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Aber nur vier Jahre brachte Elisabeth Charlotte bei ihrer „herzliebenTante" zu; im Sommer 1663 nahm Karl Lndwig seine Tochter nach Heidel-berg zurück. Hier genoß diese nun noch sieben glückliche Jugendjahre, welchenoch in späterer Zeit in: Vordergründe ihrer liebsten Erinnerungen standenund in ihrer französischen wüsten Umgebung, wie in ihrer Einsamkeit diePoesie ihres anfgezwungenen liebe- und freudeleeren Lebens ansmachten.Als sie dann zu einer blühenden Jungfrau herangewachsen war, fehlte esnicht an Bewerbern um ihre Hand, aber der Gedanke und Wunsch einerVermählung lag ihr längere Zeit fern. Bald jedoch sollte dieses glückliche,fröhliche Kinderherz sogar gegen eigenen Wunsch und Willen zu einer Ehegezwungen werden. Ihr Vater, der Kurfürst Karl Ludwig, wähnte, daß eineenge Verbindung mit dem damals so mächtig aufblühendcn Reiche Louis'XIV.ihm und seinem Lande große Vortheile bringen würde. Und als nun derBruder Louis' XIV., der Herzog Philipp I. von Orleans, welcher soebenseine erste Gemahlin, Henriette von England, durch plötzlichen Tod verlorenhatte, im Jahre 1671 um sie warb, gab der Kurfürst gern seine Einwilligungund Elisabeth Charlotte mußte als gehorsame Tochter sich fügen, ja ausZwang und kindlichem Gehorsam, ohne freien Willen und innere Überzeugungvorher zur katholischen Kirche übertreten^.
So kam diese unglückselige Heirath zustande, eineHeirath, welche dannso bald das furchtbarste Elend über die Pfalz verhängte. Im November1671 verließ die neunzehnjährige Prinzessin Elisabeth Charlotte Deutschland,um es nie wieder zu sehen, schied von dem reinen, sonnigen Glück ihrerJugend und trat in ein Leben voll Schmerzen und Täuschungen. Sie fandeinen Hof, eine Sitte, eine Umgebung, die ihrem urdeutschen Wesen zuwiderwaren, und die ehrbare Züchtigkeit ihres Sinnes fand sich bald verödet inder wüsten Umgebung einer schäm- und zuchtlosen Frivolität. Sie, einweibliches Wesen voll deutscher Treue und Tüchtigkeit, sah sich an einenMann gekettet, der in allen Stücken das Gegentheil war, unter allen Männerneiner der unmännlichsten, ein eitler, weibischer Geck, ein Sclave seiner Günst-linge, welcher seine Gemahlin, die ihm mit ihrer gewöhnlichen Herzlichkeitund Offenheit entgegentrat, mit zurückstoßendem Kaltsinn behandelte und gar
Vgl. Näheres hierüber bei Ed. Bodemann, „Briesw. der Herzogin Sophie vonHannover mit ihrem Bruder, dem Kurf. Karl Ludw. v. d. Pfalz, und des Letzteren mit seinerSchwägerin, der Psalzgräfin Anna" in den Public, a. d. Kgl. Pr. Staatsarchiven, Bd. 26.