Kunstfertigkeit, alles Große und Hinreißende der wiedergebornenKunst brachte Burgkmair aus Welschland mit zurück. Aber nahmer auch von den Italienern alles, was er brauchte, so behielt erdoch, unbeirrt wie wenige seiner Landsleute, die in dem ver-lockenden Süden geweilt, seine kernige deutsche Gediegenheit, wiesie war, und somit konnte er für Holbein das passendste Vor-bild sein. Unter solchen Einflüssen wuchs der Knabe heran.Ein flüchtiger Blick auf das damalige Augsburg genügt, umuns die Thatsache zu erklären, wie es möglich war, daß inner-halb seiner Mauern der größte künstlerische Genius der ger-manischen Rasse sich zu seinem Weltberufe heranbilden konnte.Es waren größere Verhältnisse, die, über spießbürgerliche Lokal-interessen hinaus, einen weiteren Gesichtskreis gestatteten. Hierwar ein Boden, wie er ihn sich nicht besser Hütte wünschenkönnen. Die Heimkehr der Augsburger von ihrem großartigenHandelszuge nach Ostindien gehörte zu den frühesten Nachrichten,die an das Ohr des Knaben schlugen. Das große Schießenvon 1509, die verschiedenen Reichstage, die der Kaiser hierabhielt, zählten zu den ersten frohen und glänzenden Eindrückenseiner Jugend. Viel von dem, was in die Geschicke des ge-samten Reiches bestimmend eingriff, hatte in Augsburg seinenSchauplatz oder wurde hier wenigstens mit erlebt. BedeutendePersönlichkeiten, heimische wie fremde, wandelten hier. Es wareine rührige Bevölkerung, thätig und geschickt in Handel undGewerbe, mannhaft, wenn es die Wahrung des eigenen undGemeinwohles, selbst mit den Waffen, galt; dabei sinnlich frischund kräftig, der Freude und dem Lebensgenuß ohne Scheu undRückhalt sich hinzugeben gewohnt. Reich und glänzend standendie Kirchen und Klöster da, und doch waren die Bürger durchKämpfe und Erfahrungen zu unabhängigeren religiösen Gesin-nungen gelangt. Ein weltlicher Geist, der sie zu Söhnen derneuen Zeit machte, war hier mehr als an anderen Orten aus-
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