sehr cruw i,a et stnäio geschrieben: Am 1. Februar 1705 war zu Herrett-hausen Sophie Charlotte, die hochbegabte, geistreiche zweite Gemahlin desKönigs Friedrich I. von Preußen gestorben. Ihre Mutter, die KurfürstinSophie, war untröstlich. Als daun drei Jahre darauf der König zu einerdritten Vermahlung schreitet mit der Prinzessin Sophie Louise von Mecklenburg,ergeht sich die Kurfürstin Sophie darüber wiederholt mit sarkastischem Spottch.Auch hiervon finden wir in den Briefen der Elisabeth Charlotte wieder dasgetreue Echo. Am maßlosesten aber, einem wirklichen persönlichen Hasseentsprungen, sind ihre Auslassungen über ihre ärgste Feindin: die Frauv. Maintcno». Hier traten sich ja auch die schärfsten Gegensätze gegenüber:die derbe, aufrichtige Elisabeth Charlotte, welche ihr Herz und ihre Meinungimmer auf den Lippen trug, und die diplomatisch feine, devote und egoistischeMaintcnon. Der Ersteren offenes, ehrliches deutsches Gemüth, ihr tiefesGefühl für Pflicht und Recht, ihr reiner Wahrheitssinn konnten sich nichtmit einer Frau befreunden, welche, als Bett- und Betschwester zugleich, dieschwache Seele Louis' XIV. mit den schimpflichsten Banden der Sinnlichkeitund zugleich der Andächtelei umstrickte, welche wie ein böser Dämon zwischendem Könige und dessen Schwägerin stand und diese um so heftiger verfolgte,je mehr Elisabeth Charlotte Beweise vom Wohlwollen des Königs erhielt,denn sie fürchtete, daß die offenherzige Herzogin dem Könige einmal dieverblendeten Augen öffnen möchte. Unsere Briefe der Elisabeth Charlottean ihre Tante sind voll von Klagen über diese furchtbare, ihr das Lebenverbitternde Frau; den ganzen, nicht gerade kleinen, Reichthum ihrer Kraft-ausdrücke schüttet sie auf dieselbe herab, ja in leidenschaftlichster Erregungläßt sie sich einmal zu der maßlosen Auslassung Hinreißen: „Welcher Henkeruns unsere alte Rompompel hier wollte wegnehmen, den sollte ich wohl füreinen ehrlichen Mann halten und gerne für ihn bitten, daß er möge geadeltwerden. . Aber meine Partei ist gefaßt, ich will künftig die Zeit nehmen,wie sie kommt, und nur für meine Gesundheit sorgen, denn obschon ich nichtjung mehr bin, so ist doch die alte Zott älter als ich, hoffe also, daß ichnoch vor meinem Ende den Spaß haben werde, den alten Teufel berstenzu sehen".
*) Vgl. die Briefe der Kursürstin Sophie an die Raugräfinnen zu Pfalz, herausgeg.von Ed. Bodemann in den „Publicativnen a. d. Kgl. Preufi. Staatsarchiven", Bd. 37.