IV
verwahrten: an ihre Tante, die Knrfürstin Sophie von Hannover. SchonMenzel schrieb in der Vorrede zn seiner oben erwähnten Pnblication: „DieBriefe an die Knrfürstin von Hannover übertreffcn ohne Zweifel alle anderen,welche die Prinzessin schrieb, auch die vorliegenden, an historischem Interesse.Es würde ein großes Verdienst sein, sie öffentlich bekannt zu machen".Dieses Verdienst hat zum Theil Leopold v. Ranke sich erworben, welcherAuszüge aus den Briefen als Anhang zu seiner französischen Geschichteherausgegeben hat. Diese Auszüge beziehen sich aber fast nur ans diefranzösische Geschichte; die für die Geschichte der andern europäischen Höfeund für die Kulturgeschichte jener Zeit wichtigsten Stellen der Briefe sindausgelassen. Sodann entbehrt diese Ausgabe, obgleich Ranke selber in seinemVorworte sagt, daß der reiche Inhalt der Briefe eines erläuternden Kommen-tars bedürftig sei, gänzlich eines solchen. Leider ist aber auch diese Ausgabe,wie eine Vergleichung mit den Originalbriefen ergiebt, voll von einer Reiheoft sinnentstellender Lese- und Druckfehler und einer gleichfalls oft sinn-entstellenden Interpunktion.
Nachfolgend gebe ich nun ans diesen Briefen der Herzogin ElisabethCharlotte an ihre Tante, die Kurfürstin Sophie von Hannover, alle historischbemerkenswerthen und charakteristischen Stücke, genau nach den im KöniglichenStaatsarchiv und in der Königlichen öffentlichen Bibliothek zn Hannoverbefindlichen Originalen, mit einem sehr eingehenden Kommentare und einemausführlichen Register.
Die Briefe beginnen mit dem Jahre 1672 und endigen mit dem Todeder Kurfürstin Sophie im Jahre 1714.
Der Inhalt der Briefe ist von sehr vielseitigem Interesse und bieteteine Fülle des Anziehenden. Ein Blick in das angefügte Register wirdzeigen, von wie vielen wichtigen Ereignissen und wie vielen der Geschichteangehörenden Persönlichkeiten die Rede ist, und muß ich, was Einzelnes be-trifft, auf dieses und die Briefe selbst hier verweisen. Die ungeschminktenSchilderungen der Persönlichkeiten, Zustände und Begebnisse des damaligenfranzösischen Hofes, die Mittheilungcn und Urtheile über andere Höfe, vonHannover, Preußen, England, Sachsen, Rußland, Spanien rc., über die da-maligen Herrscher, über deren Feldherrn, Minister rc. sind und bleiben fürden Historiker von großem Werth. An die großen Zeitbegebenhciten reihensich aber auch die kleinen Tagesereignisse, Heimathserinnernngen rc. in rascher