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Die Brutpflege der Thiere : Vortrag, gehalten zu Hamburg am 19. November 1890
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Einzelnen direkt von Individuum zu Individuum übertragen undso zum Gemeingut Aller werden, während sonst im Reiche derJnsektenwelt der frühzeitige Tod der Eltern eine Unterweisungder Kinder unmöglich macht. So ungefähr lauten die Er-klärungsversuche für die einzig dastehende Intelligenz der Bienenund Verwandten in der Pflege ihrer Brut. Es sind, ich wieder-hole es, dieselben Faktoren, welche den Menschen aus seinemUrzustände emporgebracht, und darum können wir sie geltenlassen, so lange nicht andere Propheten Weiseres zu sagen wissen.

Bei unserem Exkurse über die gesellig lebenden Insektenhaben wir stillschweigend auch schon solche Thiere mit ein-begriffen, welche keineswegs die Heranwachsende Brut ausschließlichmit Vegetabilien ernähren, sondern vorwiegend animalischeStoffe als Futter verwenden. Wer hätte es noch nicht be-obachtet, wenn im uadelbestreuten Tannenwalde auf eigensgebahnten Wegen die Karawanen der Ameisen herankeuchen,beladen mit den dickleibigen Raupen der Kieferneule; wie dasschiebt und zieht und hebt und wuchtet, bis alle Hindernissesiegreich genommen sind und das fette Beutestück versinkt in diegeheimnißvolle Tiefe, wo Tausende von Mäulern seiner hoffendentgegenharren I Aehnliches ließe sich von den Termiten be-richten, nur daß sie, das Tageslicht scheuend, ihre Raubzügesorglich durch gedeckte Gänge maskiren und in der Wahl ihrerBeute nicht gar so wählerisch sind, als ihre einheimischen Vettern.Sind sie doch schon zufrieden, wenn etwa der schweinslederneEinband eines Buches oder eine alte Schuhsohle als Beutestückihnen in die Hände fällt.

Die Larven der bienenartigen Thiere, die man wegen ihrerBeinlosigkeit besser als Maden bezeichnet, sind in Bezug aufihre Beißorgane höchst mäßig gestellt. Sehr begreiflich daher,daß unsere Wespen und Ameisen ihre Beute in der Regel erstgehörig mit ihren Kiefern zerkleinern, ehe sie dieselbe als Futter