsumwälzungen werden die Sandwich-Inseln bleiben, was sie sind: der Freihafen und Stapelplatz aller Seefahrer dieser Meere. Sollte es irgend eine fremde Macht gelüsten, unsinnig Besitz von denselben zu nehmen, so würde es, die Unternehmung zu vereiteln, nicht der eifersüchtigen Wachsamkeit der Amerikaner bedürfen, welche sich den Handel dieser Meere fast ausschließlich angeeignet, und nicht des sichern Schutzes Englands. Die Eroberung könnte zwar gelingen. Das Fort im Hintergründe des Hafens von Hana-ruru, welches Herr Jung ohne Sachkenntniß angelegt, ein bloßes Viereck von trocknem Mauerwerk, ohne Basteien oder Thürme und ohne Graben, entspricht nicht der doppelten Absicht des Herrschers, sich gegen äußern Angriff und innern Feind zu verwahren. Das Fort müßte, wo es steht, regelmäßig erbaut sein, und es sollte eine Batterie auf dem äußersten Rande des Riffes den Eingang des Hafens vertheidigen. Bei dem Vorrath an Geschütz und Waffen sind die Eingeborenen im Artilleriedienst wie in unserer Kriegskunst noch unerfahren. Ein erster Ueberfall könnte entschieden zu haben scheinen; aber die Sieger hätten nur die Erde zu ihrem eigenen Grabe erobert. Dieses Volk unterwirft sich Fremden nicht, und es ist zu stark, zu zahlreich und zu waffenfreudig, um schnell, wie die Eingeborenen der Marianen-Inseln, ausgerottet zu werden. Dieses ist die geschichtliche Lage der Sandwich-Inseln. Was im Llissionarx rsgister für 1818, Seite 52, behauptet wird, daß ein Sohn von Tamori, König von Atuai, welcher jetzt in der 232 Schule der auswärtigen Missionen zu Cornwall (Connecticut, Nordamerika) nebst andern O-Waihieru erzogen wird, der natürliche Erbe aller Sandwich-Inseln sei, verräth eine unbegreifliche Unkunde. Noch sind keine Missionare auf die Sandwich-Inseln gekommen, und wahrlich, sie hätten auch bei diesem sinnlichen Volke wenig Frucht sich zu versprechen. Das Christenthum kann auf den Inseln des östlichen Polynesien's nur auf dem Umsturz alles Bestehenden sich begründen. Wir bezweifeln die Ereignisse auf O-Taheiti nicht, aber wir begreifen sie auch nicht, und Herr Marini, der diese Insel früher besucht, berichtete uns, was uns sehr anschaulich war, daß die Eingeborenen meist nur die Missionare besuchten, aus Lust, sich nachher an der Nachahmung ihrer Bräuche zu ergötzen. Wir verdanken den Mittheilungen von William Mariner und dem rühmlichen Fleiß des D. John Martin den schätzbarsten Beitrag zur Kenntniß Polynesien's in dem befriedigenden Looount ok tlls dlatives ok tbs ll'onga Islunäs. I-ouäon 1818. Dieses wichtige Werk war zur Zeit unserer Reise nicht vorhanden und desto dringender das Bedürfniß eines ähnlichen über die O-Waihier. Die Begierde sowohl, die Sagen und die Geschichte, die gemeine und liturgische Sprache, die Religion und Bräuche, die gesellige Ordnung und den Geist dieses Volkes gründlich zu studiren, als die Sehnsucht, auf den Höhen von O-Waihi der Geschichte der Pflanzen und ihrer Wanderungen nachzuforschen, veranlaßten bei unserem ersten Besuch auf den Sandwich-Inseln den Naturforscher der Expedition, sich zu erbieten, auf denselben bis zur Rückkehr des Rurik's dahin zu verweilen. Diese Idee, die ohnehin die obwaltenden politischen Verhältnisse vereitelt hätten, ward mit den Zwecken der Expedition unvereinbar gefunden. Es ist unter dem großgesinnten T am ei am eia und mit Beihülfe der in seinem Reiche angesiedelten Europäer, deren Erfahrung und Wissen dem gelehrten Forscher zu großem Vorsprung gereichen würden, jetzt an der Zeit, dieses Werk zu unternehmen und was die O-Waihier noch von sich selber wissen, der Schrift anzuvertrauen; denn wo Monumente und Schrift fehlen, verändern sich unter fremder Einwirkung die Sprachen, die Sagen verschallen, die Sitten gleichen sich aus, und der Europäer wird 233 einst auf den Sandwich-Inseln nur anerzogene Europäer finden, die ihrer Herkunft und Väter vergessen haben. Herr Marini scheint unter allen dort ansässigen Europäern die umfassendste Kenntniß des Volkes von O-Waihi zu besitzen. Er hat es in vielfacher Beziehung studirt und seine Erfahrungen auf andern Inseln der Südsee, von O-Taheiti bis auf den Pelew-Inseln, zu vergleichen und zu bereichern auf verschiedenen Reisen Gelegenheit gehabt. Herr Marini hatte geschrieben; wir bedauern mit ihm den Verlust seiner Manuskripte. Er hatte uns bei unserm ersten Aufenthalt zu Hana-ruru versprochen, etliche Fragen, die wir ihm vorgelegt, schriftlich zu beantworten und uns bei unserer Rückkehr seine Aufsätze zu überreichen. Aber wir wurden in der Hoffnung, zu der er uns berechtigte, getäuscht. Er hatte die Zeit zu dieser Arbeit nicht erübrigt, und er war während unseres zweiten Aufenthalts für die im Hafen liegenden Schiffe dergestalt beschäftigt, daß wir kaum in flüchtigen Momenten seines lehrreichen Gesprächs genießen konnten. Herr Marini bedauerte den neulich erfolgten Tod eines Greises von O-Wahu, welcher in den alten Sagen seines Volkes besonders bewandert war und mit dem bereits ein Theil der überlieferten Geschichte verklungen sein mag. Die alten Sagen werden sehr verschieden erzählt. Es hat eine Fluth gegeben, bei welcher blos der Gipfel von Mauna-roa aus den Wellen hervorgeragt hat. Die Menschen haben sich auf denselben gerettet. Es hat noch vor dieser Fluth eine andere Weltumwälzung gegeben, bei welcher die Erde vierzig Tage lang verdunkelt gewesen ist. Es sind ehemals Fremde, ihr Name wird genannt, auf einem Boot auf den Sandwich-Inseln angelangt. Herr Marini hat eine Sage auf O-Taheiti vernommen, nach welcher Seefahrer dieser Insel, die zur See verloren gegangen, eben die sind, die auf die Sandwich-Inseln verschlagen worden. Die Verhältnisse einer geselligen Ordnung, die auf keinem geschriebenem Rechte und Gesetze, sondern mächtiger als die Gewalt auf Glauben und Herkommen beruhen, sind verschiedentlich angesehen und gedeutet zu werden fähig. Herr Marini nimmt im Volke 234 von O-Waihi vier Kasten an: äs Lauxrs real, die Fürsten; äs iiiänlAuin, der Adel; äs deute uisäia, der Mittelstand (der bei weitem die Mehrzahl der Bevölkerung ausmacht); und äs baxs, xlebs, das niedere Volk, ein verachtetes Geschlecht, welches nicht zahlreich ist. Sonst war jeder Weiße gleich dem Adel geachtet, jetzt hängt sein Verhältnis von seiner Persönlichkeit ab. Man könnte das Wort Hier!, jeri, seit,, ai'iki oder liariki (6kisk, Obst, Häuptling) am besten durch Herr übersetzen. Der König ist läierl ei lävkn, der Herr der Insel oder Inseln. Jeder mächtige Fürst oder Häuptling ist Hier! uns, Großer Herr, und so werden ohne Unterschied Tameiameia, Kareimoku, Hanl- Hanna (Herr Jung) u. A. genannt. Dem Herrn der Insel gehört das Land, die Herren besitzen die Erde nur als Lehen; die Lehen sind erblich, aber unveräußerlich, sie fallen dem König wieder zu. Mächtige Herren mögen wohl sich empören und was sie besitzen vertheidigen. Das Recht des Stärkeren macht den Herrn der Insel aus. Die großen Herren führen unter sich ihre Fehden mit den Waffen. Diese kleinen Kriege, die ehemals häufig waren, scheinen seit 1798 aufgehört zu haben. Der Herr führt im Kriege seine Mannen an, kein Unedler kann ein Lehen besitzen und Mannen anführen. Er kann nur Verwalter des Gutes sein. Welche die Erde bauen, sind Pächter oder Bauern der Lehnbesitzer oder unmittelbar des Königs. Von aller Erde wird dem König Tribut bezahlt, lieber die verschiedenen Inseln und Gebiete sind vornehme Häuptlinge als Statthalter gesetzt. Das Volk steht fast in der Willkür der Herren, aber Sklave» oder Leibeigene (§Is- bas aässript!) giebt es nicht. Der Bauer und der Knecht ziehen und wandern, wie es ihnen gefällt. Der Mann ist frei; getödtet kann er werden, nicht aber verkauft und nicht gehalten. Herren oder Adlige ohne Land dienen Mächtigeren. Der Herr der Insel unterhält ihrer viele, und seine Ruderer sind ausschließlich aus dieser Kaste. Es versteht sich, daß die Kasten dergestalt geschieden sind, daß kein Uebergang aus der einen in die andere möglich ist. Ein Adel, der gegeben und genommen werden kann, ist keiner. Das Weib wird nicht des Standes ihres Mannes theilhaftig. Der Stand der Kin- 235 der wird nach gewissen, sehr bestimmten Gesetzen, vorzüglich durch den der Mutter, aber auch durch den des Vaters bestimmt. Eine Edle, die einen Mann aus dem niedern Volk heirathet, verliert ihren Stand erst dadurch, daß sie ihm Kinder gebiert, in welchem Falle sie mit ihren Kindern in die Kaste ihres Mannes übergeht. Nicht die Erstgeburt, sondern bei der Vielweiberei die edlere Geburt von Mutterseite bestimmt das Erbrecht. Die Ungleichheit des Adels und der verschiedene Grad des Tabu oder der Weihe, die jedem vornehmeren Häuptling nach seiner Geburt und unangesehen seiner Macht zukommt, sind uns nicht hinlänglich erklärt. Der Vorgänger Tain ei ameia's auf O-Waihi war dergestalt Tabu, daß er nicht bei Tag gesehen werden durfte. Er zeigte sich nur in der Nacht; wer ihn bei Tagesschein zufällig nur erblickt hätte, hätte sofort sterben müssen: ein heiliges Gebot, dessen Vollstreckung Nichts zu hemmen vermag. Die menschlichen Opfer, die herkömmlich beim Tode der Könige, Fürsten und vornehmen Häuptlinge geschlachtet und mit deren Leichen bestattet werden sollen, sind aus der niedrigsten Kaste. In gewissen Familien dieser Kaste erbt nach bestimmten Gesetze» das Schicksal, mit den verschiedenen Gliedern dieser oder jener vornehmen Familien zu sterben, so daß von der Geburt an verhängt ist, bei wessen Tode einer geopfert werde» soll. Die Schlachtopfer wißen ihre Bestimmung, und ihr Loos scheint nichts Abschreckendes für sie zu haben. Der fortschreitende Zeitgeist hat diese Sitte bereits antiqnirt, welcher kaum noch bei dem Tode des allerheiligsten Hauptes nachgelebt werden dürfte. — Als nach dem Ableben der Mutter von Kahn manu sich drei Schlachtopfer von selbst meldeten, ihr Verhängniß zu erfüllen, ließ Kareimoku solches nicht geschehen, und es floß kein menschliches Blut. Wohl finden noch Menschenopfer statt, die man aber mit Unrecht den O-Waihiern vorwerfen würde. Sie opfern die Verbrecher ihren Göttern, opfern wir sie doch in Europa der Gerechtigkeit. Jedes Land hat seine Sitten. Was waren unter Christen die ^.utos Za ko, und seit wann haben sie aufgehört? Die Sitte übrigens Menschenfleisch zu essen hatte lange vor Cook's Tode aufgehört. Die letzten geschichtlichen Spuren davon lassen sich auf der Insel O-Wahu Nachweisen. 236 Jeder vornehme Häuptling hat seine eigenen Götter (^.Kun), deren Idole in allen seinen Morais wiederholt sind. Andere haben andere. Der Kultus dieser Idole scheint mehr vornehmer Prunk als Religion zu sein. Das Volk mutz dieser Bilder entbehren und macht verschiedene Kreaturen, Vögel, Hühner u. a. m., zum Gegenstände seines Kultus. Vielgestaltig ist auf den Sandwich-Inseln der Aberglaube. Wir wohnten als Gast Kareimoku's der Feier eines Dabu xorl bei, die von einem Sonnenuntergang bis nach dem Sonnenaufgang des dritten Tages währt. Man weiß die Art Heiligkeit, die, wer Antheil an diesem Verkehr mit den Göttern nimmt, während der Zeit seiner Dauer bekommt. Sollte er ein Weib nur zufälliger Weise berühren, so müßte es sofort getödtet werden. Sollte er ein Weibcrhaus betreten, so müßte es sofort die Flamme verzehren. Wir erwarteten bei diesen Gebeten und Opfern einigen Ernst; uns befremdete die profane Stimmung, die herrschend war, der unehrbare Scherz, der mit den Bildern getrieben wurde, und die Schwänke, in die man uns während der heiligen Handlungen zu ziehen sich ergötzte. Kinder spielen mit frömmerem Sinn mit ihren Puppen. Alle hemmende Gesetze des Tabu*) bestehen übrigens in ungebrochener Kraft. Wir sahen selbst um unser Schiff die Leiche eines Weibes schwimmen, die, weil sie in der Trunkenheit das Speisehaus ihres Mannes betreten, getödtet worden war. Es sollen ') Man kennt sie aus den Reisebcschreib ungen (Cook, Bancouver, Turnbull, Lisiauskop u. a. m.>. Zu einer Familie gehören nothwen- dig drei Häuser, das Speisehaus der Männer ist den Frauen verboten (tudu). Das Wohnhaus ist das gemeinschaftliche, das Haus der Frauen ist unserm Gc- schlechte nicht versperrt, aber ein anständiger Mann geht nicht hinein. Jedes Geschlecht muß seine Speise selbst und bei besonderem Feuer bereiten. Auf Schiffen ist das Verbot (tubu) weniger streng. Beide Geschlechter dürfen sich nicht in das Fleisch desselben Thieres theilcn. Das Schweinefleisch (nicht das Hundesteisch, welches nicht minder geschätzt wird) und das Schildkrötenffeisch, wie auch etliche Arten Früchte, CoeoS, Bananen u. a. m. sind den Weibern untersagt (tubu). Die männlichen Bedienten der Frauen sind in vielen Hinsichten denselben Beschränkungen unterworfen als sic selbst u. s. w. 237 jedoch die Weiber, wo sie unbelauscht sich wissen, die häufigen sie betreffenden Verbote zu übertreten keinen Anstand nehmen. Der Verkehr mit den Europäern hat bis jetzt auf die gesellige Ordnung, die Art und Weise dieses Volkes äußerlich wenig eingewirkt. Gewiß nur die Taster, die Künste der Verderbtheit, die in diesen kindergleichen Menschen empörend sind, haben wir in ihnen auszubilden beigetragen. Ingens nostintlnin Impanar! 7'nrpissimis msrstricum nrtidus, lootiilissiwis seortorum sxureitiis ornnis instrneta est ke- minn vel mntrona. Omnis übest xnäor, nxsrte aviciegns obtrnäi- tur stnprnm, xreoio llagitnto. ^.xsrts gnisgns Maritas nxorLM olkert, obtruäit solvent!. Ein Vorfall, welcher sich gegen das Jahr 1807 ereignete, wird von dem Gerüchte verschiedentlich erzählt. Wir folgen dem Berichte von Herrn Marini. Ein Neffe des Königs ward in den Armen der Königin Kahumanu angctroffen. Er selbst entsprang, sein Gewand aber blieb zurück und verrieth ihn. Er ward ungefähr drei Tage nach der That von den Großen des Reiches ergriffen und strangulirt. Ein Soldat der Wache meldete dem Könige zugleich die Strafe und das Verbrechen. Es war so in der Ordnung. Tameiameia bedauerte den armen Jüngling und weinte Thränen um ihn. Wir haben die O-Waihier in Vergleich mit unfern Freunden von Radack eigennützig, unzierlich und unreinlich gefunden. Sie haben im Verkehr mit Fremden, von denen sie Vortheil ziehen wollen, die natürliche Gastfreundschaft verlernt. Ihr großes mimisches Talent und die Gewohnheit macht ihnen sich mit uns zu verständigen leicht. Sie sind ein unvergleichlich kräftigeres Volk als die Radacker. Daraus entspringt größeres Selbstvertrauen und rücksichtslosere Fröhlichkeit. Die Häuptlinge besonders sind von dem schönsten, stärksten Körperbau. Die Frauen sind schön aber ohne Reiz. Frühere Reisende haben bemerkt, daß auf den Sandwich-Inseln natürliche Mißbildungen häufiger sind, als auf den übrigen Inseln des östlichen Polynesien's. Wir haben auf O-Wahu verschiedene Bucklige, einen Blödsinnigen und mehrere Menschen einer Familie mit sechs Fingern an den Händen gesehen. 238 Die O-Waihier sind wenig und unregelmäßig tntuirt. — Es ist merkwürdig, daß jetzt diese volksthümliche Verzierung ausländische Muster entlehnt. Ziegen, Flinten, auch wohl Buchstaben, Name und Geburtsort werden häufig längs dem Arme tatuirt. Die Männer scheeren sich den Bart und verschneiden ihr Haar in die Gestalt eines Helmes, dessen Kamm öfters blond oder weißlich gebeizt wird. Die Frauen tragen es kurz geschoren, und nur um die Stirn einen Rand längerer, mit ungelöschten: Kalk weiß gebrannter, borstenartig aufstarrender Haare. Oft wird auch mitten auf der Stirn eine feine lange Locke ausgespart, die violet gebeizt und nach hinten gekämmt wird. Den Europäern zu gefallen, lassen Etliche ihr Haar wachsen, und binden es hinten in einen Zopf gleich dem, der 1800 im preußischen Heer vorschriftsmäßig war. Die O-Waihier find im Allgemeinen ihrer volkstümlichen Tracht wie ihrer Lebensart weislich treu gebliebe». — Ihre Fürsten erschienen nur uns zu Ehren in feinen englischen Kleidern aufs sauberste augethan; und sie ahmten mit Anstand unsere Sitten nach. Sie sind sonst daheim heimisch gekleidet, und nur ihr fremder Gast wird in Porzellan und Silber bedient. Die Mode herrscht auch auf O-Waihi mit wechselnden Launen besonders über die Frauen. Der Schmuck, den die Königinnen und Vornehmen tragen, steigt alsbald außerordentlich im Werth. Alle tragen jetzt Spiegel und Pfeifenkopf an einem europäischen Tuch um den Hals gebunden. Die Europäer gehen europäisch gekleidet und entblößen sich vor denen nicht, deren Rang diese Ehrfurchtsbezcngung sonst heischt. Viele O-Waihier verstehen etwas englisch, keiner aber ist der Sprache vollkommen mächtig, selbst die nicht, die auf amerikanischen Schiffen gereiset find, wie es sehr viele gethan. Die Buchstaben hat wohl keiner erlernt.*) Es sind nur unsere Schiffe, die ihre ganze ") Tamciameia versteht englisch, ohne eS zu reden. Liolio Hut zwei Zeilen uuf englisch schreiben gelernt, worin er sich eine Flusche Num von dem Schisfskapitain ausblttet. Louis XIV. lernte als Kind schreiben: I-'irominn^s «st «Irr LNX Kais „ils tont cs qrvil Icur plait." (Manuskript der Dubrows- ki'schen Sammlung in der Petersburger Kaiserlichen Bibliothek.) — 239 Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir sahen mit Bewunderung zu Titatua Kinder mit einer Gerte Schiffe in den Sand des Strandes zeichnen. Zwei- und Dreimaster waren in dem richtigsten Eben- maaß und mit den geringfügigsten Kleinigkeiten der Takelage versehen. Die O-Waihier bauen indeß ihre Boote nach alter Weise, einfache und doppelte. Größere Doppelkanots des Königs, welche die Verbindung der verschiedenen Inseln zu unterhalten dienen, sind nach europäischer Art betakelt worden. Man muß nicht mit Zimmermann (Australien) die Boote des östlichen Polynesiens (Freund- schafts-, Sandwich-Inseln u. s. w.), die auf Rudern gehen und auf Segeln nur vor dem Winde, mit den kunstreichen Fahrzeugen der Insulaner der ersten Provinz (der Ladronen u. s. w.), welche bei allen Winden blos auf Segeln gehen, verwechseln. Die elfteren sind uns aus Cook und den neuern Reisenden, die letzteren aus Dam- picr, Anson u. a. hinlänglich bekannt. Wie an der Schifffahrt, haben die kriegerischen O-Waihier an ihren Waffen, an ihren Wurfspießen, Lust. Sie erfreuen sich an Waffenspielen, die nicht ohne Gefahr sind, und üben sich als Knaben schon den Wurfspieß zu werfen. — Das Lieblingsspiel der Knaben und Jünglinge, mit kurzen leichten Rohrhalmen, womit der Wind spielt, sicher nach einem wandernden Ziele in die Wette zu werfen, scheint auf diese Waffe zu deuten. Sie haben wenig andere Spiele. Das eigene Bretspiel, welches sich bei ihnen vorgefunden hat, wird jetzt von unserm europäischen Damenspiel verdrängt. Poesie, Musik und Tanz, die auf den Südseeinseln noch Hand in Hand, in ihrem ursprünglichen Bunde einhertreten, das Leben der Menschen zu verschönen, verdienen vorzüglich beachtet zu werden. Das Schauspiel der Hurra, der Festtänze der O-Waihier, hat uns mit Bewunderung erfüllt. Die Worte verherrlichen meist, wie Pindarische Oden, den Ruhm irgend eines Fürsten. Unsere Kenntniß der Sprache reichet nicht hin, ihre Poesie zu beurtheilen. Der Gesang ist an sich monoton. Er mißt mit den ihn begleitenden Trommelschlägen die Wendungen des Tanzes ab, trägt gleichsam auf seinen Wellen eine höhere Harmonie. — Im wandelnden Tanze entfaltet sich nach diesem Takt die 240 menschliche Gestalt aufs herrlichste, sich im Fortflutz leichter ungezwungener Bewegung in allen naturgemäßen und schönen Stellun- gen darstellend. Wir glauben die sich verwandelnde Antike zu sehen; die Füße tragen nur den Tänzer. Er schreitet gelaffen einher. Sein Körper bewegt sich, seine Arme, alle seine Muskeln regen sich, sein Antlitz ist belebt. Wir schauen ihm, wie dem Mimen, in das Auge, wenn uns seine Kunst hinreißt. Die Trommelschläger sitzen im Hintergründe, die Tänzer stehen vor ihnen in einer oder mehreren Reihen, alle mischen ihre Stimmen im Chor. — Der Gesang hebt langsam und leise an und wird allmälig und gleichmäßig beschleunigt und verstärkt, indem die Tänzer vorschreiten und sich ihr Spiel belebt. — Alle führen dieselben Bewegungen aus. Es ist, als stünde derselbe Tänzer mehrere Mal wiederholt vor uns. Wir werden bei diesen Festspielen O-Waihi's an den Chor der Griechen, an die Tragödie, bevor der Dialog hervorgetreten war, erinnert, und wenden wir den Blick auf uns zurück, so erkennen wir, auf welchen Abweg wir lächerlicherweise gerathen sind, den Tanz in die Bewegung der Füße zu bannen. Diese Festspiele berauschen mit Freude die O-Wai- hier. Ihre gewöhnlichen Lieder werden in demselben Sinn, stehend oder sitzend, getanzt; sie sind von sehr verschiedenem Charakter, aber stets mit anmuthigen Bewegungen des Körpers und der Arme begleitet. Welche Schule eröffnet sich hier dem Künstler, welcher Genuß bietet sich hier dem Kunstfreunde dar! Diese schöne Kunst, die einzige dieser Insulaner, ist die Blüthe ihres Lebens, welches den Sinnen und der Lust angehört. Sie leben ohne Zeitrechnung in der Gegenwart, und ein bejahrtes Weib weiß blos von ihrem Alter, daß sie über die erste Zeit des Genusses, über zwölf Jahre hinaus, gelebt hat. Die O-Waihier werden in der Beschuldigung mit einbegriffen, die unsere Seefahrer den Insulanern der Südsee überhaupt machen, dem Diebstahl ergeben zu sein. Daß wir in diese Klage mit einzustimmen keine Veranlassung hatten, ist wohl blos der uns hegenden Vorsorge Tameiameia's zuzuschreiben, der uneigennützig und hochgesinnt die Nachfolger Vancouver's in uns ehrte. Hier an- gesiedelte Europäer sprechen der Ehrlichkeit der Eingeborenen ein 241 ehrenvolles Zeugniß. Sie lassen Thüren und Laden unbesorgt unverschlossen. Diese Menschen erlauben sich nur den Diebstahl gegen die reichen Fremden auf den gutbeladenen Schiffen. Wie sollte nicht unser Nebenfluß an Eisen, diesem köstlichen Metall, die Begierde der Insulaner der Südsee reizen? „Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr?" Wir gedenken hier nicht der verflossenen Zeiten der Eroberungen der Spanier, sondern uns liegt nahe vor dem Blick, was in unseren Tagen noch gewinnsüchtige Abenteurer in diesem Meerbecken, wo unsere Gesetze sie nicht erreichen, für Thaten verüben. Manche haben wir in diesen Blattern berührt, manche deckt die Nacht. Wir sind unseres Amtes Anwalt des schwächeren Thei- les. Man verwerfe unser Zeugniß, aber man schlage unparteiisch die Berichte aller Seefahrer nach, die diese Meere befahren haben, seitdem sie sich unscrm Handel eröffnet. Von Vancouver's Reise an bis auf Nicolas New-Zealand. Man Urtheile selbst. Indem wir richten und strafen, üben die Menschen unserer Farbe ungerichtet und ungestraft Menschenraub, Raub, List, Gewalt, Verrath und Mord. — Diese Macht haben uns Wissenschaften und Künste über unsere schwächeren Brüder gegeben. Der Handel dieses Meerbeckens soll zweihundert nordamerikanische Schiffe beschäftigen, welche Zahl uns jedoch zu stark angenommen scheint. Die Hauptmomente desselben sind der Schleichhandel der spanischen Küste beider Amerika, welcher spanischer Seits von den Mönchen getrieben wird; der Pelzhandel der N. W.-Küste, die Ausfuhr der sich in den russisch-amerikanischen Faktoreien ansammelnden Pelzwerke, das Sandelholz der Sandwich-, Fidji- und anderer Inseln. — Das Feld ist den kühnsten Unternehmungen eröffnet. Man versucht, man verfolgt neue Entdeckungen (wir erinnern an das Schiff, welches nach Mackenzie's Nachrichten sich gegen das Jahr 1780 im Eismeer gezeigt), man nimmt Alcuten oder Ka- diakcr zum Jagen der Seeottcr auf der californischen Küste mit, u. s. w. Canton ist der gemeinsame Markt, Hana-ruru ein Freihafen und Stapelplatz. Der Kapitain steht meist den Handelsgeschäften vor, und es sind keine der Zwistigkeiten zu befürchten, die iv. ' 16 242 zwischen Kapitain und Supercargo häufig vorfallen, wo diese Aem- ter getrennt sind. Im gefahrvollen Handel der N. W.-Küste herrscht beiderseits keine Treue und man hat gegen die Waffen s die man verkauft, aus seiner Hut zu sein. Benachbarte Völkerschaften find häufig im Kriege begriffen. Man unterhandelt mit dem Anführer der einen und liefert ihm seinen Feind, dessen man sich durch List oder Gewalt zu bemächtigen sucht, gegen ein angemessenes Blutgeld aus. Man lockt Häuptlinge an Bord, entführt sie und giebt sie gegen ein Lösegeld wieder frei u. s. w. Auch sollen Menschen, die man auf der südlicheren Küste kaust, vortheilhaften Absatz auf der nördlicheren finden. Wir haben des Menschenraubes auf den Süd- see-Jnseln in unserm Aufsatz über Guajan erwähnt. Es war kein Amerikaner, der auf einer Insel längs der Küste von Californien alle männlichen Einwohner zusammentreiben und niederschießen ließ. Der Kapitain Door (mit der Jenni aus Boston) legte im Jahr 1808 auf Guajan an, nachdem er Sandelholz auf den Fidji-Jnseln geladen hatte. Er rühmte gegen Don Luis de Torres die gastfreie freundliche Aufnahme, die er unter den Eingeborenen gefunden. Er machte im Jahre 1812 dieselbe Reise mit einem andern Schiffe. Er erzählte bei seiner Rückkehr Don Luis de Torres, wie er dieses Mal feindlich empfangen worden sei und einen Master und vier Matrosen verloren habe. Die Eingeborenen hatten ihm gesagt, daß sie in der Folge der Zeiten die Weißen kennen gelernt und fürder keinem Gnade widerfahren zu lassen beschlossen hätten. (Ueber die Fidji-Jnseln siehe lviariuor's lbonAn.) Man liest auf dem Begräbnißplatz der Europäer nahe bei Hana-ruru diese einfache Grabschrist des Herrn Davis: Ich habe erwartet, daß Herr von Kotzebue, aus dessen Mund ich diese Gräuel-Geschichte vernommen, sie niederschreiben würde. Er hat schaudernd den Schleier darüber fallen lassen. — Der Thäter war ein Beamter der russischamerikanischen Handels-Compagnie, der mit dem Otterfang längs der kalifornischen Küste beauftragt war! der Schauplatz eine der größeren Inseln in der Gegend von Santa Barbara. Vergleiche Kotzebnc's Reise II. S. Sä. 243 Dbe remains ok ^1. I s a o v a v i s velio äleck st tliis Islanck Trpril 1810. ageck 52 xearo. Wir haben, als wir zuletzt von Hana-ruru segelten, Herrn Jung sehr altersschwach zurückgelaffen. Beide Freunde, deren Namen vereint eine lange Zeit in der Geschichte dieser Inseln geglänzt haben, werden beisammen ruhen. Die Kinder des Herrn Jung werden, obgleich Erben seiner Güter, sich ohne Ansehn unter dem Volke verlieren, weil sie von keiner edlen Mutter geboren sind. Die Inseln, welche Kapt. Johnstone auf der Fregatte Corn- wallis im Jahre 1807 im W. S. W. der Sandwich-Inseln entdeckte und die wir im Spätjahre 1817 wieder ausgesucht, sind, gleich der Insel Salas y Gomez, völlig nackte Klippen, die nicht der Bildung der niedern Inseln anzugehören scheinen. Die Riffe, die sich ihnen anschließen, bilden noch in großer Entfernung derselben Untiefen, welche den Schiffen Gefahr drohen. 16 * Methoden Feuer anzumachen. Es giebt verschiedene Weisen, das Feuer durch Reibung hervorzubringen. Auf den Carolinen-Jnseln wird auf einem Stück Holz, das am Boden festgehalten wird, ein anderes, welches grad und wie gedrechselt, ungefähr anderthalb Fuß lang und wie ein Daumen dick sein muß, senkrecht gehalten, mit seiner stumpf abgerundeten Spitze angedrückt und zwischen den stachen Händen durch Quirlen wie ein Bohrer in Bewegung gesetzt. Die erst langsam abgemessene Bewegung wird bei stärkerem Druck beschleunigt, wenn der Holzstauh, der sich unter der Reibung bildet und rings um das bewegte sich einbohrende Holz ansammelt, sich zu verkohlen beginnt. Dieser Staub ist der Zunder, der Feuer fängt. In diesem Verfahren sollen die Weiber von Eap eine ausnehmende Fertigkeit besitzen. Auf Radack und den Sandwich-Inseln hält man auf dem festliegenden Holz ein anderes spannenlanges Stück mit abgestumpfter Spitze unter einem Winkel von etwa dreißig Grad schräg angepreßt, so daß die Schenkel des Winkels nach sich, die Spitze von sich gekehrt sind. Man hält es mit beiden Händen, die Daumen unten, die Finger oben zum sichern Druck aufgelegt, und reibt cs sodann in dem Plane des Winkels gerade vor sich in einer zwei bis drei Zoll langen Spur- Hin und her. Wenn der Staub, der sich in der entstehenden Rinne vor der Spitze des Reibers ansammelt, sich zu verkohlen beginnt, wird der Druck und die Schnelligkeit der Bewegung verdoppelt. Es ist zu bemerken, daß nach beiden Methoden zwei Stücke 245 derselben Holzart gebraucht werden, wozu etliche von gleich feinem Gefüge, nicht zu hart und nicht zu weich, die tauglichsten sind. Beide Methoden erfordern Uebung, Geschick und Geduld. Das Verfahren der Aleuten ist die erste dieser Methoden, mechanisch verbessert. Sie regieren das zu drehende Holzstück wie den Bohrer, dessen sie sich in ihren Künsten, bedienen. Sie halten und ziehen die Schnur, die um dasselbe zweimal gewickelt ist, mit den beiden Händen, indem sich dessen oberes Ende in einem bearbeiteten Holz dreht, welches sie mit dem Munde halten. Wir sahen so Tannenholz auf Tannenholz in wenigen Sekunden Feuer geben, da sonst eine viel längere Zeit erfordert wird. — Die Aleuten machen auch Feuer, indem sie zwei mit Schwefel eingeriebene Steine über trocknes mit Schwefel bestreutes Moos zusammenschlagen. Kamtschatka, die alentischen Inseln und die Berings-Straße. Wir haben mit einem Blick das Becken des großen Ocean's und seine Ufer überschaut und die Inseln, welche sich darinnen zwischen den Wendekreisen erheben, von Ostindien aus betrachtet, als von dem Mutterlande, dem sie angehören und von woher die organische Natur und der Mensch sich auf dieselben verbreitet haben. Wir wenden uns nun von jenen Gärten der Wollust nach dem düstern Norden desselben Meerbeckens hin. Der Gesang verhallt. Ein trüber Himmel empfängt uns gleich an der Grenze des nördlichen Passats. Wir dringen durch die grauen Nebel, die ewig über diesem Meere ruhen, hindurch, und Ufer, die kein Baum beschattet, starren uns mit schneebedeckten Zinnen unwirthbar entgegen. Wir erschrecken, auch hier den Menschen angesiedelt zu finden ! *) Der Erd- und Meerstrich, den wir uns zu betrachten anschicken, begreift die Kette der Vorlande, die das Becken des Oceans gegen Norden begrenzen, und die Meere, Inseln und Ufer, welche sich im Norden derselben befinden. *) Homo LaxievZ Habitat mtra troproos palmis Iotopda§us, kosxi- tatur extra troxieos sad novvreautv Oerere earvivorus. L^st. Nat. Ipsos Oermaaos mäiAvaas creäiäsrim. — Quis — L.sia aut ^krica aut Italia reliets, Oermaaiara peterst, mkormem terris, aspersm eoelo, tristem eultu aspeotu^ue, msi si xatrla sit? Isoitus 6erm. 2. 247 Diese Kette zieht sich von der Halbinsel Kamtschatka auf der astatischen Seite aus, über die aleutischen Inseln nach der Halbinsel Alaska auf der amerikanischen Seite hin, über welche Halbinsel das vulkanische Ufergebirge den Kontinent der neuen Welt erreicht. Wir begreifen unter den aleutischen Inseln die gesammte Inselkette, ohne in deren Eintheilung einzugehen, und wir rechnen dazu die außer der Reihe zunächst im Norden von Unalaschka gelegenen, gleichfalls vulkanischen kleinen Inseln St. George und St. Paul, welche man unbegreiflicher Weise auf Arrowsmith's Karten vermißt, obgleich sie selbst englischen Reisebeschreibern, z. B. Sauer, vollkommen bekannt sind. — Wir haben im Norden der Vorlande nur Urgebirge, Eis und Schlemmsand (tsrres ä'nlluvious) angetrosfen*). Die Küsten beider Kontinente laufen, die asiatische in einer nordöstlichen, die amerikanische in einer nördlichen Richtung, gegen einander und bilden zwischen hohen Vorgebirgen, dem asiatischen Ost-Cap (Oap Hast — Vostotsebuor oder auch sksebulrotslro)- uoss) und dem amerikanischen Cap Urinoe ok ^Vales, die Meerenge, welche die Beringsstraße genannt wird. Das Meerbecken, welches diese Küsten und die aleutischen Inseln einbegreifen, heißt das kamtschatkische Meer. Die Insel St. Matwey (Oores Islanck) liegt in dessen Mitte. Die astatische Küste ist hoch und von einem tiefen Meer bespült. Sie ist gegen Norden von dem weiten und tiefeindringenden Meerbusen von Anadir ausgerandet, welcher von der Nordseite von dem vorspringenden Dsobuüotsko/ uoss (^.naäirsüo^ nass) begrenzt wird. Sie ist zwischen diesem bloss und dem Ost-Cap noch von den Matschickma- und St. Laurenz-Buchten eingerisscn. Zunächst vor dem lbsdiuüotsüo^ uoss und im Süden der Straße liegt die Insel St. Laurentii (Lüorlres Islamt) vor den Vorgebirgen, die des Thores Pfeiler sind, wie ein halber Mond vor zwei Basteien. ») Wir haben von der Flößformation, welche im höchsten Norden von Europa gänzlich vermißt wird, eben auch feine Spur an den nördlichen Küsten, die wir gesehen, bemerkt. Die Expedition des Kapt. Roß hat aber das Vorkommen de« Flöß-KalkeS in der Baffinsbai außer Zweifel gesetzt. 248 Das Meer hat zwischen der Insel und dem lpsobukotslroz- noss mehr Tiefe als zwischen derselben und der amerikanischen Küste, auf welcher Seite der Durchgang breiter und seichter ist. Der östliche Theil der Insel scheint eine Gruppe felsiger Inseln zu sei», die angeschlemmte Niederungen zu einer einzigen vereinigt haben. Etliche unzugängliche Felseninseln erheben sich noch zwischen der Insel St. Laurentii und der Beringsstraße und mitten in der Straße selbst aus dem Meere. Die amerikanische Küste ist zwischen der südlichen Bristol-Bai (zunächst im Norden der Halbinsel Alaska) und zwischen dem nördlichen Norton-Sound, der durch seine Lage dem Meerbusen von Anadir der entgegengesetzten asiatischen Küste entspricht, unzugänglich. Das Meer ist ohne Tiefe, und die Welle brandet, noch bevor man Ansicht des Landes hat. Ein beträchtlicher Strom soll aus dem Innern Amerika s sich in dieser Gegend entladen und das Ufer versanden. Wir dringen durch die Beringsstraße nach Norden. Beide Küsten entfernen sich. Cook hat die asiatische Küste bis zu dem Nord-Cap unter dem 68" 56' N. B., die amerikanische bis zu dem Eis-Cap 70" 29' N. B. gesehen. Angeschlemmte Niederungen bilden vor den Hochlanden Amerikas das Ufer, und das Meer, welches es bespült, hat keine Tiefe. Die asiatische Küste scheint nach Cook von gleicher Beschaffenheit zu sein. Das Land scheint durch Versandungen über das Wasser zu gewinnen, und man möchte besorgen, daß sich dieses Meer allmälig ausfülle. Das Sandufer Amerikas ist von mehreren Eingängen und Norden durchfurcht. Wir ließen die südlichere Schischmareff's- Bucht ununtersucht und drangen in den weiten Kotzebue's-Sund ein, der südlich vom hohen Cap Mulgrave in südöstlicher Richtung bis in das Urland eindringt und dessen Hintergrund sich dem des südlich von der Beringsstraße eindringenden Norton-Sound nähert*). *) Man vergleiche die von Kobelef 1779 unter den Tfchuktschi gesammelten Nachrichten und die neueren russischen Karten, welche Arrowsmith und andere Geographen befolgen. 249 Ein Fiord, der sich an der südlichen Seite von Kotzebue's-Sund in angeschlcmmtcm Lande eröffnet und in neun Tagen Fahrt auf Baidaren der Eingeborenen in ein offenes Meer führt, die Bucht der guten Hoffnung, möchte wirklich beide vereinigen und das Cap keines ok als eine Insel vom festen Lande trennen, denn es scheint diese Einfahrt zu nah der Schischmareff's-Bucht zu liegen, um ihre von den Eingeborenen beschriebene Ausfahrt in dieser letzten zu erkennen. Im Norden der Beringsstraße liegt vor uns das noch unerforschte Feld der letzten wichtigen Streitfragen der Erdkunde, und wir werden aufgefordert, unsere Meinung über dieselbe auszusprechen, zu einer Zeit, wo verschiedene Expeditionen ausgerüstet sind, die Thatsachen selbst zu untersuchen, und unsere Stimme ungehört verhallt. Wir schreiten zögernd zu diesem Geschäfte. Sind Asien und Amerika getrennt und ist das Meer, in welches man durch die Beringsstraße nach Norden dringt, das große nördliche Eismeer selbst, oder ist dieses Meerbecken eine Bucht des südlichen Ocean's, welche die Küste beider im Norden zusammenhängenden Welttheile begrenzt und umfaßt? Kann aus den Gewässern der Hudsons- und Baffins-Bai längs der Nordküste von Amerika eine Nordwest-Durchfahrt nach der Beringsstraße möglich sein? Kann es möglich sein, aus dem atlantischen Ocean nordwärts von Spitzbergen und über den Nordpol selbst nach der Beringsstraße zu gelangen, und giebt es ein offenes fahrbares Polar-Meer, oder einen Polar-Gletscher festen anliegenden Eises? Ein Mann, dessen Name uns die größte Ehrfurcht einflößt, den Gelehrsamkeit und Kritik in gleichem Maahe zieren, und der selbst, ein Gefährte Cook's in seiner zweiten und dritten Reise, den südlichen Polar-Occan und das Meer im Norden der Beringsstraße wiederholt befahren hat, James Burney findet sich zu ver- muthen veranlaßt, daß Asien und Amerika zusammenhängen und Theile eines und desselben Kontinents sind*). *) ^ ummoir VN tim Ovoxrapiiy ok tim llortv oustvrn part ot Lsia 250 Wir gestehen, daß Kapitain Burney uns für seine Meinung nicht gewonnen hat. Wir finden in seiner Chronologischen Geschichte der nordöstlichen Reisen die auf vorliegende Frage sich beziehenden historischen Zeugnisse auf das freimüthigste abgehandelt, und beziehen uns mit vollem Vertrauen darauf. Daß Samoen Deschnew auf seiner berühmten Reise aus der Kolima oder Kovima nach dem Anadir 1648 das Nordost-Cap (LabslLtLleoz- oder Ln-oetox nass, das große Cap der Tschuktschi) nicht wirklich umfahren, sondern, wie später Staras Stadu- chin, zu Land auf einein engen Zsthmus durchkreuzt habe, dünkt uns eine willkürliche Annahme, zu welcher die Berichte nicht berechtigen und die namentlich Deschnew's Vorsatz, ein Schiff an der Mündung des Anadir zu bauen, um den erpreßten Tribut nach Jakutzk auf dem vorigen Wege zurück zu senden, hinlänglich widerlegt. Sollten auch die Dokumente, die Müller, Coxe, Pallas in Händen gehabt und aus denen sie uns Deschnew's Reise berichtet, nicht mehr aufzuweisen sein, scheinen uns diese Männer selbst hinlängliche Bürgen zu sein, und wir nehmen auf ihre Autorität unbedenklich an: daß in diesem Einen Falle das Nordost-Cap oder ScbelLt-lco^ nass zu Schiff umfahren worden ist. Andere Gerüchte und Sagen einer gleichen Fahrt scheinen uns selbst unverbürgt. Wir messen gern dem von Sauer mitgetheilten Zeugnisse von Dauerkin Glauben bei, daß Schalauroff 1664 im Eismeer und nicht am Ausflusse des Anadir umgekommen, und wir haben kein Zutrauen zu der Reise von Laptiew 1740, wie sie angeblich auS Gmelin's mündlichen Bekenntnissen in den Memoire» et observntious geoAraxviguss et eritigues sur In »ituatiou <1es pu/s ssptsntrionaux, I-ausunne 1765. 4. x. 42. erzählt wird. Die von Hendrick Hamel auf der Küste von Corca 1653 und wiederholt von Henry Busch auf der Küste von Kam- ancl oa tke Auostion vvketker ^.sür anä ^.meriea are oolltj§uous, or aro sexavateä ^ ttio ssa, Oapt. Luruey. kkilosoxdieal Iraas- riotiolls 1818, widerlegt in Quarterly Rsvik^v. ^ullv 1818. 6apt. ^ames Lnrovy k. 8. L^onäoll 1819. 251 tschatka 1716 in Wallfischen gefundenen europäischen Harpunen scheinen uns von einigem Gewichte zu sein. Burney nimmt im Widerstreit gegen Müller an, daß Busch den Hamel blos wiederholt haben könne, und es scheint uns diese Annahme sehr willkürlich. Er meint ferner, daß die Russen lange vor der Zeit von Busch den Gebrauch der europäischen Harpunen auf diesen Küsten eingeführt haben möchten, und dies ist unseres Wissens nicht der Fall. Die Russen, schwach an Zahl in diesem Theile der Welt, eignen sich die Früchte der Industrie der Völker zu, die sie sich unterwerfen, ohne ihnen neue zu bringen, und noch wird heutigen Tages auf den aleutischen Inseln dem Wallfische nur von den Eingeborenen und nach alter Art mit ihren eigenen Harpunen nachgestellt. Jede andere Auslegung der Thatsache schiene uns zulässiger. Wir finden außer dem Bereich von Burney's Werke eine andere Thatsache, die Narrow Okrooologioal Uistor/ ok vozmgss into tk>s armill re^ious, London 1818, unbeachtet gelassen und die uns Aufmerksamkeit zu verdienen scheint. Nach Mackenzie's am Ausflusse des nach ihm benannten Stromes gesammelten Nachrichten hat gegen das Jahr 1780 ein Schiff, ein sehr großes Fahrzeug, welches weiße Menschen trug, diese Küste besucht, und die Eskimos haben von demselben Eisen gegen Thierhäute eingehandelt. IckaeUoimis river scheint sich zwischen zwei weit vorgestreckten Landzungen in das Meer zu entladen. Das Meer im Westen, worin sich dieses Schiff zeigte, hat davon den Namen LoUionllai Don, Weißen-Mannes-See, erhalten. Es scheint uns natürlich vorauszusetzen, daß dieses Schiff über die Berings- straße dahin gelangt. Eine nördliche Strömung findet in der Beringsstraße selbst, wenigstens während der Sommermonate, unbezweifelt statt. Wir haben diese Strömung am 16. August auf der asiatischen Seite der Straße hinreichend stark gesunden. Ihre Wirkung brachte uns merklich zurück, als wir, aus der Straße zu kommen, das Ost-Cap umfahren wollten, und hierin ist unsere Erfahrung mit der von Cook und Clerke vollkommen übereinstimmend. Es ist aber die Jahreszeit gerade diejenige, worin die schmelzenden Schneemassen der Ufer 252 eine südliche Strömung nothwendig bedingen müßten, falls dieses Meer^ein geschlossenes Becken bildete. Wie die Ströme der Schweiz, die von den Alpengletschern Herabkommen, im Sommer anschwellen und reißender werden, müßte in derselben Jahreszeit und aus denselben Gründen das Wasser sich in diesem Becken vermehren und aus dessen verhältnißmäßig engem und seichtem Thore ausströmen. Es beweisen aber auch andere Thatsachen die nördliche Strömung der Beringsstraße. Beim Aufbrechen des Eises treiben in dem Meere von Kamtschatka die Eisberge und Felder nicht wie im atlantischen Ocean nach Süden, sie treiben nicht nach den aleutischcn Inseln, sondern straßeinwärts nach Norden. Das Eis war am 5. Juli 1817 auf der südlichen Küste der St. Laurenz-Insel aufgegangen, und wir kamen am 10. dahin, ohne schwimmendes Eis angetroffen zu haben. Wir begegneten erst diesem Eise in der Nacht zum 11., als wir um die Ostspitze der Insel nach Norden vorrückten. Auf dieser Seite der Insel ist das Meer minder tief und der Strom minder stark als auf der astatischen. Es ist zu bemerken, daß im kamtschatkischen Meere die Südwinde während des Sommers vorherrschen und die Nordwinde sich gegen September einstellen, im Spätjahr fortzudauern. Man kann den Einfluß der Winde auf die Strömungen nicht in Abrede stellen. Die Menge des Treibholzes, die das Meer nach Norden bringt und auswirft und worunter sich entschieden südliche Baumarten sowohl als nordische Tannen befinden*); die Sämereien bekannter südlicher Schotenpflanzen, die, wie auf Radack, so auch auf Una- *> Wir haben auf Unalaschka ansgelegtc Schreinerarbciten gesehen, zu welchen nur an den Ufern dieser Inseln ausgcworfencS Treibholz gebraucht worden war und die sich durch eine große Mannigfaltigkeit schöner Holzarten aus- zeichneten. Ls bringt aber der hohe Norden nur Nadelholz und Birken hervor, und hier nur weit im Innern des festen Landes. Wir haben auf derselben Insel einen großen bearbeiteten Block Kampfcrholj gesehen, den ebenfalls das Meer ausgeworfen hatte. Die Spur der Menschenhand schwächt allerdings sein Zeugnis. Er konnte von jedem Schiffe herrühren. — 253 laschka, obgleich minder häufig, ans Ufer gespült werden*), lasten uns nicht mit Bestimmtheit auf eine allgemeine Bewegung der Gewässer des großen Ocean's nach dem Norden schließen. Es werden einerseits eben sowohl nördliche Bäume auf Radack ausgeworfen als südliche auf Unalaschka, und andererseits, da die Beringsstraße einer solchen Strömung einen entschieden zu geringen Ausfluß darbeut, so schiene uns, falls die Thatsache fest stünde, natürlicher anzunehmen, daß, nach der Theorie, eine doppelte Strömung im Meere wie in der Atmosphäre statt findet, eine obere des erwärmten leichteren Wassers nach Norden und eine untere des erkalteten schwereren Wassers nach dem Acquator. Die Bewohner der aleutischen Inseln, der St. Laurenz-Insel und der Ufer der Beringsstraße besitzen kein anderes Holz als Treibholz. ES wird in verschiedenen Jahren in verschiedener Menge ausgeworfen. Es ist zu bemerken, daß es mehr an die amerikanische Küste als an die asiatische gespült wird. Wir fanden es in Kotze- bue's-Sund in hinreichender Menge, und es mangelte hingegen in der St. Laurenz-Bucht, wo die Tschuktschi nur Moos und winzige Weidenreiser brannten. Man möchte fragen, ob ihre Berichte von Wäldern auf der entgegengesetzten Küste nicht vielleicht eben sowohl auf Treibholz, woran sie reich ist, als auf die Wälder von Norton- Sound und dem Innern zu deuten wären? Die angeschlemmten Sandhügel der amerikanischen Küste enthalten Baumstämme und Holz, wie dasjenige ist, welches an den Strand ausgeworfen wird. Das Treibholz des Nordens scheint uns im Allgemeinen aus dem Innern der Kontinente durch Flüsse und Ströme herabgeführt zu werden und in den Meeren, die uns beschäftigen, besonders aus Amerika herzurühren. Es möchte namentlich der Fluß, der zwischen der Bristolbai und Norton-Sound ins Meer fließt, eine der ergiebigsten Quellen desselben sein. Sie wurden sonst von den Meuten sehr begierig gesucht, da ein besonderer Aberglaube an diesen schwimmenden Steinen hing. — Sie sollen vorzüglich ans der östlichen Küste der Insel auSgcworfen werden. 254 Die Strömungen im Eismeer längs der Küste von Sibirien sind im Ganzen noch wenig bekannt, und wir stehen an, aus schwankenden Nachrichten Folgerungen zu ziehen. Liachoff und Schalau- roff fanden im Norden der Jana und der Kolima den Strom West, Sauer mit Billing bei Westwind Ost und bei Nordostwind West. In der Waigatzstraße und im Norden von Nowaja Semlja scheint der Strom auch West zu sein. Nachdem wir uns bemüht haben darzuthun, daß ein Strom durch die Bcringsstraße nach Norden geht, müssen wir bekennen, daß solcher zu schwach ist und nur zu wenig Wasser durch das enge Thor führen kann, um den Strömungen, die aus der Davisstraße und längs der Ostküste von Grönland nach Süden stießen, wie solche während der Jahreszeit, wo diese Meere der Schifffahrt offen sind, anerkannt statt finden, und wie mehrere Thatsachen schließen lassen, daß sie auch im Winter Beständigkeit haben*), entsprechen zu können. Die Anzeichen von Land im Norden der Beringsstraße, der Flug der Vögel aus dem Norden her nach Süden und die nach Norden nicht zunehmende Tiefe des Meeres, woraus Bur netz auf den Zusammenhang beider Kontinente schließt, scheinen uns durch die Voraussetzung hinlänglich erklärt, daß Inseln, wie die Liachoffs- Jnseln gegen den Ausfluß der Jana im Eismeere sind, in dieser Gegend liegen können. Das bewohnte Land von Andreef oder An- dreanoff im Norden der Kolima 1762 und die Gerüchte und.Sagen, es erstrecke sich solches von dem Kontinente Amerika's bis nach dem neuen Sibirien von Sannikoff 1805 (die östlichste der Liachoffs- Jnseln) scheinen unS gleich unverbürgt und Burnetz selbst legt daraus kein Gewicht. Wir sind also der Meinung, daß beide Kontinente getrennt sind, und halten das Nordost-Eap oder Lclislntriro/ noss nicht für einen Isthmus, der beide Welttheile vereinigt, sondern, gleich dem Cap Taimnra zwischen dem Jenisei und der Lena, welches nur von Chariten Laptiew 1738, und zwar nur zu Land, umgangen und re- *) 6uartvrl> kvvi«nv lalle 1818. p. 116. 255 kognoscirt worden ist, für ein bloßes Vorgebirge Asien's, welches zu umfahren das Eis, und zu Land zu rekognosciren das kriegerische ungebcindigte Volk der Tschuktschi seit Deschnew verhindert haben, welche Aufgabe zur See oder zu Land nach feinen Instruktionen zu lösen Billing alle Umstände günstig fand und unverantwortlicher Weise vernachlässigte. Wir wenden uns zu der Nordküste von Amerika. Das Nord-Cap von Cook, Llnvkonrüs's river, Lopxsr mius river von Hearn sind Punkte, die uns die Hauptrichtung angeben, in der sie ungefähr unter dem 70. Grad nördlicher Breite läuft. Die Nachrichten und Karten der Indianer der Hudsonsbai, welche einmüthig die Küste von Oopxsr m!ne river bis nördlich der Re- pulsebai fortsetzen; der Nordwest-Strom und die gleiche Richtung der Wellen (Srvell) in der Baffinsbai nach älteren Autoritäten; die Strömungen und Fluthen in Löss 'VVelkowe; alle Umstände treffen überein, uns auf Zusammenhang der Meere und Trennung der Lande schließen zu lassen, und wir suchen den Kanal nordwärts von der Repulsebay bis zu Sir James Lancaster's Sound*). Der Kapt. John Roß, dessen Reise Baff in's frühere Entdeckungen bestätigt hat, behauptet, den Zusammenhang der Lande um die Baffinsbai erwiesen zu habe», wogegen viele Teilnehmer derselben Expedition ihre Stimmen laut erheben (der Kommandeur des anderen Schiffes, Lteut. W. E. Parrp, der gelehrte Kapt. E. Sabine, der Wundarzt G. Fischer u. a.), und die näher beleuchtete Frage schwebt noch unentschieden**). Es bleibt auf jeden Fall die Küste vom *) Es haben anderer SeitS Walisische, die bei Spitzbergen harpunirt worden und die man in derselben Zahreszeit in der Davisstraße wiedergefnnden hat, so wie andere Umstände der Wermuthung Gewicht gegeben, daß Grönland eine Insel oder eine Gruppe von Inseln sei. **) ilobn bloss Voxn^e ot' cliseover^ eto. I-onelon 1919. Dessen Recension in Dks kinnrtsrlx Ilsviev, lVlnzc 1819. x. SIS. (8nr- rorv.) Schwerer Tadel trifft Roß, den Hoffnung verheißenden Lancaster-Sound eigentlich ununtersucht gelassen zu haben. Dbere oeenr nnkortunnte Moments in tbe bistor^ ol a innn's lila, rvlivn im is bimsalt' nnnbie to nceonnt lor bis netions, nnel tbe Moment ot' pnttinA ndont tbv Isnbelln rvonlcl sp- xenr to be one ol tirvm, p. SSI. > 256 Eingang der Cumberlandstraße bis zu der Repulsebai zu untersuchen. Ob aber, selbst in den günstigsten Jahren, die Durchfahrt frei von Eis und offen befunden werden kann, ob je die Nordküste Amerika's in ihrem ganzen Umfange und mit ihren'etwaigen nördlichsten Vorgebirgen selbst, wie die asiatische Küste streckweise und zu verschiedenen Malen, umfahren werden kann, ist eine andere Frage, die wir dahingestellt sein lasten. Das Meer kann in diesen hohen Breiten nur wenige Tage offen sein, und es verbinden sich alle Umstände, die Entdeckungen zu erschweren und deren Zuverlässigkeit zu vermindern. Ueber dem Meere ruht zur Sommerzeit ein dicker Nebel, welcher sich nur auflöst, wenn er von dem Winde über das erwärmte« Land getrieben wird, und man sieht zur See die Sonne nicht, welche die Küste bescheint*). iÄoäein null Irsvvls. Houston 1818. (Das Journal von M. Fischer.) HiaLsirvoost'u lila^urino, OLenmvnr 1818. 6axt. 8. Lndins. stonrnnl ok Isitnrnturs etc. Lpril 1818. Desselben Hamnrics on tks late vovaae, ob äiscovvr^. -die Hlxplnnntion von Kapt. Roß n. s. w. ') Wir haben dieses Phänomen besonders auf der Insel St. Laurentii, auf linalaschka, in der Bucht von Awatscha und zu San Francisco beobachtet. Das Phänomen der Parhclien, welches sich oft im Norden des atlantischen Ocean's zeigen soll, scheint im kamtschatkischen Meere selten. Wir selbst haben es nicht beobachtet, und ein Russe, welcher aus den aleutischen Inseln alt geworden, hatte cs in scinein Leben nur ein Mal gesehen. Wir haben das Phänomen der Kunming (Mirage) am auffallendsten in der Beringsstraße und namentlich am Eingänge der Schischmareff'S-Bucht beobachtet, wo es uns auf dem Lande und auf der See zu allen Stunden des Tages wie ein Zauber mit vielfältigen Täuschungen umringte. (Vergl. Oapt. st. koss voyNAS x. 117.) — Die Gegenstände, die am Horizonte liegen, scheinen sich von demselben zu trennen und über denselben zu erheben (in gewöhnlichen Fällen um 3 bis S Minuten, mit dem Sertant gemessen), sie spiegeln sich in dem Kreise ab, der durch ihren Abstand vom Horizonte entsteht, und scheinen durch ihr Spiegelbild verlängert. Die Bedingungen dieses Phänomens haben uns eher in Oertlichkeiten als in dem Wechsel der Atmosphäre zu liegen geschienen und wir haben es unter verschiedenen Zonen mit ziemlicher Beständigkeit an denselben Orten beobachtet, z. B. im Hafen von Hana-ruru (an der Aussicht nach Westen), in der Bucht von Manila u. s. w., nie aber in der Nähe der nicdern Inseln. - 257 Wir bemerken, daß der Theil der amerikanischen Küste, den wir im Norden der Beringsstraße untersucht haben, uns geschienen hat die Hoffnung zu erregen, unter den Eingängen und Norden, die sie zerreißen, noch einen Kanal zu finden, der nach dem Eismeere gegen den Ausfluß des Mackenzie's führe, ohne das Eis-Cap zu umfahren, welches dann einer Insel angehören würde*). Die vorerwähnte Nachricht der Erscheinung eines Schiffes in diesem Meere leitet uns sogar auf die Vermuthung, es sei bereits ein solcher Kanal befahren worden. Es bleibt uns die letzte Frage zu erörtern. Felsenblöcke, welche häufig auf schwimmenden Eisbergen des Nordens beobachtet werden, und andere Merkmale beurkunden, daß sich diese Berge ursprünglich am Lande gebildet, und man hat durch wissenschaftliche und Erfahrungsgründe durchzuführen gesucht, daß Eis überhaupt nur am Laude anschießen könne und daß ein offenes tiefes Meer ohne Land und Inseln nicht zu gefrieren vermöge, sondern zu jeder Zeit offen und fahrbar befunden werden müßte. Wir haben dieser Meinung nur Eine Thatfache entgegen zu setzen, welche man, unseres Erachtens, zu wenig beachtet hat. Es ist diese die Beschaffenheit des Meeres um den Südpol. Man müßte sich denn, durch eine ganz willkürliche Voraussetzung, zu der Nichts berechtiget, den südlichen Gletscher als einem unentdeckten, unzugänglichen Lande anliegend vorstellen. Man hat aus seinem ganzen Umkreis nur in einem Punkte Land hervorragen sehen, das Sandwichland, und dieses ist unmaßgeblich wie das neue Georgien, eine Insel von geringen: Umfang, hingeworfen in die weite Oede des südlichen Ocean's. Wir können einem nördlichen freien Polar-Meer keinen Glauben beimessen. Die Masse der von Barrington und Beaufoy**) gesam- *) Verschiedene Zeitschriften haben einen Brief des Verfassers dieser Auf- sttze fSt. Francisco, Neu-Ealifornten, am 28. Okt. 1816) mitgetheilt, worin diese Meinung ausgesprochen war. Ein Fehler des Kopisten veränderte den Sinn dahin, als sei dieser Eingang wirklich von uns untersucht worden. Urs xvssikility ot' sxpronoiiivA itrs DIvrtlrpole nsserteci Lsr- rinxtoo, n Nkv käition «itli an Appendix by ksautoy. Uancion 18l8. IV. 17 258 ,netten Zeugnisse, ob man gleich jegliche vereinzelt anfechten könnte, scheint uns unwiderleglich darzuthun, daß in günstigen Jahren die See im Norden von Spitzbergen bis zu sehr hohen Breiten der Schifffahrt offen und völlig frei von Eis befunden werden kann, wie sie wirklich in den Jahren 1754, 1773 und andern befunden worden ist. Es ist aber gleich bewährt, daß in andern Jahren und öfters das Eis den Fortgang nach Norden schon unter dem 80. Breitengrad verhindert hat und verhindert wird. Wenn bisweilen im Norden von Skandinavien zwischen Spitzbergen und Nowajä Semlja das Meer bis unter sehr hohen Breiten, vielleicht bis unter dem Pole selbst offen befunden wird, während es hingegen auf andern Punkten, etwa im Norden der Bc- ringsstraße, selten unter dem 70. Grade frei von Eis befunden werden durfte; wenn im Norden von Europa der Polargletscher, woran wir glauben, von einer tiefen, gegen den Pol eindringenden Bucht ausgerandet sein möchte, scheint uns diese Anomalie örtlichen, die Temperatur bedingenden Ursachen zugeschrieben werden zu müssen, und zwar anscheinlich denselben, welche das viel wärmere Klima bewirken, dessen sich anerkannter Weise der Welttheil, den wir bewohnen, vor allen auf der nördlichen Halbkugel unter gleicher Breite gelegenen Landen zu erfreuen hat; welche Lappland mit Wäldern und Kornwuchs bis unter dem 70. Grad begaben und die Vegetation bis unter dem 80. Grad auf Spitzbergen unterhalten und dieses Land für zahlreiche Rennthierhecrden wirthbar machen, welche schon die viel südlicher gelegene Nowaja Semlja in trauriger Nacktheit nicht mehr ernähren kann. Es sei uns erlaubt, zu einer Zeit, wo Männer wie Humboldt, Buch, Wahlenberg u. a. die Masse der Erfahrungen zu vermehren sinnvoll geschäftig sind, und ein Humboldt, um die Bruchstücke örtlicher meteorologischer Beobachtungen, welche nur noch als dürftige Beiträge zu einer Physischen Erdkunde vorhanden sind, zu überschauen, zu beleuchten und unter ein Gesetz zu bringen, isothermische Linien über den Globus zu ziehen versucht, eine Hypo- thests zur Erklärung der Phänomene der Prüfung der Naturkundigen zu unterwerfen. 259 Wir fragen uns: ob die Theorie, welche die Tag und Nacht abwechselnden See- und Landwinde der Küsten, die örtlichen Sommer- und Winter-Monsoons und endlich die allgemeinen Passatwinde beleuchtet, nicht zugleich in den mehrsten Fällen die örtliche Verschiedenheit des Klima's unter gleichen Breiten zu erklären hinreichen möchte? Es scheint uns, wenn unser Blick auf dem Globus ruht, daß die doppelte Strömung der Atmosphäre von dem Aequator nach den Polen in ihrer obern, und von den Polen nach dem Aequator in ihrer untern Region, bedingt in ihrer Richtung durch die Achsendrehung der Erde, über Europa den Kreislauf einer über dem son- nendurchglühten Innern von Afrika verhältnißmäßig ungleich er- wärmteren Luft unterhalten müsse als über irgend einem anderen Theil der Welt. Wir glauben in dem südlich und südwestlich von Europa, zwischen der Linie und dem nördlichen Wendekreis, gelegenen festen Lande gleichsam einen Zugofen zu erkennen, der die Luft, welche es bestreicht, erwärmt und sein Klima bedingt; einen Ofen, desgleichen kein anderes Land der Erde sich zu erfreuen hat, und wir meinen, daß überhaupt zwischen dem Aequator und den Wendekreisen gelegene Kontinente den östlicheren Weltstrichen gegen die Pole zu ein wärmeres Klima geben müssen, als dasjenige ist, welches andere Weltstriche unter dem Einflüsse gleich gelegener Meere haben. Es ist hier nicht der Ort, diese Idee weiter zu entwickeln und durchzufnhren oder eine neue Theorie der Berechnung zu unterwerfen und sie an dem Probirstein der noch mangelhaft bekannten Thatsachen zu prüfen. Wir haben nur den Gedanken andeuten wollen, der in uns, flüchtigen Reisenden, beim Anblick der winterlichen aleutischen Inseln (unter der Breite von Hamburg) und der Küsten der BeringSstraße (unter der Breite von Drontheim und Norwegen) im Norden des großen Ocean's aufgestiegen ist. Wir versuchen nun, diese Lande selbst dem Blicke unseres Lesers näher zu rücken. Die Punkte, auf welchen wir angelegt und die Natur zu erforschen uns bemüht haben, sind vom Süden nach Norden folgende: 17 * 260 Der geschützte Hafen von St. Peter und Paul im Innern der Bucht von Awatscha auf der Ostküste von Kamtschatka. Unalaschka, eine der Fuchs-Inseln und in der Reihe der aleutischen Inseln östlich gegen Amerika gelegen. Die Insel St. George. und die Insel St. Paul im kamtschatkischen Meere, nordwärts von Unalaschka .... Das Süd-Cap der Insel St. Laurentii im Jahr 1817. und ein anderer Theil derselben Insel im Jahr 1816. Die St. Laurenzbucht der asiatischen Küste, bis zu deren Hintergrund wir landeinwärts gedrungen sind. Der Eingang der Schischmareff'sbucht auf der amerikanischen Küste. Die Felsen-Insel im Innern des Kotzebue's Sund^). und etliche wenige Minuten nördlicher- gelegene Punkte der Ufer dieses Sundes. Wir haben zu St. Peter und Paul vom 20. Juni bis zum 13. Juli 1816 dem ersten Erwachen des Frühlings zugeschaut. Das Jahr war verspätet, die frühen Anemonen und Korydalis waren erst erblüht, der Schnee schmolz von den wohlbewachsenen Hügeln, welche den Hafen rings umschließen, und sie begrünten sich nach und nach. Es erschlossen sich zur Zeit unserer Abfahrt die ersten Rosen, die ersten Blüthen des Rdoäoäenärou, der Lilien u. a., und noch ruhte der Schnee auf Len Bergen und bedeckte die Grundfesten der hohen vulkanischen Pyramiden, welche das Land überragen und die der unermüdliche Horner trigonometrisch gemessen hat. Die Jahreszeit war uns ungünstig, und wir schmeicheln uns nicht, die man- 53° 1' N. B. 54° - - - 56° 42' - - 57° 5' - - 62° 47' - - 63° 13' - - 65" 35' - - 66" 13' - - 66° 13' - - Die Insel Chamisso von der Karte von Kotzebne. gelhafte Kenntnis), die man von der Natur dieses Landes hat, erweitern zu können. Wir verweisen auf Krascheninikoff, Pallas, Steller (Beschreibung von Kamtschatka, Frankfurt 1774), Lesseps und die anderen Reisenden. Krusenstern ist in anderer Hinsicht über Kamtschatka erschöpfend. Die Bucht von Awatscha liegt zwischen der Breite von Berlin und Hamburg, und der Hafen von St. Peter und Paul im Innern derselben scheint eben so wenig als das Innere der Fjorden Nordlands dem Einfluß der Seewinde ausgesetzt. Es wächst daselbst nur noch die Birke baumartig, aber verkrüppelt, und ungleich den- schlanken, anmuthigen Baume, den man im Norden von Europa und namentlich Lei St. Petersburg in seiner Schönheit bewundert. ?iuus Ombrn, die sich auf unfern Alpen höher als Oinus L-bios erhält und die Grenze der Bäume bezeichnet, ?xrus (Sorbus) 8am- buoikolm dl., Linus viriäis und etliche Weiden bleiben strauchartig. Das Bauholz wird aus dem Innern der Halbinsel bezogen, welches sich eines mildern Klima's erfreut als die Ostküste, und die Samenkörner von I>inus Veinbra, welche man auf der Tafel der Russen sieht, kommen aus Sibirien über Ochotzk. Gräser und Kräuter wachsen auf reichem Humus unter einem feuchten Himmel init großer Ileppigkeit. Es kommen der Pflanzenarten wenige vor und sie sind überall gleichmäßig vertheilt. An schattigen Orten wachsen Lxirnen kLintsobatioa, LOIium ursi- num, Llazmutbsmum eanaäenso, llvulnriu umxlexikolia, IN'iiliuiu obovutum 1?ursob. u. s. w. Auf den Triften ein Vsratrum, lü- iium bamtsolmtiouw, Iris Sibirien u. s. w. Auf den felsigen Hügeln Caprifolien, Spiräen, Rosen, L.tra§si>s nlxinn und alpinische Pflanzen wie Ilboäoäsuäron bamtsebuticuw, blmxetrum uiZrum, Drien- talis europnsn, lünnaea borsnlis, 6ornus suooioa, Saxifragen u. s. w. Etliche Farrenkräuter machen durch Zahl der Exemplare einen bedeutenden Theil der Vegetation aus. Etliche Orchideen kommen vor. vrtiori clioicn ist, anscheinlich eingeführt, einheimisch geworden. Wir glauben, daß Somnierkorii bei St. Peter und Paul wie in Lappland unter dem 70. Grad und in den Thälern der Savoyer- 262 Alpen (-NI Uour u. s. w.) gedeihen möchte. In dessen Ermangelung geräth aber die Kartoffel leidlich, ob sie gleich nur kleine Knollen ansetzt; und diese Wurzel, welche bereits in einem großen Theil von Europa die Cerealien ersetzt, müßte hier die größte Wichtigkeit erhalten. Man könnte Branntwein daraus brennen und einem Haupt- bedürfniß dieser Kolonie abhelfen. Aber es fehlt noch mehr an Händen und an Industrie als an Produkten oder an produktiver Kraft der Erde, und selbst was einmal mit Nutzen unternommen worden, wie das Salzkochen, unterbleibt. Krusenstern bemerkt ganz recht, daß die Erde zu spät bestellt wird. Der Hügel von Uebergangsschiefer, welcher den Hafen von der Bucht von Awatscha absondert, bietet Lager dar, welche die Stadt bequem mit Bausteinen versehen würden, und Kalk könnte aus Muscheln gebrannt werden, wenn nicht Kalkstein noch entdeckt werden sollte. Unzählige wirksame Vulkane erheben sich längs dem Gebirge, welches, sich bogenförmig zwischen beiden Kontinenten ziehend, die Kette der aleutischen Inseln bildet, und ragen in Pyramidengestalt über die Wolken. Zerrissene, zackige Felsenzinnen bilden in unruhigen Linien den Rücken, welcher diese bedrohlichen Kolosse verbindet. Das Gebirge scheint sich von dem amerikanischen Kontinent aus über die Halbinsel Alaska und die Kette der Inseln gegen Asien zu senken. Die Inseln werden gegen Westen geringeren Umfanges und seltener ausgestreut, und die letzte derselben, die Bcringsinsel, neigt sich in sanften Flächen gegen die kamtschatkische Küste hin. Die zwei Pies der Halbinsel Alaska sind von einer außerordentlichen Höhe. Der erste im Nordosten, welcher vor einigen Jahren bei einem Ausbruch in sich versank, scheint noch mit abgestumpftem Gipfel der höhere zu sein. Der folgende, ein scharfgespitzter Kegel, ist anscheinlich beträchtlich höher als der Pie auf Unimak, und dieser, welcher den Makuschkin auf Unalaschka und die ähnlichen Gipfel auf den nächsten Inseln zu übertreffen scheint, hat nach der Messung von Herrn von Kotzebue 1175 Toisen Höhe^). Der Schnee be- Herr von Kotzebue (Reise Vol. II. p. 5.) gicbt die Höhe dieses Berges auf SW englische Fuß an, welche Angabe der obigen voczuziehen sein möchte. 263 kleidet ganz den Kegel, und seine Grundfesten nach ungefährer Schätzung in den zwei obern Dritteln dieser Höhe und senkt sich stellenweis noch tiefer gegen den Strand herab. Der Anblick dieses Gebirges hinterlässt einen außerordentlichen Eindruck. Das Auge, welches sich in unser» Alpen gewöhnt hat, die Schneelinie als ungefähren Maaßstab zu gebrauchen, kann sich nur schwer der Täuschung erwehren, die Höhen dieser Gipfel zu überschätzen* *); die Schneelinie, welche Wahlenberg in den Schweizer-Alpen auf 1371 Toisen und in den lappländischen Bergen auf 555 Toisen beobachtet und Leopold von Buch auf Ma- geroe 71° N. B. auf 333 Toisen geschätzt hat, möchte sich nach unserer unmaßgeblichen Schätzung über diesen Inseln zu 400 oder 300 Toisen herabseuken, und abgesonderte Gipfel, welche diese Höhe nicht erreichen, hegen noch Schnee unter ihren Zinnen und in den Furchen und Höhlen ihrer Abhänge. Im Spätjahr 1817 hatte sich der Schnee an vielen Orten erhalten, von wo er im Spätjahr 1816 verschwunden war. Die Quellen in den niedern Thälern von Unalaschka, welche wir gegen den Anfang Juli 1817 untersuchten, zeigten uns die Temperatur der Erde zwischen 38 und 39° Fahrenheit an**). Granit kommt auf Unalaschka vor. Die Berge des Innern, links von dem Thals, welches man auf dem Wege von der Hauptansiedelung nach Makuschkin verfolgt, sind Granit. Wir haben sonst an allen Ufern der große» Bucht, auf dem Wege nach Makuschkin und bei Makuschkin selbst nur Thonporphpr, einerseits und die er mir mitgetheilt hatte, vielleicht bevor er seine Berechnung revidirt n»v abgeschlossen. *) AuS derselben Ursache entsprang auf Teneriffa die entgegengesetzte Wirkung. Der Pie, den kaum der Schnee berührte, als wir ihn sahen, machte nicht auf uns den Eindruck, den seine wirkliche Höhe erwarten ließ. "1 Wir bedauern, daß der Zustand unserer meteorologischen Instrumente, von denen wir früher mehrere cingcbüßr und deren letzte vor möglichem Unfall zu verwahren Pflicht war, uns die Beobachtungen zu wiederholen und die Resultate zu einer befriedigenden Genauigkeit zu bringen verwehrte; so haben wir den Barometer als Höhenmesser zu gebrauchen nicht vermocht. S64 hauptsächlich in Mandelstein, andererseits in Grünstein übergehend, konglomeratartigen Porphyr und wahren Konglomerat angetroffen. Diese Gebirgsarten liegen über einander in mächtigen, wenig geneigten, anscheinlich ohne Gesetz abwechselnden Lagern. Die Lagerung ist nur von Weitem an dem Profil der Berge wahrzunehmen. Diese Porphyre biete» im Großen scharfkantige, zackige, nadelförmige Formen dar und nur, wo sie konglomeratartig werden, abgerundete Formen (Wollensackc), wie es der Granit öfters thut *). Aus diesen Porphyrgebirgcn brechen mehrerer Orten heiße Quellen hervor, deren Master geschmack- und geruchlos ist und auf den Steinen einen Anflug von gelblich bräunlichem Kalksinter absetzt. Der Doktor Eschscholtz fand die Temperatur einer dieser Quellen, die in einem gegen den Eingang des Hafens gelegenen Thale auf einer Wiese sprudelt, zwischen 93" und 94" Fahrenheit. Das stockende Wasser etlicher Lachen auf derselben Wiese setzt ein hellgelbliches schwefclähnliches Sediment ab. Das Wasser der erwähnten Quelle und einer andern auf der Insel Akutan, in welcher Speisen in kurzer Zeit gar gekocht werden, schien dem Doktor sich durch größeren Kalkgehalt von dem Wasser gewöhnlicher Quellen zu unterscheiden. — Bei Makuschkin quillt am Fuße eines insularisch abgesonderten Hügels von geringer Höhe am Meeresstrand, unter der Linie der hohen Fluth, eine andere heiße Quelle aus einem Lager wirklichen Konglomerats hervor. Die darauf liegenden Lager, aus welchen der Hügel besteht, bieten die gewöhnliche Abwechselung von Thonporphyren dar. Die Llnlrusobknür sobba raucht ruhig fort und die Aleutcn holen sich Schwefel daraus. Wir sind in die abgesondert liegende enorme Gebirgsmasse, welche diesen Feuerschlund trägt, nicht gedrungen und haben in den Theilen der Insel, welche wir durchwandert sind, keine eigentliche Lava angetroffen. *1 Die in diesen Blättern zerstreute» geognostischen Bemerkungen sind zumeist dem Professor Weiß zu verdanken, welcher mit dem Verfasser alle mitgebrachten Proben von Gebirgsarten freundschaftlich belehrend dnrchgcschen hat. 265 Schwefelkies hat auf Unalaschka, wie an so manchen Orten der Welt, die Habsucht der ersten Entdecker getäuscht, welche solchen für Gold angesehen haben. Wir haben auf Unalaschka versteinertes Holz, Fragmente großer Dikotyledouen-Stämme erhalten, welche angeblich aus dem Bette eines Sees auf Umnak herrühren, der in Folge eines Erdbebens ausgetrocknet ist. Die Vulkane dieser Insel sind besonders wirksam, und von ihnen ausgeworfene Steine haben in neuerer Zeit einen Kanal ausgefiillt, welcher sonst schiffbar gewesen ist. Die neue Insel, welche im Jahre 1795 in der Nähe von Umnak und Unalaschka aus den Weilen emporstieg und über deren Entstehung Langsdorf uns benachrichtigt hat, fängt dem Vernehmen nach bereits an, sich mit Vegetation zu überziehen. Auf der Halbinsel Alaska und auf der zunächst gelegenen Insel Unimak, die davon nur durch eine enge Durchfahrt getrennt ist und auf welche die Natur des Kontinents überzugehen scheint, kommen Bäume noch vor. Unalaschka und die übrigen Inseln dieser Kette sind durchaus davon entblößt. Man hat auf Unalaschka Tannen, eine Art ^.bies, die man aus Sitcha hergebracht, anzupflanzen versucht; die meisten sind ausgegangen, die übrigen scheinen kaum sich zu erhalten, jedoch ist die Pflanzung noch jung, und man weiß, wie schwer Zapfenbäume das Umpflanzen Aberstehen. Wir haben uns auf Unalaschka, wo wir uns zu drei verschiedenen Malen im Früh- und Spätjahr aufgehalten, die Flora besonders zu studiren beflissen, und diese Insel wird uns zu einem Vergleichungspunkt dienen für die übrigen nördlicher gelegenen Landpunkte, welche wir berührt haben. Auf Unalaschka (unter der Breite von Lübeck) überragen die Weiden in den feuchten Gründen kaum den üppigen Gras- und Kräuterwuchs. Sobald man aus diesen Niederungen die nächsten Hügel hinansteigt, findet man eine durchaus alpinische Flora und es erheben sich nur noch in der untersten Bergregion etliche d-lMUIus- ähnliche Vaccinien strauchartig über den Boden. Uebrigens unterhält ein feuchter Himmel den grünen Mantel der Erde bis zu den nackteren Felfenzinnen und deni Schnee in frischem Glanze, und 266 etliche gesellige Pflanzen schmücken diese traurige Welt mit bewunderungswürdiger Farbenpracht. (Impinus nootllnensis, Nimulus Illteus Uursob. Auttutus VVillll. Uu. 8up., Upilobium nngusti- folium und Irrtikoliuw, Ukocloäsncirou leumtsebLtioum u. a.) Das frische Grün der Matten erinnert an das Urseren-Thal. Die Flora scheint mit der von St. Peter und Paul keine andere Gemeinschaft zu haben als die, welche sie der allgemeinen alpi- nischen oder arktischen Flora und der Strand-Flora dieser nordischen Küsten verdankt. Wir haben, außer solchen Pflanzen, die sich im höheren Norden wiederfinden, nur daS Uilium Irumtsolmtieum (falls die Varietät auf Unalaschka nicht eine eigene Art sei) und die Uvul-u-iu nmplexitoliu an beiden Orten beobachtet und hingegen auf der amerikanischen Küste im Norden der Beringsstraße mehrere kamtschat- kische Pflanzen-Arten gefunden, die wir auf Unalaschka vermißt haben. Es ist die Flora der Nordwest-Küste von Amerika, die sich bis an den Fuß der Hügel dieser Insel hinzieht, wo sie sich mit der arktischen vermählt. Wir nennen als Beispiele Uubus speetubilis, Impinus noot- leuensis (welcher, jedoch verkrüppelt, auch zu den Höhen hinansteigt), DMobiuiri luteum und >limulus xuttatus >Vi I!6.*) Die OIu)-toniL unulasebesnsis Isis ob. sibsricu dort, ulsinoickes Lims, möchte vielleicht auch hieher zu rechnen sein. Lauxuisorbu ounuckensis u. a. gehören der gemeinsamen Flora von Amerika. Viele Gräserarten wuchern in den Niederungen, niit ihnen etliche Umbellaten, ^nFeliou, Hm-aclcum u. a. Ein Dutzend Ouriess machen kaum einen bedeutenderen Theil der Vegetation ans als in Nord-Deutschland; etliche Lcirpus und Urioxboi-um begleiten sie, die llunoi gesellen sich ihnen ungefähr in dem Verhältniß von eins zu zwei. Die Orchideen behaupten sowohl durch die Zahl der Arten als durch die der Exemplare in der Flora des Thales und der Höhen einen bedeutenden Rang. Wir zählten deren eilf Arten, worunter sich O^rchmlium Auttstuw auszcichncte. Wir haben höher u Der Same dieser Pflanze, welche im botanischen Garten zu Berlin ge- zogen wird, soll vom See Baikal (?) hergekommen sein. 267 im Norden keine einzige Pflanze dieser Familie beobachtet. Von den Farrenkräntern kommen gegen acht Arten vor; wir haben nördlicher nur eine kMx, und diese nur einmal angetroffen. Etliche Lpkopodien kommen auf Unalaschka, nördlicher eine einzige Art noch vor. Man findet in den Seen verschiedene Wasserpflanzen: Uo- tainogeton, KparAanium, Ranuneulus aguaiilis U. a., wir haben in dem höheren Norden nur die zwei Ilixxuris-Arten und die gemeine Oallitriebs beobachtet. Zwei andere Ranunkeln, die kruuclla vulgaris, ein Ubiuautlius, eine Oincraria, eine L.cbi!lsa, eine Ulanta^o, ein 6sum, einige Ru- biaceen, eine Ola^toula, die Llcu)'antbss trikoliata, eine llriglocbiu u. a. gehören mit den oben erwähnten Pflanzen der Thales-Flora von Unalaschka an. Eine Lartsia scheint sich von der nördlicher vorkommenden Rartsia xalliela zu unterscheiden. Eine schöne Pflanze, die eine neue und ausgezeichnete Gattung begründet, die Uaman- roküa uualascbceusis, erhielt den Namen des Beförderers aller Wissenschaften in Rußland. Die Gattungen Uurnex, Uol^Aonnin, Aconitum, Ibalictrum, etliche Alsinaceen, die Iris sibirica, das Ocranlum pratcnss, das Lomarum palustre, die >Iontia kontana sind über den ganzen Norden verbreitet. Das üinx>etrnm ni^rum, welches mit Aclleborus trlkolius Uinn. (eine amerikanische Pflanze, die wir nördlicher nicht wiedergefunden) die Hügel zumeist bekleidet, eröffnet das Reich der alpi- nischen Flora. Man findet etliche Arten Vacriuium und den gemeinen Oxxcoceos, ^rbutus alpinus und Ilva ursi, eine weiß- blüthige Ncnricsia, welche unter Ilrica caerulea mit einbegriffen worden; Rboäoäenäron lrawtsebaticnm, ^.rntlca proeumbens, Lu- clromeila tetraZona ersetzt wird, alpinische Lallces, 8/1euc acaulls, 8ibbaläia procumbous, Oornus suecica, Prieutalis euroxasn, I>in- naea borealis, Ornitbogalum striaturu ^), ^ntberlcum calzmulatum, I-. varlet. borealis, Xöuigia islanäica, eine von der nördlicher vorkommenden anscheinlich verschiedene Kz-muanära, zehn 8ax!kra^ac, drei Uecliculares, etliche kotentillae, zwei 6ea, zwei Lnemonao, "1 Zwei Varietäten dieser Pflanze möchten wohl verschiedene Arten sein. 268 drei Vrimulas, ein Vapaver, eine Drosera, eine Vinguieula, zwei Vxrolae, eine Viola, eine Varuassia, einen Kubus, eine ^rweria. Es kommen nur ein alpinischer kauuuculus und drei Oentianao vor, von welchen Gattungen man nördlicher mehrere Arten antrifft. Aus der Klasse der 8zmAsuesia kommen ^ster, Disraeiuw, Onapka- lium, Deontoäou, Artemisia u. a. vor. Diese Klasse gewinnt eine größere Ausdehnung im höheren Norden, wo besonders die Gattung Artemisia mehrere ausgezeichnete Arten aufzuweisen hat. Dagegen kommen auf Unalaschka etliche alpinische Arten der Gattungen 6am- xauula und Verouiea vor, welche man im höheren Norden gänzlich vermißt. Aus der Klasse der Kreuzblumen sind etliche Arten theils im Thale, theils auf den Höhen vertheilt. Wir haben auf Unalaschka äluus viriäis, Uetula uaua, Declum palustre, Di^as ootopetala, Diapeusia lapxouiea, kboäiola rosea, die Gattungen 8pirasa, ^stragalus, Milium, dl^osotis, Oor/tlalis, Valeriana, Lretia, Luclrosaes, Doäecatlieou, Delxbiiiiuw und Orobauobe vermißt, welche wir im höheren Norden angetroffen haben. Die Strand-Flora, welche nördlicher unverändert dieselbe bleibt, bilden vorzüglich DIvmus inollis, Derb. 6-öreulc. Vriuius in Sprengeles Ent. 2. x. 72. rl.renaria pexloiäes, Visum maritimuw, verschiedene Formen der Vulmouaria maritima 'VVi11 ä., Oocliioaris oküoinaiis und L.rnioa maritima, welche, üppig und ästig auf dieser Insel, im höheren Norden einblüthig wird. — Wir möchten dieser Flora die Voteutilla anserina zuzählen. Das Meer ist längs der Küsten und in den Buchten an Algen reich, und der Vueus eseulsutus, der See-Kohl der angesiedelten Russen, zeichnet sich unter vielen gigantischen Fucus-Arten aus. Die Moose und Lichene beginnen bereits zu Unalaschka in der Flora den großen Raum einzunehmen, welchen sie im höheren Norden behaupten. Die Insel St. George, mit abgeflachtem Rücken von Felsen- Trümmern und steilen Ufern, bildet eine Tafel von mäßiger Höhe und geringem Umkreis, an welcher sich an der Ostseite eine Niederung anschließt. Man nimmt an den Profilen der Ufer die La- 269 gerung wahr; die Gebirgsart scheint wie zu Unalaschka Thonporphyr zu sein, und große Blöcke einer porösen Lava bilden zum Theil den Strand. Die Insel St. Paul ist von größerem Umfang und niedriger als St. George. Es erheben sich nur im Innern niedrige Hügel, deren einer einen stumpfen Kegel bildet. Die Ufer senken sich sanft zum Meer und bilden etliche Vorgebirge und Halbinseln. Etliche Riffe erstrecken sich von der Insel und einem nahgelcgenen Felsen (der Bobcrinsel) aus in die See und sind für Schiffe nicht ohne Gefahr. Die Halbinsel, auf welcher die Ansiedelung liegt, ist theils aus gehäuften vulkanischen Schlacken, theils aus einer porösen, Eisen- Schlacken ähnlichen Lava gebildet, deren runzlige Oberfläche, an einigen Stellen noch unbewachsen, außer Zweifel setzt, daß sie wirklich geflossen habe. Hat sich dieser Fluß aus Meeresgrund erhoben, oder hat ihn ein Berg ausgeworfen, welcher in sich versunken ist? — Er kann sich schwerlich in dem jetzigen Zustande der Insel von den fernen und niedern Hügeln des Innern auf fast wagerechter Fläche bis zu den Ufern fortgewälzt haben. Ein Profil bei dem Landungsplatz zeigt deutliche wagerechte Lagerung. Man hat zu verschiedenen Malen von St. George und St. Paul Feuer zur See brennen sehen und in Hellen Tagen Land im Südwesten von St. Paul zu unterscheiden geglaubt. Unsere Untersuchung hat erwiesen, daß die letzte dieser Erscheinungen Trugschein war; die erste möchte vulkanisch gewesen sein. Wir haben diese Inseln, die ungefähr unter der Breite von Riga liegen, nur mit flüchtigem Blick angeschaut; es ist auffallend, um wie viel winterlicher die Natur auf ihnen erscheint als auf Unalaschka. Es hegen nicht, wie dort, geschützte Thäler und Gründe eine üppigere Vegetation und südlichere Pflanzen. Eine durchaus alpinische Flora schließet sich, wie im höheren Norden, unmittelbar an die Flora des Strandes an. Die erhöhten Rücken von Felsentrümmern sind von schwarzen und fahlen Lichenen, die vom schmelzenden Schnee bewässerten Stellen von 8xlmZnrim, Moosen und wenigen Lnriees bewachsen. Die Erde hat keine Quellen mehr. Die verschiedenen arktischen Pflanzen wählen sich nach ihrer Natur 270 Felsen- oder Movrgrund, und keine erhebt sich über den Boden, dem sie angedrückt sich schmiegen. Der Impinus auf St. George, die LelüIIim auf St. Paul erinnern noch anUnalaschka; mehrere Pflanzen aber, die auf Unalaschka nicht Vorkommen, an den höheren Norden. kanunoulus Uallasii und Limelini, eine ^.introsnoo, eine vlaz-toniu u. a. Wir haben eine einzige Pflanze, Looblsaria sxa- tbulatu 8cbl. sextvntrionulis OO., ausschließlich auf diesen Inseln gefunden, wo sie häufig und charakteristisch ist. Beide Inseln waren, bevor sie die Russen entdeckten, den nachbarlichen Völkern unbekannt, ein befriedeter Aufenthalt der Wasservögel und Robben (Uboas. leoninn und ursinn). Auf beiden sind nun Aleuten unter russischer Aufsicht angesiedelt, und die Thiere sind wie die Völker hörig worden. Die Insel St. Matwey ist noch unbewohnt; man weiß das Schicksal der dort beabsichtigten Ansiedelung. Die Menschen fanden sich während des Winters von den Thieren, auf die sie für ihre Nahrung angewiesen waren, verlassen, alle verhungerten bis auf drei, welche ihr Leben mit einem magern Thon, den sie entdeckten, fristeten. Wir haben auf Unalaschka Proben von diesem Mineral erhalten, welches, bereits von früheren Reisenden gebracht, in den europäischen Sammlungen vorhanden ist. Solche Inseln, und in solcher Nähe bewohnter Küsten, würden im großen Ocean nicht unbevölkert geblieben sein. Wir werden die Insel St. Laurentii und die beiden Ufer der Beringc-straße unter einem Gesichtspunkt vereinigen. Sie sind von demselben Urgebirge gebildet, und dieselbe Flora ist über sie verbreitet. Es liegen diese Lande ungefähr zwischen den Breiten von Christian-Sund bis Dönnaöe an der norwegischen Küste, oder von Herno-Sand bis Tornea auf der schwedischen am kölnischen Meerbusen. Die St. Laurenz-Bucht ist ein Fiord der asiatischen Küste, der in das Gebirge eindringt und dessen Hintergrund Höhen mit nackten Felsen-Abhängen begrenzen. Die Gebirgsart ist Urkalk. Die alpinische oder arktische Flora, die hier den Fuß der Berge schmückt, scheint nicht deren Stirn, wenn diese sich gleich von Schnee 271 entblößt, zu bekränzen, und wenn die Abflüsse des schmelzenden Schnees im reichsten Flore prangen, sind die dürren Rücken und Abhänge von gehäuften Felsentrümmern kaum von grauen und schwärzlichen Lichenen angeflogen. Die Berge unter diesem winterlichen Himmel, von Vegetation unbekleidet und ungeschützt, veralten und verfallen. Der Frost sprengt den Felsen, jeglichen Sommers milde Wärme bringt neue Trümmer herab, und die Zerstörung schreitet fort, bis sie vollendet. Der Boden ist überall Felsentrümmer, wo nicht das 8chm§num einen Torfund Moorgrund an tiefen bewässerten Orten gebildet hat. Unter einein glücklicheren Himmel weiset uns der Dichter an den waldbcwachsenen Scheiteln seiner Berge das Bild der Unvergänglichkeit, und das düstere Lied des nordischen Barden zeiget uns an seinen Felsen des Alters zerstörende Macht. Die Tschuktschi, welche die St. Laurenz-Bucht bewohnen, besitzen einen ziemlichen Vorrath von einein schönen Graphit, womit sie sich zum Schmuck das Gesicht mit Kreuzen und anderen Figuren bemalen. Wir haben von den verschiedenen Völkerschaften, mit welchen wir an beiden Küsten verkehrt haben, verschiedentlich bearbeiteten Nephrit erhandelt, dem sie bei ihrem jetzigen Reichthum an Eisen keinen besonderen Werth bcizulegen schienen. Es ist uns unbekannt geblieben, wo beide Minerale Vorkommen. Die Insel St. Laurentii ist von mäßiger Höhe, und ihre Rücken sind abgeflacht. Wir haben am Orte, wo wir im Jahre 1816 landeten, eine grünsteinartige gemengte Gcbirgsart anliegend, und im Jahre 1817 östlich und in der Nähe des Süd-Caps, gleichsam an dessen Fuß, Granit in großen Trümmern angetroffen. Die Formen, die, von der See aus betrachtet, das Profil dieses Vorgebirges uns gezeigt, hatten unsere Neugierde erregt; wir hatten geglaubt, basaltähnliche Säulen, die sich fast senkrecht in gleicher Richtung gegen Süden neigten, daran zu erkennen. Die amerikanische Küste im Norden der Straße wird zwischen dem Cap keines oktales und dem Cap Krusenstern (Oax Llul- Arave 6oob?), welche zwei Felsensäulen sind, von angeschlemmten Niederungen und Dünen gebildet. Der Kotzebue's-Sund führte uns 272 durch diese hindurch bis zu dem Urlaub, dem sie anliegen. DaS Land hat sich nur wenig erhöht, und die ruhigen Linien der Hügel lassen nicht erkennen, wo der Felsengrund beginnt. Die Felsen-Insel, die den Ankerplatz im Hintergründe des Sundes schützt, ist von gemengter Gebirgsart (Quarz-Schiefer). Sie wirkt kräftig auf die Magnetnadel und verändert ihre Richtung. Der Felsen blickt wieder an den Profilen des gegenüberstehenden Ufers, welches den Grund des Sundes bildet, durch. Die Eschscholtz- Bucht, in die sich der Sund nordöstlich verlängert, dringt wiederum in angeschlcmmtes Land ein. Wir landeten auf der Ostseite dieser Bucht aus einer Sandspitze, wo die Magnet-Nadel gleichfalls außerordentlich abweichend befunden ward. Soll diese Anomalie auf die Nähe des Urgebirges, welches nran unmittelbar nicht stehet, schließen lassen? Der Doktor Eschscholtz wollte längs dem Strande dieses Sandufers nach dem Felsen-Ufer, dessen Fortsetzung es ist, zurück gehen. Er fand zwischen dem Sande und dem Urgebirge, welches er suchte, in unmerklicher Fortsetzung von beiden, ohne daß die Lagerungsverhältnisse deutlich zu erkennen waren, eine Gebirgsart, die unsers Wissens nur Link unter die Gebirgsarten gerechnet hat, nämlich: Eis, klares, festes Eis. Das Profil, wo es vom Meere angenagt zum Vorschein kommt, hat eine Höhe von höchstens achtzig Fuß, und der höchste Rücken der Hügel kaum das Doppelte. Auf dem Eise liegt ein dünnes Lager von bläulichem Lehm, zwei bis drei Zoll stark, und unmittelbar darauf die torfartige Dammerde kaum einen Schuh hoch. Die Vegetation ist da vollkommen dieselbe als auf dem angeschlemmten Sand- und Lehm-Boden. Die Erde thaut überall nur wenige Zoll auf, und man kann durch Graben nicht erkennen, auf was für einem Grunde man sich befindet. Die Dammerde, die von den angenagten Eis-Hügeln herabfällt, schützt wieder deren Fuß, und der ferneren Zerstörung geschieht Einhalt, wann sich unter dieser fallenden Erde ein Abhang gebildet hat, der von dem Fuße bis zu der Höhe reicht. Die Länge des Profils, worin das Eis an den Tag kommt, mag ungefähr einen Büchsenschuß betragen. Es ist 273 aber an dm Formen der bewachsenen Abhänge des Ufers sichtbar, daß dieselbe Gebirgsart (Eis) eine viel größere Strecke einnimmt. Wir kennen bereits aus verschiedenen Reisenden ähnlichen Eisgrund im Norden von Asien und Amerika, und es gehört namentlich hieher der bewachsene Eisfelsen am Ausfluß der Lena, aus welchem der Mammuth, dessen Skelet sich in St. Petersburg befindet, herausschmolz und auf welchem Adams, dem man die Erhaltung dieses Skelets und die Nachrichten darüber verdankt, ein Kreuz errichten ließ. Fossiles Elfenbein kommt hier, wie in Nordasien, vor, und die Eingeborenen verfertigen Werkzeuge daraus, wie aus Wallroß- und Physeter-Zähnen. Wir fanden in der Nähe des Eisbodens auf der Sandspitze, wo wir bivouakirten und wo die Eingeborenen vor uns sich aufgehalten, etliche Molar-Zähne, die denen des Mammuth's völlig glichen; aber auch einen Hauzahn, der durch seine größere Dicke an der Wurzel und seine einfache Krümmung sich merklich von den bekannten Mammuthshörnern unterschied und vielmehr mit den Zähnen der lebenden Elephantenarten übereinzukommen schien. — Während der Nacht ward unser Wachtfeuer zum Theil mit solchem Elfenbein geschürt. Wir haben den größer» Reichthum der arktischen Flora unter vielfältiger Abwechselung des Bodens an den felsigen Ufern der St. Laurenz-Bucht gesunden, die größere Dürftigkeit hingegen auf der flachen sandigen Küste Amerika's, deren Hügel einförmig von Sphagnum bekleidet sind und wo uns nur die Felseninsel im Innern des Sundes etliche der alpinischen Pflanzen-Arten darbot, welche nur auf Felsengrund gedeihen. Wir haben in der St. Laurenz - Bucht viele Pflanzenarten gesammelt, denen wir nur da begegnet sind. Die gleich felsige Insel St. Laurentii, die wir nur auf flüchtige Augenblicke, auf zwei verschiedenen Punkten betraten, hat uns mehrere Arten gezeigt, welche sie mit der Bucht gleiches Namens gemein hatte und die auf der amerikanischen Küste fehlten. Diese Küste endlich hat uns wenige andere Arten dargeboten, welche wir in der St. Laurenz-Bucht nicht gefunden haben. Wir können zwischen der Flora beider Küsten keinen wesentlicheren Unterschied aufstellen als iv. 18 274 — den, welchen die Verschiedenheit des Bodens und des Klima's bedingt. Der Anblick der Natur ist in der St. Laurenz-Bucht am winterlichsten. Die dem Boden angedrückte Vegetation erhebt sich kaum merklich im Hintergründe derselben, woselbst die strauchartigen Weiden den Menschen kaum bis an die Kniee reichen. Die Lnäromeäa xol^kolin, die wir nur da gefunden, war nur zwei bis drei Zoll hoch und einblüthig. Die Flora dieser Bucht schmucken ein vel- pbinium, ein Oocleeatbeon, eine Kretin und mehrere von uns nur da beobachtete Arten von jeder echt arktisch alpinischen Gattung. Oontiaua, LaxitrLA», ^.straAalus, L.rtsmisia, Draba, lianuneulus, 6I-i.)-tonia u. s. w. Mehrere derselben waren noch unbeschrieben. Die St. Laurenz-Insel, zwei Grad südlicher gelegen, unterscheidet sich nicht von der St. Laurenz-Bucht in Rücksicht der Vegetation. Die ^.uäroineäa tetra^ona, die Oi^as oetoxvtala, die Oiuxsnsia lapponiea, alpinische ül)-osotis - Arten, eine o^mnaiiära u. a. m. bezeichnen, wie in der St. Laurenz-Bucht, den Charakter der Flora. Wir bemerken, daß wir, zuerst auf dieser Insel in diese arktische Pflanzenwelt versetzt, in wenigen Minuten mehr blühende Pflanzen sammelten, als wir während mehreren Wochen ans der zwischen den Wendekreisen gelegenen Insel-Kette Radack beobachtet haben. Weiter nach Norden, auf der Felseninsel im Innern des Kotzebue's-Sund, wächst die xrocunibens, wie auf Nna- laschka, in der Bucht und auf der Insel St. Laurenz; mit ihr alpinische Weiden, Oornus saoeioa, I^iauasa boroalis, arktische Ru- busarten u. s. w. Lmxerruin nigruin und I-sckum palusrre kommen auf dem Moorgrund und unter dem Lpka^nuiu überall vor, aber das I-oäuin bildet nicht da den hohen Strauch, der die Torfmoore von Nord-Deutschland ziert. Die Vegetation hat sich im Innern des Kotzebue's-Sund beträchtlich mehr erhoben als im Innern der St. Laurenz-Bucht. Die Weiden sind höher, der Graswuchs üppiger, alle Gewächse saftiger und stärker. Die mehrsten Pflanzenarten, die wir auf der amerikanischen Küste gefunden und die in der St. Laurenz-Bucht gefehlt, deuten auf eine minder winterliche Natur. Wir fanden auf 275 der erwähnten Insel Linus viridis als winzigen Strauch und Spirnes, elmmasärilolia, Pflanzen, welche wir in Kamtschatka, und nicht auf der amerikanischen Insel Unalaschka beobachtet und die ein roheres Klima aus der St. Laurenz-Bucht verdrängt zu haben scheint. Die Flora dieser Insel zierten eine Orobanebs (rossion 77.) und eine Uingnianla. — Die Oinsraria palustris wächst besonders üppig auf den wohlbewässerten Abhängen, die sich am Fuße der Eiswände bilden. Lotulu imim kommt schon an der äußern Küste vor. Das ebene Land dieser Küste bleibt den Sommer über von Schnee entblößt. Unfern des Grundes von Kotzebue's-Sund, ungefähr anderthalb Grad südlicher, hat Cook die Ufer von Norton-Sound bewaldet gefunden, und die Bäume erhoben sich mehr und mehr nach dem Innern des Landes zu (nordwärts). — Mackenzie hat östlicher im Innern von Amerika die Ufer des Flusses, dem er seinen Namen gegeben, noch unter dem 68. Grad nördlicher Breite mit hohen Bäumen bewachsen gefunden, und diese Ufer schienen ihm von Eis zu fein. Es scheint uns, wenn wir alle Umstände erwägen, die amerikanische Küste der Beringsstraße sich eines milderen Klima's als die asiatische zu erfreuen. Es sei uns erlaubt, dem traurigen Gemälde dieser Küsten ein Bild der europäischen Natur unter dem 70. Grad nördlicher Breite (drei und einen halben Grad nördlicher als die nördlichsten von uns berührten Punkte) an die Seite zu setzen. „Da erschien uns reizend „die kreisrunde Bucht und das Amphitheater von Talvig, als sie „sich uns plötzlich und auf einmal durch den engen Kanal eröffnete, „durch den wir hineinfuhren. Die Kirche auf dem lebhaft grünen „Abhange in der Mitte, der große Prediger-Hof darüber, an den „Seiten zwei ansehnliche Gaarde, und rund umher am Ufer fort „Quäner und Bauern, und darüber malerische Felsen und ein herrstich schäumender Fall. Dazu die Lebendigkeit des Sommers; „Schiffe im Hafen, eine Kopenhagener und eine Flensburger Brigg „neben einem Russen von Archangel's Küsten her und Finnen und „Normänner in fortwährender Bewegung in der Bucht, herein und 18* 276 „wieder fort, mit frischen Fischen zum Russen, mit getrockneten nach „dem Kaufmann und mit Mehl und Kornwaaren zurück. Wer mag „sich doch Finnmarken traurig und elend vorstellen, wenn ihm Tal- „vig's Bucht in solcher Tage erscheint. „Gegen Mittag fuhren wir die zwei kleinen Meilen herüber „von Talvig nach Altengaard, dem Amtmanns-Sitz im innersten „Theile des Fiord. Auch dieser Gaard überrascht. Er liegt mitten „im Wald von hohen Fichten, auf einer grünen Wiese, mit herrlichen Blicken durch die Bäume auf den Fiord, auf die hintereinander in das Wasser hervorstehenden Spitzen und endlich auf „Sehland's und Langfiord's Fielde. Die Bäume umher sind so „schön, so abwechselnd. Zwischen den Zweigen schäumt jenseit des „Wassers im ewigen Treiben der Bach der Sägemühle von den Fellen herunter, und im Fiord und in Refsbotn leuchten fast in jeder „Stunde, welche die Sonne fortschreitet, neue Gaarde herüber. Eine „Villa ist diese Wohnung; ein Landsitz, nicht für Aktenstaub gebaut, „oder um dort Prozesse zu führen. Ist es doch, wenn inan durch „den Wald vom Strand herankommt, als wäre man bei Berlin in „den Thiergarten versetzt; und dann wieder, wenn sich die Perspektiven den Fiord herunter eröffnen, als sähe man italienische Fernen „oder einen See in der Schweiz." (Leopold von Buch's Reise durch Norwegen und Lappland w. x. 485.) Mageröe, unter dem 71. Grad, scheint mit zertrümmerten nackten Felsen, unter welchen am Ende des Julius überall große und ausgedehnte Schneemassen liegen, den Anblick der Ufer der St. Laurenz-Bucht zu vergegenwärtigen. Die Birke wächst jedoch da, obgleich verkrüppelt, auf den Abhängen der Berge bis zu einer Höhe von 400 Fuß. Leopold von Buch schätzt die mittlere Temperatur der Luft auf dieser Insel 1j^" R. und die Höhe des ewigen Schnees 2000 Fuß. Aber es friert da in gut geschlossenen Kellern niemals, und das Gras hört nie auf, noch unter dem Schnee zu wachsen. — Ein Bach fließt bei Hammerfest auf Qualöe den ganzen Winter hindurch. Wir sehen hingegen auf den Küsten, auf welchen unsere Blicke haften, eine üppigere Vegetation, Sträuche, hohe Bäume (Naolcenrio) 277 auf einem ewig gefrornen Boden, auf einem Boden von gediegenem Eis gedeihen. Wahlemberg (cls vsA-etationo et ciimnte in 8elvstm sep- tentrionnli p. I-XXXIV.) hat für Europa dieses Gesetz aufgestellt: Die mittlere Temperatur der Luft ist gegen den 46. Grad nördlicher Breite der Temperatur der Erde im ebenen, wenig über die Mceresfläche erhabenen Lande gleich. Von diesen! Mittelpunkt aus nimmt die Temperatur der Luft sowohl gegen Norden als gegen den Gipfel der Berge schneller ab als die Temperatur der Erde, und gegen Süden schneller zu, so daß im Norden und auf den Bergen die Temperatur der Erde wärmer, im Süden aber weniger war»! ist als die mittlere Temperatur der Luft. Ans den Küsten, welche wir besucht haben, können nur die direkte Sonnenhitze und die Temperatur der Luft während des Sommers die Vegetation auf einer ewig gefrornen Erde unterhalten. Sollte da die Winterskälte so streng sein, daß die mittlere Temperatur der Luft noch unter die Temperatur der Erde fallen könnte? Der Anblick der Natur auf diesen Küsten widerstreitet in Ermangelung aller meteorologischen Beobachtungen dem erwähnten Gesetze, wie dasselbe, bewährt für Europa, ungünstig der von uns gewagten Hypothese scheint, nach welcher dieser Welttheil der crwärmteren Luft, die ihn bestreicht, sein milderes Klima zu verdanken hätte. Steller zuerst, den Pallas den Unsterblichen nennt, hat unter Bering die Naturgeschichte dieses Land- und Meerstriches enthüllt, und Merk ist unter Billing seiner Spur rühmlich ergänzend gefolgt. Andere Gelehrte und Sammler haben gemächlicher in Kamtschatka geforscht und Unalaschka ist besucht worden. Die Namen Steller und Merk sind unverdunkelt geblieben. Von dem, was für die Botanik gewonnen ward, liegt Vieles noch vorzüglich in den Lambert'schen, Willdenow'schen und Görenk'schen Herbarien unedirt. Pallas hat in der 2oo^raxb!a rossioa, soweit selbige gediehen ist (bis zur Mitte der Fische), alles Zoologische zusammengestellt. Wir werden mit gebührender Ehrfurcht zu unseren Vorgängern nur wenige Bemerkungen über die Fauna dieser Meere und Küsten uns erlauben. 278 Die größeren Säugethiere sind vom amerikanischen Kontinente bis auf Unimak übergegangen. Man findet da das Rennthier, einen Wolf und einen Bären, welcher der europäische braune Bär zu sein scheint. Der schwarze Bär (lllrsus umoriosnus, ^ulu Asnisgns ker- rnAlneis), dessen kostbare Haut zu Pelzwcrken gesucht wird, kommt mit dem braunen Bären zusammen erst an der entfernteren Nordwestküste vor. Man findet nur noch auf Unalaschka den schwarzen Fuchs und verschiedene kleine Nagethiere, worunter sich der Aus oeconoiuus auszeichnet, welcher die Wurzeln des Dol^ouum vivi- xarum, der 8urnna (I-ilium üamtsobatieum) und anderer Pflanzen als Wintervorrath unter dem Schnee aufspeichcrt. Die übrigen Säugethiere gehören der Fauna des Meeres an. Wie gegen Norden hin auf dem Lande die Wälder sich senken, die Vegetation aklmälig abnimmt, der Thiere immer weniger werden, zuletzt (wie auf Novaja Scmlja) das Rennthier und die Nager mit den letzten Pflanzen verschwinden und nur Raubthiere, denen ihre Nahrung auf dem Meere angewiesen ist, den beeisten Strand umschleichen, füllt sich dagegen das Wasser mehr und mehr mit Leben an. Die Algen, gigantische Tangarten, bilden um die felsigen Küsten überflossene Wälder, dergleichen in der heißen Zone nicht Vorkommen.*) Aber das Leben im Wasser neigt sich aus die animalische Stufenreihe, obgleich alle Wafserthiere auf einer niedrigeren Stufe zu beharren scheinen als ihre Verwandten aus denselben Klaffen, welche dem Lande angehören. Die Medusen und freien Zoophyten, die Molusken, Würmer und Crustaceen, unzählige Arten von Fischen in unglaublich gedrängten unendlichen Schaaren, die riesigen schwimmenden Säugethiere, Wallfische, Physeter, Delphine, die Wallroffe und Robben erfüllen das Meer und dessen Strand, und es wiegen sich darüber wundersame, zahllose Flüge von Wasser- *) Die See-Tange, welche an der kalifornischen Küste den Galeoncn von Manila zum Wahrzeichen des nahenden Landes dienen, möchten das äußerste Vorschreiten dieser Bildung gegen die Grenze der Paffatwinde bezeichnen. — Am Vorgebirge der guten Hoffnung kommt der hicher zu rechnend-kuvus buo- 279 vögeln, welche in der Dämmerung gleich schwebenden Inseln cmzu- sehen sind. Die Seeotter scheint nicht nach Norden über die Kette der aleutischen Inseln auszuschweifen und beginnt auf denselben selten zu werden, nachdem sie den Untergang der eingeborenen Völker veranlaßt hat. Der Seelöwe und der Seebär scheinen sich ungefähr in denselben Grenzen zu halten, andere, der Uliooa, vitnlinn ähnlichere Robben kommen nördlicher häufiger vor. Man trifft in der Be- ringsstraße unendliche Heerden von Wallrossen an, und die Zähne dieser Thiere scheinen einen beträchtlichen Handelszweig der Bewohner der St. Laurenz-Insel auszumachen. Wir haben zu Unalaschka nur entstellte Sagen vernommen, die auf den Llanatus dorealis zu deuten schienen. Ein Physeter, ein Anarnak, sechs verschiedene Wall- fischartcn, der vi-IxliinnZ Orea und zwei andere Delphine kommen um die aleutischen Inseln, und außerdem im Norden der Berings- straße, wie wir aus etlichen Anzeichen schließen, noch der Oslxblnns ltznens vor. *) Man findet an den Küsten der Beringsstraße verschiedene VI- vsrra- und Oanis-Arten, unter welchen hauptsächlich der schwarze Fuchs unsere Habsucht zu reizen vermöchte. Der sehr gemeine Li-o- tvmvs O/üllns, dessen Fell ein elegantes Rauchwerk abgiebt, zeichnet *) Wir werden die Nachrichten, die wir über die Wallfische dieser Meere zu Unalaschka von den Aleuten eingezogen haben, ausführlicher in den Verhandlungen der Leopoldinischen Akademie mittheilen. Wir bemerken hier btos unmaßgeblich zu Pallas 2oo§rnpkia p. 283, daß I^setsr MLcroerPkalus, l'selliväuAk ein ^.narnulc, und von dem unsere Nachrichten schweigen, vielleicht dieses letztere Thier im jüngern Alter find. Zur Seite 288, wo sechs Wallfischarten aufgezählt werden, daß Ko. 2 Oulammalc LnIaLna Hhstieotus uuet. L. zu sein scheint, und daß Ko. 6 anstatt Lamsekulun^, welches alt bedeutet und ein Beiname der erwachsenen Thiere jeglicher Art sein kann, HlanxiclaeU einzuschalten ist, welcher Name p. 294 unter L. UuseuIuL angeführt wird. Fünf Arten mit mehr oder minder gefurchter Brust find aus flüchtigen Beschreibungen und rohen Abbildungen kaum von einander zu unterscheiden. Der wohl erhaltene Schädel, welcher nach St. Petersburg mitgebracht wurde, gehört zu der Art Ko. 3. 280 sich unter den Nagern aus. Das Rennthier, welches beiden Küsten angehört, scheint aus der St. Laurenz-Insel zu fehlen. Der Hund, überall im Norden der nächste Gefährte des Menschen und sein nützlichstes Zugthier, fehlt nur auf den aleutischen Inseln, wo er, sonst eingcführt, sich vermehrt hatte, aber von den Herren des Landes ausgerottet worden, weil er die Füchse befährdete, deren Häute ihr sicherster Reichthum sind. Viele Landvögel haben sich von der nächsten Küste aus auf Unalaschka verbreitet, über welche der weißköpfige amerikanische Adler herrscht. Wir haben in Hinsicht auf den Albatros, viomeäsa oxulans, einen gemeinen Jrrthum zu berichtigen, der unter Pallas' Autorität Glauben gefunden hat*). Der Albatros besucht nicht blos als ein flüchtiger Gast aus der südlichen Halbkugel den Norden auf kurze Zeit, um seinen Hunger zu stillen und sofort zur Brutzeit nach der südlichen Heimath zurückzukehren. Der Albatros baut sein Nest aus Federn auf den höchsten Gipfeln der aleutischen Inseln, namentlich auf llmnak und l'sobutireob sobpotsebnis ostroik. (Die Insel der vier Pies.) Er legt zwei sehr große Eier bläulicher Farbe und brütet sie zur Sommerzeit aus. Die schwarze Varietät, derer die Autoren erwähnen, ist das jüngere Thier. Die Meuten besteigen gegen August diese Gipfel und holen die Eier aus den Nestern; den brütenden Vögeln selbst stellen sie mit eigens dazu gemachten Wurfspießen nach und sind besonders begierig des Fettes, womit selbige zu dieser Zeit beladen sind. Kein einziges Thier aus der Klasse der Amphibien kommt auf Unalaschka und den aleutischen Inseln vor. Vorherrschend sind unter den Insekten die Käfer und unter diesen die Gattung Oarabus, aus welcher der vr. Eschscholtz 16 Arten zählte, unter welchen mehrere noch unbeschrieben waren. Etliche Löss. V. I. I>. 2g7 und V. 2. x. Z88. 281 Wasserkäfer beleben noch die Landseen und Lachen. Man möchte sie nördlicher vergeblich suchen. Die gemeine nordische große Llnjn (Utboäes artion Uat.) zeichnet sich unter den Krebsen aus und ist eine vorzügliche Speise. Wir verweisen auf Pallas und andere Schriftsteller in Hinsicht auf die Fische, auf deren beständigen unzähligen Zügen die Nahrung des Menschen und seiner Hausthiere*) (das Rennthier ausgenommen) im Norden beruht, wie unter einem mildern Himmel auf den Ernten der Cerealien, und die getrocknet das Brod und Futter der Nordländer sind. Die einfacher organisirten Thiere des Meeres werden uns zu etlichen allgemeinen Bemerkungen veranlassen. Wir haben im Aeguatorial-Ocean eine Werkstatt der Natur erkannt, wo sie von Molusken, Würmern und vorzüglich von Polypen die Kalkerde erzeugen oder absondern läßt. Thiere aus denselben Klassen sind im Meere, welches die aleutischen Inseln bespült, wenigstens was die Zahl der Individuen anbetrifft, nicht minder zahlreich; und manche der Arten sind nicht minder riesig als die jener Zone; aber die Kalkcrzeugung tritt zurück. Unter den Molusken zeichnet sich ein Tintenfisch aus (Loxin ootoxus?), welcher zu einer Größe heranwächst, die ihn den kleinen Baidaren der Eingeborenen, welche er umzuwerfen vermag, wirklich gefährlich macht und die Fabel des Polypen, welcher mit seinen Armen Schiffe umstrickt und in den Grund zieht, in etwas rechtfertigt. Es herrscht unter den Testaceen keine große Mannigfaltigkeit, aber die Zahl der Arten wird durch die der Individuen von wenigen allgemein verbreiteten ersetzt. Etliche Lslsnus und die gemeine Muschel (Nz-tilus eäuli«) überziehen meist den Strand. Die Muschel, welche bei uns allgemein gegessen wird, ist hier eine höchst gefährliche Speise, zu ») Wir bemerken, zu Vergleichungen geneigt, daß Marco Polo im 46. Kapitel des dritten Buches von der Landschaft Aden (unter der heißen Zone) berichtet, daß daselbst „Pferd, Rinder und Kameel.das iffct.alles Fisch, denn es „mag kein Kraut aus der Erde wachsen vor großer Hitze wegen. Das Vihe iffet „lieber dürr, denn griene Fische." 282 — welcher man sich nur in der Noch entschließt. Sie soll zu Zeiten als ein entschiedenes Gift wirken, und es sind, wie man uns berichtet, öfters Menschen an deren Genuß gestorben. Keine Llolasoa dieser Meere kann an Kalkerzeugung mit der 6b»ma ZiMs und anderen Urten des Südens verglichen werden. Unter den Zoophpten Ouv. zeichnen sich die Seesterne rias ll,.), Seeigel (Lobinus I,.) und Quallen (Icksäu8r>. lli.) aus. Der gemeinste Seestern (Lsterias rubens?) erreicht die Größe von beiläufig einem Fuß im Durchmesser. Eine Narwals (Oaxni Lle- clusae) ist entschieden eine andere Art als die, welche am Vorgebirge der guten Hoffnung vorkommt. Der gemeinste Seeigel (Lolrinus eseulsntus ?) wird gegessen. Die Quallen und andere unscheinbare Thiere gereichen den Wallfischen zur hinreichenden Nahrung.*) Die Stelle der südlichen Lithophyten nehmen die Ceratophyten ein, und namentlich die Nordküste der Insel Umnak bringt deren mehrere ausgezeichnete Arten hervor. Die Fischer angeln häufig aus des Meeres Grunde sechs Fuß lange Gerten herauf, die sic nach deren nächster Aehnlichkeit für Bärte eines riesigen Thieres halten und die uns das Skelet einer Seefeder (Usnnawla) zu sein geschienen. Es bleibt uns übrig die Völker zu betrachten, welche die Küsten und Inseln, die wir überschaut haben, bewohnen**). Es ist bekannt, daß die ansässigen Tschuktschi auf der Nordost- Spitze von Asien, die Bewohner der St. Laurenz-Insel der gegenüberliegenden Küste und überhaupt alle nördlichen Küstenbewohner Amerika's, von der Beringsstraße an, einerseits südwärts bis zu den Konägen auf Kadiak und den Tschugatzen im Hintergrund von Cooksinlet und andererseits nord- und ostwärts längs dem Eismeere, am Ausfluß des Mackenzie und Copper mine river, bis zu den Eskimos im Norden der Hudsonsbai und aus Labrador, und bis zu *) Wir haben die LUo dorvnlis in diesem Meere nicht angetroffen. **) Wir bemerken, daß wir meist diese Völker und Völkerschaften mit Namen benennen, die sie sich nicht selber, sondern die ihnen Fremde anferiegt. Und es geschieht also .in Rücksicht 'der mehrsten Völker der Erde. So scheint das Wort Ale nt von der fragenden Partikel .^.ULx sich herzuleiten, die in der Sprache dieses Volkes den Fremden anffiel. 283 den Grönländern und der im höchsten Norden der Baffinsbai von Roß aufgefundenen Völkerschaft, zu einem und demselben Stamme gehören; einem Menschenstamme von ausgezeichnet mongolischer Gesichtsbildung, dem Stamme der Eskimos, dessen asiatischer Ursprung augenscheinlich ist und dessen Wanderungen man leicht über das Ost- Cap Asien's und längs den Küsten Amerikas verfolgen kann. Die Sprache ist von ausgezeichnet künstlichem Bau. Die Lebensart, die Sitten, die Künste, die ganz eigenthümliche Schifffahrt in ledernen Booten (Kajak Baidaren)*), die Waffen, die Kleidertracht sind im Wesentlichen überall dieselben, und man unterscheidet kaum in dem Atlas der Reisenden den Grönländer von dem Tschuk- tschen oder Konägen. Vater im Mithridates 3, 3, p. 425 nimmt Anstand, die Bewohner der Fuchs-Inseln, die Aleuten, mit G. Förster zu den Eskimos zu rechnen. Sie gehören aber offenbar zu denselben. Der vr. Eschscholtz hat sich von der wesentlichen Uebereinkunft ihrer abweichenden Mundart mit der Stammsprache überzeugt, und sie sind sonst in Allem ihren Stammverwandten gleich. Diese Völkerschaft ist augenscheinlich vom amerikanischen Kontinent westwärts auf die Inseln gewandert; die westlichsten der Kette sind, wie die im Innern des kamtschatkischen Meerbeckens gelegenen, unbevöl- kcrt geblieben. Die Sprache dieses Menschenstammes ist uns hauptsächlich aus den Lehrbüchern der grönländischen Mundart, die wir den dänischen Missionaren verdanken, und aus den grönländischen und labradorischen Bibelübersetzungen hinreichend bekannt**). Der vr. Eschscholtz hatte mit Hülfe eines der uns begleitenden Aleuten unternommen, den aleutischen Dialekt und dessen sehr verwickelte Grammatik besonders zu beleuchten. Er war das begonnene, eben so schwierige als verdienstliche Werk zu vollenden entschlossen, und es ist zu hoffen, daß ihm die zu diesem Behufe nothwendige Hülfe seines Pfleglings nicht entzogen werde. Merkwürdig/ daß diese den nordischen Hochländern von Roß fehlen, lvlitliridates 3, 3, p. und InnAunrain inelex I>. 85. 284 Im Almtischen wie im Grönländischen findet zwischen der Rede der Männer und der der Frauen ein ausgezeichneter Unterschied statt. Die Kamtschadalen gehören nicht zu diesem Volksstamme. Sie sind gleichfalls mongolischer Race und reden verschiedene Dialekte einer anscheinlich eigenthümlichen Sprache. Dieses Volk ist bereits fast gänzlich unter der neuen fremden Herrschaft erloschen. (Siehe Krusenstern V. 2. oux. 8.) Ueber die Aleuten und die Russisch-Amerikanische Compagnie zu reden ist der Verfasser nicht befugt. Er würde nur sein gekränktes Gefühl und sein Erbarmen auszudrücken vermögen. Wer auch nach hergebrachtem Brauch das Recht ungeschützter Völker zu ihrer angeborenen Freiheit mißachtet, muß bekennen, daß unter diesem strengen Himmel Armuth Elend ist, und arm und elend sind die Aleuten im Gegensatz zu den wohlhabenden, starken, unabhängigen Völkerschaften gleiches Stammes unerhört. Sie sind harmlose, armselige Sklaven, die noch jetzt ohne gehörige Sparsamkeit, obgleich nicht mehr mit dem sonstigen Uebermuth ausgegeben werden und deren Stamm sehr bald versiegen wird*). Sauer theilt in den Anhängen zu seiner Reise den Auszug des Journals eines russischen Offiziers mit, worin von den ersten russischen Feldjägern auf diesen Inseln gesagt wird: Ilre^ nseä not nakrsqnentt;- to xlueo tiw inen eloss toxotdvr Nil6 trv tkrouAÜ Iiorv INNNV tbo dnii o5 tUvir rille burolloä musquvt rvoulä xnss. 6oaori Leimliüoff Vas dnon oburxoä evitli tvis net ok orunlty nnci ü Iiuvo ruuson to bo.Iievo it. Sie pflegten nicht selten die Menschen dicht zusammen zu stellen und zu versuchen, durch wie viele die Kugel ihrer gezogenen Büchse hindurchgehen könne. Man hat G e- gori Schelikoff dieser Grausamkeit beschuldigt und ich habe Gründe, daran zu glauben. Zu Billing'S Zeit zeichneten sich noch die Unalaschker durch größere Bildung, Feinheit, Kunstfertigkeit aus. Jetzt nicht mehr. Auf den westindischen Inseln flüchten nicht selten Negersklaven zu den unwegsamen Bergen des Innern (btviAies murrous, Lümurrouos). Hier, wo nur das Meer ernährt, sollen auch auf etlichen Inseln die Aleuten sich in die Berge- geflüchtet haben. Man hat uns als aktenmäßig mitgethellt, daß die Zahl der Meuten auf deu Fuchsinseln im Jahre IMS 1M4 Männer und S70 Frauen, im Jahre 1817 4 62 Männer und S84 Frauen gewesen ist. (?) 285 Sauer, Davidoff, Langsdorf, Krusenstern und Andere haben darüber ihre Stimme erhoben. Wir werden uns auch nur über die nördlicheren Völkerschaften, die Tfchuktschi, die Bewohner der St. Laurenz-Insel und die der Ufer des Kotzebue's - Sund wenige Bemerkungen erlauben und uns im Ganzen auf die russischen Berichte, Cook, die Geschichtschreiber der Billing'schen Expedition, Saretschew und Sauer, und auf die Beschreibung unserer Reise beziehen. Befugtere haben über diese Völker zu reden übernommen. Wir haben die Tfchuktschi an demselben Orte kennen gelernt, wo Cook und Billing vor uns gewesen waren. Wir haben ihre Berichte über die Sitten und Bräuche dieses Volkes, in sofern wir selbige kennen gelernt, sehr treu befunden und müssen ihnen nur in einem Punkte widersprechen: nämlich in Ansehung des Vorzugs, der ihnen vor andern Völkerschaften eingeräumt wird; der Bildung, der Kraft, der Leibesgröße, der besonderen, mehr europäischen Gc- sichtszüge, die ihnen zugeschrieben werden. Wir haben in ihnen nur die Eskimos der gegenüberliegenden Küste wieder erkannt, denen sie uns sogar, wenigstens an Kunstfertigkeit, unterlegen geschienen haben. Nur möchten sich ihrer etliche durch eine höhere Statur unterscheiden. Die Tfchuktschi erkennen zwar die russische Oberherrschaft an, aber der Tribut, den sie in die russischen Handelsplätze freiwillig bringen, ist gleichsam nur ein Zoll, wodurch sie sich selbige eröffnen, und sie genießen der Vortheile des Handels, indem ihre Selbstständigkeit und Unabhängigkeit unbefährdet bleibt. Wie die St. Laurenz-Insel zwischen beiden Kontinenten liegt, so scheinen ihre Bewohner zwischen den Tfchuktschi und Amerikanern die Mitte zu halten, den letzteren jedoch näher verwandt zu sein. Sie scheinen nicht ihre Todten, wie die Tfchuktschi, zu verbrennen. Wir haben Schädel auf dem Plateau der Insel und in den Felsen- trümmern am Fuße der Höhen angetroffen, aber nicht die aus Treibholz aufgeführten Monumente bemerkt, die auf der amerikanischen Küste die Ruhestätte der Todten über dem gefrornen Boden der Hügel bezeichnen und vor den wilden Thieren schützen. Sie tragen be- 286 kanntlich schon die Zierrathen in den Ecken des Mundes, welche die Eskimos vom Kotzebue's-Sund bis an den Ausfluß von Mackenzie's River bezeichnen, aber sie sind bei ihnen weniger allgemein und von geringerer Größe. Sie scheinen mit den Tschuktschi in Handelsverkehr zu stehen und von ihnen namentlich die Pelzkleider (Parken) von Rennthierfellen zu beziehen, welche siebrauchen; das Thier selbst besitzen sie nicht. Sie sind an Wallroßzähnen und anderen den Seethieren abgewonnenen Produkten reich und zu Handel erbötig. Die Tschuktschi hassen die Bewohner der amerikanischen Küste, mit denen sie in Feindschaft und Krieg lebe», wie nur Brüder sich zu hassen vermögen, und schilderten sie uns mit den schwärzesten Farben. Wir haben an diesen im Verkehr mit ihnen nur die Vorsicht, die dem waffenfähigen Manne gegen Unbekannte geziemt und die wir selbst gegen sie gebrauchten, bemerkt, Nichts aber, was uns zu dem Verdacht berechtigt hätte: sie sännen auf Verrath. — Ihr Reichthum an russischen Gütern, an Eisen, blauen Glasperlen u. s. w. war uns auffallend; sie sollen diese Waaren, wenn wir anders die Tschuktschi wohl verstanden haben und ihnen Glauben beimessen wollen, wie diese selbst aus Kolima holen. Sollte sich wirklich der Handel dieser Amerikaner einen Weg nach diesem Markt zur See um den Lobolntrlco^ noss oder vielmehr bei Nacht und Winterzeit zu Schlitten und über den mehr erwähnten Isthmus dieses Vorgebirges eröffnet haben? I Meteorologie. — Magnet. Dem Naturforscher der Expedition ist nur die Beobachtung der Jnklinationsnadel von Troughton anvertraut worden und zwar nur zwei Mal, in Chile und in der St. Laurenz-Bucht. Er kann nur das wiederholen, was man in Roß Reise, Lxpenäix x. 128 liest: „IVe never Avt an^ rosult krom tbis Instrument, vvblob oonlä l>o äoxonäoä on.° Nachschrift. Von dem Befehlshaber und Berichterstatter der Expedition getrennt, war es dem Verfasser der Bemerkungen und Ansichten unmöglich, seine Angaben oder Urtheile an denen der Gelehrten, in deren Reihe er auftritt, zu prüfen und zu berichtigen. Er konnte selbst nicht seine Rechtschreibung fremder Namen und Wörter mit der in der Reisebeschreibung befolgten in Uebereinstimmung bringen, da er die Aushängebogen des Werkes nicht gesehen hat. Er ist in Hinsicht der Sprachen, die geschrieben werden, der Autorität der heimischen Schriftsteller gefolgt, und in Hinsicht der nicht geschriebenen eigenen Grundsätzen, von denen er in der Anmerkung zum Vokabularium Rechenschaft abgelegt hat. Viele dieser Blätter sind in der Zwischenzeit ihres Entstehens und ihrer Bekanntmachung im frischen Treiben der Zeit und der Wissenschaft bereits verwelkt und der Vergessenheit anheim gefallen. Der Verfasser hätte sie zu unterdrücken gewünscht. Südamerika ist uns näher gerückt. Wichtige Werke und der tägliche Verkehr haben uns Brasilien eröffnet. Chile ist nicht mehr das Land, das wir gesehen; wir bringen ein Bild der Vergangenheit dar; der freie Handel führet heute das Kupfer aus, welches die ersten Verfechter der Unabhängigkeit zu Kanonenkugeln verbrauchen mußten. Spätere Entdeckungen haben die Streitfragen, die wir über "die Polarregionen zu erörtern hatten, ihrer Entscheidung nahe gebracht und den Standpunkt, aus dem man sie betrachten soll, vorgerückt. Der Lieutenant Parry ist aus dem Lancaster'ö-Sound, zwischen Inseln und von Kanälen zerrissenen Ländermassen, bis über den 259 » 115" W. 8. hinaus (eine Strecke von 35") vorgedrungen, nur 20° diesseits der Mittagslinie von Mackenzie's River. Wir sind uns vor- zustcllen geneigt, daß ähnliche Inseln und Ländermassen zwischen Grönland und Neusibirien und namentlich im Norden der Berings- straße (Burney) einen großen Theil der Polarregion einnehmen. Es hat andrerseits das Neusüdshetland von William Smith 1819, welches man sich nicht erwehren kann in Verbindung mit dem Sandwichland zu denken, den Glauben an einen südlichen Kontinent, welchem Cook selbst noch nach seiner zweiten Reise anhing, wieder belebt. Diese Küste begrenzt eine der befahrensten Straßen, und jährlich müssen ihr Hunderte von Schiffen, gegen Weststürme auf der Westfahrt ringend, auf wenige Grade nah kommen. Man erstaunt ob der verspäteten Entdeckung. Es hat endlich W. Scoresbh (^.n sooonnt ok tbo mmtia re- gions, blclinbnrgb 1820) uns ein Werk über die nordische Polarregion gegeben, vor dessen Gründlichkeit unser flüchtiger Versuch in den Schatten zurück tritt. Diese Aufsätze erscheinen unverändert. Und der Verfasser, von dem Druckort entfernt, vermag nicht den Mängeln, die er fühlt, nachzuhelfen. Er wird nur wenige Berichtigungen und Anmerkungen Nachträgen. Im März 1821. Adelbert v. Chamjsso. IV 19 Berichtigungen und Anmerkungen. Ilebersicht des großen Ocean's u. s. w. Tagalische Literatur. F. C. Alter, Ueber die tagalische Sprache, Wien 1802, lehrt uns blos, daß ein unvollständiges handschriftliches Vo cabul ario Tagalog in der kaiserlichen Wiener Bibliothek vorhanden ist. Sprachen und Zahlensystem der östlicheren Inseln des großen Ocean's. -Als wir unsere Betrachtungen über die Dialekte der Insulaner des großen Ocean's niederschrieben, hatten wir noch die Mundart von Tonga mit keiner andern Mundart derselben gemeinsamen Sprache genau vergleichen können, und es bedurfte einer solchen Vergleichung, unser Urtheil hinreichend zu begründen. Wir muffen hier unfern Dank einem Gelehrten zollen, der, an dem Gegenstände unserer Untersuchung lebhaften Antheil nehmend, sich eifrig verwendete, uns die literarischen Subsidien, deren wir bedurften, zu verschaffen. Seine Excellenz der Herr Staats-Minister Freiherr Wilhelm von Humboldt bemühte sich einige Bücher zu erhalten, welche die ehrwürdigen Missionare auf den Gesellschafts-Inseln in der Sprache derselben geschrieben, die theils zu Paramatta (dis,v Konti, IVsles), theils auf O-Taheiti selbst gedruckt worden und von 291 denen im dlarrativs ok tbö Liission nt O-Dabeite, London 1818, Erwähnung geschieht. Wir sehen mit Erstaunen diese Inseln sich unter der Einwirkung des Christenthums aus einem geselligen Zustande, welcher un- serm eigenen im Mittelalter glich, schnell und ruhig zu demjenigen erheben, der erst für unsere Welt unter verzögernden und blutigen Stürmen hervorzugehen begonnen hat. Volk und Herrscher bieten sich dort über den Trümmern der verfallenen geselligen Ordnung, des Tabu's und der Willkür, die Hand; einmüthig und feierlich wird das geschriebene Gesetz begehrt, vorgeschlagen, bekräftigt, und die fremden Lehrer, die sich aller Einmischung in die Angelegenheiten des Staats enthalten, sehen mit Dankgebet dem Aufkeimen ihrer Saaten zu. Indem wir vergeblich auf Proben der aufblühenden o-tahei° tischen Literatur hofften, ist uns unser Wunsch an einer anderen Mundart in Erfüllung gegangen, und wir verdanken es derselben wohlthätigen Missionsgesellschaft. Vor uns liegt: L. Olrammar and Vooabnlai^ ot tbo lanAnage ol dlev-2salan<1. kublisliod tbo 6bureb Missionar^ 8ooiet^. I-anäon 1820. 8. Der Verfasser dieser Grammatik ist derselbe M. Kendall, der das Vokabularium in Hieolas' mitgetheilt hat. Die Sprache ist uns nunmehr aufgeschlossen und wir berichtigen unser Urtheil. Die Mundart von Neu-Seeland hat, wie die von Tonga, Fürwörter der drei Personen im Singular und der vier Personen im Dual und Plural (wir meinen die zweifache erste Person, davon die eine die angeredete in den Sinn mit einbegreift und die andere sie ausschließt). Die Fürwörter des Duals werden aus der Wurzel derer des Plurals und der Zahl zwei gebildet. Alle erscheinen in dem Dialekte von Neu-Seeland einfacher und mehr zusammengezogen als in dem Dialekte von Tonga, wo jede Person mehrere Fürwörter verschiedenen Gebrauches hat. Diese Fürwörter, und namentlich die der zweifachen ersten Person des Plurals, müssen für den Fremden das Heimlichste der Sprache ausmachen, was er am letzten begreift und sich aneignet. Sie möchten, der malapischen Stammsprache wesentlich, in allen Mundarten des östlichen Po- 19* 292 lynesicn's vorhanden sein, und wir glauben nun in dem, was wir von der Mundart von O-Waihi gesagt, mit Unrecht das Fürwort der dritten Person, welches Lisianskoy angiebt, als uns verdächtig ausgelassen zu haben. Es ist dieses Oxers, welches mit Ixs Ma- layu, Sixs Tagalog, Is Tonga und Neu-Seeland übereinkommt. Die Partikeln, welche die Zeiten und Moden der Handlung bezeichnen, sind in den Dialekten von Tonga, Neu-Seeland und O-Waihi verschieden. Es ist nichts weniger als leicht, das Zahlensystem eines Volkes auszumitteln. Es ist dieses auf Neu-Seeland, wie auf Tonga, das Decimalsystem. Was Anfangs M. Kendall, dessen erstem Versuche in diioolss' Voxsxs wir gefolgt sind, irre geleitet haben mag, ist die Gewohnheit der Neu-Seeländer, die Dinge Paarweise zu zählen. Die Eingeborenen von Tonga zählen die Bananen und Fische ebenfalls Paar- und Zwanzigerweise (^ecorv, das englische Score), das Dreimal- und Vigestmalsystem greifen oft in einander ein (gustrevinAt, iüxvingt, guinrevinZt). Wir glauben uns in Hinsicht auf Radack nicht geirrt zu haben, aber das Zahlensystem der O-Waihicr und anderer Völkerschaften des großen Ocean's möchte einer nähern Beleuchtung bedürfen. Die in der angeführten neu-seeländischen Grammatik festgesetzte Rechtschreibung ist natürlich und empfehlenswerth: es ist zu hoffen, daß sie mit der in den o-taheitischen Büchern befolgten übereinstimme. Manila. 'Vulkan de T aal. Man wird die erwähnte Zeichnung des Kraters des Vulkan de Taal in dem Voxs^c xiitorcsgue finden, welchen Herr Ch or is mit besonderer Begünstigung S. E. des Grafen Romanzoff in Paris herausgiebt. Diese schöne und getreue Bildergallerie unserer Reise wird unsere Bemerkungen und Ansichten vielfach erläutern. Wir haben oft für überflüssig geachtet zu beschreiben, was dem Auge darzustellen der geschickte Künstler berufen war. S93 Kamtschatka, die aleutischen Inseln und die Beringsstraße- Das Polareis im Norden von Europa. Scoresbp giebt uns die bestimmtesten Nachrichten über die Beschaffenheit des grönländischen Meeres und die Grenzen des Polareises in demselben. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Strömungen, die aus dem Süden erwärmteres Wasser diesem Meerstriche zuführen, und läßt uns den Golfstrom bis an die Küsten von Spitzbergen verfolgen. Es ist unstreitig, daß man in den Strömungen die nächsten Ursachen suchen müsse, welche die örtliche Temperatur der Meers bedingen und hier namentlich die Grenzen des Eises gegen den Pol zurück drängen und die Temperatur der Tiefe über die der Oberfläche erheben. Vergleiche Leorosk^, ^.oeonnt ok tbo arctio rsAious, Vol. I. 6b. 3. IVatiev 8U> lvs 1 lv 8 llv vorsil «ln 8 r n n «l Vvv»n.^) I-ss Aronpss ä'IIss dssses äont Is Arniiä Oesuii st In irisr cis 1'lnäe sont pnrssmes eluns Is voi'siuuA-e äs I'H-esuntsur, sont 1s cou- rsnllsiuvnt äs Illsntagnes soidinnrines, äoirt In formntlon siitArtliers st llioäerne ssinbls npxnrtsnir n I'exo^us ein xlode n Inguelle nous vivonL. n> Ich habe mich redlich beflissen, die Beschaffenheit der »iedern Inseln gcognostisch zu untersuchen, und habe mich bestrebt, über das Wahrgenommene klar und bestimmt zu berichten. Man hat mir zugcschricben, was Andere gesagt hatten, und hat, den Knoten fester geschürzt, den ich zu lösen beabsichtigte. Gegenwärtiger Aufsatz, der in den XonvsIIss Lnnnlss eles Vova^os Xo. lg, 1821 und wiederholt in LIroris vnvn^s xittorssqns gestanden hat, soll meine 'Ansicht erläuternd unzweideutig stststcllcn. Ich füge nachträglich über den Gegenstand ein paar Bemerkungen zu dem Gesagten hinzu. Nach Herrn von Kotzebuc findet das Senkblei im Binnen - Meere aller Inselgruppen beständig längs des Riffes feinen Kalksand, und gegen die Mitte des Beckens zu lebendige Korallen, Die Wörter: Kreis nnd Ring (kreisförmig, Umkreis, ringförmig, Ringmauer), die sich zuerst darbictcn, wo von dem Umriß eines geschloffenen Hages gesprochen werden soll, und die auch häufig bei der Beschreibung der Korallenriffe gebraucht worden sind, möchten zu der falschen Vorstellung verleiten, diese Riffe und Inselgruppen seien in der Regel zirkclrund und stellten sich, wie die vulkanischen Krater der Erde nnd die Ringgebirge des Mondes, meist als mathematische Kreise dar. Dem ist nicht also; sie bilden unregelmäßige Figuren mit gradcn, auswärts nnd einwärts gekrümmten Seiten, aus- und einspringendcn Winkeln und sehr ungleichen Durchmessern. Ich verweise auf die Specialkarten von Herrn von Kotzebuc und anderen Reisenden. 295 Oes wontnZnes s'älnnosnt n xie än sein äs I'nNwo: ln sonäe, änns leur proxiwite, ne tronve point äs lonä; lenr oiws I'orwe äes plntennx sudwer^äs gn'nne InrZs äigus, eleves sur low' oon- tonr, son^ertit en autsnt äs bnssins, äont les plus stonäus sew- dlent etrs los plus prokonäs. l-ss woinäres ss eomLIent olltis- rewsnt st xroäuisent oLnonn uns IIs isolee, tnnäis yus Iss plus vnstes äonnent nnissnnes Ä. äes gronpes ä'IIss äispossss cironlni- rewent st sn oLnpelets snr le recil znes-nnes äe cos oonoLss äss wnssss äs wn- ärspore eonsiäernbles, äont Iss intsrvnllss sollt rswplis pnr äs woinärss äedris: wnis ees wnssss sont sonstnwwsnt brisess, ron- läes; eiiss ont ton^onrs, nvant ^ns äs inirs pnrtis äs §In rosLe, ätä nrrncLees än s!ts oä elles ont ve^äte. O'nntrss eonoLss, äont Iss äläwsnts äs wäws nnturs ont äte reänits sll un §ros snble, 296 presentest uns esxees äs Ares euleuire Zrossisr. I>u plus exuats eoiuxuruison ns lulsse uucun äouts sur l'iäentlte äs estts roebs,et äs cslls äs lg, 6uuäeloups <;ul eontient Iss untbroxolitkes. Oette inenis roebs lorins les soi-äisunts räcils äs eoruil c^ui, äuns Iss weis e^uutorlules, boräent lreczuennnsnt les buutes terres, st äs Isnr pieä ss plonAsnt et ss peräent sous les suux, suns opxossr LUX llots Iss inurgillss eseurxsss <^ul curuetsrisent les llss bussss, bu erste äs lg, äiAus opposso b l'Oeeun sst lre^usininsnt eouronnee äs brisunts, äs bloes äs plsrrs renversäs et uinoneeles, contre lssyusls ss roinpt 1'iinpetuositL äes llots. b,e äos äs lu äiZue sst, äuns pres ä'un tlsrs äs su lurAsur, bulu^ä et pour uinsi äirs xoll pur l'ellst äes vuZues <;ui / äslerlont; il okkrs vers I'in- terisur uns psnts äouee gui SS xrolonAs sous les suux trun^uilles äs lu luAune, et s'x terrnine ls plus souvent pur un escurpeinent subit; yuel^usjols cspsnäunt Iss oouclres äs lg, roelrs lorinsnt, äuns ls bussin interisur, cowws äs larZss Fi'uäins, et e'est u estts purtioulurite eius I'on äolt les lonäs ä'unerLAS <^us I'on trouvs b l'ubri äes lies uu vsnt. On rencontre yu et lu sur ls tulus äu äos äs I» cliAue csui rsAuräs ls bgssin lntärieur, äss Hnurtiers äs roebs roulss seinblubles b ceux czui, sur lg erste, arretent lu bunte iner; e'est äuns ess bloes Hus I'on rerngrcjue Iss plus Arunäes inusses eontinues äs inuärepore. lbss suux äepossnt sur ls tulus äu eöte äs lu luZune uns subls euleuire seinbluble u eelul äout ss coinpo- sent Iss eouebss äs roebs ä'un rnoinärs Arsiu, et äuns ls bussln Interieur lu sonäs rupxorts Asnerulsinent cs msins subls, b>es pol^pisrs vivunt eroisssnt, selon leur Zenrs ou leur espeoe, ou äuns ls subls rnouvsnt, ou bien uttuebäs uu roebsr; et les cu- vsrnss >;us I'on rsneontre äuns ls reell', sur Iss boräs äs lu luAune, olk'rent lu lueilits äs les observer. b'urtout ou Iss vuAues ss bri- ssnt uvee violenee, uns esxses äs nullipors äs eouleur rouZeutrs ineruste lu roebs, et e'est ü estts sinAulisrs vSAetution uniinuls «lu'sst äus lu eoulsur <^n'u Asneruleinsnt 1e reeil vu äe lu bunte insr uu temps äe lu mures kusss, Oes subles äeposes et urnonesläs sur ls tulus äu reeil, vers ls borä äe lu luAllns, lorinent ls eoniiuenosinent äes lies; lu ve- 297 getution s'/ etudlit lsntswsut. Oes lies plus uueieunss et plus rioliss ^ui, sur uus lonAllsur illästsrininäs, oooupent lu plus grunäs lar^eur äu rsoit, sont ussises sur äes eouobes äs reell« plus elsväss gus 1s äos äs lu äiZus subwerxe b lu muräe buuts. Oes ooucbss out eu Zenerul uns ineliuuison murines vers l'iutärieur äu bussiu: ls proül c^u'slles pressntsut äu eötä äs lu bunte iner sst ä'oräi- nuirs wure^us pur uns couebs inolinee SU ssus eontruire: ostts ooucbe, eoniposse äs plus §ros Augments äs inuärsxors, sst sou- vsnt rompue, et Iss bloss rsnverses sn sont äpurs yu et 1b. Oes oouebes ä'uus l^oriuutiou reoents, eomposess ä'un subls plus inenu, et sltsruunt uvee äes couolies äs sudls mobile, ssinblsnt, en s^uel- riues snäroits, rsvstir Iss rivuASs äes !lcs, et surtout Isur rivs Interieure cpie bui^nent lss euux äs lu luAune. 8ur uns buss äs roebs s'elsve äu sots äs lu bunte iner un rsinpurt äs muäreporss brisss st roules c>ui torms lu ceinturs exterisure äes !lss. l^usl- kiuss urbustes (Leusvolu lüosnigii, Oournetortiu ssriosu) croissent sur SS sol pierrsux et luouvunt; ils / torrnent UN epuis tulllis, st opposent leurs brunsbes entrelueäss et lsur epuis ieuilluAS u l'uction äu vsnt. Osrrisrs cet ubri, l'lntsrieur äss lies sn sst lu purtis lu plus basss, lu plus jsrtils, lu niieux boises; on / ren- eontrs äes l^onäs niurecuAeux et äes eitsruss nutui'sllss; lu lisisrs intsrieure uu dorä äs lu luAuns oibrs un sol sablouneux plus eleve, et e'est lu <;us l'boinnis bubits sous iss coeotisrs , hier das Platonische: nrLlL 313 in den vereinigten Staaten von Nordamerika und in England. Wie aber auf diesen Inseln? Hier vermindert sich in steigendem Ber- hältniß die Bevölkerung von Jahr zu Jahr. Bald möchte das Land gänzlich verödet sein. Woher diese Verminderung? Von dem unordentlichen Wandel der Fürsten und des Volkes. Wie möchte der gänzlichen Entvölkerung Hawaii's vorgebeugt werden? Vielleicht also! Laßt sich bald Fürsten und Volk zu Recht und Ordnung kehren. Laßt sie alle von Unzucht, Branntwein, Tabakrauchen und allem, was den Leib verdirbt, Massen. Laßt Mann und Weib in ordentlicher Ehe züchtig leben und ihrer Kinder pflegen. Befleißige sich jeder der Weisheit und des Heiles; dann werden sich die Menschen wiederum aus Hawaii vermehren und das Land vielleicht sich mit Volk bedecken." So weit die Missionare. Die Kriege der Fürsten haben aufgehört; die Krankheit von 1800 wirkt 1832—1836 nicht nachhaltig fort; die Unsitte des Kin- dermordcs hat hoffentlich unter Einwirkung des Christenthums nicht überhand genommen. Es können nur die Syphilis und der Branntwein in Betracht kommen. Beide Uebel waren auf den hawaiischen Inseln zu der Zeit, wo ich sie besuchte, nicht unbekannt, aber so verheerend war ihre Wirkung nicht. Die Missionare benutzen in ihren Elementarbncheru jede Gelegenheit sehr zweckmäßig gegen den Branntwein warnend zu eifern. Aber die Trunksucht ist, war zu meiner Zeit, kein vorherrschendes Laster der Hawaiier. Wir haben nie einen wohlanständigen Mann und nur selten Weiber sich betrinken sehen. Das volksthnmliche berauschende Mittel Polynesiens, der Awa, nur selten und mäßig genossen, wie ich ihn selbst als Gast von Kaleimoku (Bill Pitt der Engländer) getrunken habe, hat auf diesen Inseln nie die verderblichen Folgen geäußert, die auf andern Inseln die Aufmerksamkeit der älteren Reisenden auf sich gezogen haben. Der unschuldige Tabak dem Branntwein gesellt entkräftet sehr in Hinsicht auf diesen die strafenden Worte der frommen Lehrer, und wenn in der hawaiischen Zeitung vom 11. Mai 1836 bekannt gemacht wird, daß sich am 23. April ein Betrunkener verbrüht habe IV. 21 314 und in Gefahr gewesen sei, glaube ich daraus schließen zu dürfen, daß solche Fälle zu den nicht täglichen gehören. Uebrigens stimmen die Erfahrungen des I)r. von Besser (1833) mit den meiuigen vollkommen überein. Die auf Hawaii ansässigen Aerzte haben ihn versichert, daß daselbst die venerische Krankheit selten vorkomme und auf keine Weise dem abschreckenden Bilde entspräche, das die Missionare entwerfen. Man verzeihe mir diese lange Abschweifung. Die Kenntniß der hawaiischen Sprache, die ich mir erworben zu haben mich rühmen darf, müßte, um der Wissenschaft Früchte zu tragen, ich weiß es, mit der Kenntniß der Sprachen Ostasiens und Indiens gepaart, als ein entfernteres Glied der Kette, zur über- schanlichen Vergleichung der Sprachen des redenden Menschen benutzt werden. Ich bin auf diesem Felde des Wissens ein Fremder, und zu alt und gebrochen, um daran zu denken, mich noch auf demselben anzubauen. Es genügt mir zu dem Bau der Wissenschaft zugehauene Steine zugctragen zu haben, falls nur solche von den Werkmeistern tauglich befunden werden. Ich wünsche, ich begehre, das in meiner Hand nutzlose Werkzeug, mit dem ausgerüstet andere Nützlicheres wirken könnten, in bcsugterc Hände niedcrzulegen. Ich getraue mir, die mühsam errungene Kenntniß des Hawaiischen dem kundigen Sprachforscher leicht und in kurzer Zeit mittheilen zu können. Ich wünsche, ich erwarte, daß sich ein solcher Lernbegieriger an mick) wende. Der Doktor Buschmann hat mir die Hoffnung gegeben, sich im Laufe dieses Sommers die Zeit abzumüßigen meinen Unterricht anzunehmen. Ich werde zu meiner ersten Denkschrift über die hawaiische Grammatik Ergänzungen und Berichtigungen nachliefern. Verlag der Weidmannschen Buchhandlung (I. Reimer) in Berlin. Druck von W. Pormetter in Berlin. sr o Q. w