Druckschrift 
Eine deutsche Stadt im Zeitalter des Humanismus und der Renaissance
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

Wie ganz holdselig und wie mildSich da erzeigt ein Frauenbild:

Schertzlich mit Worten und dabei)

Redspreckng, wie sie auch so frei)

Ein jeden zu bescheiden wißIn Züchten doch und hoff ich dieß.

Wie Milch und Blut ihr Antlitz schönAls Röslein unter Lilien stehen,

Ja wie ein zarter Marmelstein,

Vermischt mit Purpur schön und rein.

Ihr Bäcklein zart, ihr Aeuglein klarGleicht den Karfunkeln, das ist wahru. s. w.

Augsburg war durch den Handel groß und blühend ge-worden und dankte demselben die Mittel zu seinem luxuriösenLeben. Schon Aeneas Sylvins nimmt keinen Anstand, sie diereichste Stadt der Welt zu nennen. Unter den eigenen Erzeug-nissen des Kunstfleißes standen die des Webstuhls obenan, wiedenn die Weberznnft als die erste gleich nach den Kaufleutenkam. Ueber dritthalbtausend Meister arbeiteten am Anfang des16. Jahrhunderts hier und in den nächsten Orten, und jährlichpassirten mehr denn 400 000 Stück Barchent die obrigkeitlicheSchau auf dem hierfür eigens erbauten Weberhause. Eiue alteSage läßt diese Zunft schon 955 sehr mächtig sein, Siege überdie Hunnen erfechten und als Kampfpreis einen erbeutetenSchild zum Wappen nehmen. Erweislich ist, daß die Weberschon 1368 die einflußreichste und größte Zunft bildeten. Vor-züglich durch Mitglieder dieser Zunft wurde das altaristokratischeElement überwältigt und das demokratische zur Geltung gebracht.Ob es mit den glänzenden Erzählungen vom Bereichern derFugger durch Webereien und den Handel mit Barchent seineRichtigkeit habe, lassen wir dahingestellt sein. Jedenfalls wurdendie Fugger durch den Kupferhandel in Ungarn viel höher undschneller emporgehoben, als durch die Weberei. Diese legte desHandwerks goldenen Boden, aber den großen Reichthum brachte

(Ski