9
weiterleben, für ihre Kinder aber das Schicksal oder den liebenHerrgott sorgen lassen. Schon manche der früher erwähntenThiere, wie die Spinnen, Schnecken und Würmer wären sehrwohl in der Lage, ihre Brut noch ein Weilchen zn bemuttern; abernur sehr wenige thun es. Mehr noch könnten wir indes dasGros unserer Fische, Frösche, Schlangen, Eidechsen und Schild-kröten der Lieblosigkeit anklagen, da sie fast alle nur bei derUnterbringung der Eier mit Sorgfalt zu Werke gehen,später aber ihre Elternpflichten in gröblicher Weise vernach-lässigen. Allein wir wollen nicht vorschnell den Stab brechen.Das gewaltige, mit Millionen von Rädern und Rädchen arbeitendeGetriebe der Natur ist viel zu gut ineinander gepaßt, als daßwir so gewissermaßen im Vorübergehen eine schadhafte Stelleentdecken könnten. Als oberstes Gesetz im Reiche des Organi-schen, welches alle anderen beherrscht, erkennen wir das derErhaltung der Art. Die Art aber erscheint, von allemanderen abgesehen, in erster Linie dadurch am besten gesichert,daß möglichst viele junge Keime produzirt und der Entwickelungentgegengeführt werden. Diese Forderung involvirt aber sonderZweifel eine Arbeitsleistung von seiten des elterlichenOrganismus, und diese Arbeitsleistung, diese Produktion vonKeimen wird umso größer sein, je weniger die dem Thiereinnewohnende Kraftmenge durch andere, das ist durch Neben-leistungen, in Anspruch genommen wird. Wäre daher unseregepriesene Mutter Erde jenes Eldorado des Friedens, in welchemjeder gewordene Keim sonder Fährlichkeit und Kampf, sonder-Pflege und Schutz sich entwickeln könnte, so wäre die Brut-pflege der Eltern eine Kraftvergeudung, ein Verrath anderheiligen Sache der Arterhaltung. Die Sorge der Eltern umihre Jungen wird daher in jedem einzelnen Falle gerade nursoweit zu gehen haben, als bis die letzteren aus eigener Kraftden Kampf ums Dasein zu bestehen vermögen. — Will man