Druckschrift 
Das nordische Wohnhaus während des 16. Jahrhunderts, sonderlich in Hinblick auf das Schweizerhaus
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

In oben gedeutetem Sinne sind auch die Monatsbilderund der Thierkreis aufzufassen, Vorstellungen, die fast an jederfranzösischen Kathedrale erscheinen, die Darstellungen der Jahres-zeiten, der Planeten u. s. w., lauter Bilder, die an und fürsich zwar einen profanen Charakter haben, aber niemals ohneRapport zu den religiösen und kirchlichen Gedankenkreisen ge-geben wurden. Ein Beispiel dieser Art, eines der interessantestenund vollständigsten, geben die Glasgemälde, welche die Rosetteim südlichen Querschiff der Kathedrale von Lausanne schmücken.Es sind Werke des dreizehnten Jahrhunderts, die zusammen denganzen Zeit- und Weltkreis repräsentiren. Da sieht man umdie Allegorien der Jahreszeiten die Monatsbilder gruppirt;weiter in ähnlicher Zusammenstellung die vier Elemente, um-geben von den Zeichen des Thierkreises und den antiken Personi-fikationen der Sonne und des Mondes. Dann wieder die vierParadiesflüsse, die Winde und schließlich eine Reihe von wunder-lichen Gestalten: einen Mann, der sein Gesicht auf dem Rumpfehat, den Hundsköpfigen, den Pygmäen, den Vieräugigen, lauterHalbwesen, Unholde und Zwittergestalten, wie sie den Altenzufolge in fernen und unbekannten Welttheilen gelebt habensollen.

Der Zusammenhang dieser Erscheinungen mit den übrigenVorstellungen ist in der hier vorliegenden Gruppirung leicht zuverstehen: versinnlicht das Ganze die Wechselwirkung der Dingein Zeit und Raum, den Kreislauf des Lebens nach göttlicherOrdnung, so gilt es, durch jene absonderlichen Kreaturen zuzeigen, wie die Weisheit und Allmacht des Schöpfers auch Dasbeherrscht und regelt, was dem Menschenverstände unbegreiflich,fremd und zuwiderlaufend erscheint.

So urtheilt schon der heilige Augustinus. In seinemWerke Os civitats Osi (XVI, 8) sagt er:Denn Gott ist derSchöpfer von allem; derselbe weiß, wo und wann etwas ge-

(SS8)