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Alfred Rethel : Blätter der Erinnerung
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Es bot sich bald eine passende Gelegenheit. Die Zei-tung brachte die Nachricht, daß Frau Adelaide Ristori inAachen die Medea spielen werde. Der unerhörte Ruhmdieser Künstlerin zog mich mächtig an. Im Januar 1858fuhr ich auf der Eisenbahn hinüber und hatte einen Genußin der tragischen Schauspielkunst, an den ich bis an dasEnde meines Lebens mit dem größten Entzücken denkenwerde. Zugleich aber galt mein Besuch in der Nachbar-stadt den Fresken meines Jugendfreundes, die mir seinengewaltigen Geist erst in das rechte Licht stellten. Ich mußtegestehen, daß ich ihm eine solche Kraft und Fülle nichtzugetraut hatte. Je höher meine Bewunderung wuchs,desto mächtiger grollte zugleich die Empörung in mir, daßman daran denken konnte, diese Werke zu überpinseln.Leider stellte sich jetzt wirklich heraus, daß konfessionelleMotive im Spiel waren. Die ultramontane Partei ertrugnur mit Widerwillen die Arbeiten eines protestantischenKünstlers. Ich beschloß sofort als Kämpfer für einenMann aufzutreten, der selbst nicht mehr im Stande war,sich und sein Werk zu vertheidigen. In diesem Sinne schriebich Artikel in die augsburger „Allgemeine Zeitung" und indie „Kölnische Zeitung". Der letztere (am 30. Mai 1858erschienen) möge hier der Hauptsache nach einen Platz finden,weil er, wie ich hoffe, nicht allein zum Sieg der gutenSache wesentlich bcigetragen hat, sondern auch die Eindrückeschildert, welche damals in der Kaiserstadt so mächtig aufmich einstürmten. Der Artikel lautet: „Für jeden, der diedeutsche Sage und Geschichte kennt, liegt ein eigenthüm-licher Zauber in dem Worte «Aachen». Hier war derAlfred R-q-l. 12