178
Lieblingssitz Kaiser Karl's des Großen und der Mittelpunktjenes gewaltigen Frankenlandes, das nach dem Weltreicheder Römer die erste Rolle spielte und das sich mit seinenGrenzen von der Nordsee bis nach Mittelitalien, von demEbro bis an die Donau im Ungarlande dehnte. Von hieraus rüstete der gewaltige Franke seine Heerzüge gegen dieSachsen, Ungarn, Langobarden und Sarazenen, die ersammt und sonders seinem Scepter mit dem Schwerte unter-warf, um ihnen die Wohlthaten einer feinern Gesittungund eines geregelten Rechts zu übermachen. Und dannruhte er in der anmuthigen Hügelstadt, wo er an denwarmen Quellen einen stolzen Palast und einen in unsereZeiten ragenden Dom baute. Deshalb hat sich denn auchdie karolingische Sage vorzugsweise an diesen Ort geknüpft.Wer kennt nicht die reizenden Märchen von Eginhardt undEmma, von dem Zauberring der Fastrade, vom MeisterTancho, von Klein Roland, von Roland's Schildträger,welche von unfern Poeten gefeiert worden sind? Imaachener Dome wurden dann später die meisten deutschenKaiser gesalbt und gekrönt. »Das ist nun alles längstden Strom hinab», wie der Dichter singt. Die Stadt istzwar schön, reich, anmuthig, sie bietet von den umgebendenHöhen ein lebensvolles Bild, aber das Leben, das dortherrscht, ist das Leben der Maschinen, der Oefen und derKamine. Straßen und Plätze haben einen durchaus mo-dernen Anstrich erhalten. Man wird sogar in auffallenderWeise an Brüssel erinnert, dessen Architektur ihre Einflüssebis über die deutschen Grenzen geltend macht. Nur indem alten Dome, der einst das Gepränge der Kaiserkrö-nungen sah , und in dem Rathhause, besten Formen glück-