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Adolf Bastian
Entstehung
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gesetzes (als dessen Organ gewöhnlich das Gewissen angesehenwurde) sich eine einheitliche Entwickelung nach unwandelbarenIdealen vollziehe, bewies die Völkerkunde nunmehr, daß dieserangeblich zweifellose Kanon sittlicher Wahrheiten eine Fülle derverschiedenartigsten, sich häufig geradezu gegenseitig ausschließendenPflichten und Verbote enthielt, und daß der einzige Werth-messer für das Erlaubte, Zulässige und Erforderliche nicht etwadas subjektive Gutdünken des Einzelnen sei (selbst nicht in derunklaren Form des Gewissens), sondern die ganze Strukturdes sozialen Organismus, bei dem diese Erscheinungen geradezu Tage treten; mit anderen Worten: statt des völlig un-brauchbaren, nur durch die größten dialektischen Kunstgriffe mitder Wirklichkeit vereinbaren absoluten Maßstabes wurde dereinzig zutreffende, schon vom Alterthum geahnte, wenn auch inErmangelung des zuständigen Materials nicht streng bewiesenerelative eingesetzt, und damit war sowohl der exakten ethno-graphischen Beobachtung, wie einer weiteren philosophischenBearbeitung der Thatsachen vollauf Genüge geschehen. DieserGedanke einer soziologischen Begründung der Ethik ist natürlichauch bei unserem Gewährsmann znm Ausdruck gelangt.DieEthik betrifft den individuellen Status in seinen Beziehungenzu dem Gesellschaftskreis, welchem angehörig der Theil sich demGanzen verhältnißwerthig zu identifiziren hat, um die für dieso bezüglichen Handlungen des Individuums gültigen Vor-schriften darzulegen und auf die komparativ-genetisch allgemeingültig erwiesenen Gesetzlichkeiten zu stufen" (Zur ethnischenEthik, Vorr. zu Indonesien, IV. Lieferung, S. 96.).Sowiein den übrigen Reichen der Natur wird auch für die psycho-logisch gestellten Probleme die komparativ-genetische Methodeder Induktion zur Anwendung zu bringen sein für einheitlicheAbrundung der Weltanschauung. Im Aufbau einer natur-wissenschaftlichen Psychologie, mit dem durch die Ethnologie

Sammlung. N. F. VI. 128. (295)