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Die Brutpflege der Thiere : Vortrag, gehalten zu Hamburg am 19. November 1890
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Lehmkugel; ja auch da, wo jegliche Niststoffe zu fehlen scheinen,an den steilen Felsküsten Tonkins, weiß die Natnr noch Rath,indem sie die Salangane befähigt, einzig und allein aus demzähen, erhärtenden Schleim ihrer gewaltig entwickelten Speichel-drüsen ihre luftigen Kinderwiegen, die indischen oder eßbarenVogelnester, herzurichten.

Man sollte meinen, daß so hochentwickelte Kunsttriebe nurda sich finden könnten, wo, wie beim Vogel, auch ein gewissesMaß von Kraft, eine hochstehende Intelligenz zur Verfügungstehe. Dem ist jedoch keineswegs so. Ein Blick in das Thunund Treiben der Jnsektenwelt belehrt uns, daß die Bau-industrie dieser Liliputaner unter den Thieren in ihrer Mannig-faltigkeit und Großartigkeit noch um vieles wunderbarer ist,als diejenige der Vögel. Was zunächst das Baumaterialbetrifft, so entspricht es natürlich häufig genug dem, was wirbei jenen in Verwendung fanden. Aus zusammengetragenemMose bauen die Hummeln ihr Nest, aus zusammengenähtenBlättern z. B. gewisse tropische Ameisen. Den Reisighaufendes Adlerhorstes finden wir wieder in dem aus winzigen Zweig-bruchstücken zusammengetragenen Kegelbau unserer heimischenWaldameise; die Maurerarbeit der Schwalbe und des brasiliani-schen Töpfervogels wird übertroffen von den prächtigen Häuschen,welche die Mörtel- oder Mauerbienen, die Lehm- undTöpferwespen jede in ihrer Art aus Sand und Lehm undMörtel für ihre Brut zu errichten wissen. Aber damit ist dieFindigkeit der Insekten in Bezug auf das Baumaterial nochlange nicht erschöpft. Schon von der Drossel unter den Vögelnhätte ich erwähnen können, daß sie aus dem Mulm vermorschterBäume mit Hülfe ihres Speichels eine Art Pappmasse zufertigen weiß, mit welcher sie die innere Höhlung des Nestesauskleidet. Diese Papp- oder besser Papierfabrikation hatnun beispielsweise bei den Wespen einen hohen Grad von

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