Druckschrift 
1 (1891)
Entstehung
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Worwort.

Unter den fürstlichen Frauen des 17. und 18. Jahrhunderts ist dieanziehendste und für ei» deutsches Gemüth erhebendste Erscheinung die deutschePrinzessin Elisabeth Charlotte von der Pfalz, die Gemahlin des HerzogsPhilipp I. von Orleans und Schwägerin des Königs Louis XIV., nichtdurch politische Wirksamkeit und Bedeutung, nicht durch großes wissenschaft-liches oder künstlerisches Streben, sondern durch die Tiefe ihres Gemüths,durch ihre lautere Aufrichtigkeit und Wahrheit, ihre in der entsittlichtenfranzösischen Umgebung allezeit fleckenlos erhaltene Reinheit und unerschütter-liche Festigkeit ihres edlen deutschen Charakters und Herzens.

Elisabeth Charlotteff (von den IhrigenLiselotte" genannt) war dieam 27. Mai 1652 zu Heidelberg geborene einzige Tochter des KurfürstenKarl Ludwig von der Pfalz aus seiner Ehe mit Charlotte von Hessen-Kassel.Da diese Ehe bekanntlich eine höchst unglückliche war, der Kurfürst im Jahre1658 das Hoffräulein Louise v. Degenfeld als zweite Gemahlin sich antrauenließ, und in den ersten Jahren dasselbe Schloß beiden Gemahlinnen zurWohnung diente, war die Stellung der kleinen Liselotte daselbst eine gartraurige. Deshalb bat die Herzogin (spätere Kurfürstin) Sophie von Hannoverihren Bruder, den Kurfürsten Karl Ludwig, ihr seine damals siebenjährigeTochter zur weiteren Erziehung zu überlassen. Der Kurfürst gab seine Ein-willigung und im Juli 1659 traf Elisabeth Charlotte zu Hannover ein.Diese, ein körperlich und geistig gesundes, urkrüftig derbes Naturkind, vollFrische und Frohsinn, schloß sich alsbald mit all ihren kindlichen Gefühlenan die Tante Sophie an und es bildete sich zwischen ihnen jene innigeVerbindung, welche fast der hellste Punkt, die reinste Freude in ihrem Lebenwerden sollte.

i) Vgl. zu dem Folgenden das Ausführliche in meinem AussatzeElisabeth Charlottev. d. Pfalz, Herzogin v- Orleans" re. in v. Raumer-Maurenbrechers Histor. Taschenbuch,Jahrg. 1891.