30
gerührt, den ganzen Brei vvn einem Hunde auffressen läßt.Dadurch fesselt sie den Mann an sich. Daher sagt man voneinem Verliebten, der seiner Holden fortwährend nachfolgt:„Man hat seinen Fußlappen gekocht!" (L-IegköMK lraiieWsat.)
Unter Vorbereitungen allerlei Art für den Ehestand ver-geht die Woche. Zeitig in der Frühe des Hochzeitstages gehtder Bräutigam in Begleitung seiner Verwandtschaft und unterden Klängen der Zigeunermusik ins Haus seiner Braut, woder Hochzeitsbitter in gereimter Rede den Grund ihres Er-scheinens den Hausbewohnern mittheilt. Allmählich kommenauch die übrigen Gäste heran und werden mit Branntwein undWeißbrot bewirthet, während sich die Brautleute aus einemWasser und zwar gleichzeitig waschen und das Wasser dann aufeinen Hund gießen, „damit ihre Treue dadurch erstarke". Daertönen die Kirchenglocken, und der Hochzeitszug setzt sich unterGeschrei und Gejohle in Bewegung. Voran schreiten dieZigeunermusikanten, einen alten ungarischen Marsch spielend,dann folgt der mit bunten Bändern und Blumen geschmückteHochzeitsbitter; hinter ihm kommen die Brautleute, umgebenvon ihren Eltern und nächsten Verwandten, und dann die Gäste,welche den festlichen Zug beschließen. Bei dieser Gelegenheitkann man am besten die äußerst vortheilhafte Nationaltracht derSiebenbürger Ungarn und Szekler betrachten, die mit unbe-deutenden Abweichungen ein und dieselbe ist. Zu den Besonder-heiten eines Volkes, zu dem, was sein individuelles Leben, seineNationalität bildet, gehört unstreitig auch seine Tracht, undjede Gleichgültigkeit dagegen zeugt von einer Abnormität diesesLebens. Man braucht das nationale Selbstbewußtsein geradenicht in einem Kalpak (ungarischem Hut) ausgedrückt oder daspolitische Leben nur in klirrenden Sporen aufblühen zu sehen,aber wenn das Landvolk die alte Tracht nicht in die Rumpel-kammer wirft, so ist das keine Demonstration, die aus kindischem
G24)