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1 (1891)
Entstehung
Seite
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bald ihr das Leben vergiftete. Durch die Ränke ihrer Feinde, besondersderallmächtigen" Frau v. Maintenon, verlor sic auch bald die anfänglichihr zugethane Hnld des Königs. Aber die furchtlose deutsche Frau verstanddoch, unter den schwierigsten Verhältnissen, umgeben von Feinden und Jn-trigncn aller Art, ihre Stellung zu behaupten.

Nach so vielen bittern Erfahrungen zog sich Elisabeth Charlotte immermehr vom Hofe zurück; sie lebte als Einsiedlerin mitten in dem wilden Be-treibe sittlicher Zuchtlosigkeit des französischen Hofes, welcher sie nicht ver-stand, nicht zu würdigen wußte. Aber in dieser ihrer selbstgewühlten Ein-samkeit fühlte sie sich nicht unglücklich:Wer sein Glück", schreibt sic einmalan die Knrfürstin Sophie,nicht in sich selber finden kann, wird es un-nöthiger Weise anderswo suchen". Durch Mancherlei wußte sie sich zu be-schäftigen und zu erfreuen, und ihr heiterer Pfälzischer Humor blieb ihr getreu.Sie findet ihre Freude am Theater, an der Schönheit der Natur, an ihrenSammlungen von Münzen und Kupferstichen; auch die Lectüre französischerwie deutscher Bücher nimmt ihre Zeit in Anspruch. Ihre Hauptbeschäftigungaber bestand in ihrer Correspondenz; diese bildete ihr Glück und ihre Freude.Von ihrer französischen Umgebung nicht verstanden, durch ihre lebhafte,mittheilsame Natur gedrungen, sich auszusprechen, schüttete sie ihr Herz inBriefen an ihre Freunde und Verwandten aus. Mit nimmermüder Hand,in festen, großen und klaren Zügen hat sie tausende von Briefen geschrieben.Sie hatte für jede Correspondenz, den laufenden Posten gemäß, bestimmteTage; am fruchtbarsten war der Sonntag, da hat sie oft an 12 Briefe ge-schrieben, manche von 20 und noch mehr Qnartseiten.

Die Briefe der .Herzogin Elisabeth Charlotte sind schon in einer statt-lichen Reihe von Bünden veröffentlicht: die an ihre frühere Erzieherin, dieFrau v. Harling, und deren Gemahl, ohne Angabe des Herausgebers, imJahre 1791; ihre Briefe an die Prinzessin Karoline von Wales wurdenpubliciert von v. Praun 1795: die Briefe an ihre Halbschwestern,. die Rau-gräfinnen von der Pfalz, sind herausgegeben von Menzel 1843 und be-sonders von Holland in der Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart18671881; ihr Briefwechsel mit Leibniz ist von mir veröffentlicht in derZeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen 1884.

Ihre bedeutendsten und inhaltsreichsten Briefe aber sind die im König-lichen Staatsarchiv und in der Königlichen öffentlichen Bibliothek zu Hannover