Druckschrift 
Die Brutpflege der Thiere : Vortrag, gehalten zu Hamburg am 19. November 1890
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

Vollkommenheit erreicht. Pflanzenstoffe aller Art werden zufeinem Brei zerkaut, mit Speichel gemischt und so zu jenen ge-waltigen Bauten verwendet, welche in der Mannigfaltigkeit undZweckmäßigkeit ihrer Konstruktion schon allein einer eingehendenBetrachtung werth wären. Und wenn endlich die Salanganesich brüsten sollte, sie allein sei im stände, aus sich selbst heraus,ohne fremdes Baumaterial, die Brutstätte ihrer Kinder zu be-reiten, so würde man ihr das Beispiel der ünübertroffenenBiene entgegenhalten, welche aus winzigen Wachsplättchen,welche dem eigenen Leibe entquellen, ihre kunstreichen Wabenzusammenschweißt.

Die bisher erwähnten Bauten gehörten sämtlich dem festenLande an; man sollte es kaum für möglich halten, daß auchdas Wasser für eine derartige Industrie sich eignen könnte.Und doch ist dies der Fall. Ich spreche hier nicht von denauf der Oberfläche schwimmenden Schilfnestern gewisser Wasser-vögel; ich spreche von Nestern, die tief unten im Gewirr derfluchenden Wasserpflanzen oder zwischen den Steinen am Grundeoder endlich nahe der Oberfläche frei schwimmend errichtet werden.Wenige Thiere freilich nur sind es, welche bis zu diesem Gradeder Zärtlichkeit gegen die junge Brut sich verstiegen haben, denndas Wasser ist ein erhaltendes Element, seine Lebensbedingun-gm sind im allgemeinen so günstige, daß auch die hülflosestenOrganismen in ihm noch Hoffnung ans gedeihliche Entwickelunghegen dürfen; aber die wenigen, die so handeln, sind doch zuwichtig, als daß wir sie gänzlich mit Stillschweigen übergehenkönnten. Da sind in erster Reihe die Stichlinge, welche ausGras und Kraut ihr rundliches Nest am Grunde des Wassersaufbauen und jedes Gethier mit Tollkühnheit attackiren, das indem Bereiche dieses friedlichen Stilllebens sich sehen läßt. Dasind ferner die hochinteressanten Schleierschwanzfische oder Makro-poden aus China, deren Männchen aus Luftblasen ein an

(72H