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Lebendigkeit. Ohne sorgfältige Feile springt die schrcibselige Correspondentinvon einem Gedanken oft ohne Vermittlung auf einen andern; sehr oft wieder-holt sie sich auch. Auch „etwas Possirliches" zu erzählen, „was lachenmacht", liebt die biedere Pfülzerin, und ihre Briefe an die Tante in Hannoverzeigen öfter eine Unbefangenheit und Derbheit, welche sich kaum wiedergebcnläßt; es finden sich Stellen, die allerdings heute nicht leicht würden ge-schrieben werden. Aber Inhalt und Form ihrer Briefe sind der treue Spiegelihrer Offenherzigkeit; sie nennt ein jedes Ding bei seinem rechten Namen,da ist nichts Berechnetes, Gemachtes, der ganze ungezwungene Humor ihrerpfälzischen Natur sprudelt überall in ursprünglicher Fülle und oft auch Derb-heit hervor, und in Bezug auf letztere müssen wir auch mit Bischerh sagen:„Wer kennt nicht die köstliche Elisabeth Charlotte? Es ist die sittliche Ge-sundheit, die sich in der grundverdorbenen Anstandswelt rein bewahrt hat,was dieser Frau den Freibrief für ihre große Derbheit in die Hand legte".Dazu weiß Elisabeth Charlotte in ihre Briefe eine Fülle von Sprichwörtern^),Volksliedern und volksthümlichen Redensarten mit cinzuverweben, wodurchihre Briefe noch wirkungsvoller und anziehender werden. Vor allem aberdurchweht die Briefe eine kernig deutsche Gesinnung, eine unverholenc Freudeam Deutschthum, Anhänglichkeit an die deutsche Heimath und gn deutschesWesen.
So sind auch alle diese Briefe in deutscher Sprache geschrieben: „Ichkann nicht vertragen", schreibt sie, „Deutsche zu finden, die ihre Mutterspracheso verachten, daß sie dieselbe nicht mit andern Deutschen reden oder schreibenwollen, das ärgert mich recht". Ihre Briefe gehören auch zu den in-teressantesten und merkwürdigsten Denkmalen der deutschen Sprache für dendamaligen Zustand der deutschen Litteratnr. Sie schreibt ein gutes Deutsch,ja ihre Sprache und Diction erhebt sich oft zu größter Lebhaftigkeit uuddramatischer Kraft. Selbst Leibniz fand die Sprache ihrer Briefe „reich,eigenthümlich, an ursprünglichen Ausdrücken reicher, als die Schriftsprache",und Ranke urtheilt: „Die Briefe der Elisabeth Charlotte sind zuweilen flüchtighingewvrfen, unter ihnen sind aber auch viele, die durch den Gegenstand ge-adelt, drastisch und treffend, auch in dem Ausdruck zu den besten gehören,die in deutscher Sprache geschrieben sind".
„Mode und Cynismus" rc., Stuttg. 1879, S. 83. ') In, Register habe ich mehrals 80 derselben ausgezogen.