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gangen werden darf, wenn man von der Renaissance des deutschenGeistes spricht. Gleich dem erstgenannten stand auch dieser aufder Höhe äußerer Würden, indem er sich viele Jahre lang ander Spitze der Stadt als einer ihrer verdienstvollsten Stadtpflegeranszeichnete. Die Zeit, in die sein Leben siel, die zweite Hälftedes 16. und der Anfang des 17. Jahrhunderts, war eine anderegeworden. Die jugendfrische humanistische Begeisterung hattesich in den ersten Kämpfen um die kirchlichen Güter abgekühlt.Es machte sich jetzt die konfessionelle Scheidewand in den per-sönlichen Beziehungen der Männer bemerkbar, die früher alseine engverbundene geistige Macht in einem Lager vereinigtwaren. Welser war es vor allem darum zu thun, die realeSeite des antiken Lebens zu erkennen und die Ausbeute dieserErkenntlich der modernen Kultur zuzuwenden. Der Beweis hierfürliegt in den Erzeugnissen seines gelehrten Fleißes, namentlichin den größeren Werken über die älteste Geschichte Bayerns undAugsburgs, deren fabelhaftes Dunkel er durch das Licht auf-zuhelleu suchte, das eine nüchterne Prüfung der Quellen ver-breitete. Seinen Bemühungen ist es zu danken, daß reichepekuniäre Beiträge aus den höheren Kreisen der Gesellschaft dieKosten zur Errichtung einer eigenen Druckerei deckten, die inden Jahren 1595—1614 eine Fülle von Erstlingsausgaben ausder alten Litteratur zu Tage förderte. Diese Ausgaben wett-eifern in den gefälligen Formen der Typen, wie durch die Güteund weiße Farbe des Papiers mit den besten holländischen unditalienischen Drucken. Selbst den Schluß seines Lebens krönteder ruhmreiche Stadtpfleger mit einem Akte wissenschaftlicherFürsorge: seine ganze Bibliothek, auch mit ihrem seltenenmusikalischen und artistischen Inhalt, ging nach seiner letztwilligenVerfügung in das Eigenthum der Stadt zu dem Zwecke höhererBildung über. Es fand sich damals noch ein regeres Interesseund eine tiefere Empfänglichkeit für die idealen Güter des Lebens.
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