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Es war der Renaissance Vorbehalten, neues Leben auchin den Schloßbau des Nordens zu bringen. Und die folgendenWorte Lübkes (Geschichte der Renaissance in Frankreich) vonden französischen Herrensitzen zur Zeit, da die bezeichnet« Lebens-erfrischung in Frankreich Eingang fand, sie deuten die gleicheStrömung im Norden:
Schon seit dem Anfänge des fünfzehnten Jahrhundertshatte man die alten Schlösser unbehaglich gefunden. Die engenHöfe, die massigen Thürme, die geringen Lichtöffnungen, derganz bloß auf Vertheidigung berechnete Charakter wurde drückendund lästig in einer lebenslustigen Zeit, deren Sinn auf heiterenGenuß gerichtet war. Ohnedies waren die Befestigungen durchdie Einführung des schweren Geschützes und durch das Ueber-gewicht der königlichen Macht unhaltbar geworden. Aber denSchein des Feudalschlosses wollte man doch aufrechthalten, datraditionelle Vorurtheile doch zu fest daran hafteten. Außerdemhatten manche Lebensgewohnheiten, die ihren Ausdruck in denSchlössern gefunden, sich so in die neue Zeit vererbt, daß mansie nicht aufgeben mochte. Daher die vielen versteckten Gängeund Treppen, die hohen Dächer mit dem Walde von Kaminen,die Dachgeschosse mit giebelschmückenden Fenstern, die selb-ständige Bedachung der einzelnen Gebäudetheile, vor allem diegewaltigen runden Thürme und endlich die Wassergräben mitWällen und Zugbrücken.
Aber alle diese Formen sollten einen neuen Sinn erhalten.Die Thürme, vordem nur zur Vertheidigung dienend, mit denspärlichen Oeffnungen, mit Zinnenkranz und Machicoulis,werden zu Wohnräumen, erhalten große Fenster zum Ans-schauen in die Landschaft. Ueberhaupt, während man frühersich nach innen zurückzog, legt man jetzt die Flucht der Wohn-räume gern nach außen, um des Blickes in die umgebendeNatur froh zu werden. Denn nicht bloß der vorbeiziehende
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