0
seiner schwierigen Aufgabe gerecht zu werden sucht, wage ichzu hoffen, daß diese Fülle treuer Elternliebe und rückhaltslosesteAufopferung, von der ich berichten kann, auch in den Herzender Großstädter ein klein wenig Sympathie für das nur zuoft mit Geringschätzung betrachtete Gethier des Waldes er-wecken möge.
Nahrung und Schutz, das sind die beiden elementarstenForderungen, welche auch das junge, ins Leben tretende Thieran die Eltern zu stellen hat; denn es ist schwach und klein undunerfahren und würde, sich selbst überlassen, gar bald zu Grundegehen. Dennoch muß uns ein solches Eingreifen der Eltern invielen Fällen zunächst geradezu unmöglich erscheinen, wenn wirerfahren, daß bei ausgedehnten Gruppen des Thierreiches dieEltern den Keim des Todes bereits in sich tragen, wenn siezur Eiablage schreiten, daß es diesen Thierarten also niemalsvergönnt ist, die dem Ei entschlüpfende Brut auch nur vonAngesicht zu Angesicht zu schauen, geschweige denn, ihr helfendund schützend auf ihren ersten Lebenswegen zur Seite zu stehen.Unsere Schmetterlinge und Eintagsfliegen, unsere Libellen, Fliegen,Schlupfwespen und viele andere Insekten erblicken in der Regelals Waisenkinder das Licht der Welt, und es liegt der Schlußnahe, daß sie wohl nicht viel besser gestellt sein werden, alsihre Schicksalsgenossen in der menschlichen Gesellschaft. Dem istindessen nicht so. Gerade das Heer der Insekten, so lehrt dietägliche Erfahrung, hat sich, wie keine andere Thiergruppe, imHaushalte der Natur eine imponirende Machtstellung erobert,und dies allein schon beweist, daß das Gedeihen der Nach-kommen nicht durchaus an das Fortleben der Eltern gebundenist. Auch die sterbende Thiermutter kann jenen beiden Forde-rungen der Brut nach Schutz und Nahrung gerecht werden, undsie wird ihnen gerecht einmal dadurch, daß sie ihre Eier inVerhältnisse bringt, unter denen die ausschlüpfende Brut ohne
(71S,